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Kohle weltweit auf dem Rückzug? International Energy Agency sagt bis 2022 jährliche Steigerung der Kohleproduktion um 1% voraus

Florian Freistetter betreibt das Blog „Astrodicticum Simplex“, wo er seit 2007 mehr als 6000 Beiträge über Klimawandel, Astronomie und viele andere Themen geschrieben hat. Dabei ist er fest auf der IPCC-Seite verankert. Die Klimaaktivistenplattform “Klimafakten” hat ihn nun interviewt:

KLIMAFAKTEN: Auf Ihrem Blog haben Sie im vergangenen Jahr eine Serie zu Klimawandel-Mythen veröffentlicht – in zehn Teilen nehmen Sie dort gängige Thesen aus der Szene der Klimawandelleugner auseinander. Anders als wir bei klimafakten.de tun Sie dies allerdings auf saloppe Art und Weise – und mit einem Schuss Humor. Wie kam es dazu?

FREISTETTER: Ich gehöre seit bald drei Jahren zum Ensemble der “Science-Busters”, die 2007 vom Physik-Professor Heinz Oberhummer und dem Kabarettisten Martin Puntigam gegründet wurden, um sich an einem neuen Ansatz der Wissensvermittlung zu versuchen. Viele Menschen gehen ja nur ungern in theorie-lastige Vorträge. Deshalb präsentieren wir Wissenschaft im Rahmen eines Kabarett-Programms: Da geht man gern hin und nimmt trotzdem etwas mit.

Wir hatten uns damals eine seiner Folgen angeschaut, was ziemlich peinlich endete. Es ist nichts dagegen einzuwenden, etwas spaßig über wissenschaftliche Themen zu berichten. Aber die Inhalte müssen halt stimmen. Und das war beim Thema Klimawandel einfach oft nicht gegegen. Insofern lieber weniger Klamauk und dafür mehr Fakten.

KLIMAFAKTEN: Wissen Sie denn, wer Ihre Texte liest?

FREISTETTER: Ich habe ein paar Hunderttausend Seitenaufrufe pro Monat. Ich kann natürlich nur von jenen sprechen, von denen ich direktes Feedback bekomme: Das sind viele Leute, die sich allgemein für Wissenschaft interessieren, aber keine Wissenschaftler sind. Manchmal sind es auch fachfremde Wissenschaftler. Viele meiner Leser sind auch junge Leute, die in einige Themen reinschnuppern wollen oder ältere Leute, die nach ihrem Berufsleben anfangen, sich für neue Themen zu interessieren. Deshalb versuche ich die Texte auch so zu schreiben, dass man keine Vorbildung mitbringen muss. Das heißt aber nicht, dass man keine komplizierten Dinge erklären kann – ganz im Gegenteil. Das ist gerade die Herausforderung.

KLIMAFAKTEN: Wie haben die Leser auf die Klimamythen-Serie reagiert?

FREISTETTER: Der Klimawandel ist kontroverser als andere Themen – auch weil er politische und gesellschaftliche Folgen nach sich zieht und fast jeder eine Meinung dazu hat. Es war deshalb nicht überraschend, dass im Kommentarbereich unter den Beiträgen viel mehr Leute als üblich mitdiskutierten. Das geht mir auch bei anderen umstrittenen Themen so, beispielsweise bei Gentechnik oder der Auseinandersetzung mit astrologischen Thesen. Zum Klimawandel habe ich aber auch viele positive Reaktionen bekommen. 

Freistetter hält sich überraschend bedeckt, lässt sich von den aggressiven Formulierungen von Klimafakten-Redakteurin Susanne Götze nicht aus der Reserve locken. Das ist erfreulich. Vielleicht hat er bei seinen Recherchen zum Klimawandel dann doch das eine oder andere gelernt, was sich nicht unter den IPCC-Hut bringen lässt. Ganzes Interview hier lesen.

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News4Teachers.de berichtete am 27. März 2018:

In der Arktis gab’s im Winter noch nie so wenig Eis wie in diesem Jahr: Polarforscher diskutieren Klimawandel in Rostock
[...] Der kalte Süden, der antarktischen Kontinent, sei bisher stabil, erklärte der Professor [Ulf Karsten, Biologie-Professor am Rostocker Institut für Biowissenschaften]. Anders als um den Nordpol, wo in einem Winter noch nie so wenig Eis gemessen wurde wie in diesem Jahr, gebe es am Südpol keinen Gletscherverlust. Die antarktische Halbinsel allerdings, die der Südspitze Südamerikas gegenüberliegt, zeige ähnliche Anzeichen wie die Nordpolarregion. Ob es sich dabei aber um Auswirkungen der Erderwärmung handele, werde wissenschaftlich noch kontrovers diskutiert. [...]

Was sagt das Dänische Meteorologische Institut dazu?

Abbildung 1: Arktische Meereisausdehnung laut Dänischem Meteorologischem Institut.

 

Der Anfang des Winters (2017) ist in der Abbildung hellblau, das Ende (2018) schwarz. Keine der beiden Kurven stellt einen Negativrekord dar. Falschmeldung! Vielleicht bezieht sich der Herr Professor auf die NSIDC-Daten? Die scheinen jedoch nicht sehr belastbar zu sein, da sich die Methodik der Erhebung offenbar gerade verändert hat. Den Dänen kann man hier auf jeden Fall mehr Vertrauen schenken. Die armen Leher, die hier in die Irre geführt werden.

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Friederike Meier am 22. März 2018 auf Klimaretter:

Kohle weltweit auf dem Rückzug
Schon in wenigen Jahren könnte die Zahl der Kohlekraftwerke weltweit abnehmen. Doch selbst um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, kommt diese Wende zu spät, ergibt eine Analyse von US-Umweltorganisationen.

Der Rückgang der Kohle scheint sich fortzusetzen. Wie die US-Umweltorganisationen Coalswarm, Sierra Club und Greenpeace USA in einer Untersuchung schreiben, wurden im vergangenen Jahr Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 25 Gigawatt vom Netz genommen. Die Organisationen haben einen solchen Report mit dem Titel “Boom and Bust” (Aufschwung und Krise) schon in den vergangenen Jahren herausgegeben und berichten zum wiederholten Mal vom Beginn der Kohlewende.

Weiterlesen beim Klimaretter.

Stimmt das wirklich, dass die Menschheit immer weniger Kohle benutzt? Das ist nicht schwer zu überprüfen. Wir schauen in die BP Statistical Review of World Energy:

Abbildung 2: Globale Kohleproduktion seit 1991. Quelle: BP.

 

In der Tat hat die Kohleproduktion in den letzten Jahren leicht abgenommen (Abbildung 2). Aber ist das schon eine Trendwende oder nur Ausdruck einer kurzen wirtschaftlichen Wachstumspause in China und anderswo? Die International Energy Agency IEA hat auf ihrer Webseite eine detaillierte Analyse der Entwicklung. Auszug:

Coal’s share in the global energy mix is forecast to decline from 27% in 2016 to 26% in 2022 on sluggish demand growth relative to other fuels. Growth through 2022 is concentrated in India, Southeast Asia and a few other countries in Asia. Coal demand declines in Europe, Canada, the United States and China, the largest coal consumer by far, and where we forecast a structural but slow decline with some fluctuations linked to short-term market requirements. As a result of these contrasting trends, global coal demand reaches 5 530 Mtce in 2022, which is only marginally higher than current levels, meaning that coal use all but stagnates for around a decade. Although coal-fired power generation increases by 1.2% per year in the period 2016-22, its share of the power mix falls to just below 36% by 2022, the lowest level since IEA statistics began.

Das klingt doch schon ganz anders als beim Klimaretter…

 

Die Autoren des 6. IPCC-Berichts im Schnell-Check

Daniel Wetzel am 18. Januar 2018 in der Welt:

Klimaschutz kostet uns 2.300.000.000.000 Euro
Schon das Minimalziel des Pariser Klima-Abkommens erfordert von Deutschland Zusatzausgaben in Billionen-Höhe. Das belegt eine Studie des BDI. Die CO2-Einsparung produziert in vier von fünf Fällen wirtschaftliche Verlierer.

Weiterlesen in der Welt.

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Vor 5 Jahren erschien eine globale und kontinentweise Temperaturrekonstruktion der PAGES2k-Gruppe. Kenneth Richards hat die Arbeit auf notrickszone analysiert und weist auf eine interessante Korrektur hin, die zwei Jahre später erschien. Weder Orignalversion, noch Korrektur sind übrigens im IPCC AR5-Bericht enhalten – weil sie nach Redaktionsschluss bzw. nach Veröffentlichung erschienen.

Image adapted from PAGES 2k, 2015

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Des öfteren möchte man wissen, ob ein bestimmter Forscher mit dem IPCC verbandelt ist oder nicht. Man kann dann Google fragen und den Namen sowie “IPCC” eingeben. Aber es geht auch besser. Der IPCC selber bietet nun eine Suchfunktion an. Dort kann man den jeweiligen Bericht auswählen und dann die Namen der Autoren samt Foto auflisten lassen. Das probieren wir gleich mal aus, zum Beispiel für den geplanten 6. Klimazustandsbericht (AR6) des IPCC, dessen Autoren gerade ausgewählt wurden. Einleitungs-Kapitel 1, Arbeitsgruppe 1 hier. Dort treffen wir z.B. auf Edward Hawkins, der die Basiperiode des 2-Gradziels gerne noch weiter in die Kleine Eiszeit verlegen würden, nämlich 1720-1800. Das ist natürlich quatsch, denn die Basislinie muss einem Mittelwert der vorindustriellen Zeit entsprechen, nicht einem Kaltextrem. Siehe Lüning & Vahrenholt 2017.

Mit dabei ist auch Malte Meinshausen, Greenpeace-nah und wohl nicht besonders ausgewogen in seinen Klimaansichten. Co-Autorin ist zum Glück aber auch Kim Cobb. Sie räumte im April 2014 im IPCC-nahen Fachblatt Nature Climate Change ein, dass die Klimasensitivität wohl doch insgesamt niedriger ist als gedacht. Man habe die natürliche Klimavariabilität auf der Südhalbkugel wohl unterschätzt.

In Kapitel 4 treffen wir auf einen alten Bekannten: Jochem Marotzke. Er darf am AR6 mitschreiben und wird sich als Klimaschiedsrichter vermutlich sehr positiv zur Leistungsfähigkeit seiner eigenen Klimamodelle äußern. In Kapitel 5 sehen wir Kirsten Zickfeld aus Kanada, eine ehemalige PIK-Mitarbeiterin. Sie durfte schon beim 1,5-Gradspezialbericht des IPCC mitschreiben, hat sich offenbar als politisch zuverlässig erwiesen. Überhaupt ergibt die Suche nach dem Begriff “Potsdam” bei den IPCC-Berichten gleich zwei Ergebnisseiten mit Autoren. Anders Levermann durfte beim AR4, AR5 und AR6 mitschreiben. Eine tolle Serie. Sein Kollege Stefan Rahmstorf war zuletzt beim AR4 mit dabei.

 

Der Klimawandel führt zu Konflikten: eine steile These

Lesenswerter Beitrag des SRF am 20. März 2018:

Der Klimawandel führt zu Konflikten: eine steile These
Zahlreiche Studien kochen das Konfliktpotential der Erderwärmung hoch. Sie prophezeien gewaltsame Konflikte und grosse Völkerwanderungen. Doch wissenschaftlich sind die meisten dieser Studien nicht haltbar.

Klimawandel führt zu Konflikten. Diese Schlussfolgerung ist einprägsam, aber falsch. Die Skepsis gegenüber der Klima-Konflikt-Hypothese wächst schon eine Weile. Trotzdem stricken viele Forscher noch immer fleissig weiter an dieser These – selbst in angesehenen Fachmagazinen.

In der Zeitschrift Science wagten kürzlich zwei Autoren aufgrund eines simplen Vergleichs zwischen Durchschnitts-Temperaturen in Afrika und Asylanträgen in der EU die kühne Prognose, Link öffnet in einem neuen Fenster: Die Zahl der Asylsuchenden werde sich in den kommenden Jahrzehnten vervielfachen.

Weiterlesen beim SRF.

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Ein Geographie-Professor der University of Cincinnati hat eine interaktive Klimakarte gebastelt, die er ClimateEx nennt. In einer Pressemitteilung wird ClimateEx detailliert beschrieben. Zur Karte selber geht es hier. So richtig intuitiv ist das Ganze nicht. Gibt es schlaue Leser, die hier den Durchblick haben? Bitte melden!

Um einiges benutzerfreundlicher ist diese Online-Karte des New Scientist, die für Orte der ganzen Welt die Temperaturentwicklung der letzten 150 Jahre zeigt. Irgendwann war es dem New Scientist aber zu ungeheuer, denn so konnte Jedermann ganz schnell Behauptungen aus der Presse selber überprüfen. Soviel Transparenz war dann wohl schon zu viel. Also verschwand die Karte wieder und kann heute nur noch auf der privaten Webseite des Erstellers aufgerufen werden.

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Die Potsdamer Clique hat wieder zugeschlagen. RBB am 29. März 2018:

Für das Engagement gegen den Klimawandel – Klaus Töpfer wird Ehrendoktor der Uni Potsdam
Der frühere Bundesumweltminister und ehemalige Leiter des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer (CDU), erhält die Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam.

Der Wissenschaftler und Politiker werde dafür geehrt, mit seinem “unermüdlichen Engagement und Wirken” globale Gefahren wie den Klimawandel in den Fokus der Politik gerückt zu haben, teilte die Universität am Donnerstag mit. Die heute verbreitete Einsicht, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema internationaler Kooperationen bedürfe, sei dem 79-Jährigen zu verdanken, so die Universität.

Weiterlesen beim RBB. Siehe auch Artikel in den PNN.

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Michael Krüger schrieb am 29. März 2018 im ScienceSkepticalBlog über Stefan Rahmstorf und den Jetstream.

 

Klimawandel in Nordrhein-Westfalen

Von Sebastian Lüning

Im Zuge der globalen Industrialisierung und Nutzung fossiler Brennstoffe ist die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre mittlerweile auf den höchsten Stand seit 800.000 Jahren gestiegen. Gleichzeitig hat sich die Temperatur der Erde in den letzten 150 Jahren um knapp ein Grad erhöht. Der genaue quantitative Anteil menschengemachter und natürlicher Klimafaktoren an dieser Erwärmung ist jedoch noch immer unklar und ist an die nur ungenau bekannte Klimawirkung des CO2, die sogenannte CO2-Klimasensitivität gekoppelt. Um den natürlichen Anteil am aktuellen Klimawandel besser verstehen zu können, ist eine Beschäftigung mit der vorindustriellen Klimageschichte notwendig. Erst wenn die natürliche Klimadynamik der letzten Jahrtausende korrekt aufgezeichnet und die entsprechenden Antriebe verstanden sind, kann das heutige Gesamtklimasystem bestehend aus natürlichen und anthropogenen Antrieben vollständig begreifbar und quantitativ abschätzbar werden.

Große Bedeutung kommt vor allem früheren natürlichen Wärmeepisoden zu, die sich etwa alle 1000-2000 Jahre lokal bis global ereignet haben und deren genaue Ursachen sich noch in der Erforschung befinden. In vielen Darstellungen zum Klimawandel mangelt es leider an einer solchen klimahistorischen Weitsicht. So beginnt die Betrachtung in den Klimazustandsberichten zu Nordrhein-Westfalen (NRW) erst im Jahr 1880 (LANUV, 2010, 2016). Der Herausgeber der Berichte, das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV), versäumt es in eklatanter Weise, die aktuellen klimatischen Veränderungen in einen längerfristigen Kontext einzuordnen. Dabei entspricht das Jahr 1880 dem Ende der sogenannten Kleinen Eiszeit (15.-19. Jahrhundert), einer der kältesten Episoden in der Klimageschichte der vergangenen 10.000 Jahre.

Somit bezieht das LANUV sämtliche Betrachtungen auf eine klimatische Sonderphase. Das ist ungewöhnlich, weicht es doch von der sonst üblichen wissenschaftlichen Praxis ab, die Geschehnisse mit langjährigen Durchschnittswerten, der sogenannten Basislinie (‚baseline‘) zu vergleichen (Lüning and Vahrenholt, 2017). Geeigneter wäre beispielsweise die Durchschnittstemperatur der letzten 2000 oder 10.000 Jahre gewesen, wobei mehrere natürliche Kalt-/Warmphasen einbezogen worden wären. Erst die Einordnung in den längerfristigen klimatischen Kontext ermöglicht es zu entscheiden, inwieweit die aktuellen klimatischen Änderungen den Bereich der natürlichen Schwankungsbreite bereits verlassen haben.

Im Folgenden soll daher beispielhaft die Temperaturentwicklung von Nordrhein-Westfalen (NRW) und Nachbarregionen dargelegt werden. Zudem wird der aktuelle Diskussionsstand zur Validierung von Klimamodellen und der CO2-Klimasensitivität zusammengefasst.

 

Klimaentwicklung in NRW während der letzten 100, 1000 und 10.000 Jahre

Letzte 100 Jahre

Die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur in NRW hat sich auf Basis von Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in den letzten 135 Jahren um etwa anderthalb Grad erhöht (Abb. 1).

Abb. 1: Entwicklung der Jahresdurchschnittstemperatur in Nordrhein-Westfalen während der vergangenen 135 Jahre. Quelle: DWD.

 

Letzte 1000 Jahre

Die Moderne Wärmephase ist nicht die einzige Erwärmungsperiode in der nacheiszeitlichen Klimageschichte. Bereits im Mittelalter vor 1000 Jahren ereignete sich eine Warmphase, die besonders gut aus dem nordatlantischen Raum bekannt ist, aber auch in vielen Regionen der restlichen Welt ausgeprägt war, z.B. in Afrika (Lüning et al., 2017). So wurde die Mittelalterliche Wärmeperiode (MWP) bzw. Mittelalterliche Klimaanomalie (MCA) auch aus dem NRW-Nachbarland Rheinland-Pfalz (RP) beschrieben. Moschen et al. (2011) rekonstruierten die Temperaturgeschichte anhand von Kohlenstoffisotopen in einem Torfkern aus dem Dürren Maar. Dabei fanden sie eine Erwärmung von mehr als 5°C im Übergang der Kälteperiode der Völkerwanderungszeit (500-700 n. Chr.) zur MWP (Abbildung 2). In diesem Zusammenhang traten offenbar starke Erwärmungsschübe auf, bei denen die Temperaturen auf natürliche Weise innerhalb weniger Jahrzehnte um mehrere Grad nach oben schnellten. Insofern scheint weder das heutige Temperaturniveau, noch die heutige Erwärmungsrate im Raum NRW-RP im historischen Kontext beispiellos zu sein.

 

Abb. 2: Temperaturentwicklung des Dürren Maar (Eifel) während der letzten 2000 Jahre basierend auf einer Temperaturrekonstruktion anhand von Zellulose-Kohlenstoffisotopen eines Torfkerns. Nullpunkt der Temperatur-Anomalieskala liegt etwas über dem Temperaturdurschnitt der letzten 2000 Jahre (Kleine Eiszeit fehlt). Linke Kurve: Ungeglättete Daten. Rechte Kurve: Gleitender Mittelwert über 60 Jahre. Daten digitalisiert von Moschen et al. (2011).

 

Letzte 10.000 Jahre

Erweitert man den Referenzzeitraum auf die letzten 10.000 Jahre, so wird klar, dass es eine ganze Reihe von Warm- und Kältephasen in vorindustrieller Zeit gegeben hat. In der Wissenschaft wird hier von klimatischen Millenniumszyklen gesprochen, da sich die Änderungen im Takt von 1000-2000 Jahren ereigneten. Die Zyklen sind aus allen Erdteilen beschrieben worden (Lüning and Vahrenholt, 2016) und könnten zumindest einen Teil ihres Antrieb aus der schwankenden Sonnenaktivität beziehen (Bond et al., 2001). Andere Forscher nehmen einen klimasysteminternen Puls an.

Eine derartige Millenniumszyklik wurde auch in der sauerländischen Bunkerhöhle von Fohlmeister et al. (2012) nachgewiesen. Rhythmische Änderungen in den Sauerstoffisotopen- in Tropfsteinen zeigen über die vergangenen 11.000 Jahre einen fortlaufenden natürlichen Klimawandel, bei dem das System zwischen warm/feucht und kalt/trocken schwankte (Abb. 3). Der Wechsel zwischen der Kältephase der Völkerwanderungszeit, MWP und Moderner Wärmeperiode ist in der Höhlenrekonstruktion gut erkennbar.

Abb. 3: Natürliche Klimaschwankungen im Sauerland während der vergangenen 11.000 Jahre, rekonstruiert auf Basis von Sauerstoffisotopenschwankungen (δ18O) von Tropfsteinen der Bunkerhöhle. Einheit in Promille der Sauerstoffisotope. CWP=Moderne Wärmeperiode (Current Warm Period), MWP=Mittelalterliche Wärmeperiode, DACP=Kälteperiode der Völkerwanderungszeit (Dark Ages Cold Period), RWP=Römische Wärmeperiode. Alterskala zeigt Jahre vor 1950 (Years BP, before ‚present‘=1950). Daten von Fohlmeister et al. (2012), heruntergeladen von https://www.ncdc.noaa.gov/paleo/study/20589

 

Eine besonders warme Phase stellte das sogenannte Holozäne Thermische Maximum (HTM) dar, das sich in der Zeit 8000-5500 Jahre vor heute ereignete. Kühl and Moschen (2012) rekonstruierten die Temperaturen dieser Klimaepisode für das Dürre Maar anhand von Pollen. Es zeigte sich, dass die Temperaturen in der Eifel damals um mehr als ein Grad über dem heutigen Wärmeniveau lagen (1990-2017, Abb. 1), bzw. fast zwei Grad, wenn man das kühlere Referenzintervall 1961-1990 zum Maßstab nimmt. Die Juli-Temperaturen der Eifel lagen während des HTM bei 18,0-18,5°C, wohingegen an der nächstgelegenen Wetterstation Manderscheid im DWD-Referenzintervall 1961-1990 ein Juli-Durchschnittswert von 16,3°C gemessen wurde (Kühl and Moschen, 2012).

Das Fachgebiet der Paläoklimatologie hat in den letzten 15 Jahren große Fortschritte gemacht, und es wurde in der ganzen Welt eine Vielzahl von neuen lokalen Temperaturrekonstruktionen erstellt. Die regionale und überregionale Synthese dieser Daten hinkt dabei allerdings noch etwas hinterher. So gibt es bis heute noch immer keine robuste globale Temperaturrekonstruktion für die vergangenen 10.000 Jahre, bei der sowohl Land- als auch Meerstemperasturen integriert sind. Die vielzitierte Kurve von Marcott et al. (2013) stützt sich fast ausschließlich auf Meerestemperaturen, deren Temperaturänderung jedoch aufgrund der thermischen Trägheit der Ozeane sehr viel weniger stark ausfällt als an Land. Eine globale Temperaturrekonstruktion für die letzten 2000 Jahre durch das PAGES 2k Consortium (2013) fand, dass es in der Zeit 1-600 n. Chr. offenbar bereits mehrfach mindestens genauso warm gewesen ist wie heute. Allerdings ist auch hier noch mit Änderungen zu rechnen, da die Rekonstruktion stark auf Baumringdaten setzt, die in vielen Fällen aus unveröffentlichten und nichtbegutachteten Quellen stammen. Zudem scheinen in die Mittelwerte auch andere ungeeignete Daten eingearbeitet worden zu sein (Beispiel Afrika: Lüning et al., 2017). Insofern sollte hier zunächst verstärkt auf verlässlichere lokale Temperaturserien wie die Bunkerhöhle und das Dürre Maar gesetzt werden, bis in Zukunft hoffentlich bald verbesserte globale Temperaturkurven verfügbar werden.

 

Unvollständige Validierung der Klimamodelle

Die Klimaprognosen bis zum Jahr 2100 basieren auf theoretischen Klimasimulationen. Um die Verlässlichkeit der Simulationen zu gewährleisten, müssen die entsprechenden Klimamodelle zunächst an der bekannten Klimaentwicklung geeicht werden. Die Modelle müssen in einer sogenannten Rückwärtsmodellierung (englisch: Hindcast, History Match) zeigen, dass sie die gemessene bzw. paläoklimatologisch rekonstruierte Temperaturgeschichte reproduzieren können. Während die Erwärmung der letzten 150 Jahre von den Modellen in der Regel ohne größere Probleme dargestellt werden kann, konnten die vorindustriellen Wärmephasen bisher nicht zufriedenstellend reproduziert werden. Dies räumt auch der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) unumwunden in seinem letzten Klimabericht in Bezug auf die Mittelalterliche Klimaanomalie (MCA) ein (Kapitel 5.3.5 in IPCC, 2013). Die schlechte Reproduktionsleistung der Klimamodelle für die Zeit vor der Kleinen Eiszeit wurde in zahlreichen Fachpublikationen festgestellt und bemängelt (z.B. Büntgen et al., 2017; Marcott et al., 2013; Zhang et al., 2017).

Bei näherer Betrachtung verwundert es jedoch kaum, dass die Modelle die vorindustriellen natürlichen Klimaschwankungen nicht reproduzieren können. In den Simulationen geht der Einfluss natürlicher Klimafaktoren bereits vom Ansatz her gegen Null (Abb. 4). Allenfalls wird den vorindustriellen Simulationen ein gewisses Maß an unsystematischem Rauschen zugebilligt. Angesichts der bedeutenden systematischen Temperaturschwankungen in vorindustrieller Zeit deutet vieles auf einen klassischen Ansatzfehler in den Modellierungen hin. Angesichts der mangelhaften Kalibrierung der Klimamodelle an den vorindustriellen Wärmephasen sollten Ergebnisse aus den Klimasimulationen bis zur endgültigen Klärung der enormen Diskrepanzen mit äußerster Vorsicht behandelt werden.

 

Abb. 4: Vom IPCC angenommene Bedeutung anthropogener und natürlicher Klimafaktoren, ausgedrückt als Strahlungsantrieb während der industriellen Ära (1750–2011). WMGHG=gut durchmischte Treibhausgase (well mixed greenhouse gases). Abbildung aus IPCC (2014).

 

Klimawirkung des CO2

Das Treibhausgas CO2 wirkt erwärmend. Der genaue Erwärmungsbetrag ist jedoch noch immer schlecht bekannt und wird vom IPCC seit seinem ersten Klimabericht 1990 im Bereich von 1,5-4,5°C pro CO2-Verdopplung vermutet. Dieser große mit Faktor 3 behaftetet Unsicherheitsbereich hat sich trotz großer Forschungsanstrengungen bis heute nicht verringert. Während in früheren IPCC-Berichten noch ein bester Schätzwert von 3,0°C angegeben wurde, verzichtete der IPCC in seinem letzten Bericht auf diese Angabe, da unter den beteiligten Forschern kein Konsens erzielt werden konnte. Vieles deutet mittlerweile auf einen Wert in der unteren Hälfte des Spektrums hin. Insbesondere der Bereich von 1,6-2,2°C findet viele Unterstützer in der Fachwelt (Lewis and Curry, 2015; Mauritsen and Pincus, 2017; Mauritsen and Stevens, 2015; Otto et al., 2013).

In den letzten Jahren wurde immer klarer, dass der Einfluss natürlicher Ozeanzyklen offenbar unterschätzt und die Kühlwirkung durch Aerosole überschätzt wurde (z.B. Malavelle et al., 2017; Santer et al., 2017). Angesehene Klimawissenschaftler wie Reto Knutti und Gabriele Hegerl scheinen die Öffentlichkeit bereits auf die bevorstehende Abwärts-Revision des Wertes der CO2-Klimasensitivität vorzubereiten und erklären, dass die Klimaschutzbemühungen auch bei niedrigeren Werten auf jeden Fall fortzusetzen seien (Knutti et al., 2017). Auch wenn dies prinzipiell richtig ist, sollte dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass niedrigere Werte den Bedrohungsgrad stark herabsetzen und mehr Zeit für eine nachhaltigere Planung der vorzunehmenden Maßnahmen gibt.

 

Schlussfolgerungen

–In vorindustrieller Zeit traten in NRW und anderswo bedeutende klimatische Schwankungen auf, die das moderne Temperaturniveau zum Teil sogar überschritten haben

–Dabei wurden klimatische Änderungsraten verzeichnet, die mit den heutigen Raten vergleichbar sind.

–Offizielle NRW-Berichte sparen die vorindustrielle Klimaentwicklung aus unerfindlichen Gründen aus.

–Gängige Klimamodelle können die vorindustrielle Klimageschichte nicht reproduzieren, was auf grundlegende Probleme bei der Zuordnung (Attribution) von anthropogenen und natürlichen Klimaantrieben hindeutet.

–Die Erwärmungswirkung von CO2 ist auch nach mehreren Jahrzehnten Forschung nur äußerst ungenau bekannt. Die möglichen klimatischen Folgen dieser Bandbreite reichen von „katastrophal“ bis „beherrschbar“. Vieles deutet mittlerweile auf eine schwächere Wirkung hin.

 

Empfehlungen

–Das Thema der vorindustriellen natürlichen Klimavariabilität darf kein Tabu-Thema bleiben. Auch die Klimadiskussion kann aus der Geschichte lernen, muß klimahistorische Fakten anerkennen und einbeziehen.

–Behörden, Politiker und Forscher müssen die enorme natürliche Klimavariabilität der vorindustriellen Zeit aktiv kommunizieren. Ein fortgesetztes Verschweigen setzt sie dem Vorwurf mangelnder Transparenz aus. Die Klimageschichte beginnt nicht erst am Ende der Kleinen Eiszeit um 1880.

–Geeignete Maßnahmen sollten ergriffen werden, um die CO2-Klimasensitivität und die damit verbundenen natürlichen und anthropogenen Anteile der Erwärmung der letzten 150 Jahre endlich enger einzugrenzen. Die aktuelle große Spannbreite stellt keine robuste Planungsgrundlage für weitreichende Änderungen der Industriestruktur dar.

–Es wird empfohlen, ein gezieltes paläoklimatologisches Forschungsprogramm für nur lückenhaft verstandene Regionen der Erde ins Leben zu rufen, um dringend benötigte, robuste Kalibrierungsdaten für die Klimasimulationen zu erhalten. Die entsprechenden Methoden hierzu sind bereits entwickelt, so dass das Programm zügig starten und schnell Ergebnisse liefern könnte.

–Klimaprognosen sollten nur von Klimamodellen akzeptiert werden, die sich in der Rückwärtsmodellierung mindestens der letzten 2000 Jahre bewährt haben. Zunächst muss die bekannte Temperaturentwicklung der letzten 2000 Jahre erfolgreich von den Modellen reproduziert werden, bevor sie sich an Zukunftssimuationen versuchen. Dies ist eine unverzichtbare Maßnahme zur Qualitätssicherung, die in allen anderen Bereichen der Modellierung fest etabliert ist (Hindcast, History Match). Die Klimawissenschaften dürfen hier keinen Sonderstatus für sich beanspruchen. Eine Rückwärtsmodellierung beginnend am Ende der Kleinen Eiszeit greift zu kurz, da das Intervall keine natürlichen Wärmephasen enthält.

–Politische Maßnahmen sollten angesichts der großen Unsicherheiten im Bereich der Klimasimulationen dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit folgen. Alarmismus ist hier fehl am Platz, stattdessen sollten alle gesellschaftlichen Herausforderungen gleichberechtigt behandelt werden und einer nüchternen Betrachtung von Aufwand und Nutzen genügen.

 

Literatur

Bond, G., Kromer, B., Beer, J., Muscheler, R., Evans, M. N., Showers, W., Hoffmann, S., Lotti-Bond, R., Hajdas, I., and Bonani, G., 2001, Persistent Solar Influence on North Atlantic Climate During the Holocene: Science, v. 294, p. 2130-2136.

Büntgen, U., Krusic, P. J., Verstege, A., Sangüesa-Barreda, G., Wagner, S., Camarero, J. J., Ljungqvist, F. C., Zorita, E., Oppenheimer, C., Konter, O., Tegel, W., Gärtner, H., Cherubini, P., Reinig, F., and Esper, J., 2017, New Tree-Ring Evidence from the Pyrenees Reveals Western Mediterranean Climate Variability since Medieval Times: Journal of Climate, v. 30, no. 14, p. 5295-5318.

Fohlmeister, J., Schröder-Ritzrau, A., Scholz, D., Spötl, C., Riechelmann, D. F. C., Mudelsee, M., Wackerbarth, A., Gerdes, A., Riechelmann, S., Immenhauser, A., Richter, D. K., and Mangini, A., 2012, Bunker Cave stalagmites: an archive for central European Holocene climate variability: Climate of the Past, v. 8, p. 1751-1764.

IPCC, 2013, Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, Cambridge University Press, 1535 p.:

-, 2014, Klimaänderung 2014: Synthesebericht. Beitrag der Arbeitsgruppen I, II und III zum Fünften Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC): https://www.ipcc.ch/pdf/reports-nonUN-translations/deutch/IPCC-AR5_SYR_barrierefrei.pdf, p. 1-145.

Knutti, R., Rugenstein, M. A. A., and Hegerl, G. C., 2017, Beyond equilibrium climate sensitivity: Nature Geoscience, v. 10, p. 727.

Kühl, N., and Moschen, R., 2012, A combined pollen and δ18OSphagnum record of mid-Holocene climate variability from Dürres Maar (Eifel, Germany): The Holocene, v. 22, no. 10, p. 1075-1085.

LANUV, 2010, Klima und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Daten und Hintergründe: LANUV-Fachbericht, v. 27, p. 1-58.

-, 2016, Klimawandel und Klimafolgen in Nordrhein-Westfalen Ergebnisse aus den Monitoringprogrammen 2016: LANUV-Fachbericht, v. 74, p. 1-106.

Lewis, N., and Curry, J. A., 2015, The implications for climate sensitivity of AR5 forcing and heat uptake estimates: Climate Dynamics, v. 45, no. 3-4, p. 1009-1023.

Lüning, S., Gałka, M., and Vahrenholt, F., 2017, Warming and Cooling: The Medieval Climate Anomaly in Africa and Arabia: Paleoceanography, v. 32, no. 11, p. 1219-1235.

Lüning, S., and Vahrenholt, F., 2016, Chapter 16 – The Sun’s Role in Climate A2 – Easterbrook, Don J, Evidence-Based Climate Science (Second Edition), Elsevier, p. 283-305.

Lüning, S., and Vahrenholt, F., 2017, Paleoclimatological Context and Reference Level of the 2°C and 1.5°C Paris Agreement Long-Term Temperature Limits: Frontiers in Earth Science, v. 5, no. 104.

Malavelle, F. F., Haywood, J. M., Jones, A., Gettelman, A., Clarisse, L., Bauduin, S., Allan, R. P., Karset, I. H. H., Kristjánsson, J. E., Oreopoulos, L., Cho, N., Lee, D., Bellouin, N., Boucher, O., Grosvenor, D. P., Carslaw, K. S., Dhomse, S., Mann, G. W., Schmidt, A., Coe, H., Hartley, M. E., Dalvi, M., Hill, A. A., Johnson, B. T., Johnson, C. E., Knight, J. R., O’Connor, F. M., Partridge, D. G., Stier, P., Myhre, G., Platnick, S., Stephens, G. L., Takahashi, H., and Thordarson, T., 2017, Strong constraints on aerosol–cloud interactions from volcanic eruptions: Nature, v. 546, p. 485.

Marcott, S. A., Shakun, J. D., Clark, P. U., and Mix, A. C., 2013, A Reconstruction of Regional and Global Temperature for the Past 11,300 Years: Science, v. 339, no. 6124, p. 1198-1201.

Mauritsen, T., and Pincus, R., 2017, Committed warming inferred from observations: Nature Clim. Change, v. advance online publication.

Mauritsen, T., and Stevens, B., 2015, Missing iris effect as a possible cause of muted hydrological change and high climate sensitivity in models: Nature Geosci, v. 8, no. 5, p. 346-351.

Moschen, R., Kühl, N., Peters, S., Vos, H., and Lücke, A., 2011, Temperature variability at Dürres Maar, Germany during the Migration Period and at High Medieval Times, inferred from stable carbon isotopes of Sphagnum cellulose: Clim. Past, v. 7, p. 1011-1026.

Otto, A., Otto, F. E. L., Boucher, O., Church, J., Hegerl, G., Forster, P. M., Gillett, N. P., Gregory, J., Johnson, G. C., Knutti, R., Lewis, N., Lohmann, U., Marotzke, J., Myhre, G., Shindell, D., Stevens, B., and Allen, M. R., 2013, Energy budget constraints on climate response: Nature Geosci, v. 6, no. 6, p. 415-416.

PAGES 2k Consortium, 2013, Continental-scale temperature variability during the past two millennia: Nature Geosci, v. 6, no. 5, p. 339-346.

Santer, B. D., Fyfe, J. C., Pallotta, G., Flato, G. M., Meehl, G. A., England, M. H., Hawkins, E., Mann, M. E., Painter, J. F., Bonfils, C., Cvijanovic, I., Mears, C., Wentz, F. J., Po-Chedley, S., Fu, Q., and Zou, C.-Z., 2017, Causes of differences in model and satellite tropospheric warming rates: Nature Geoscience, v. 10, p. 478.

Zhang, Y., Renssen, H., Seppä, H., and Valdes, P. J., 2017, Holocene temperature evolution in the Northern Hemisphere high latitudes – Model-data comparisons: Quaternary Science Reviews, v. 173, p. 101-113.

 

Forscher mit politischer Agenda?

Marc Morano hat ein interessantes neues Buch geschrieben, das den einen oder anderen Leser interessieren könnte: The Politically Incorrect Guide to Climate Change

WUWT berichtete über das Buch hier.

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Die globalen Temperaturen sind in den letzten anderthalb Jahrzehnten viel weniger stark angestiegen, als von den Klimamodellen einstmals prognostiziert. Alfred Brandenberger hat die Diskussion auf seiner Webseite dokumentiert.

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Interview der Basler Zeitung am 1. Februar 2018 mit dem Klimaforscher Nils-Axel Mörner:

«Diese Forscher haben eine politische Agenda»

Der Ozeanograph Nils-Axel Mörner stellt sich gegen den Weltklimarat und die Warnungen vor versinkenden Inseln.

Herr Mörner, Sie waren in letzter Zeit mehrmals auf der Inselgruppe ­Fidschi im Südpazifik, um dort Veränderungen der Küsten und des Meeresspiegels zu erforschen. Warum Fidschi?

Nils-Axel Mörner:Ich wusste, dass es im Juni 2017 in New York eine Wissenschaftskon­fe­­renz gibt, die sich mit Meeresspiegel-Veränderungen auf Fidschi befasst. Und es war bekannt, dass der Inselstaat den Vorsitz der 23. Weltklimakonferenz haben wird, die im letzten November in Bonn stattfand. Fidschi rückte also in den Fokus des Interesses. Man hörte, dass der steigende Meeresspiegel dort schon viel Schaden angerichtet habe. Ich wollte mit ­eigenen Augen überprüfen, ob das stimmt.

Was machte Sie skeptisch?
Ich habe mein ganzes Leben lang zu Veränderungen des Meeresspiegels geforscht und dazu 59 Länder bereist. Kaum ein anderer Forscher hat so viel Erfahrung auf diesem Gebiet. Der Weltklimarat (IPCC) aber hat die Fakten zu diesem Thema immer schon falsch dargestellt. Er übertreibt die Risiken eines Pegelanstiegs gewaltig. Das IPCC stützt sich insbesondere auf fragwürdige Computermodelle statt auf Feldforschung ab. Ich aber will immer wissen, was Sache ist. Darum ging ich nach Fidschi.

Weiterlesen in der Basler Zeitung

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Jan Fleischhauer am 15. März 2018 auf Spiegel Online:

Kampf gegen den Diesel: Die erfundenen Toten

[...] Ich bin ein neugieriger Mensch. Wie stellt man fest, dass 6000 Menschen in Deutschland noch leben könnten, wenn es den Dieselmotor nicht gäbe, habe ich mich gefragt. Anders als bei einer Vergiftung mit Zyankali tritt der Tod bei Stickoxiden nicht sofort ein. Wenn überhaupt, kommt er schleichend. In der Liste des statistischen Bundesamtes zu Todesursachen fehlen Stickoxid-Tote. Man findet dort nahezu jede Todesart. Es gibt “Hitzeerschöpfung durch Wasserverlust” oder umgekehrt “Ertrinken und Untergehen in der Badewanne: Zu Hause”. Aber Tod durch Dieselbegasung? Nichts. Nicht mal eine klitzekleine Fußnote.

Wie will man also erkennen, dass Menschen an den Folgen von Stickoxid verendet sind, und nicht, weil sie an einer Erbkrankheit oder Übergewicht litten? Das können selbst die Experten beim Umweltbundesamt beim besten Willen nicht sagen. Deshalb rechnen sie einfach die vermuteten Folgen auf die Bevölkerung hoch und sprechen von “vorzeitigen Todesfällen”, womit gemeint ist, dass eine bestimmte Anzahl von Menschen nicht so lange gelebt hat, wie sie theoretisch hätten leben können. Genauso gut könnte man den lebensverkürzenden Effekt beim übermäßigen Genuss von Eiern aus Legebatterien zu beziffern versuchen. Aber 6000 vorzeitige Tote klingen schön schaurig, deshalb werden sie überall zitiert.

Jedes Jahr 6000 vorzeitige Tote durch Stickoxid – damit erschreckte das Umweltbundesamt die Deutschen. Was nach Wissenschaft klingt, ist in Wahrheit eine politische Zahl einer durch und durch politisierten Behörde. [...]

Ganzen Artikel auf Spiegel Online lesen.

Siehe auch:

 

North Carolina State University: Stadtbäume können höhere Temperaturen gut verkraften – wenn sie genug Wasser haben

Am 11. März 2018 erschien in der Welt ein Interview mit Gerhard Reese, 36, Umweltpsychologe an der Universität Koblenz-Landau, in dem er das Konzept des moralischen Kontos erläutert:

Klimapsychologie: Sind wir zu dumm für den Klimawandel?

[...]

WELT: Da haben Sie aber auch Klima vernichtet, weil Sie hingeflogen sind.

Reese: Natürlich. Das ist auch Mist. Ich muss zu wissenschaftlichen Konferenzen fliegen und propagiere den Umweltschutz. Das ist tatsächlich problematisch. Wir Psychologen sprechen in dem Zusammenhang vom moralischen Konto: Wenn es gut gefüllt ist, können wir öfter mal über die Stränge schlagen.

[...]

Ein spannendes Konzept: Die “Guten” dürfen die Umwelt stärker verpesten als die vermeintlich “Bösen”, denn sie haben ein gut gefülltes ethisches Umweltkonto. Da haben sich die Aktivisten eine tolle Lösung für ihr Reiseproblem ausgedacht.

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Gefährden steigende Temperaturen unsere Stadtbäume? Diese Frage beantwortete jetzt die North Carolina State University. In einer Pressemitteilung vom 13. März 2018 (via Science Daily) erläuterten die Forscher, dass steigende Temperaturen kein Problem für die Bäume darstellen, solange sie genug Wasser bekommen:

Lack of water is key stressor for urban trees

A study out March 13 [2018] finds that urban trees can survive increased heat and insect pests fairly well — unless they are thirsty. Insufficient water not only harms trees, but allows other problems to have an outsized effect on trees in urban environments.

“We would see some vibrant urban trees covered in scale insects, but we’d also see other clearly stressed and struggling urban trees covered in scale insects,” says Emily Meineke, a postdoctoral researcher at Harvard and first author of a paper on the study. “We wanted to know what allowed some trees to deal with these pests so much more successfully.” “This is important because trees need to grow in order to perform valuable ecosystem services, such as removing pollutants from the air and storing carbon,” says Steve Frank, an associate professor of entomology at North Carolina State University and co-author of the paper.

It’s extremely difficult to design a field study that addresses these questions about the role of various environmental variables, given all of the uncontrolled factors in an urban environment. So the researchers used both field data and controlled laboratory experiments. The researchers collected detailed data on 40 urban willow oaks (Quercus phellos) over the course of two years. The data included temperature, how water-stressed the trees were, and the density of scale insects. Scale insects (Parthenolecanium species) are well-known tree pests. But the researchers also conducted laboratory experiments using willow oak saplings. In these experiments, the researchers manipulated three variables while growing the willow oaks: temperature, water and the presence of scale insects.

The researchers found that higher temperatures could actually have a positive effect on tree growth, as long as the trees had adequate water. And scale insects had little or no adverse effect on the trees if the trees were not water stressed. The researchers also found that water stress limited tree growth all by itself. But the presence of increased heat and/or scale insects, when combined with water stress, had a multiplier effect — curtailing growth far more than water stress or scale insects alone.

“This tells us that management strategies aimed at increasing tree hydration in cities may reduce the adverse effects of all three of these key stressors,” says Meineke, a former Ph.D. student in Frank’s lab. “And that is likely to become increasingly important as water availability, temperature and pest abundance are affected by further urbanization and climate change.” “For example, urban planners could design urban landscapes that retain stormwater in vegetation; invest in hydration strategies, such as appropriate soil quality and soil volume; and plant drought-tolerant tree species and genotypes in the hottest parts of their cities,” Frank says. “Moving forward, we’re very curious about the prevalence of water stress in urban trees globally — and whether this leads to similar problems regarding the impact of tree pests,” Meineke says. “If so, improved tree hydration could become a higher priority for urban forestry management.”

Paper: Emily K. Meineke, Steven D. Frank. Water availability drives urban tree growth responses to herbivory and warming. Journal of Applied Ecology, 2018 DOI: 10.1111/1365-2664.13130

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Wer hätte das gedacht: Auch Fahrradfahren hinterlässt einen CO2-Fußabdruck. Und der kann unter Umständen sogar höher sein, als wenn man dieselbe Strecke mit dem PKW fahren würde. Stimmts? Interessante Thesen auf heritage.org:

Go Green With Gasoline If You’re Going to Consume That Sandwich

Key takeaways:

Researchers at the University of Manchester offer helpful tips on Earth-friendly sandwich making. Among them: Avoid using lettuce, tomatoes, cheese, and meat.

We are told CO2 emissions from the life-cycle process of producing a sandwich is equal to that of driving a car 12 miles.

A bicyclist would need to eat 1.3 sandwiches to go 12 miles. The CO2 footprint of riding a sandwich-fueled bike would be 30 percent higher than driving a car.

Ganzen Artikel hier lesen.

 

Ein neues Forschungsinstitut am Ägerisee

Der moderne Klimawandel besteht aus zwei Komponenten: Einem natürliche Anteil und einem anthropogenen. Die Anteile der beiden Antriebsarten ist nur schlecht bekannt. Hälfte, Hälfte? Oder alles menschengemacht, kein natürlicher Anteil? Aber weshalb hat sich dann das Klima in vorindustrieller Zeit in ähnlicher Art und Weise so heftig geändert? Die vom IPCC vorgeschlagene extreme Variante, dass natürliche Faktoren in den letzten 150 Jahren kaum eine Rolle gespielt hätten, ist kaum haltbar. Dazu hätten die vormals aktiven natürlichen Klimaantriebe quasi über Nacht am 1. Januar 1850 aufhören müssen zu wirken. Es leuchtet ein, dass dies kaum Sinn macht.

Für ein schweizerisches Forschungsinstitut bilden die natürlichen Klimaaktoren das Schwerpunktthema. Nur wenn wir die vorindustriellen klimatischen Veränderungen verstehen, vermögen wir auch den natürlichen Anteil am Klimawandel der industriellen Phase ab 1850 abschätzen zu können. Die Basler Zeitung berichtete am 13. April 2018 über das Institut für Hydrographie, Geoökologie und Klimawissenschaften (IFHGK):

Klimaskepsis am Ägerisee
Ein neues Forschungsinstitut tritt der These der vom Menschen verursachten Erderwärmung entgegen.

Der Ägerisee im Kanton Zug ist eingebettet in eine liebliche Landschaft. Hier liegt der Morgarten, wo die Eidgenossen vor vielen Jahrhunderten er­folgreich Widerstand gegen die Habsburger leisteten. Um eine andere Art von Widerstand geht es bei einer For­schungseinrichtung, die seit kurzer Zeit ihren Sitz am Ägerisee hat: Das Institut für Hydrographie, Geoökologie und Klimawissenschaften will zeigen, dass CO2nicht zwingend der Haupttreiber hinter der Erderwärmung ist, und wi­dersetzt sich damit einem angeblich weiten Konsens unter Forschern.

Hans-Joachim Dammschneider em­pfängt die Basler Zeitung in seinem Büro in Oberägeri, wo das Institut seine Adresse hat. Der Naturwissenschaftler und gebürtige Deutsche leitet die Institution, die Anfang 2017 gegründet wur­de. «Im Gegensatz zu vielen anderen, die sich zum Thema Erderwärmung zu Wort melden, bin ich tatsächlich Klima­tologe», sagt Dammschneider.

Wer beim Institut mitmacht, tut das – zumindest bisher – ehrenamtlich. Denn über wesentliche finanzielle Mittel verfügt dieses noch nicht. Dank mo­derner Kommunikation ist es für die Beteiligten auch nicht nötig, sich physisch am Ägerisee aufzuhalten. Das Institut ist eine Art Netzwerk gleichge­sinnter Forscher.

Weiterlesen in der Basler Zeitung

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Falls Sie in den kommenden Tagen in London sein sollten, legen wir Ihnen einen Vortrag von Dr Philipp Lengsfeld im House of Lords am 18. April 2018 nahe. Hier die GWPF-Ankündigung:

When: Wednesday, April 18, 2018 from 6:00 PM8:00 PM
Where: Committee Room 4, House of Lords

Dr. Philipp Lengsfeld is a member of the Christian Democratic Party (CDU), and a former member of the German Bundestag. As a member of the committee for research and education he was the CDU/CSU MP responsible for the Office of Technology Assessment at the German Bundestag. As a member of the conservative Berliner Kreis he was the main author of their positioning paper on climate and energy policy. Published in May 2017, the document generated considerable media attention in Germany for its critique of Germany’s unilateral climate policies.

Dr Lengsfeld is a trained physicist who studied in Berlin and Manchester (UK). For his PhD dissertation he researched in the field of thin-film silicon for solar cell applications. Since 2002, he has worked in the area of international scientific cooperation in medical affairs, for a global, research-based pharmaceutical company in Berlin.

To register, please click the ‘Attend Event’ button below, and follow the instructions on the EventBrite Page.

Zur Anmeldung geht es hier.

 

Hamburger Forsythie muss wohl auf die schwarze Klimaleugnerliste

 Von Sebastian Lüning und Josef Kowatsch

Am 4. April 2018 war es wieder soweit. Auf der Hamburger Lombardsbrücke hat die Forsythie geblüht. Und in China ist ein Sack Reis umgefallen? Nein, die Forsythie hat eine wichtige Aufgabe inne, ihr Blühbeginn informiert nämlich über den Klimawandel. Vereinfacht ausgedrückt: Je früher sie blüht, desto wärmer das Klima. Das leuchtet ein. Die Jahreszeiten verschieben sich, lesen wir allerorten in der Zeitung. Ob der Frühling wohl bald schon im Februar beginnt?

Wie viele unserer Leser wissen, zeigt sich die Hamburger Forsythie gänzlich unkooperativ. In den letzten 30 Jahren verspätet sich nämlich ihr Blühbeginn immer weiter. Als hätte sie das Memo zur Klimakatastrophe nicht erhalten. Sie macht das glatte Gegenteil von dem, was man erwartet hätte. Auf Wikipedia zeigte man sich verwirrt und schrieb einfach, was man erwartet hatte, nicht was wirklich auftrat. Wir ertappten die Aktivisten dabei, was schön peinlich war. Mit dem 4. April blühte die Promi-Forsythie dieses Jahr besonders spät. Nur dreimal in den letzten 30 Jahren kamen die Blüten noch später (Abb. 1). Ganz offensichtlich war es ihr Anfang 2018 viel zu kalt, so dass sie ihre schmucken Blüten möglichst lange im warmen Inneren hielt.

 

Abbildung 1: Entwicklung des Blühtermins der Hamburger Forsythie seit 1988. Die y-Achse zeigt die Kalendertage seit Jahresbeginn.  Graphik: Josef Kowatsch. Foto des Strauchs oben rechts: NordNordWest, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de

 

Wieso macht die Forsythie das? Dazu schauen wir uns am besten die Temperaturentwicklung in Hamburg an. Zuerst den späten Wintermonat Februar (Abb. 2):

Abbildung 2: Entwicklung der Februartemperaturen in Hamburg. Graphik: Josef Kowatsch. Daten: DWD.

 

Gut zu erkennen: In den letzten 30 Jahren ist der Februar immer kälter geworden. Kein Februar der letzten 20 Jahre war kälter als 2018. Noch mehr als der kalte Februar beieinflussen die Märztemperaturen den Blühtermin der Forsythie an der Hamburger Lombardsbrücke. Und auch der März war in Hamburg noch kein Frühlingsmonat, an vielen Tagen zeigte er sich vor allem 1988 sehr winterlich. Mit 2,0 C im Schnitt war es der viertkälteste März in den letzten 30 Jahren. Und die letzten Märztage waren in Hamburg besonders kalt (Abb. 3).

 

Abbildung 3: Entwicklung der Märztemperaturen in Hamburg. Graphik: Josef Kowatsch. Daten: DWD.

 

Fassen wir zusammen: Die Forsythie blühte in den letzten 30 Jahren immer später. Und das tat sie nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil es im Februar und März immer kälter wurde. Das Klima wandelt sich. Aber nicht immer so, wie man es in der Zeitung liest. Wenn man nun über die letzten 30 Jahre (“Klima”) hinausgeht, so trifft man in den 1980er Jahren auf eine Phase, in der der Hamburger Forsythienstrauchschon einmal sehr spät geblüht hat (Abb. 4). Das Klima führt ganz offensichtlich eine natürliche Eigendynamik. Die Auswertung längerer Zeitreihen ist erforderlich, um die natürlichen Muster zu erkennen. Erst dann kann man sich überlegen, ob vielleicht auch der Mensch ein bisschen zur Entwicklung beigesteuert hat.

 

Abbildung 4: Seit 1971 ist der Blühtermin der Forsythie in Hamburg ausgeglichen. Er liegt etwa bei 80 Tagen nach Neujahr. Foto des Strauchs oben rechts: NordNordWest, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de

 

Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst stellte am 28. März 2018 eine weitere interessante Methodik zur klimatischen Blühkunde vor:

Wie weit fortgeschritten ist die Vegetation?

Der Februar und der März waren deutlich zu kalt. Die unterkühlten Temperaturen hatten nachhaltigen Einfluss auf die Vegetationsentwicklung. Doch wie weit ist die Natur in diesem Jahr zurück?

Um die Frage zu klären, inwieweit die Kältephasen im Februar und Mitte März die Vegetation zurück gehalten haben widmen wir uns zunächst einmal einem Teilbereich der Meteorologie: der Phänologie. Die Phänologie beschäftigt sich mit den jedes Jahr vom Wetter abhängigen wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungszuständen von Pflanzen. Diese Entwicklungsphasen werden von zahlreichen ehrenamtlichen Beobachtern erfasst und in einem phänologischen Kalender notiert. Dafür werden bestimmte Zeigerpflanzen herangezogen. Zum Beispiel ist die Forsythienblüte charakteristisch für den Beginn des Erstfrühlings. Weil in diesem Jahr bisher nur an 10 % der phänologischen Messstationen eine Forsythienblüte beobachtet wurde, lässt sich dadurch zurzeit nur schwer eine Aussage treffen.

Da der Vegetationszustand allerdings maßgeblich von der Temperatur abhängt, soll hier ein anderer Ansatz gewählt werden: Die sogenannte “Grünlandtemperatursumme” ist eine spezielle Wärmesumme, die zu Hilfe genommen wird, um den nachhaltigen Vegetationsbeginn zu bestimmen. Zur Berechnung der Grünlandtemperatursumme werden alle positiven Tagesmitteltemperaturen seit Jahresbeginn aufsummiert. Diese werden allerdings nach Monaten gewichtet. Das heißt, im Januar wird das Tagesmittel mit dem Faktor 0,5 multipliziert, im Februar mit 0,75. Ab März geht dann der volle Wert ein. Erreicht die Grünlandtemperatursumme die magische Grenze von über 200 Grad, ist der nachhaltige Vegetationsbeginn erreicht.

Weiterlesen beim DWD.

Passend zum Thema auch ein Paper einer Forschergruppe um Eli Melaas in den Geophysical Research Letters am 23. März 2018. Anhand von Satellitenbilder-Serien bestimmten die Wissenschaftler das Erstauftreten von Blättern als Frühlingsanzeichen. An der US-Ostküste kamen die Blätter immer früher, in den nördlichen Kaltgebieten waren die Trends gemischt, je nach Region.

Multidecadal Changes and Interannual Variation in Springtime Phenology of North American Temperate and Boreal Deciduous Forests
The timing of leaf emergence is an important diagnostic of climate change impacts on ecosystems. Here we present the first continental‐scale analysis of multidecadal changes in the timing of spring onset across North American temperate and boreal forests based on Landsat imagery. Our results show that leaf emergence in Eastern Temperate Forests has consistently trended earlier, with a median change of about 1 week over the 30 year study period. Changes in leaf emergence dates in boreal forests were more heterogeneous, with some sites showing trends toward later dates. Interannual variability in leaf emergence dates was strongly sensitive to springtime accumulated growing degree days across all sites, and geographic patterns of changes in onset dates were highly correlated with changes in regional springtime temperatures. These results provide a refined characterization of recent changes in springtime forest phenology and improve understanding regarding the sensitivity of North American forests to climate change.

 

Feldzug des Rockefeller Family Fund gegen ExxonMobil: Ganz sicher kein Interessenskonflikt?

Eine Klimaklagewelle schwappt über den Globus. Unter anderem werfen Aktivisten der Firma ExxonMobil vor, über die Gefahren des Klimawandels getäuscht zu haben. Wenn es um Klimaaktivismus geht, ist Naomi Oreskes stets ganz vorne mit dabei. Mit religiösem Eifer versucht sie für die Alarmseite zu punkten. So publizierte sie im August 2017 zusammen mit Geoffrey Supran eine Attacke gegen ExxonMobil, und zwar nicht einfach in irgendeinem Blog, sondern getarnt als akademischer Artikel im Fachblatt Environmental Research Letters:

Assessing ExxonMobil’s climate change communications (1977–2014)
This paper assesses whether ExxonMobil Corporation has in the past misled the general public about climate change. We present an empirical document-by-document textual content analysis and comparison of 187 climate change communications from ExxonMobil, including peer-reviewed and non-peer-reviewed publications, internal company documents, and paid, editorial-style advertisements (‘advertorials’) in The New York Times. We examine whether these communications sent consistent messages about the state of climate science and its implications—specifically, we compare their positions on climate change as real, human-caused, serious, and solvable. In all four cases, we find that as documents become more publicly accessible, they increasingly communicate doubt. This discrepancy is most pronounced between advertorials and all other documents. For example, accounting for expressions of reasonable doubt, 83% of peer-reviewed papers and 80% of internal documents acknowledge that climate change is real and human-caused, yet only 12% of advertorials do so, with 81% instead expressing doubt. We conclude that ExxonMobil contributed to advancing climate science—by way of its scientists’ academic publications—but promoted doubt about it in advertorials. Given this discrepancy, we conclude that ExxonMobil misled the public. Our content analysis also examines ExxonMobil’s discussion of the risks of stranded fossil fuel assets. We find the topic discussed and sometimes quantified in 24 documents of various types, but absent from advertorials. Finally, based on the available documents, we outline ExxonMobil’s strategic approach to climate change research and communication, which helps to contextualize our findings.

Der Artikel erschien im Open Access-Format, kann also kostenfrei als pdf heruntergeladen werden. Die Publikationsgebühr muss also irgendjemand bezahlt haben. Wir schauen dazu in die Acknowledgements:

This research was supported by Harvard University Faculty Development Funds and by the Rockefeller Family Fund. The authors have no other relevant financial ties and declare no conflicts of interest.

Ein Teil des Geldes für Studie und/oder Publikationsgebühr stammt vom Rockefeller Family Fund. Die Rockefellers sind ursprünglich durch Öl zu Milliardären geworden. Die Nachkommen haben eine 180-Gradwende hingelegt und kämpfen nun als Aktivisten gegen die fossilen Energieträger. Psychologisch ein interessanter Fall. Die Autoren erklären zudem, sie hätten keine Interessenskonflikte. Nun ja, das ist schwer zu glauben, hat sich Oreskes doch voll und ganz der grünen Aktivistenlinie verschrieben.

Wäre das Paper in einem Journal der Nature-Gruppe erschienen, wäre diese Erklärung sicher angefochten worden. Die Nature Fachpublikationsgruppe hat nämlich die ethischen Daumenschrauben etwas fester angezogen. Autoren von Fachartikeln müssen nun noch genauer ihre persönlichen Verflechungen angeben:

Nature journals tighten rules on non-financial conflicts

Authors will be asked to declare any interests that might cloud objectivity.

What makes a conflict of interest in science? Definitions differ, but broadly agree on one thing: an influence that can cloud a researcher’s objectivity. For some people, that influence can be money. But there are other influences that can interfere, such as institutional loyalty, personal beliefs and ambition.

Nature and the other Nature Research journals (including the Nature research and reviews journals, Nature Communications, Scientific Reports, Scientific Data, the Nature Partner Journals and the Communications journals) are taking into account some of these non-financial sources of possible tension and conflict. From February, authors of research articles, reviews, commentaries and research analyses will be asked (and expected) to disclose them (see go.nature.com/2ddg12z).

Weiterlesen auf nature.com.

Was gehört alles dazu? Nature erläutert dies auf einer gesonderten Webseite explizit:

For the purposes of this policy, competing interests are defined as financial and non-financial interests that could directly undermine, or be perceived to undermine the objectivity, integrity and value of a publication, through a potential influence on the judgements and actions of authors with regard to objective data presentation, analysis and interpretation.

[...] Non-financial competing interests:

Non-financial competing interests can take different forms, including personal or professional relations with organizations and individuals. We would encourage authors and referees to declare any unpaid roles or relationships that might have a bearing on the publication process. Examples of non-financial competing interests include (but are not limited to):

  • Unpaid membership in a government or non-governmental organization
  • Unpaid membership in an advocacy or lobbying organization
  • Unpaid advisory position in a commercial organization
  • Writing or consulting for an educational company
  • Acting as an expert witness

Unter dem Hintergrund von Oreskes langjähriger Aktivistenrolle muss man schon etwas schmunzeln, dass sie eigene Interessenskonflikte ausschließt. Natürlich ist auch ExxonMobil diese Diskrepanz nicht verborgen geblieben. Im Jahr 2017 schrieb die Firma an die New York Times, nachdem dort ein Beitrag von Supran und Oreskes erschienen war:

To the editor:

In an opinion piece describing a biased and inaccurate study on ExxonMobil’s history of climate research (“What ExxonMobil Didn’t Say About Climate Change,” August 23, 2017), Naomi Oreskes and Geoffrey Supran allege that ExxonMobil executives conspired to mislead the public. The authors know a thing or two about misleading readers – both about the nature of our communications and by failing to disclose their own conflicts of interest. Ms. Oreskes has helped orchestrate a concerted, five-year effort by a group of activists to attack the company’s reputation, and Mr. Supran has a long involvement in the anti-fossil fuel movement. Don’t take our word for it. The New York Times exposed the anti-Exxon effort in several articles last year that outlined agenda items for this group’s meetings, including “establish[ing] in public’s mind that Exxon is a corrupt institution that has pushed humanity (and all creation) toward climate chaos and grave harm,” and discussing ways “to delegitimize [ExxonMobil] as a political actor.”

The study – and the campaign against our company – has been paid for by the Rockefeller Family Fund, whose president, David Kaiser, acknowledged in an NPR interview that he wants the company to pay billions in reparations. Let me be clear. Our statements about the risk of climate change have always been consistent with our understanding of climate science. Period. In their study, Ms. Oreskes and Mr. Supran actually acknowledge that earlier allegations that ExxonMobil hid its climate science research were wrong. So they’ve now shifted to a new thesis by admitting that our research was accurate and even contributed to climate science, but erroneously alleging other statements were misleading.

I’ll leave it to your readers to figure out the twisted logic of an allegation that we misled on climate change while advancing climate science at the same time. Perhaps Ms. Oreskes and Mr. Supran don’t believe your readers are sophisticated enough to pick up on that contradiction. After all, their own study argued our scientific data are “highly technical, intellectually inaccessible for laypersons, and of little interest to the general public or policymakers.” Meanwhile, ExxonMobil will continue to focus our efforts on providing the energy the world needs, while simultaneously addressing the risk of climate change by reducing our emissions, helping consumers reduce theirs, and advancing research to find new low-emissions technologies for the future.

Sincerely,
Suzanne M. McCarron
Exxon Mobil Corporation

Im März 2018 veröffentlichte ExxonMobil zudem eine detaillierte Analyse des Aktivistenpapers. Kimberly Neuendorf schlussfolgert darin (pdf hier):

Conclusions
The above analysis documents the numerous fundamental and fatal flaws in the study’s content analysis. In short, the content analysis is unreliable, invalid, biased, not generalizable, and not replicable. Accordingly, S&O provide no scientific support for either a discrepancy among ExxonMobil’s climate change communications, or a claim that ExxonMobil misled the public.

 

University of California: Aufziehendes solares Minimum bringt globalen Kühleffekt von einigen Zehntelgraden

Pressemitteilung der University of California in Sand Diego vom 5. Februar 2018:

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Reduced Energy from the Sun Might Occur by Mid-Century. Now Scientists Know by How Much.

UC San Diego scientists review satellite observations of nearby Sun-like stars to estimate the strength of the next “grand minimum” period of diminished UV radiation

The Sun might emit less radiation by mid-century, giving planet Earth a chance to warm a bit more slowly but not halt the trend of human-induced climate change. The cooldown would be the result of what scientists call a grand minimum, a periodic event during which the Sun’s magnetism diminishes, sunspots form infrequently, and less ultraviolet radiation makes it to the surface of the planet. Scientists believe that the event is triggered at irregular intervals by random fluctuations related to the Sun’s magnetic field. Scientists have used reconstructions based on geological and historical data to attribute a cold period in Europe in the mid-17th Century to such an event, named the “Maunder Minimum.” Temperatures were low enough to freeze the Thames River on a regular basis and freeze the Baltic Sea to such an extent that a Swedish army was able to invade Denmark in 1658 on foot by marching across the sea ice.

A team of scientists led by research physicist Dan Lubin at Scripps Institution of Oceanography at the University of California San Diego has created for the first time an estimate of how much dimmer the Sun should be when the next minimum takes place. There is a well-known 11-year cycle in which the Sun’s ultraviolet radiation peaks and declines as a result of sunspot activity. During a grand minimum, Lubin estimates that ultraviolet radiation diminishes an additional seven percent beyond the lowest point of that cycle. His team’s study, “Ultraviolet Flux Decrease Under a Grand Minimum from IUE Short-wavelength Observation of Solar Analogs,” appears in the publication Astrophysical Journal Letters and was funded by the state of California.

“Now we have a benchmark from which we can perform better climate model simulations,” Lubin said. “We can therefore have a better idea of how changes in solar UV radiation affect climate change.” Lubin and colleagues David Tytler and Carl Melis of UC San Diego’s Center for Astrophysics and Space Sciences arrived at their estimate of a grand minimum’s intensity by reviewing nearly 20 years of data gathered by the International Ultraviolet Explorer satellite mission. They compared radiation from stars that are analogous to the Sun and identified those that were experiencing minima.

The reduced energy from the Sun sets into motion a sequence of events on Earth beginning with a thinning of the stratospheric ozone layer. That thinning in turn changes the temperature structure of the stratosphere, which then changes the dynamics of the lower atmosphere, especially wind and weather patterns. The cooling is not uniform. While areas of Europe chilled during the Maunder Minimum, other areas such as Alaska and southern Greenland warmed correspondingly. Lubin and other scientists predict a significant probability of a near-future grand minimum because the downward sunspot pattern in recent solar cycles resembles the run-ups to past grand minimum events.

Despite how much the Maunder Minimum might have affected Earth the last time, Lubin said that an upcoming event would not stop the current trend of planetary warming but might slow it somewhat. The cooling effect of a grand minimum is only a fraction of the warming effect caused by the increasing concentration of carbon dioxide in the atmosphere. After hundreds of thousands of years of CO2 levels never exceeding 300 parts per million in air, the concentration of the greenhouse gas is now over 400 parts per million, continuing a rise that began with the Industrial Revolution. Other researchers have used computer models to estimate what an event similar to a Maunder Minimum, if it were to occur in coming decades, might mean for our current climate, which is now rapidly warming.

One such study looked at the climate consequences of a future Maunder Minimum-type grand solar minimum, assuming a total solar irradiance reduced by 0.25 percent over a 50-year period from 2020 to 2070. The study found that after the initial decrease of solar radiation in 2020, globally averaged surface air temperature cooled by up to several tenths of a degree Celsius. By the end of the simulated grand solar minimum, however, the warming in the model with the simulated Maunder Minimum had nearly caught up to the reference simulation. Thus, a main conclusion of the study is that “a future grand solar minimum could slow down but not stop global warming.”

 

Anzahl von klimabedingten Todesfällen nimmt weltweit weiter ab

Marcel Crok ist ein niederländischer Journalist mit vielfältigen Interessen. Neben ernährungstechnischen Themen interessiert er sich sehr für das Thema Klimawandel und hat sich hier so tief in die Materie eingerabeitet wie wohl kaum ein anderer Journalist. Wer der holländischen Sprache mächtig ist, kennt vielleicht sein Buch De Staat van het Klimat. Im Anschluss daran schaffte Crok die Webplattform Climate Dialogue, auf der Vertreter der beiden Seiten der Klimadebatte ihre Standpunkte austauschten.

Kürzlich brachte die viel gelesene niederländische Zeitung de Volkskrant einen fünfseitigen Beitrag über Marcel Crok. Eine englische Übersetzung des spannenden Artikel gibt es auf WUWT:

No, to be invited to address the party congress of a new political party was the last thing, Marcel Crok, climate journalist and long standing and vocal critic of the established order in climate science, had expected: and that (right-wing) party not even of his primary political preference. In fact, you would sooner classify this tie-less, car-less, plain-dressed family man as having greenish, leftist, or pro-animal leanings. But in those circles he is far from welcome, as a climate sceptic with his cross-grained message; but to the right-wing party-leader Thierry Baudet he was. In fact, “I had been so as long ago as in 2011, and before anybody had heard of him,” as Crok recalls. “At the University of Amsterdam Thierry had a small reading club where he invited authors to hold forth on the book they had written. I myself was invited too, and sat there of an evening discussing climate with twenty youngsters; and we have kept in touch.”

In the mean time, in climate matters Crok has developed into a kind of ideologue of this political party “Forum for Democracy.”

At one time, when Baudet had been frightening the man in the street to death by a tweet positing that CO2 is good for the growth of plants, climate is warming slower than expected, and weather extremes still leave us waiting, he sent Crok an app: “that’s how it is, isn’t it Marcel?”

Grist to the mill for Crok, chemical scientist, number crunchier, and author of reports like “A Sensitive Matter, How the IPCC hid the good news about climate warming”, or recently “Why the KNMI climate scenario’s will not materialize.” He is trying to organize a “counter narrative”, as they call it: to show another side to the opinions dominant among scientists, politicians and in the media, who are saying that climate is changing dangerously fast, and so we must get cracking, immediately, quickly, and that now!

Crok begs to differ. They are trying to pull us a lot of “green” wool over the eyes, he thinks. “An illusion is being created that there is a climate problem which can be fixed quite easily. And in the meantime a small, but very noisy group of activists is beginning to determine the whole of governmental policy in this matter. Also the application is entirely ideologically coloured: it has to be done through wind and the sun — a CO2-poor option, like nuclear energy is not even on the table. It makes me very cross. This is happening downright undemocratically.”

Weiterlesen auf WUWT.

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Björn Lomborg verlässt sich am liebsten auf harte Daten. Anstatt sich auf Aussagen Dritter zu verlassen, schaut er in den offiziellen Statistiken nach. Dabei fand er jetzt, dass die Anzahl von klimabedingten Todesfällen weltweiter immer mehr abnimmt. Das passt natürlich so gar nicht zum öffentlichen Zerrbild, einer immer dramatischeren Klimagefahr. WUWT zeigt Lomborgs Graphik (hier klicken).

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Das Gerücht, dass ein großer Teil der in Deutschland und Europa Asyl-beantragenden Menschen Klimaflüchtlinge sein könnten, hält sich hartnäckig. Mittlerweile sind es die Experten aus dem Bereich der Konfliktforschung aber leid, für klimaaktivistische Zwecke instrumentalisiert zu werden. Ein Editorial in Nature vom 13. Februar 2018 verdeutlicht dies:

Don’t jump to conclusions about climate change and civil conflict
Many studies that link global warming to civil unrest are biased and exacerbate stigma about the developing world. [...] Results so far are largely ambiguous and have been frequently questioned by political scientists, economists, social scientists and climate experts, on various grounds. This week, a systematic review of the literature highlights one problem: efforts to find links between climate and social conflict are hampered by a severe sampling bias, including a statistically and politically dubious focus on mainly African countries formerly under British colonial rule. [...]

Ganzes Editorial auf nature.com lesen.

 

Noch Kunst oder schon strafbar? Theaterstück “Tötet die Klimaleugner”

Den Klimaalarmisten gehen die wissenschaftlichen Argumente aus. Nur so ist zu verstehen, weshalb Sie sich nun in geistigen Tiefschlägen üben. In Australien entstand jetzt ein Theaterstück mit dem Titel: ‘Tötet die Klimaleugner’. Ist das noch Kunst oder schon strafbar? Auf der Webseite des Griffin Theatre in Sydney lesen wir zum Inhalt:

What would it actually take to stop climate change dead in its tracks? Guns? Revolution? A pumping soundtrack?

Kill Climate Deniers centres on a militant cell of eco-activists that takes the audience hostage during a concert at Parliament House. Led by charismatic spokeswoman Catch, they demand Australia immediately cease all carbon emissions and coal exports—or they’ll start executing their 1,700 hostages.

But they’re not the only ones to take the title literally. Between scenes of bloody action and banging ’90s tunes, writer David Finnigan discusses the outrage the play’s title provoked from Andrew Bolt and his cabal of conservative bloggers. The original production was shut down in the ensuing shitstorm, leading Finnigan to eventually fold the scandal into the play.

Terroristen setzen mit Gewalt ihre Ökophantasien durch. Sofortiger Stop der CO2-Emissionen, sonst Exekution von 1700 Geiseln. Es gilt zu befürchten, dass es auch in Deutschland etliche Sympathisanten für ein solches Vorgehen geben könnte. Ob das Stück auch zu uns kommt? Gesponsort von WWF, WBGU, Nabu und den Grünen?

Vor einigen Jahren gab es einen Musikprofessor der Uni Graz, der für Leugner des Klimawandels die Todesstrafe zu fordern schien. Der Professor scheint im Übrigen noch immer an der Uni tätig zu sein, wobei der Vorfall offenbar ohne größere Konsequenzen für ihn blieb. Am unteren Rand seiner Uni-Webseite gibt es einen Link zu seiner privaten Webseite. Dort fordert er nun nicht mehr die Todesstrafe für klimatische Andersdenkende, aber die Abschaffung des jetzigen Kapitalismus sowie die Einrichtung eines bedingungslosen Grundeinkommens für die Weltbevölkerung. Denn der Kapitalismus sei die Ursache der Klimakatastrophe:

Solving the climate problem will involve big changes, to be sure; and capitalism, as we have been experiencing it during the past few neo-liberal decades, is by itself poorly suited to this task. In fact, capitalism can be regarded as the cause of the problem. But in a different context capitalism can become the motor that drives solutions, just as it has been the motor for most human development in the past few centuries. We need to reduce the wealth gap, which has been steadily growing for decades, and strive to separate wealth and corporations from politics – just as many countries have succeeded in separating religion from politics (laïcité). A partial separation of wealth and politics, and a return to the democratic socialism of the 1970s, can be achieved by introducing new, globally harmonized wealth, environment and transaction taxes, combined with universal, unconditional basic income (and of course these are not the only options). In short, to solve the climate problem, we must tame capitalism – not throw out the baby with the bathwater.

Die Einrichtung einer Ökodiktatur hatte bereits der WBGU vorgeschlagen. Wie kommt es, dass Menschen sich sowohl dem Klimaalarmismus verschreiben und gleichzeitig mit voller Wucht gegen den (sozialen) Kapitalismus anschreiben? Ein Musikprofessor in Graz verdient sicher ganz gut. Der gleiche Job auf Kuba gibt aber nur 50 Dollar pro Monat. Vielleicht sollten einige Zeitgenossen einmal einen längeren Aufenthalt außerhalb der eigenen westlichen Komfortzone versuchen, um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kennenzulernen.

Heute fordert Parncutt auf seiner privaten Webseite die Abschaffung der Todesstrafe. Das hat man ihm wohl aufgetragen, dass er das thematisieren sollte. Und wenn man dann doch noch etwas weiterklickt, findet man einen Rechtfertigungsversuch zum ursprünglichen Skandal:

Das Leugnen des Klimawandels und die sog. “Todesstrafe-Forderung”
Was passiert ist
Im Dezember 2012 entdeckten Leugner des Klimawandels (fortan “Klimaleugner”) in verschiedenen Ländern meinen Internettext mit dem irreführenden, unpassenden, als Frage formulierten Titel „Death penalty for global warming deniers?“ In den nächsten Tagen habe ich den Text gelöscht und zurückgezogen (mehr). Indes wurde der Text in Google-Cache gefunden und gegen meinen Willen wieder ins Netz gestellt und mit meinen Wikipediaseiten verlinkt. Anscheinend wird er noch missverständlich benutzt. 

Alles nur ein Mißverständnis? Viele Absätze später dann doch noch einige “bemerkenswerte” Aussagen von Parncutt:

Die größte Empörung empfinde ich, wenn ich denke, dass in der Zukunft Millionen von Menschen sterben werden, weil in den letzten Jahrzehnten das Leugnen des Klimawandels im Namen der Meinungsfreiheit toleriert wurde, statt im Interesse zukünftiger Generationen, der Entwicklungsländer und unserer eigenen Kinder rechtlich gegen die Klimaleugner vorzugehen.

Selbst wenn jemand die Todesstrafe extra für diesen extremen Fall fordern würde, dürfte man nicht überreagieren. Wir MenschenrechtsaktivistInnen dürfen nicht in die Falle tappen, das Leben von einer Million Menschen für weniger wichtig zu halten, als das Leben eines einzigen Menschen, der ihr Tod verursacht hat – vor allem nicht, wenn diese Million Menschen vermutlich schwarzhäutig und der eine dafür Verantwortliche vermutlich weißhäutig ist, was eine extreme Version eines aus der Geschichte bekannten rassistischen Klischees darstellt. Die Sache ist also nicht so einfach und wir müssen differenziert denken. Dass die Hauptverantwortlichen für den Holocaust legal umgebracht wurden, stört offenbar kaum jemand, weil der Kontext dieser fürchterlichen Ereignisse noch viel, viel schlimmer war.

Au weia.

 

Wasserkraft im südostasiatischen Mekongbecken nicht ganz so klimafreundlich wie lange angenommen

Wasserkraft gilt als klimaneutral und bildet den Löwenanteil der Erneuerbaren Energieerzeugung in Ländern wie Norwegen und Portugal. Umso überraschender sind daher neue Forschungsergebnisse der Aalto University, die der Wasserkraft den ökologischen Heiligenschein nimmt. Die Forscher untersuchten Treibhausgas-Emissionen aus Staudämmen im südostasiatischen Mekongbecken. Dabei zeigte sich, dass einige dieser Reservoire fast genauso viele Emissionen pro erzeugter Energieeinheit abgeben, wie fossile Brennstoffe. Hier die Pressemitteilung (via Science Daily) vom 5. März 2018:

Greenhouse gas emissions of hydropower in the Mekong River Basin can exceed those of fossil fuel energy sources

Hydropower is commonly considered as a clean energy source to fuel Southeast Asian economic growth. Recent study published in Environmental Research Letters finds that hydropower in the Mekong River Basin, largest river in Southeast Asia, might not always be climate friendly. The median greenhouse gas (GHG) emission of hydropower was estimated to be 26 kg CO2e/MWh over 100-year lifetime, which is within the range of other renewable energy sources (<190 kg CO2e/MWh). The variation between the individual hydropower projects was, however, large: nearly 20% of the hydropower reservoirs had higher emissions than other renewable energy sources and in several cases the emissions equalled those from fossil fuel energy sources (>380 kg CO2e/MWh). The study concludes that hydropower in the Mekong cannot be considered categorically as a clean energy source; instead, the emissions should be evaluated case-by-case together with other social and environmental impacts.

Mekong River is a global hot spot for hydropower development. The economy in the region is growing rapidly and hydropower is broadly seen as a viable source for satisfying growing energy demands. However, the extensiveness of hydropower development has raised concerns on ecological and social sustainability, particularly in the case of rich inland fisheries of which millions depend for livelihoods and food. Less attention is put, however, on the potential climate impacts of the hydropower although case studies from other tropical regions show that hydropower emissions cannot be neglected. The emissions originate mainly from degradation of organic material in the reservoir but also from dam construction.

In the Mekong Basin emission measurements exist only from a few reservoirs, and the study led by Aalto University, Finland, is the first one to estimate the emissions of the entire hydropower development in the basin. The study estimated emissions of 64 existing and 77 planned hydropower reservoirs using statistical models that are based on global emission measurements. The focus was on gross emissions of CO2 and CH4 through the reservoirs water surface. The results are reported as CO2 equivalents (CO2e) that combines the CO2 and CH4 emissions.

“The hydropower related emissions started in the Mekong in mid-1960′s when the first large reservoir was built in Thailand, and the emissions increased considerably in early 2000′s when hydropower development became more intensive. Currently the emissions are estimated to be around 15 million tonnes of CO2e per year, which is more than total emissions of all sectors in Lao PDR in year 2013,” says Dr Timo Räsänen who led the study. The GHG emissions are expected to increase when more hydropower is built. However, if construction of new reservoirs is halted, the emissions will decline slowly in time.

“Highest emissions were generally found in hydropower projects that had large reservoirs compared to the electricity generating capacity and were located in warm sub-tropical areas. These findings suggest that the emissions of future hydropower projects can be reduced by designing and choosing the location appropriately,” summarises Assistant Professor Matti Kummu. In addition, emissions can be mitigated by carefully removing the vegetation from the reservoir area before filling of the reservoir, and by minimising the amount of organic material entering the reservoir from the catchment.

The study calls for further research on GHG emissions of hydropower and improved inclusion of climate impacts in strategic environmental assessments (SEA) of hydropower in the Mekong to help to exclude most harmful projects. The results of the study are tentative and more extensive measurement and modelling campaigns are urgently needed to improve the accuracy of the emissions estimates.

Paper: Timo A Räsänen, Olli Varis, Laura Scherer, Matti Kummu. Greenhouse gas emissions of hydropower in the Mekong River Basin. Environmental Research Letters, 2018; 13 (3): 034030 DOI: 10.1088/1748-9326/aaa817

 

Auf Spitzbergen war es vor 70 Jahren ähnlich warm wie heute

Gerne schreiben die Zeitungen über noch nie dagewesene Hitze- und Schmelzrekorde in der Arktis. Da kriegen es die Leute richtig mit der Angst zu tun. Allerdings fördert das Studium der wissenschaftlichen Fakten regelmäßig Erstaunliches zutage. Zum Beispiel die Wetteraufzeichnungen einer deutschen Station auf Spitzbergen während des 2. Weltkriegs 1944-1945. Rajmund Przybylak und Kollegen haben im International Journal of Climatology die Daten ausgewertet. Fazit: Es war damals ähnlich warm wie heute. Abstract:

Air temperature conditions in northern Nordaustlandet (NE Svalbard) at the end of World War II
This article presents the results of an investigation into air temperature conditions in northern Nordaustlandet (NE Svalbard) based on meteorological observations made by German soldiers towards the end of World War II (1944/1945) and 4 months after its end. Traditional analysis using mean monthly data was supplemented by a detailed analysis based on daily data: maximum temperature, minimum temperature and diurnal temperature range. The latter kind of data made it possible to study such aspects of climate as the number of “characteristic days” (i.e., the number of days with temperatures exceeding specified thresholds), day‐to‐day temperature variability, and duration, onset and end dates of thermal seasons. The results from Nordaustlandet for the warmest period of the early 20th century warming period (ETCWP) were compared with temperature conditions both historical (the end part of the Little Ice Age) and contemporary (different sub‐periods taken from the years 1981–2017) to estimate the range of warming during the ETCWP.

Analysis reveals that the expedition year 1944/1945 in Nordaustlandet was, in the majority of months, the warmest of all analysed periods, that is, both historical and contemporary periods. The study period was markedly warmer than 1981–2010 (mean annual −6.5 vs. −8.4 °C) but colder than the periods 2011–2016 (−5.7 °C) and 2014–2017 (−5.8 °C). The majority of mean monthly air temperatures in the ETCWP lies within two standard deviations of the modern 2014–2017 mean. This means that values of air temperature in the study period lie within the range of recent temperature variability. All other thermal characteristics show changes in accordance with expectations associated with general warming of the Arctic (i.e., a decrease in diurnal temperature range and number of cold days, and an increase in number of warm days). The latter days were most common in the ETCWP.

 

Forscher fordern verbessertes globales Temperaturmessnetz

Planet Wissen am 23. März 2018 mit einer interessanten Sendung:

Verlogen und elitär? – Journalisten in der Kritik
Medien sind eine tragende Säule der Demokratie. Umso alarmierender, dass viele Bürger mit den Medien unzufrieden sind. Wie ist es dazu gekommen? Und wie können Journalisten das Vertrauen ihrer Leser, Hörer und Zuschauer zurück erobern? Denn klar ist auch: In Zeiten von Pegida und Fake-News wird glaubwürdiger Journalismus dringend gebraucht.

Hier online schauen.

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An den Temperaturmessdaten wird zuviel herumgedoktort. Eine Gruppe von Wissenschaftlern (Thorne et al. 2018) hat nun gefordert, ein robusteres und kompletteres Messnetz aufzubauen. The Daily Caller am 3. März 2018:

Scientists Admit We Need Better Thermometers To Measure Climate Change
A group of prominent scientists are calling for a global network of advanced weather stations that don’t need to go through controversial data adjustments, and it’s vindication for global warming skeptics.

Seventeen climate scientists co-authored a research article published in the International Journal of Climatology calling for a global climate station network modeled after the United States Climate Reference Network (USCRN) to use as a baseline for data quality.

Weiterlesen beim Daily Caller. Siehe auch Beitrag auf WUWT.

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CO2-Emissionen lassen sich schwer verifizieren. Vor kurzem hatte China seinen Kohleverbrauch deutlich unterschätzt und musste dann korrgieren. Forscher schlagen daher einen zusätzlichen Kontrollmechanismus vor. Da ein Teil der CO2-Emissionen im Ozean gepuffert wird, will man nun die in den Ozean gelangten Mengen dort anhand von Argo-Bojen weltweit messen und daraus die regionalen Emissionen berechnen. Ein solches Projekt beschrieb jetzt Joellen Russell am 13. März 2018 in Nature.

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Sie interessieren sich für die Umwelt? Dann sollten Sie auf Alfred Brandenbergers Webseite einmal das Kapitel Umweltverschmutzung anschauen:

 

Signalanalyse – Randbedingungen für die Klimaforschung

Von Werner Kohl

Die digitale Erfassung analoger zeitlicher Signale ist prinzipiell fehlerbehaftet. Neben systematischer und zufälliger Messfehler spielen sowohl die Dauer der Messreihe als auch deren zeitliche Auflösung eine zentrale Rolle. Beide Randbedingungen geben einen Frequenzbereich vor, innerhalb dessen Analysen möglich sind.

 

Obere Grenzfrequenz

Die obere Grenzfrequenz – auch Nyquist-Frequenz genannt – ist in der Messtechnik wohlbekannt und besagt, dass ein analoges Signal mit der höchsten enthaltenen Frequenz fmax nur dann digital rekonstruiert werden kann, wenn es mit einer Frequenz größer als 2*fmax abgetastet wurde.
Ein Sinussignal der Frequenz 50 Hz kann also nur dann nachgewiesen werden, wenn es mit mehr als 100 Hz abgetastet wird.

Umgekehrt gilt: Ein Signal der (Perioden-)Dauer x kann nur dann nachgewiesen werden, wenn die Messreihe eine zeitliche Auflösung von besser als x/2 hat. Für den Nachweis eines Sinussignals der Frequenz 50 Hz (d.h. der Periodendauer 0,02 s) muss die Abtastschrittweite kürzer als 0,01 s sein. Angewendet auf Zeiträume, die für die Klimaforschung wichtig sind: Um eine Variation von Größen wie Temperatur oder Meeresspiegel über einen Zeitraum von beispielsweise 30 Jahren zu erfassen, müssen Messreihen eine zeitliche Auflösung von weniger als 15 Jahren aufweisen.

Ist die zeitliche Auflösung (also die Abtastschrittweite) einer Messreihe schlechter als die halbe Dauer eines Ereignisses, so ist dieses Ereignis in der digitalen Aufzeichnung prinzipiell nicht rekonstruierbar. Beispiel: Sinussignal der Periodendauer 100 (Einheit beliebig, z.B. Millisekunde, Sekunde oder Jahrzent).
Periode=100; Dauer=600; Abtastintervall=1:

 

Bei einer Abtastschrittweite von einem Viertel der Periodendauer ist das Signal gut rekonstruierbar:
Periode=100; Dauer=600; Abtastintervall=25:

 

Auch mit einer Abtastschrittweite von einem Drittel der Periodendauer ist die Periodizität gut nachweisbar:
Periode=100; Dauer=600; Abtastintervall=33:

Bei einer Abtastschrittweite minimal kürzer als die Hälfte der Periodendauer sind zwar die Amplituden stark verfälscht, ein Nachweis der Periodendauer gelingt dennoch.
Periode=100; Dauer=600; Abtastintervall=49:

Bei einer gröberen Abtastung ist die Periodendauer nicht mehr nachweisbar. In dem abgetasteten Signal können sogar Schein-Frequenzen auftreten. Bei einer Abtastschrittweite von 2/3 der Periodendauer wird eine doppelt so große Periode (also halbe Frequenz) wie im ursprünglichen Signal „nachgewiesen“:
Periode=100; Dauer=600; Abtastintervall=67:

 

Bei einer Abtastung mit der Schrittweite von ¾ der Signalperiode entsteht eine Schein-Periode der 3-fachen Dauer:
Periode=100; Dauer=600; Abtastintervall=75:

 

Dieser Effekt wird „Aliasing“ genannt.

Fassen wir zusammen:
Phänomene (d.h. Signale) einer bestimmten Dauer bzw. Periodizität können nur dann nachgewiesen werden, wenn deren Messung mit einer zeitlichen Auflösung von weniger als der halben Dauer erfolgt.

Paradebeispiele für die Verletzung dieses Prinzips sind die Publikation „A Reconstruction of Regional and Global Temperature for the Past 11,300 Years“ von Marcott et al. und deren Diskussion im Blog von Prof. Rahmstorf.

In der Arbeit wurde der regionale und globale Temperaturverlauf während des Holozäns untersucht. Dieser wurde anhand von Sedimentschichtungen bestimmt. Der Leitautor Marcott bemerkte hierzu:

„We showed that no temperature variability is preserved in our reconstruction at cycles shorter than 300 years, 50% is preserved at 1000-year time scales, and nearly all is preserved at 2000-year periods and longer“

Daraus ist zu schließen, dass die Abtastrate gröber als 150 Jahre war, in 50% der Fälle sogar zwischen als 500 und 1000 Jahren lag. Dies ist bemerkenswert, vergleichen die Autoren diesen rekonstruierten Temperaturverlauf doch mit dem Temperaturverlauf einiger Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, dessen zeitliche Auflösung typischerweise bei einem Monat liegt. Dazu schreibt Prof. Rahmstorf:

Entscheidend ist vielmehr, dass der rasche Anstieg im 20. Jahrhundert im ganzen Holozän einmalig ist.

Diese Behauptung ist wissenschaftlich nicht haltbar, da aufgrund der geringen zeitlichen Auflösung der Sedimentdaten ein potentieller abrupter Temperaturanstieg analog zum 20. Jahrhundert prinzipiell nicht nachweisbar ist. Sedimentdaten sind für eine solche Analyse ungeeignet.

Eine Grafik wie in Abb. 1 von Rahmstorfs Diskussion stellt wegen massiv unterschiedlicher zeitlicher Auflösung keinen seriösen Vergleich zweier Messreihen dar und dient eigentlich nur zur Stimmungsmache.

 

Merke:

Immer dann, wenn behauptet wird, dass augenblickliche Veränderungen oder Trends einmalig in der Geschichte seien, sollte man sehr genau hinschauen, mit welchen historischen Aufzeichnungen verglichen wird und ob ein solcher Vergleich überhaupt statthaft ist. Nicht immer werden Publikationen bzw. deren Schlussfolgerungen wissenschaftlichen Standards gerecht.

 

Untere Grenzfrequenz

Die untere Grenzfrequenz basiert auf der Gesamtdauer einer Messreihe. Eine solche Messreihe der Dauer T kann prinzipiell keine periodischen Vorgänge (bzw. Oszillationen) erfassen, deren Periodendauer größer ist als T. Dies bedeutet, dass zumindest eine volle Periode eines zyklischen Vorgangs in der Messreihe enthalten sein muss, um diesen zu erfassen. Wird eine Analyse über einen kürzeren Zeitraum durchgeführt, so wird diese Periode nicht zu erkennen sein. Beispiel: Sinussignal der Periodendauer 100 (Einheit beliebig, z.B. Millisekunde, Sekunde oder Jahrzehnt). Wird ein Signal der Periodendauer T hinreichend lange gemessen, d.h. die Messdauer beträgt mindestens T, so lässt sich die Periode nachweisen:

 

Ist die gesamte Messdauer kürzer, so lässt sich die Periodizität nicht rekonstruieren. Bei zu kurzer Messdauer können aus periodischen Vorgängen Schein-Trends ermittelt werden, die zu absurden Schlussfolgerungen führen. Erfolgt die Messung entlang des absteigenden Astes eines solchen Sinussignals, so ergibt sich – rein zufällig –  ein negativer Trend:

 

Bei einer Messung entlang des aufsteigenden Astes, wird – bei identischem Signal – ein positiver Trend ermittelt:

 

Es ist unschwer zu erkennen, dass die Ermittlung von Langzeittrends aus zu kurzen Messkampagnen zu unsinnigen Ergebnissen führt. Seit Ende der Kleinen Eiszeit ist ein Anstieg der globalen Temperatur zu verzeichnen. Dieser ist überlagert durch multidekadische Oszillationen mit Periodendauern von 50-70 Jahren (u.a. die Atlantische Multidekaden-Oszillation = AMO):

 

Quelle: http://woodfortrees.org/plot/best/mean:12/plot/esrl-amo/mean:12

Übertragen auf unser fiktives Beispiel erhalten wir folgende Grafik:

 

Erfasst die Messkampagne nur den absteigenden Ast der Oszillation (rote Teilkurve), so wird fälschlicherweise ein – wenn auch abgeschwächter – negativer Trend des gesamten Signals ermittelt. Bei Messung über den ansteigenden Ast (grüne Teilkurve) hinweg wird ein viel zu großer positiver Trend ermittelt.

Die Satellitenaufzeichnungen begannen 1979 bzw. 1980, dauern also bisher ca. 38 Jahre an. Dies ist etwa die halbe Periodendauer der Atlantischen Multidekaden-Oszillation. Zufälligerweise umfasst die Messdauer den ansteigenden Ast von AMO. Der seit Ende der Kleinen Eiszeit andauernde globale Temperaturanstieg wird in diesem Zeitraum durch diese ansteigende Phase verstärkt. Den daraus resultierenden Trend beispielsweise auf das Jahr 2100 zu extrapolieren, ist offensichtlich absurd. Aus der Analyse der Satellitendaten können multidekadische Oszillationen, deren Periode größer ist als 38 Jahre, prinzipiell nicht nachgewiesen und damit für Trendrechnungen auch nicht berücksichtigt werden.

Dass solche Analysen dennoch – entgegen der Prinzipien der Signalanalyse – durchgeführt werden, sieht man beispielsweise an der Publikation „Climate-change–driven accelerated sea-level rise detected in the altimeter era“ von Nerem et al.

Die Autoren unternehmen genau diese diskutierte Analyse für den Anstieg des Meeresspiegels, dessen Trend durch die ansteigende AMO-Phase verstärkt wurde. Dabei analysierten sie Satellitendaten, die bis 1993 zurückreichen, also über einen Zeitraum von lediglich 25 Jahren. Die daraus abgeleitete Prognose zum Meeresspiegelanstieg für das Jahr 2100 hält daher wissenschaftlichen Standards nicht stand. Ein anderes Beispiel für eine ungenügend lange Messdauer sind die Satellitenaufzeichnungen des arktischen Meereises, die ebenfalls seit 1979 stattfinden. Während der bisher 38-jährigen Analyse zeigte sich durchaus ein signifikanter Rückgang der eisbedeckten Fläche. Eine Extrapolation dieses negativen Trends in die Zukunft verbietet sich aber aus dem gleichen Grund.

 

Deutscher Wetterdienst: Zunahme von Extremwetter-Ereignissen statistisch schwer nachzuweisen

Es ist wichtig, dass sich Politiker in der Klimadebatte beide Seiten anhören. In den USA ist dies seit Jahren der Fall. Hier z.B. die Expertenaussage von Roger Pielke jr. vor dem US-Senat zum Thema Extremwetter:

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Der Focus war beim Thema Klimawandel schon immer peinlich. Am 7. März 2018 hat er sich nochmal ins Negative “gesteigert”. Hier geht es zum Fremdschämen:

Hochwasser, Trockenheit und Wirbelstürme – Wetterextreme in der Bundesrepublik: DWD empfiehlt Deutschen sich schon jetzt zu wappnen
Der Deutsche Wetterdienst rechnet für die Zukunft mit mehr Stürmen, extremen Regenfällen und Hitzewellen aufgrund der Klimaerwärmung. Zwar sei es schwierig, eine Zunahme solcher Extremwetter-Ereignisse statistisch nachzuweisen, sagte DWD-Experte Thomas Deutschländer am Dienstag in Berlin.

Bisher nichts zu registrieren. Aber in Zukunft auf jeden Fall katastrophal. Sagen die Klimamodelle, die nicht einmal die Vergangenheit korrekt abbilden können. Au weia.

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Die Forscher haben sich bei den Pinguinen verzählt. Man hatte eine ganze Kolonie von anderthalb Millionen Adeliepinguinen einfach übersehen, wie der Standard am 2. März 2018 meldete.

1,5 Millionen Adeliepinguine auf Inseln in der Antarktis entdeckt
Forscher waren über die große Population der Pinguine überrascht Paris – Die Entdeckung riesiger Pinguinkolonien in der Antarktis hat Wissenschafter überrascht: Auf den abgelegenen Danger Islands im Osten der Antarktischen Halbinsel fanden sie Kolonien von insgesamt 1,5 Millionen Adeliepinguinen. Nur 160 Kilometer westlich des Archipels gehe diese Art wegen der Eisschmelze zurück, heißt es in dem am Freitag in der Zeitschrift “Scientific Reports” erschienenen Artikel.

Weiterlesen im Standard

Hier die dazugehörige Pressemitteilung der Woods Hole Oceanographic Institution:

Previously Unknown “Supercolony” of Adelie Penguins Discovered in Antarctica

For the past 40 years, the total number of Adélie Penguins, one of the most common on the Antarctic Peninsula, has been steadily declining—or so biologists have thought. A new study led by researchers from the Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI), however, is providing new insights on this species of penguin.

In a paper released on March 2nd in the journal Scientific Reports, the scientists announced the discovery of a previously unknown “supercolony” of more than 1.5 million Adélie Penguins in the Danger Islands, a chain of remote, rocky islands off of the Antarctic Peninsula’s northern tip.

“Until recently, the Danger Islands weren’t known to be an important penguin habitat,” says co-PI Heather Lynch, Associate Professor of Ecology & Evolution at Stony Brook University.  These supercolonies have gone undetected for decades, she notes, partly because of the remoteness of the islands themselves, and partly the treacherous waters that surround them. Even in the austral summer, the nearby ocean is filled with thick sea ice, making it extremely difficult to access.

Yet in 2014, Lynch and colleague Mathew Schwaller from NASA discovered telltale guano stains in existing NASA satellite imagery of the islands, hinting at a mysteriously large number of penguins. To find out for sure, Lynch teamed with Stephanie Jenouvrier, a seabird ecologist at WHOI, Mike Polito at LSU and Tom Hart at Oxford University to arrange an expedition to the islands with the goal of counting the birds firsthand.

When the group arrived in December 2015, they found hundreds of thousands of birds nesting in the rocky soil, and immediately started to tally up their numbers by hand. The team also used a modified commercial quadcopter drone to take images of the entire island from above.

“The drone lets you fly in a grid over the island, taking pictures once per second. You can then stitch them together into a huge collage that shows the entire landmass in 2D and 3D,” says co-PI Hanumant Singh, Professor of Mechanical and Industrial Engineering at Northeastern University, who developed the drone’s imaging and navigation system. Once those massive images are available, he says, his team can use neural network software to analyze them, pixel by pixel, searching for penguin nests autonomously.

The accuracy that the drone enabled was key, says Michael Polito, coauthor from Louisiana State University and a guest investigator at WHOI. The number of penguins in the Danger Islands could provide insight not just on penguin population dynamics, but also on the effects of changing temperature and sea ice on the region’s ecology.

“Not only do the Danger Islands hold the largest population of Adélie penguins on the Antarctic Peninsula, they also appear to have not suffered the population declines found along the western side of Antarctic Peninsula that are associated with recent climate change,” says Polito.

Being able to get an accurate count of the birds in this supercolony offers a valuable benchmark for future change, as well, notes Jenouvrier. “The population of Adélies on the east side of the Antarctic Peninsula is different from what we see on the west side, for example. We want to understand why. Is it linked to the extended sea ice condition over there? Food availability? That’s something we don’t know,” she says.

It will also lend valuable evidence for supporting proposed Marine Protected Areas (MPAs) near the Antarctic Peninsula, adds Mercedes Santos, from the Instituto Antártico Argentino (who is not affiliated with this study but is one of the authors of the MPA proposal) with the Commission for the Conservation of the Antarctic Marine Living Resources, an international panel that decides on the placement of MPAs. “Given that MPA proposals are based in the best available science, this publication helps to highlight the importance of this area for protection,” she says.

Also collaborating on the study: Alex Borowicz, Philip McDowall, Casey Youngflesh, Mathew Schwaller, and Rachael Herman from Stony Brook University; Thomas Sayre-McCord from WHOI and MIT; Stephen Forrest and Melissa Rider from Antarctic Resource, Inc.; Tom Hart from Oxford University; and Gemma Clucas from Southampton University. The team utilized autonomous robotics technology from Northeastern University. Funding for this research was provided by a grant to the Wood Hole Oceanographic Institution from the Dalio Ocean Initiative. Logistical support was provided by Golden Fleece Expeditions and Quark Expeditions.

 

Handbuch mit 28 Seiten: Sprechanweisungen des IPCC für Wissenschaftler

Toralf Staud berichtete am 19. März 2018 auf klimafakten.de über Rhetoriktipps des IPCC für Wissenschaftler, wie sie die Klimagefahr am besten für die Öffentlichkeit in Worte packen. Der Artikel bezieht sich dabei auf ein 28-seitiges Handbuch, das der IPCC zusammen mit der Klimaaktivisten-Gruppe “Climate Outreach” erstellt hat. Auf seiner Webseite bittet Climate Outreach um Spenden. Geld wurde u.a. von der European Climate Foundation (ECF) bezogen, einer lupenreinen Aktivistengruppierung. Daher verwundert es schon, wenn der IPCC seine Sprechanweisungen von Aktivisten erstellen lässt.

Staud fasst das Handbuch in seinem Artikel zusammen:

Sechs Tipps vom und für den IPCC: Wie spreche ich als Wissenschaftler über den Klimawandel?
Forscherinnen und Forscher haben es oft schwer, in Medien und Öffentlichkeit gehört zu werden. Dies gilt insbesondere bei politisch aufgeladenen Themen wie dem Klimawandel. Ein kompaktes Handbuch von IPCC und Climate Outreach gibt praktische Tipps – und gehört laut Rezensenten “zum besten, was je zum Thema geschrieben wurde”

1. Sei selbstbewusst!

2. Sprich über die echte Welt, nicht abstrakte Vorstellungen

3. Knüpfe an Dinge an, die Deinem Publikum wichtig sind

4. Erzähle eine menschliche Geschichte

5. Beginne mit dem, was Du weißt

6. Nutze wirkungsvolle Bilder und Grafiken

Oder anders ausgedrückt: Mache ein ernstes Gesicht, denk Dir eine herzzerreißende Lokalstory aus, gib ein paar knudellige Tiere dazu, zum Beispiel einen Eisbär auf einer Eisscholle.

Wir sollten Staud und Climate Outreach danken, dass sie ihre Erzählstrategie im Netz so offen ausbreiten. So können wir die wahre Nachricht hinter den Worthülsen in Zukunft etwas besser herausarbeiten.

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Thomas Sinkjær plädierte am 6. März 2018 in Nature für anonyme Projektanträge:

Fund ideas, not pedigree, to find fresh insight
Anonymous applications free scientists to make bold proposals, and ‘golden tickets’ free reviewers to bet on them

Weiterlesen in Nature

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Heißes Eisen auf Plusminus am 7. März 2018:

Einfach abgedreht – wenn der Kohleausstieg zu Chaos führt
Hessens größtes Steinkohlekraftwerk wird in den Sommermonaten abgeschaltet. Dies wurde kurzfristig beschlossen. Die Stromproduktion lohne nicht mehr. Raus aus der Kohle – prima, könnte man denken. Doch es könnte Chaos geben.

Hier gehts zur Sendung.

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Pressemitteilung des Helmholtz Centre For Environmental Research – UFZ am 7. März 2018:

Globaler Konflikt: Agrarproduktion vs. Artenvielfalt

Eine gezielte Landnutzungsplanung könnte den Konflikt zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Naturschutz mindern. Wissenschaftler der Universität Göttingen, des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Universität Münster haben weltweite Datensätze ausgewertet – einerseits zur Verbreitung und zu den ökologischen Anforderungen tausender Tierarten, anderseits zur landwirtschaftlichen Produktion der weltweit wichtigsten Feldfrüchte. Ihre Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Global Change Biology erschienen.

In der Regel führt eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion zum Verlust von Artenvielfalt und Ökosystemfunktionen auf den betroffenen Ackerflächen. Was aber passiert, wenn das landwirtschaftliche Wachstum auf Gegenden beschränkt ist, in denen weniger Tierarten gefährdet sind? Die Wissenschaftler untersuchten, ob eine derartige gezielte Landnutzungsplanung die globalen Artenverluste verringern würde. Sie fanden heraus, dass durch eine weltweite Optimierung des Anbaus rund 88 Prozent des berechneten zukünftigen Artenverlusts vermieden werden könnten.

„Dies setzt allerdings voraus, dass artenreiche Länder – vornehmlich in den Tropen – primär für den Schutz natürlicher Ressourcen verantwortlich wären und in ihren Produktionsmöglichkeiten und den damit zusammenhängenden ökonomischen Vorteilen eingeschränkt wären“, erläutert Erstautor Lukas Egli von der Universität Göttingen und dem UFZ. Dies betrifft in erster Linie Länder, die stark von der Landwirtschaft abhängig sind. „Ohne internationale Abkommen, die diese Interessenskonflikte lösen könnten, ist eine globale Optimierung unwahrscheinlich. Sie würde möglicherweise zu sozioökonomischen Abhängigkeiten führen.“

Bereits zehn Länder könnten den weltweiten Biodiversitätsverlust um ein Drittel reduzieren, wenn sie der Empfehlung der Forscher auf nationaler Ebene folgen. Wenn jedes Land dies täte, ließen sich 61 Prozent des absehbaren Artenverlusts verhindern. „Länder wie Indien, Brasilien oder Indonesien hätten das größte Potenzial, um die globale Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten“, so Dr. Carsten Meyer vom Forschungszentrum iDiv und der Universität Leipzig. „Leider sind diese Länder oft von Landnutzungskonflikten und teilweise schwachen Institutionen geprägt, was eine solche Optimierung erschwert. Hier sind gezielte Anreize nötig, um die Landnutzungsplanung ganzheitlicher und nachhaltig zu gestalten.“

Paper: Lukas Egli et al. Winners and losers of national and global efforts to reconcile agricultural intensification and biodiversity conservation. Global Change Biology 2018. Doi: 10.1111/gcb.14076

 

Historiker verlangen, dass auch der vorindustrielle Klimawandel und seine Folgen stärker einbezogen werden

Der vorindustrielle natürliche Klimawandel war lange Zeit tabu. Zu groß war die Angst, dass jemand auf die Idee kommen könnte, natürliche Klimafaktoren könnten auch im modernen Klimawandel eine Rolle spielen. Den Historikern ist es jetzt zu bunt geworden. Sie haben das Kommen und Gehen von Zivilisationen der letzten Jahrtausende detailliert studiert und konnten in vielen Fällen einen Zusammenhang mit einem sich wandelnden Klima herstellen. In einer Pressemitteilung der Princeton University vom 19. März 2018 bieten sie ihre Hilfe bei der Interpretation der Klimawandelfolgen und Lösungsansätzen aktiv an (auch auf Science Daily):

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Historians to climate researchers: Let’s talk

History can tell us a lot about environmental upheaval, say Princeton historians John Haldon and Lee Mordechai. What is missing in today’s debate about climate change is using what we know about how past societies handled environmental stresses to help inform our own situation. Developing policies to address the challenges of modern, global climate change requires understanding the science and the contemporary politics, as well as understanding how societies through history have responded to the climate changes they encountered.

Ours is not the first society to be confronted by environmental change, Haldon, Mordechai and an international team of co-authors noted in a paper published in the current issue of the Proceedings of the National Academy of Sciences. Over the course of history, some societies have been destroyed by natural disasters, like the eruption of Pompeii, while others have learned how to accommodate floods, droughts, volcanic eruptions and other natural hazards.

The key is “how a society plans for and interacts with the stress from nature,” said Mordechai, who earned his Ph.D. in history from Princeton in 2017. He cautioned that policymakers looking at how to prepare for global climate change “should understand that it is not going to be a short-term process. It will take time. We, collectively, as a society, need to prepare for these things in advance.

“Human societies are much more resilient, much more adaptive to change than we would expect,” he said. He pointed out that many societies developed precisely in locations where the environment was difficult to control, such as the flood basins of the Nile and Euphrates rivers or earthquake-prone areas like Constantinople (now Istanbul).

Similar catastrophic natural events can play out very differently, Mordechai said, depending on how well prepared its society is to handle the occurrence and its aftermath. “In 2010, there were two very similar earthquakes: one in Christchurch, New Zealand, and the other in Port au Prince, Haiti,” he said. “The Haiti earthquake killed anywhere between 46,000 and 316,000 people. The Christchurch earthquake, at the same magnitude, killed one person. And it’s actually debatable [if that is what] killed him or not.”

The differences in the outcomes in Haiti and in New Zealand highlight the host of factors that come into play when examining the connection between a society and its environment. Too often, researchers will spot a correlation between the climate record and the historical record and leap to a too-simple conclusion, said Haldon, the Shelby Cullom Davis ’30 Professor of European History and a professor of history and Hellenic studies.

In their article, Haldon and his co-authors looked at four case studies to examine some of the ways societies have and have not coped with natural stresses: the Mediterranean in the Early Middle Ages (600-900), Europe during the Carolingian Era (750-950), Central America in the Classic Period (650-900) and Poland during the Little Ice Age (1340-1700).

In each case, they showed how a simple, environmental interpretation of events overlooked the key context. “If I would have to summarize what history has to contribute: it adds nuance to our interpretation of past events,” said Mordechai.

In the case of the Mayans in Caracol, Belize, for example, the authors noted that before its apparent collapse, Mayan society had withstood some 2,000 years of climate variations in a challenging environment. Other authors have suggested that a severe drought ended the civilization, but Haldon’s research team correlated archaeological data, written hieroglyphic history and the projected drought cycles and found that the community actually expanded after each drought.

So what else could be responsible for the abrupt end to the massive city? The researchers saw that after a century of warfare, Caracol’s elite had adjusted long-standing economic and social policies to widen the divide between themselves and the commoners. The research team concluded that socioeconomic factors, accompanied by warfare, were more responsible for the city’s abrupt demise than drought.

Economic inequality is nothing new, said Mordechai, who is now a Byzantine studies postdoctoral fellow at the University of Notre Dame. “You find this over and over again,” he said. “Disasters serve, in a way, to emphasize differences in our human society. [After a hazardous event], rich people suffer less. You see that all over the place.”

In this and their other three case studies, the researchers argued that historians have a vital contribution to make to conversations between archaeologists and climate scientists, because written documents can unlock what they call the “cultural logic” of a society: how people understand what is happening, which in turn determines how they respond to it.

Historians bring “nuance to the search for ‘tipping points,’” said Monica Green, a history professor at Arizona State University and a 1985 Ph.D. graduate of Princeton who was not involved in this research. “We want to know which straw broke the camel’s back. But sometimes, we realize that the answer lies not in identifying a specific straw, but something about the camel or the ambient environment.”

Others have also called for this convergence of history with science, but Haldon’s group is the first to show exactly what that might look like, said Carrie Hritz, associate director of research for the National Socio-Environmental Synthesis Center in Annapolis, Maryland, who was not involved in this research. “Past work has centered around calls for integration with somewhat vague statements about how history and archaeological data can be relevant to current studies of the human dimensions of climate change. This paper is unique in that it [provides] detailed examples that link these data to current topics.”

In recent years, archaeologists have begun incorporating scientific data sets — such as pollen deposits that reveal crop choices and tree rings that reflect good and bad growing seasons — even as biologists have started writing history books that argue for “environmental determinism,” the idea that natural events often determine the course of societies.

Neither side has the whole story, said Haldon, who is also an associated faculty member with the Princeton Environmental Institute and the director of the Sharmin and Bijan Mossavar-Rahmani Center for Iran and Persian Gulf Studies at Princeton.

“There’s a danger that we perceived that historians who didn’t understand the methodologies and problems of the sciences could easily misuse the science,” Haldon said. “And we also saw that the same problem works the other way around. Scientists don’t really understand how social scientists work and why we ask the questions we ask, so they’re often in danger of misusing history and archaeology.”

To bring historians, archaeologists and paleoclimate scientists into conversation, Haldon helped launch the Climate Change and History Research Initiative, which funds field research, public lectures, workshops and more.

Since 2013, its collaborators have addressed the question of “how do we get scientists and social scientists to work together and not misunderstand each other or misuse each other’s work?” by creating cross-disciplinary research teams that pose and tackle research questions together.

After several years of semiannual, face-to-face group meetings with a growing set of researchers, “we knew we were doing something that nobody else does, but we hadn’t thought of how to publicize what we were doing other than through the regular social science approach of writing rather long, boring articles and publishing them in journals nobody reads,” said Haldon with a chuckle.

At the suggestion of one of their science collaborators, Haldon and Mordechai distilled their research into a paper for the scientific community.

“The paper is of extremely high importance, because it addresses the lack of true interdisciplinary research in the field of historical environmental studies,” said Sabine Ladstätter, director of the Austrian Archaeological Institute, who was not involved in the research. “Complex historical phenomena are currently often discussed without historians in the scientific community as well as in public. This situation in turn leads to simplifying explanatory models, that do not withstand a critical evaluation by historians. The required cooperation between historians, archaeologists and natural scientists (in this case paleo-environmental sciences) is to be welcomed and urgently needed.”

If he could leave policymakers with one key piece of advice, said Haldon, he would urge them to resist simplistic conclusions and easy explanations: “We’re trying to explain how societies can respond in differently resilient ways to stresses and strains, and therefore, it’s not that climate and environment don’t have a direct impact on society, but rather that the way in which societies respond is often very different, and what is catastrophic for one society might be perfectly well-managed by another one, right next door.”

History meets palaeoscience: Consilience and collaboration in studying past societal responses to environmental change,” by John Haldon, Lee Mordechai, Timothy Newfield, Arlen Chase, Adam Izdebski, Piotr Guzowski, Inga Labuhn and Neil Roberts was published March 12 in the Proceedings of the National Academy of Sciences. The research was supported by the Princeton Institute for International and Regional StudiesClimate Change and History Research Initiative, Poland’s National Programme for the Development of the Humanities, and the Georgetown Environmental Initiative.

 

Hitzewellen in den Great Plains verlassen erst um 2070 Bereich der natürlichen Schwankungbreite

FAZ am 6. März 2018 mit einem Artikel zu einer tollen Kampagne – und einer überraschenden Fußnote:

Tausend Milliarden Bäume: Wie ein Student den Klimawandel stoppen will
Der bayerische Student Felix Finkbeiner gibt sich nicht mit Appellen zufrieden. Er will den Klimawandel stoppen. Und hat schon viele Sponsoren zusammen, die Bäume pflanzen.

[...] Die Zahl der Bäume auf der Welt kannte vor Jahren dabei noch niemand. Finkbeiner wollte sie wissen. „Wir haben dafür ein Institut an der ETH Zürich gegründet“, erklärt er. Er habe den Kontakt zu Wissenschaftlern aus Yale hergestellt, die sich auf computergestützte Flächenprognosen verstehen, diese hätten ein Rechenmodell aufgesetzt, das ergab, dass auf der Welt drei Billionen Bäume wüchsen – „heute ist das eines der meistzitierten naturwissenschaftlichen Papiere der Welt“. Finkbeiner suchte kurzerhand Sponsoren und holte die drei Wissenschaftler aus Yale sowie zwei weitere Forscher an die ETH Zürich, wo nun das Baumflächen-Forschungslabor Crowther Lab bis 2030 mit Drittmitteln finanziert sei.

Ein toller Kerl, dieser Finkbeiner. Trotz junger Jahre ist er bereits Institutsgründer, der Geld und Spezialisten aus der ganzen Welt zusammensammelt. Aber ganz so ist es vielleicht doch nicht, wie eine unter dem Artikel angebrachte Richtigstellung der ETH Zürich suggeriert:

Ergänzung: Die Vorsteherin des Departements Umweltsystemwissenschaften der ETH Zürich, Prof. Nina Buchmann, möchte auf „Unstimmigkeiten“ in Finbeiners Aussagen hinweisen. Buchmann merkt an: „Niemand an der ETH Zürich hat ein Institut für die weltweite Baumzählung gegründet. Tom Crowther, der mit Felix Finkbeiner in engem Kontakt steht, wurde 2017 als Assistenzprofessor an die ETH Zürich berufen. Organisatorisch ist Prof. Crowther als Leiter des ,,Crowther Lab“, dem Institut für Integrative Biologie, angegliedert. Dieses Institut besteht seit Jahren. Prof. Crowther ist Hauptautor der von Herrn Finkbeiner zitierten Studie über den weltweiten Baumbestand. Diese Studie wurde (gemäß Google Scholar) bisher nur 121 mal zitiert. Zum Vergleich: Das meistzitierte Paper wurde laut ,,Nature“ über 300 000 mal zitiert. Die Behauptung, es handle sich um eines der ,,meistzitierten naturwissenschaftlichen Paper der Welt“, ist also nachweislich falsch. Finkbeiners Behauptung, Leute (darunter Prof. Crowther) an die ETH ,,geholt“ zu haben, ist falsch und anmassend. Für Berufungen zuständig ist einzig der Präsident der ETH Zürich, der seine Vorschläge dem ETH-Rat, der Dachorganisation aller Institutionen des ETH-Bereichs, unterbreitet. Die Finanzierung des Crowther Lab läuft über eine Basisfinanzierung der ETH Zürich. Zusätzlich hat Prof. Crowther Mittel für Forschung eingeworben. Felix Finkbeiner mag das Crowther Lab mit finanziellen Mitteln unterstützen, die Finanzierung einer Professur, wie er suggeriert, gehört jedoch nicht dazu.

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Wann werden die Hitzewellen in den USA wohl den Bereich der natürlichen Schwankungsbreite verlassen? Forscher aus Florida haben es jetzt nachgerechnet. In den Great Plains wird es wohl noch ein halbes Jahrhundert dauern, bis sich der menschengemachte Klimawandel zeigt. Beitrag auf ars technica am 20. März 2018:

When will the US feel the heat of global warming? For the Great Plains, natural variability will dominate until late this century
A team of researchers has now looked at heat waves in the US, trying to determine when a warming-driven signal will stand out above the natural variability. And the answer is that it depends. In the West, the answer is “soon,” with climate-driven heat waves becoming the majority in the 2020s. But for the Great Plains, the researchers show that a specific weather pattern will push back the appearance of a warming signal until the 2070s.

Weiterlesen auf  ars technica

Paper: Early emergence of anthropogenically forced heat waves in the western United States and Great Lakes, Nature Climate Change (2018). nature.com/articles/doi:10.1038/s41558-018-0116-y

Pressemitteilung auf phys.org hier.