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Wikipedia-Deckname ‘Neudabei’: Er kam des nachts und löschte aus Ärger einfach das Literaturverzeichnis

Von Sebastian Lüning

Hunderttausende Menschen haben eine persönliche Webseite, auf der sie sich und ihre Aktivitäten detailliert beschreiben. Nun ist eine weitere Seite dazugekommen, nämlich meine eigene. Auf luening.info können Sie sich ein Bild machen, was für ein Typ der Sebastian Lüning eigentlich ist. Bisher fand man per Google zwar bereits eine Menge von Mosaiksteinchen im Netz, das neue persönliche Profil gibt nun aber erstmals einen Komplettüberblick. Als im Zuge der Veröffentlichung unseres Buches “Die kalte Sonne” vor gut sechs Jahren plötzlich auch Wikipedia-Seiten über mich in der deutsch- und englischsprachigen Online-Enzyklopädie entstanden, war ich zunächst hocherfreut. Das musste doch bedeuten, dass ich jetzt berühmt war. Ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und eine eigene Wikipediaseite besitzen – wichtige Ziele im Leben eines Menschen. Erst später merkte ich, dass der einzige Zweck der Wikipediaseiten war, meine wissenschaftlichen Ansichten in Frage zu stellen. Was ist nun eigentlich besser? Keine Wikipedia-Seite oder eine, die allein zu Mobbingzwecken eingerichtet wurde? Dann vermutlich eher keine.

Der Wunsch wurde erhört. Irgendwann in den letzten Monaten wurde meine englische Wikipediaseite gelöscht. Der Lüning ist zu unbekannt, löschen wir ihn einfach mal wieder. Gut so. Nun gibt es aber leider immer noch meine deutschsprachige Wikipediaseite. Auch dort wird gelegentlich angeregt, den Artikel zu löschen. Man tut sich jedoch schwer, da man das Buch dann doch zu bedeutend hält. Aus diesem Grund versucht man das Wikipediaprofil schließlich doch aktuell zu halten. Irgendwie stieß man jetzt auf meine neue persönliche Webseite und verlinkte sie. Das ist Standard bei allen Personen-Artikeln auf Wikipedia. Durch diese Ergänzung wurden jedoch offenbar einige der Aktivisten-Wikipedianer aufgeschreckt. Plötzlich gab es eine gute Alternative zur stark verzerrten Wikipedia-Sichtweise auf meine Person. Da hatte man sich jahrelang Mühe gegeben, den Lüning aus ideologischen Gründen schlecht aussehen zu lassen, und nun existierte es plötzlich eine Originalquelle, die viel umfangreicher und wahrheitsgetreuer informierte.

Man kann sich den Ärger bildlich vorstellen, der in den Aktivisten hochstieg. Was tun? Den Link zur persönlichen Webseite konnte man nicht wieder rausnehmen, da dies gegen die Wikipedia-Prinzipien verstoßen würde. Also musste man sich anderweitig rächen. Ein Aktivist mit dem Tarnnamen ‘Neudabei’ schritt zu archaischen Methoden und löschte einfach das gesamte Literaturverzeichnis aus meinem Profil, das digitale Äquivalent der Bücherverbrennung, über die Wikipedia schreibt:

Eine Bücherverbrennung ist die demonstrative Zerstörung von Büchern oder anderen Schriften durch Feuer. Es handelt sich dabei um die bekannteste Form der Bücherzerstörung. Die meist öffentlich durchgeführten Verbrennungen erfolgten wegen moralischer, politischer oder religiöser Einwände gegen den Inhalt der Schrift und kamen sowohl als staatlich inszenierte oder geduldete Maßnahme als auch als Mittel öffentlichen Protestes gegen staatliche Gewalt vor. Missliebige Bücher wurden u. a. als blasphemisch, häretisch, ketzerisch, unmoralisch, obszön, aufrührerisch und hochverräterisch sowohl symbolisch als auch tatsächlich verbrannt.

Noch im Februar 2018 enthielt meine Wikipediaseite Details zu acht Publikationen, was eine kleine Auswahl von insgesamt 41 Veröffentlichungen darstellt. Drei der genannten Publikationen stammten aus dem Bereich Klimawandel. Aktivist ‘Neudabei’ scherte das nicht und löschte alles plump. Eine perfide Taktik: Zunächst wird im Text behauptet, alles was die Person zum Thema Klimawandel geschrieben habe, sei Quatsch. Und dann werden auch noch entsprechende begutachtete Papers aktiv im Profil gelöscht, um die eigene Deutung zu untermauern. Niemand der anderen Wikipedia-Autoren schritt ein. Die fadenscheinige Löschung wurde damit stillschweigend durchgewunken.

Ein unerhörter Vorgang. Wer ist dieser ‘Neudabei’, der sich so etwas in der größten Online-Enzyklopädie leisten kann, die mittlerweile als Standardinformationsquelle sogar an den Schulen eingesetzt wird? Was qualifiziert ‘Neudabei’, beim Thema Klimawandel und anderswo an vorderster Front mitzuschreiben und zu urteilen? Ist er ausgebildeter Naturwissenschaftler, hätte also die Möglichkeit, die Materie zu verstehen, über die er auf Wikipedia schreibt? Wir schauen in das Wikipedia-Profil von ‘Neudabei’. Aber oh Schreck, dort steht ja gar nichts, nur gähnende Leere. Und auch früher hat dort nie etwas gestanden, wie die Versionsgeschichte verrät. Aktivist ‘Neudabei’ agiert also vollkommenen aus dem Verborgenen. Er könnte ein Greenpeace- oder WWF-Aktivist sein. Vielleicht ist er Blumenhändler oder sammelt gerne Briefmarken. Man weiß es nicht, denn er gibt nichts über sich preis. Wie ein Heckenschütze operiert er aus dem Busch heraus und sucht sich seine Opfer. Selber wird man ihn gut getarnt im Dickicht nie aufspüren können. Man weiß lediglich, dass sich ‘Neudabei’ im Oktober 2014 registriert hat, also eigentlich doch “nicht ganz neu dabei” ist. Er scheint relativ viel Zeit zu haben, denn er schafft etwa zwei Wikipedia-Bearbeitungen pro Tag.

Wenn man dann doch etwas tiefer im Netz gräbt, stößt man doch auf etwas. Im Dezember 2016 hatte ‘Neudabei’ ein Wikipedia-internes Verfahren am Hals. Es wurde der Verdacht geäußert, sein Account könnte eine Zweitidentität sein, was unter dem schönen Wikipediafachbegriff “Sockenpuppe” läuft. Das Ganze heißt “Checkuser-Anfrage”. Der Vorwurf lautete damals:

„Bei Benutzer:Neudabei wurde schon mehrfach der Verdacht geäußert, dass es sich um eine Sockenpuppe handelt. [1] [2] Derzeit agiert er sehr aggressiv rund um den Artikel Gore-Effekt. Er hat zwei LA und eine LP beantragt, die alle zurückgewiesen wurden, hat 97% des Artikeltexts gelöscht und versucht, den Begriff auch aus anderen Artikeln zu entfernen. Mit ausschweifenden Diskussionen, Reverts, Edit-Wars und VM verhindert er den Wiederaufbau des seit sieben Jahren bestehenden und nun nur noch als Stub existierenden Artikels. Dabei wird er auffällig von einer wechselnden IP-Adresse in der Range 87.15* unterstützt. Sie scheint ihm wie ein Schatten über verschiedenste Artikel- und Diskussionsseiten zu verfolgen, um immer nur kurze Zeit später Neudabei beizustehen und bei Edit-Wars, Reverts, Meinungen und VM zu helfen. Sowohl von Neudabei wie der IP kommen auffällig viele VM rund um den Artikel. Beide ähneln sich inhaltlich wie sprachlich stark. „

Das Verfahren ist in einem schwer verständlichen Wikipedia-Kauderwelsch verfasst. Hier sind Nerds wirklich unter sich, die offenbar kaum etwas anderes machen, als sich in ihrem Zweitleben Wikipedia-Scheingefechte liefern. Überlegen Sie sich gut, ob Sie so Ihre Zeit verbringen wollen. Der innere Zirkel dieser Gemeinschaft genießt sichtlich die damit einhergehende Macht, wobei sie dabei noch nicht einmal ihre wahre Identität preisgeben müssen. Gut vermummt gehen sie so in ihrer Freizeit auf die Jagd nach Abweichlern ihrer eigenen Vorstellungen und löschen und editieren alles, was ihnen nicht in den Kram passt. Das konkrete Verfahren gegen ‘Neudabei’ wurde ürbigens bereits nach wenigen Tagen durch den ‘zuständigen Checkuser-Berechtigten’ eingestellt. Niemand weiß, ob die beiden vielleicht sogar im selben Dorf leben oder zur selben Greenpeace-Ortsgruppe gehören. Transparenz wird bei Wikipedia leider sehr kleingeschrieben.

Auch auf der Profilseite von ‘Neudabei’ kann man tief im Inneren noch etwas entdecken. Wie bereits festgestellt, ist die Benutzerbeschreibung leer. Und auch im Diskussionsbereich zum Profil findet sich nichts. Nun gibt es aber noch frühere Versionen des erst am 31. Juli 2018 komplett leergeräumten Diskussionsbereichs, dazu muss man auf den Reiter “Versionsgeschichte” klicken. Sie sehen schon, dass ist alles ganz schön kompliziert. Aber hier wird man plötzlich fündig und trifft auf eine riesige Latte von Einträgen. Im November 2014 wurde von einem User vermutet, es könne sich bei ‘Neudabei’ um einen Redakteur der Süddeutschen Zeitung handeln. ‘Neudabei’ reagierte umgehend:

Das ist ganz einfach grober Unfug. Ich bin weder Journalist noch Aktivist. Damit habe ich alles dazu gesagt.

Aktivist ist er auf jeden Fall, sonst würde er sich nicht so sehr im Bereich Klimwandel auf der Alarmseite einsetzen, insbesondere auf den Wikipediaseiten zu EIKE und Horst-Joachim Lüdecke. Ob wenigstens der erste Teil seiner Aussage stimmt, er kein Journalist ist? Falls er einer wäre, wäre es schlau, wenn er dies zugeben würde? Er weiß ganz genau, dass sein Beruf nicht überpüft werden kann. Wenn es brenzlig würde, könnte er seinen Account einfach löschen und sich in Luft auflösen. Bereits einen Monat nach seinem Auftauchen in Wikipedia 2014, musste ‘Neudabei’ eine Sperrprüfung über sich ergehen lassen, die aber bereits vier Stunden später wieder aufgehoben wurde. Es hätten sich Benutzer für ihn eingesetzt. Sein eigenes Netzwerk, das er in Windeseile aktivierte?

Hallo, es gibt eine Sperrprüfung: [1], falls du Interesse dazu hast und hier begründen möchtest warum du sie wünschst (z.B. warum indefinite Sperre nicht berechtigt, warum kein Schaden zu erwarten ist etc.; es kann übertragen werden auf Sperrprüfung von anderen Nutzern). –Casra (Diskussion) 19:17, 8. Nov. 2014 (CET)

Moin, nachdem sich mehrere Benutzer sehr für dich eingesetzt haben, habe ich die Sperrung deines Kontos aufgehoben. Jedoch hat sich bei der Arbeit an dem Artikel eine ungute Dynamik entwickelt, deshalb möchte ich dir die Punkte hier aufzeigen. Die Wikipedia ist nicht die freie Presse, hat auch nicht die Aufgabe etwas bekannt zu machen bitte dazu WP:WWNI lesen. Unterlasse also bitte hektische, aktionistische Edits, um diese Affäre möglichst schnell, möglichst breit bekannt zu machen. Für die Wikipedia als Enzyklopädie sind Qellen für die verschiedensten Aussagen, gerade in heiklen Themenfeldern extrem wichtig. [...] Gruß –Itti 23:10, 8. Nov. 2014 (CET)

Und es hat sich leider im Laufe der Jahre nichts geändert. Noch immer fällt ‘Neudabei’ durch aktionistische Edits auf. Zwischen dem 17. und 19 August 2018 bearbeitete er meine Wikipedia-Seite gleich fünf Mal. Zum Teil liegen zwischen den nervösen Edits nur 5 Minuten, was von emotionaler Aufgewühlheit zeugt. Gut gemeinte Ratschläge von 2014 schlug ‘Neudabei’ einfach in den Wind:

Hi Neudabei. Du schreibst: « Der Grund für meine Sperrung ist für mich nicht nachvollziehbar.» Mein Rat: Schreib nicht einfach drauflos. Bedenke alles erst. Nicht, dass ich der Oberweise wäre, beileibe nicht, der Rat gilt auch für mich (und für alle eigentlich). Das Internet hat die Eigenart, so verführerisch einfach zu sein … man kann einfach so was machen, einfach so jemandem eine draufhauen, einfach so was loswerden… Schreibst du dagegen einfach so, wie du mit dem Nachbarn reden würdest – dann ist alles ok. Digitale Kommunikation ist ein Chaos – es liegt an uns, da etwas Ordnung reinzubringen. Man muss nicht bei jedem Wahnsinn mitmachen.–Andras Corvi (Diskussion) 00:21, 9. Nov. 2014 (CET)

Es wird klar: Wikipedia hat ein riesiges Transparenz-Problem. Im Laufe der Jahre haben sich hier anonyme, nerdige Autoren im System festgekrallt, über deren Motive und mögliche Interessenskonflikte wir nichts wissen. Das Konzept anonymer Bearbeitungen ist insbesondere im Bereich politisch sensibler Themen vollends gescheitert. Die einzige Lösung wäre, die vollkommende Offenlegung aller Autorennamen um das Vertrauen in das System wieder zuückzugewinnen. Genau wie bei Demonstrationen, muss nun auch bei Wikipedia endlich ein Vermummungsverbot kommen, ansonsten regiert weiter die Willkür, was letztendlich zur vollständigen Unbrauchbarkeit der vormals gut gemeinten Online-Enzyklopädie führt. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

 

 

Zwischenbilanz: Was ist aus den Thesen der kalten Sonne geworden?

Vor sechseinhalb Jahren (im Februar 2012) haben wir unser Buch ‘Die kalte Sonne‘ veröffentlicht. Zeit für eine fachliche Zwischenbilanz. Es mag einige überraschen zu hören, dass sich der größte Teil der Hauptthesen im Buch mittlerweile als vollkommen richtig herausgestellt hat:

1) KLIMAWIRKUNG DER SONNE: Im Buch wird eine Vielzahl von gut dokumentierten Fallstudien aufgearbeitet, die eine deutliche Klimawirkung der Sonne auf Temperatur und Niederschläge beschreiben. Dies steht im krassen Gegensatz zum IPCC-Ansatz in den Klimamodellen, der einen fast vernachlässigbar geringen Einfluss der Sonne auf das Klima in seinen Berechnungen zugrundelegt. Ganz offensichtlich klaffen hier die rekonstruierte Klimageschichte und theoretische Klimamodellwelt krass auseinander. Seit Erscheinen des Buches ist eine große Anzahl weiterer begutachteter Fachpublikationen erschienen, die eine starke solare Beeinflussung des Klimas feststellten. Übersichten auf Google Scholar, Scopus, Maarten Blaauw. Die im Buch identifizierte Diskrepanz besteht weiterhin und gefährdet die Akzeptanz der Klimamodellierungsergebnisse.

2) OZEANZYKLEN: Im Buch wird der systematische Einfluss der 60-jährigen atlantischen und pazifischen Ozeanzyklen (AMO, NAO, PDO) auf das Klima beschrieben und in den Kontext der globalen Temperaturentwicklung der letzten 150 Jahre gesetzt. Während führende Modellierer sie zur Zeit der Buchveröffentlichung noch als unwichtiges Rauschen abtaten, haben die Ozeanzyklen in den letzten Jahren einen regelrechten Durchbruch in der Fachwelt erlebt. Die kühlenden und wärmenden Halbphasen der Ozeanzyklen sind nun anerkannte Klimafaktoren und werden jetzt sogar in vielen Mittelfristprognosen berücksichtigt (siehe z.B. Tung & Zhou 2013, Gervais 2016, Seidov et al. 2017). Die gebremste Erwärmung der letzten anderthalb Jahrzehnte ist Teil dieser Zyklik.

3) MITTELALTERLICHE WÄRMEPERIODE: Vor 1000 Jahren ereignete sich in vielen Teilen der Erde eine natürliche Wärmephase, die mit einer erhöhten Sonnenaktivität zusammenfiel. Klimamodelle können die Warmphase nicht reproduzieren, was nicht verwundert, denn der einzige aktive Wärmetreiber in den Modellen – das CO2 – war weitgehend konstant in den letzten 10.000 Jahren der vorindustriellen Zeit. Um verlässliche Zukunftsprognosen abzugeben, müssen Modelle jedoch zwingend die bekannte Vergangenheit abbilden können, ansonsten ist auch die Qualität ihrer Klimaprognosen fraglich. Der IPCC hat den im Buch bemängelten schwerwiegenden Modellierungsfehlschlag mittlerweile in seinem neuesten Klimazustandsbericht eingeräumt, wenn auch versteckt auf Seite 414 in Kapitel 5.3.5 (Arbeitsgruppe 1). Eine Erwähnung des schweren Mangels in der Zusammenfassung für Politiker unterblieb jedoch, so dass die Erkenntnis der großen Öffentlichkeit verborgen blieb. Die mangelnde Transparenz seitens des IPCC im Umgang mit unbequemen Resultaten verwundert ein ums andere Mal.

4) AEROSOL-JOKER: Im Buch wird die fragwürdige „Joker-Rolle“ der Schwefeldioxid-Schwebstoffe (SO2) in den Klimamodellen kritisiert. Als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass der Ruß viel stärker wärmt als vormals angenommen, wurde die plötzlich überschüssige Wärme in den Modellen einfach über das kühlende SO2 aufgefangen. Allein diese Maßnahme erlaubte es den Modellierern, die angesetzte starke Erwärmungswirkung des CO2 beizubehalten. Im anderen Fall hätten die in den letzten 150 Jahren beobachteten Erwärmungsraten die simulierten Raten weit unterschritten und die CO2-Klimasensitivität hätte entsprechend erniedrigt werden müssen. In den vergangenen Jahren hat sich nun jedoch gezeigt, dass die Kühlwirkung der SO2-Aerosole signifikant überschätzt wurde, was in etlichen Fachpublikationen aus dem Bereich der Aerosolforscher deutlich belegt wurde (z.B. Stevens 2015, Malavelle et al. 2017). Der schnell aus dem Ärmel gezauberte Aerosol-Joker ist damit hinfällig, wie im Buch bereits befürchtet.

5) CO2-KLIMASENSITIVITÄT: Hinsichtlich der CO2-Klimasensitivität werden Im Buch Szenarien am unteren Rand der IPCC-Spanne von 1,5-4,5°C pro CO2-Verdopplung diskutiert. Vormals hatte der IPCC einen besten Schätzwert von 3,0°C abgegeben. Eine ganze Reihe von Fachpublikationen bestätigt nun, dass der IPCC die CO2-Klimasensitivität vermutlich lange Jahre lang stark überschätzt hatte. Die Hamburger Stevens-Gruppe errechnet jetzt eine reduzierte Klimasensitivität von nur noch 2,21°C pro CO2-Verdopplung. Andere Arbeiten aus der jüngsten Zeit gehen von ähnlich niedrigen Werten aus, darunter Masters (2014) mit 2,2°C, von der Heydt et al. 2014 mit 2,26°C; Loehle 2014 mit 1,99°C, Skeie et al. 2014 mit 1,8°C, Lewis & Curry 2015 mit 1,64°C und Spencer & Braswell 2014 mit 1,3°C.

6) ENERGIEWENDE: Im Buch wird davor gewarnt, die deutsche Energiewende zu überstürzen, da dies zu einem enormen Kostenrisiko führen würde. Sechs Jahre nach Veröffentlichung dieser Kritik ist nun genau dies eingetreten und gefährdet ernsthaft die Zukunft der schlecht geplanten Energiewende. Viele Medien und Experten teilen jetzt die Sorge (z.B. Daniel Wetzel in der Welt: Kurzschluss bei der Energiewende; Justus Haucap in der FAZ: Deutschlands teurer Energie-Irrweg).

7) BIOTREIBSTOFFE: Im Buch wurde davor gewarnt, dass die Umweltbilanz von Biostreibstoffen weniger gut ausfällt als lange behauptet. In den letzten Jahren wurde dies nun bestätigt und es wurde die traurige Gewissheit erlangt, dass Biostreibstoffe nahezu kein CO2 einsparen und zudem zur Umweltzerstörung beitragen (z.B. Sterman et al. 2018, Gnansounou 2018).

 

Für eine weitere Prognose aus dem Buch „Die kalte Sonne“ ist es für ein Fazit noch zu früh. Lüning und Vahrenholt rechnen im Buch für die kommenden Jahre mit einer leichten globalen Abkühlung, da sowohl Sonnenaktivität und Ozeanzyklen in eine kühlende Phase eintreten. Da die derzeit erlahmende Sonne aufgrund der trägen Ozeane erst mit mehrjähriger Verzögerung klimatische Wirkung zeigt und vieljährige Mittelwerte zu betrachten sind, wird diese Prognose erst in einigen Jahren überprüfbar.

Zwischenzeitlich nutzten Klimaaktivistenkreise den kurzzfristigen Anstieg der globalen Temperaturen im Rahmen des El Nino 2015/16 und interpretierten dies als angebliches Indiz für das Scheitern der Prognose. Mittlerweile (Stand 2018) sind die Temperaturen jedoch wieder auf das allgemeine Temperaturplateau zurückgefallen, dass seit 2000 herrscht. Die auf Wikipedia verbreitete Graphik wurde indessen auf dem Höhepunkt des El Nino 2016 eingefroren, so dass die enorme nachfolgende Abkühlung dem Wikipdia-Leser verborgen bleibt. Aufforderungen zur Aktualisierung der Graphik blieben ergebnislos, ebenso wie die Aufforderung zur Korrektur und Ergänzung vieler anderer Details im Wikipedia-Artikel zu Sebastian Lüning. Wie in vielen politisch sensiblen Bereichen sind leider auch die Seiten zum Klimawandel auf Wikipedia fest in Aktivistenhand. Die reale globale Temperaturentwicklung laut RSS-Satellitendaten sieht um einiges wenger dramatisch aus als in der Wikipedia-Graphik suggeriert.

Abbildung: Globale Temperaturentwicklung (Anomalien in °C) laut UAH Satellitendaten (via WoodforTrees).

 

 

Cyanobakterien als Zeitzeugen: Ostsee im Mittelalter möglicherweise wärmer als heute

Am 11. August 2018 hatten wir uns an dieser Stelle über die stellenweise hysterische Medienberichterstattung zur diesjährigen mitteleuropäischen Hitzewelle beklagt. Zwischenzeitlich ist zum Glück eine weitere realistische Stimme dazugekommen. Axel Bojanowski schrieb auf Spiegel Online am 11. August 2018:

Klimastreit im Dürresommer: Überhitzt

Waldbrände, Dürre, Hitze – ist die Klimakatastrophe bereits angekommen? Zeit für eine kühle Inspektion.

Forscher sehen es als Ehre, von der Akademie der Wissenschaften der USA eingeladen zu werden, einen Aufsatz im hauseigenen Magazin “PNAS” zu verfassen. In einer sogenannten Perspective dürfen sie den Forschungsstand ihres Gebietes darstellen, ganz aus ihrer eigenen Perspektive. Diese Woche sorgte solch ein Aufsatz für Schlagzeilen. Der Beitrag war von “PNAS” ungewöhnlich schnell publiziert worden, schon 17 Tage nach Eingang in der Redaktion, normalerweise vergehen Monate bis zur Veröffentlichung. Eine Heißzeit stehe womöglich bevor, aus der es kein Zurück mehr gebe, zitierten Medien weltweit aus dem Essay, auch SPIEGEL ONLINE. Neue Erkenntnisse brachten die Autoren zwar nicht, es handelte sich um bekannte Spekulationen über sogenannte Kipppunkte des Klimas. Das heiße Zeitalter drohe zwar erst in Jahrtausenden. Gleichwohl könnte bereits eine Erwärmung in den kommenden Jahrzehnten den Weg in die Heißzeit unwiderruflich bahnen, argumentieren die Autoren.

Weiterlesen auf Spiegel Online

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Irgendwann reichte es den Klimaaktivisten nicht mehr, in der Fußgängerzone mit Plakaten herumzulaufen. Man wollte den Hebel vergrößern und ging dazu über, die Gegenseite einfach zu verklagen. In der ganzen Welt sprossen daher die Klimaklagen wie Pilze aus dem Boden. Die Juristen wussten erst nicht so recht damit umzugehen, ließen es eine Weile laufen. In den USA haben die Gerichte jetzt genug davon. Mehrere große Klimaklagen sind jetzt abgeschmettert worden. Nun müssen die Aktivisten schnell nach Alternative Ausschau halten. Welche Spielart des Protestes kommt wohl als nächstes?

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Am 3. August 2018 gab es wieder mal eine sehr interessante positive Überraschung vom DLF. In einem Beitrag wird über Forschungsarbeiten an  Ostsee-Sediment-Bohrkernen berichtet, die zeigen, dass es während der MWP deutlich mehr hitze-liebende Blaualgen (= Cyano-Bakterien) gab. Das könnte als bedeuten, dass es im Mittelalter im Ostseeraum wärmer gewesen war als heute, zumal es damals einen viel kleineren Dünge-Zufluss durch die Landwirtschaft gab. Hier ein Auszug aus dem DLF-Beitrag von Dagmar Röhrlich:

Gefährliche Cyanobakterien Blaualgen-Alarm in deutschen Gewässern
[...] Also haben Thorsten Bauersachs und seine Kollegen im Rahmen des IODP – des Internationalen Ocean Discovery Programs – zwischen dem Kleinen Belt und dem Bottnischen Meerbusen Bohrkerne aus dem Ostseeboden gezogen. In ihnen analysierten die Geochemiker den Gehalt an Biomolekülen, die aus den Zellmembranen der Cyanobakterien stammen. Das Ergebnis: Die Bakterien fühlen sich nicht nur heute in der Ostsee wohl: “In den letzten 8000 Jahren gab’s mindestens noch zwei weitere Phasen zusätzlich zu der Phase, die wir heute kennen, in denen Cyanobakterien vermehrt aufgetreten sind – ähnlich oder noch dominanter aufgetreten sind, als das, was wir heute beobachten.” Nach dem Ende der Eiszeit traten vor 8000 Jahren – während des Klimaoptimums im Holozän – erste Cyanobakterienblüten auf. Die zweite Phase lag in der mittelalterlichen Warmzeit. Beide Male waren die betroffenen Regionen sehr viel ausgedehnter als heute – und die Bakterienteppiche noch dichter. Und beide Male scheinen erhöhte Wassertemperaturen die Blüten ausgelöst zu haben [...]

Ganzen DLF-Beitrag hier lesen

 

Die Ostseeregion im Klimawandel der letzten 1000 Jahre

Pressemitteilung des Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde vom 3. Juli 2018:
(Anmerkung: Veranstaltung leider schon vorbei, und auch die Webseite zum Vortrag wurde leider bereits wieder gelöscht. Was da wohl drauf zu lesen war?)

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Die Ostseeregion im Klimawandel der letzten 1000 Jahre

Ankündigung des ersten „Warnemünder Abends“ am 5. Juli 2018, 18.30 Uhr

Markus Meier, Leiter der Sektion „Physikalische Ozeanographie“ des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), berichtet, wie historische Befunde Aufschluss über die klimatischen Schwankungen im Ostseeraum geben und was auf Basis dieser Erkenntnisse hier für die Zukunft zu erwarten ist. Die Veranstaltungen findet im großen Vortragssaal des IOW, Seestraße 15, in Warnemünde statt. Beginn ist 18:30 Uhr, der Eintritt ist frei.

In der Ostseeregion hat es in den letzten 1000 Jahren nachweislich große Klimaschwankungen gegeben. Warme und kältere Perioden wechselten sich ab, mit großen Folgen für das Leben von Pflanzen, Tiere und Menschen. Während der „mittelalterlichen Warmzeit“ zwischen 950 und 1250 n. Chr. herrschten auf der Nordhemisphäre, einschließlich der Ostseeregion, überdurchschnittlich hohe Temperaturen im Vergleich zu den Perioden davor und danach. Zu dieser Zeit wurde Grönland („Grünland“) von den Wikingern besiedelt, die dort Viehzucht und Ackerbau betrieben. Anfang des 13. Jahrhunderts brachten Zisterziensermönche sogar den Weinbau nach Mecklenburg-Vorpommern, u. a. nach Güstrow, Schwerin und Neukloster, um nur zwei historische Ereignisse zu nennen, die möglicherweise mit der Erwärmung in Verbindung stehen können. In den nachfolgenden Jahrhunderten, von 1300 bis 1900, waren die Temperaturen auf der Nordhemisphäre dagegen sehr niedrig. Daher wird dieser Zeitraum auch als „kleine Eiszeit“ beschrieben. Die klimatischen Veränderungen in den letzten 1000 Jahren, die durch historische Überlieferungen und sogenannte Proxydaten belegt sind, hatten auch Auswirkungen auf das Ökosystem der Ostsee. Es wird vermutet, dass die Ausbreitung von toten Meeresböden auf Grund von Sauerstoffmangel während der „mittelalterliche Warmzeit“ durch die hohen Temperaturen begünstigt wurde. Da wir heute in eine neue Warmzeit hineinsteuern, können diese historischen Befunde möglicherweise Aufschluss darüber geben, was wir in der Zukunft für das Ökosystem der Ostsee erwarten können. Daher wird intensiv Forschung betrieben, um die Auswirkungen von vergangenen Klimaschwankungen auf die Ostsee und andere Küstenmeere besser zu verstehen.

 

Schwerer Klimadopingverdacht gegen RSS: Satellitentemperaturen nachträglich um anderthalb Zehntel Grad angehoben

Eine Arbeit von van der Hel et al 2018 beschäftigt sich mit den in der Fachwelt kontrovers diskutierten Kipppunkten, und wie Wissenschaft und Medien hierbei interagieren. Auszug der Discussion des Papers:

Since 2005, the tipping point metaphor has been used deliberately by climate scientists to convey a warning that abrupt, irreversible and dangerous climate change is imminent. The metaphor was picked up by the news media (prior to the publication of the scientific articles) and developed into a commonly used metaphor about possible, grave dangers of on-going climate change. Here, we observe that the tipping point metaphor functions as a deliberate boundary object between science and the news media on climate change, on the one hand guiding the conceptual development within the sciences and on the other facilitating communication of abrupt climate change across the sciences and lay audiences. Typical for boundary objects, the tipping point metaphor offers a common ground for different discourses by allowing multiple interpretations of the meanings of the metaphor (Hellsten, 2000). Yet, partly due to these multiple meanings, the tipping point metaphor is also controversial, with critics pointing to the tone of alarmism that surrounds the concept (Hulme, 2008; Skrimshire, 2008), the deterministic language by which human agency appears defenceless against the risks of climate change (Nuttall, 2012), and the overly simplistic extension of the tipping point concept from the climate to the social domain (Russill, 2008; Russill & Nyssa, 2009). The tipping point phrase represents a less common example of how metaphors generally travel between the sciences and news media.

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Temperaturen können vom Boden und vom Satelliten aus gemessen werden. Bei den Satellitendaten gibt es zwei Versionen, nämlich UAH und RSS. Die Version von UAH (University of Alabama, Huntsville) macht einen soliden Eindruck. Die RSS-Version zeigt größere Abweichungen, suggeriert eine stärkere Erwärmung. Wie kommt das? Beide Datenfamilien beziehen ihre Daten doch sicher aus ähnlichen Satelliten. Des Rätsels Lösung steckt in einer “Nachbearbeitung” der Messwerte durch die RSS-Gruppe. In der untenstehenden Abbildung sieht man die alte Version in rot. Irgendwann ab Mite 2015 haben sich dann die RSS-Leute darangemacht und die Temperaturen ab 2000 händisch nach oben gedrückt. Heute findet man daher die Werte der blauen Kurve in der Datenbank. Durch diese nachträgliche Datenveränderung wurden auf die Schnelle anderthalb Zehntel Grad zusätzliche Erwärmung generiert. Klingt wenig, ist aber sehr viel, wenn man sich vor Augen führt, dass die Erwärmung im 20. Jahrhundert lediglich acht Zehntelgrad beträgt.

So ein bisschen ist das, als wenn ein Hochsprungweltrekord aus dem Jahr 2010 von 2,40 m nachträglich vom Internationalen Leichtathletikverband auf 2,45 m hochgesetzt wird. Man könnte das auch als Schreibtischdoping bezeichnen, was für die RSS-Eingriffe sicher kein schlechter Begriff wäre. Als Konsument der Wetterstatistiken fühlt es sich wie eine Ohnmacht an. Die Statistiker massieren unter dem Radar kräftig ihre Daten, ohne dass sich Medien dafür groß interessieren würden. Ein paar Jahre später werden dann überraschenderweise neue Hitzerekorde gemeldet, was aber in vielen Fällen wohl erst durch hitzefördernde Maßnahmen im Zuge des Schreibtischdopings möglich wurde. Die Veränderungen betreffen genau die Hiatus-Phase, als man es offenbar mit der Angst zu tun bekam, dass sich die Erwärmung zunächst nicht fortsetzte. Also wurden die Werte einfach angehoben. Ein klassischer Fall, bei dem die Messwerte die Modelle nicht bestätigten. Anstatt aber die Modelle zu verbessern, veränderte man einfach die Messdaten. Es gibt wohl kaum eine andere Fachdisziplin, in der in dieser Weise vorgegangen wird.

Wieder einmal wird klar, dass wir dringend Klimadopingkontrollen brauchen. Der Vertrauensschaden ist bereits passiert. Nun helfen nur noch striktere Überprüfungen und bei Verdachtsfällen Sperren entsprechender Mitarbeiter, im Wiederholungsfall sogar lebenslang. Vorschlag: Wer Klimadaten nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft.

Abb. : Globale Temperaturentwicklung auf Basis von Satelliten. Version von RSS. Aus Climate4You Newsletter Juni 2018.

 

Neue Studie: Pauschale CO2-Steuer führt zu mehr Hunger in der Welt

Das Klima wandelt sich, hat sich stets gewandelt. Vieles deutet daraufhin, dass unsere liebe Sonne hier maßgeblichen Einfluß ausübt. Aber es gibt auch andere Ideen. David Dilley vertritt die Meinung, dass Gravitationszyklen eine Rolle spielen könnten. Auf seiner Webseite bietet er auch verschiedene Prognosen an. Seinen Werdegang können Sie hier und hier nachschlagen.

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In der FAZ erschien am 23. Juli 2018 ein kritischer Bericht von Joachim Weimann zur Energiewende:

Widersprüche der deutschen Klimapolitik

Hohe Subventionen für grüne Energien und hohe Strompreise: Und dennoch sinken die CO2-Emissionen kaum. Deutschlands Energiewende ist teuer – und klimapolitisch eher wirkungslos. 

Als Weltmeister sind wir entthront, aber seit kurzem sind wir immerhin Europameister. Nur leider nicht im Fußball, sondern beim Strompreis. Da haben wir die bisher führenden Dänen jetzt auch noch abgehängt, der deutsche Strompreis liegt um etwa die Hälfte über dem EU-Durchschnitt. Deutsche Klimapolitiker werden das mit einem Achselzucken zur Kenntnis nehmen und als Beleg dafür werten, dass unsere nun mal sehr ambitionierte Klimapolitik eben ihren Preis hat.

Weiterlesen auf windwahn.

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Zwar lesen wir allwöchentlich über Naturkatastrophen in der Zeitung. Jede einzelne ist zu viel. Insgesamt ist die Häufigkeit der Naturkatastrophen jedoch offenbar zurückgegangen, wie Roger Pielke Jr. auf Twitter darstellt.

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Klimaaktivisten wollen die Weltwirtschaft umstellen. Skeptiker rechnen ihnen vor, dass erst die preisgünstige Verfügbarkeit von Energie in Form von Öl, Gas, Kohle die wirtschaftliche Entwicklung möglich gemacht hat. Erneuerbare Energien sind lobenswert, aber auch teuer und flächenfressend. Das International Institute for Applied Systems Analysis hat nun vorgerechnet, dass geplante Klimasteuern in der Landwirtschaft die Lebensmittelversorgung gefähren würde. Hier die Pressemitteilung der IISA vom 30. Juli 2018:

Climate taxes on agriculture could lead to more food insecurity than climate change itself

New IIASA-led research has found that a single climate mitigation scheme applied to all sectors, such as a global carbon tax, could have a serious impact on agriculture and result in far more widespread hunger and food insecurity than the direct impacts of climate change. Smarter, inclusive policies are necessary instead.

This research, published in Nature Climate Change is the first international study to compare across models the effects of climate change on agriculture with the costs and effects of mitigation policies, and look at subsequent effects on food security and the risk of hunger.

The researchers, led by Tomoko Hasegawa, a researcher at IIASA and Japan’s National Institute for Environment Studies (NIES), and Shinichiro Fujimori, a IIASA researcher and associate professor at Kyoto University, summarized outputs of eight global agricultural models to analyze various different scenarios to 2050. The scenarios covered different socioeconomic development pathways, including one in which the world pursues sustainability, and one in which the world follows current development trends, different levels of global warming, and whether or not climate mitigation policies were employed.

By 2050, the models suggest that climate change could be responsible for putting an extra 24 million people at risk of hunger on average, with some models suggesting up to 50 million extra could be at risk. However, if agriculture is included in very stringent climate mitigation schemes, such as a global carbon tax or a comprehensive emission trading system applying the same rules to all sectors of the economy, the increase in food prices would be such that 78 million more people would be at risk of hunger, with some models finding that up to 170 million more would be at risk.

Some areas are likely to be much more vulnerable than others, such as sub-Saharan Africa and India.

There is a growing consensus that agriculture, one of the world’s major greenhouse gas emitters, must do more to share the burden of carbon emissions reduction. The new research shows that without careful planning, the burden of mitigation policies is simply too great. All the models showed that deploying measures such as a carbon tax raises the cost of food production. This can be directly, through taxes on direct agricultural emissions, and taxes on emissions resulting from land use change, such as converting forest to expand agricultural land, and indirectly, through the increased demands for biofuel, which competes with food production for land.

The researchers stress that their results should not be used to argue against greenhouse gas emissions reduction efforts. Climate mitigation efforts are vital. Instead, the research shows the importance of “smart”, targeted policy design, particularly in agriculture. When designing climate mitigation policies, policymakers need to scrutinize other factors and development goals more closely, rather than focusing only on the goal of reducing emissions.

“The findings are important to help realize that agriculture should receive a very specific treatment when it comes to climate change policies,” says Hasegawa. “Carbon pricing schemes will not bring any viable options for developing countries where there are highly vulnerable populations. Mitigation in agriculture should instead be integrated with development policies.”

The researchers suggest, for example, schemes encouraging more productive and resilient agricultural systems. The developing world’s ruminant livestock herds produce three-quarters of the world’s ruminant greenhouse gases, but only half of its milk and beef. Using efficient techniques and technology from the developed world would then simultaneously reduce greenhouse gas emissions, promote economic growth, reduce poverty (thereby improving health and living conditions), and improve food security. Another suggestion is complementary policies to counteract the impact of mitigation policies on vulnerable regions, for example, money raised from carbon taxes could be used for food aid programs in particularly hard-hit areas or countries.

“As agriculture is more and more directly associated with the discussion on global mitigation efforts, we hope the paper will show that differentiated solutions need to be found for this sector. As countries are all working at defining emission reduction pathways within the context of the Paris Agreement, it serves as a warning that other development objectives should be kept in mind to choose the right path towards sustainability,” says IIASA researcher and coauthor Hugo Valin.

Reference
Hasegawa T, Fujimori S, Havlík P, Valin H, Bodirsky BL, Doelman JC, Fellmann T, Kyle P et al. (2018). Risk of increased food insecurity under stringent global climate change mitigation policy. Nature Climate Change DOI: 10.1038/s41558-018-0230-x [pure.iiasa.ac.at/15389]

 

Neue Studie bestätigt weitverbreitete Gatekeeper-Mentalität im Journalismus

In den letzten 20 Jahren haben deutsche Bauern durch Kreuzungsversuche eine ganz neue Feldfrucht hervorgebracht: Den Spargelmais. Üblicherweise wird er in großen Monokulturen angebaut. Hier eine Aufnahme aus der Nähe von Nauen.

Foto: Frank Bosse

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Im Juli 2018 erschien eine Studie von Jost und Koehler. Die Forscher untersuchen, inwieweit Journalisten zu verzerrter Berichterstattung neigen. Die Auswertung einer großen Zahl von Presseartikeln zeigt, dass es in der Tat zu enormen Verzerrungen in der Auswahl der Themen und der Darstellung der Inhalte kommt. Die Studie handelt zwar von Auseinandersetzungen in der Wirtschaft, kann aber sicher auch auf die Klimadebatte übertragen werden. Abstract:

Who shapes the news? Analyzing journalists’ and organizational interests as competing influences on biased coverage
This study investigates influences on gatekeeping processes that have the potential to cause biased media coverage. We tested whether and, if so, to what extent journalists’ and organizational interests affect journalistic news processing. In a content analysis, we contrasted the press coverage (n = 1199 articles) of trade disputes of newspaper journalists with the coverage of other trade disputes. Results indicate both coverage and statement bias. In their coverage of newspaper disputes, journalists evaluated employers’ offers significantly more negatively, framed industrial action as legitimate, and criticized employers’ behavior during strikes.

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Euronews am 3. August 2018:

Keine 2.100 m mehr: Schwedens höchster Gipfel schmilzt weg
Schwedens höchster Gipfel hat wahrscheinlich seinen Status verloren. Der Kebnekaise-Gletscher, gelegen im Polarkreis im Norden, war bisher mit knapp 2100 Metern die höchste Erhebung des Landes. Jetzt ist so viel Schnee geschmolzen, dass die Südspitze ein paar Zentimeter kleiner ist als die Nordspitze. Die ist nicht aus Eis, sondern aus Stein.

Weiterlesen auf Euronews

Interessant. Aber nicht ganz vollständig. Denn der Kebnekaise-Gletscher schrumpft und wächst seit vielen Jahrtausenden. Mal ist der Gletscher kleiner und mal ist er größer. Hormes et al. 2004:

Radiocarbon dating of palaeosol components in moraines in Lapland, northern Sweden
Accurate geochronologies are the key for comparison of palaeoclimate records. In order to clarify problems concerning the geochronology of glacier fluctuations we dated palaeosols in moraines in the Kebnekaise mountain region of Swedish Lapland. These palaeosols already have been dated several years ago using bulk samples of the palaeosols and yielded ages of 6180–5790 and 2750–2100 cal yr BP. In an attempt to evaluate the sources of contamination associated with bulk samples these soils were re-dated by using Coleoptera fragments, Cenococcum geophilum spores, humic acids and woody plant tissues. The new dates reveal that the two palaeosols found within the moraines represent much longer periods of time than was previously assumed. Soil formation periods can be distinguished for periods 7800–7580, 6300–4080, 2450–2000 and 1170–740 cal yr BP. These age groups point to differentiated soil formation processes, resedimentation, bioturbation and/or cryoturbation. The results show that dated terrestrial macrofossils from glacial moraines indicate climate changes that are in accordance with other proxy records in northern and central Scandinavia and in certain times off-phase with glacier fluctuations in southern maritime Norway. This throws light on possible changing interaction of forcing factors during the Holocene.

 

Dürregeschichte Mitteleuropas: Klimaforscher Christian Pfister mit unerklärlichen Gedächtnislücken

Am 2. August 2018 brachte SRF ein längeres Radiointerview mit dem bekannten Berner Klima-Historiker Christian Pfister zur diesjährigen langen Dürreperiode in Mitteleuropa:

Extreme Trockenheit – Droht uns eine Megadürre?
Klimaforscher Christian Pfister warnt: Trotz technologischem Fortschritt sind wir den Wetterextremen ausgeliefert. Der Mensch müsse klüger werden – und sich anpassen. [...] Um die verheerenden Auswirkungen längerer Dürreperioden zu veranschaulichen, erinnert der Berner Historiker an die Megadürre von 1540. Der Jahresniederschlag betrug nur gerade ein Drittel der üblichen Menge, teils fiel wochenlang kein Tropfen Regen über Mitteleuropa. In Basel und Köln liess sich der Rhein auf dem Rücken von Pferden überqueren. Die fatale Kombination aus Hitze und Trockenheit hinterliess verbrannte Erde. [...] Doch Pfister warnt vor falschen Schlüssen: «Solche Ausreisser wie 1540 gab es immer, allerdings extrem selten.» 1542 sei bereits ein kaum je überliefertes, nasskaltes Jahr ohne Sommer gewesen. Heute müsse man dagegen von einem Trend sprechen: «Was wir derzeit erleben, zeigt an, wie die normalen Sommer der Zukunft aussehen. Dazu kommen Extreme, die wir noch nie gesehen haben.» Der Klimawandel sei kein Papiertiger, warnt Pfister.

Weiterlesen beim SRF

Pfister bezeichnet das Dürrejahr 1540 als Ausreißer, während die Dürre 2018 die zukünftige Norm darstellen könnte. Eine steile These. Zumal sie dem widerspricht, was der heute emeritierte Klimahistoriker Pfister noch im Jahr 2000 selber feststellte (pdf hier). Eine seltsame Gedächtnislücke. Im Fazit der Arbeit lesen wir doch tatsächlich, dass beim Vergleich des Zeitraums von 1525 bis 2000 die häufigsten Dürren in Mitteleuropa während des Maunder-Minimum im 17. Jahrhundert auftraten und am wenigsten im 20. Jahrhundert:

Die bisherigen Forschungen zu sommerlichen Trockenperioden in Mitteleuropa haben sich bisher stark am Beispiel der Periode 1943 bis 1952 mit ihrem Höhepunkt im Dürresommer 1947 orientiert, die vielfach als einzigartig in den letzten Jahrhunderten betrachtet worden sind. Die vorliegenden Ergebnisse tragen dazu bei, diese Ansicht zu relativieren: Sie unterstreichen nicht nur den seit einiger Zeit bekannten Tatbestand, dass die Dürre des Sommers 1540 jene von 1947 punkto Dauer und Intensität buchstäblich in den Schatten stellte. Sie deuten auch daraufhin, dass, was die Häufigkeit von Dürresommern betrifft, die letzten fünf Jahrhunderte in zwei unterschiedliche Perioden von annähernd gleicher Länge gegliedert werden können, indem sommerliche Trockenperioden in den zwei Jahrhunderten 1525 bis 1730 wesentlich häufiger auftraten als seither. Bei der Interpretation dieser Zahlen ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Daten in der älteren Periode fast ausschliesslich aus der Zentral- und Nordostschweiz stammen, wodurch regionale Effekte stärker ins Gewicht fallen, während die Daten von 1780 und vor allem von 1864 an die westlichen Landesteile mit berücksichtigen. Ihren Höhepunkt erreichte die Tendenz zur Häufung von sommerlichen Dürreperioden in den Jahren 1718 bis 1728, als jeder zweite Sommer wesentlich zu trocken war. Zwar trat in diesen 11 Jahren kein Jahrhundertereignis hervor, aber zweimal (1718/19 und 1723/24) kamen unmittelbar aufeinanderfolgende Trockensommer und dazwischenliegende regenarme Winter und Frühjahrsperioden in ihrer kumulativen Wirkungen auf den Wasserhaushalt einem solchen gleich. Die Auswirkungen dieser langen Dürreperiode auf Ökosysteme wäre zu untersuchen. Gesamthaft gesehen war die Belastung des 20. Jahrhunderts durch Dürresommer bemerkenswert gering, wie dies bereits für Naturkatastrophen (Lawinen, Überschwemmungen) festgestellt worden ist. Auch in dieser Hinsicht trägt das zu Ende gehende Jahrhundert seine Bezeichnung als Gunstjahrhundert offensichtlich zu Recht.

Man reibt sich verwundert die Augen. Was passiert hier genau? Will oder kann sich Pfister nicht mehr erinnern? War alles falsch, was er früher gemacht hat? Steht er lieber auf der Seite der vermeintlich Guten und verbiegt zu diesem Zweck sogar die Realitäten?

 

Um Antwort wird gebeten: Weshalb schneidet AWI-Pressemitteilung das Mittelalter weg?

Von: Sebastian Lüning
An: Antje Boetius, Direktorin AWI

Datum: 17.6.2018

Liebe Frau Boetius,

Am 21. Mai 2018 brachte das AWI die Pressemitteilung “Die Donau friert seit rund 70 Jahren kaum noch zu”.
https://www.awi.de/nc/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/die-donau-friert-seit-rund-70-jahren-kaum-noch-zu.html

Darin wird über interessante Trends zum Donau-Eis der letzten 150 Jahre berichtet. Insgesamt wird dies als Beleg der aktuellen globalen Erwärmung dargestellt, was sicher richtig ist. Allerdings fällt mit keiner Silbe der Begriff “Kleine Eiszeit”, in die das Startjahr 1837 der historisch durchgängigen Beobachtungsreihe fällt. Der Rückgang des Eises kommt daher nicht ganz unerwartet. Wie Sie wissen, stellt die Kleine Eiszeit die kälteste Phase der letzten 10.000 Jahre dar, ist also eine kalte Sonderphase. Insofern werden den Redakteuren und Medienkonsumenten durch diese Auslassung in der AWI-PM wichtige Kontextinformation vorenthalten.

Weiterhin ist es mir unerklärlich, weshalb der zweite Teil der ausgezeichneten Arbeit von Ionita et al 2018 in Scientific Reports ebenfalls verschwiegen wird:
https://www.nature.com/articles/s41598-018-26357-w

In der Studie werden die letzten 150 Jahre explizit in einen Millenniumskontext gestellt. Das Donau-Eis war während der Mittelalterlichen Wärmeperiode (MWP) offenbar ähnlich selten wie heute. Im Supplement des Papers gibt es in Abbildung S2 sogar eine sehr schöne Abbildung dazu. Die Autoren des Papers schreiben weiterhin, dass das Eis während der solaren Schwächephasen Maunder und Dalton in der Kleinen Eiszeit besonders stark zunahm. In der Pressemitteilung gibt es kein Wort dazu.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier unbequeme Fakten einfach weggeschnitten werden, also Rosinenpickerei betrieben wird. Letztendlich führt dies zu einer Dramatisierung, die sich den Vorwurf des Klimaalarmismus gefallen lassen muss. Ich würde mich freuen, wenn Sie einmal mit dem zuständigen Pressereferenten sprechen könnten. Auf der Seite der Pressemitteilung ist Sebastian Grote angegeben; ich weiß nicht, ob er für die PM verantwortlich zeichnet. Angesichts der starken Politisierung der Klimawissenschaften wäre es umso wichtiger, dass eine saubere und unverfälschte Weitergabe der Ergebnisse an die Presse erfolgt. Ich selber setze mich sehr dafür ein und hoffe, dass auch das AWI hieran ein großes Interesse hat.

Mit kollegialen Grüßen,

Sebastian Lüning

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Die Anfrage blieb unbeantwortet.

 

 

Ausstellungs-Begleitbuch ‘Klimagewalten’ beschäftigt sich auch mit natürlichen Klimafaktoren

Die meisten von uns haben eine offenbar ausgezeichnete Ausstellung verpasst, die im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) am 21. Mai 2018 nach einem halben Jahr die Tore schloss. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
Sachsen-Anhalt gab dazu die folgende Pressemitteilung heraus:

»Klimagewalten – Treibende Kraft der Evolution«. Spektakuläre Sonderausstellung geht erfolgreich zu Ende

Am Pfingstmontag, den 21. Mai 2018, wird die Sonderausstellung »Klimagewalten – Treibende Kraft der Evolution« beendet. Insgesamt werden dann rund 55.000 Besucher die Ausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), die am 29. November 2017 feierlich durch den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff eröffnet worden war, gesehen haben.

»Die Ausstellung zeigte, dass auch ein intellektuelles und auf den ersten Blick schwer verständliches Thema, wie die Betrachtung des Klimas, dessen Schwankungen und Auswirkungen auf die Fauna und Flora beim Publikum auf reges Interesse stößt. Es zeigte sich, dass insbesondere Klassen 14–16-jähriger Schülerinnen und Schüler durch die Schau gesteigertes Interesse an einem Besuch im Landesmuseum zeigten«, so der Museumsdirektor Prof. Dr. Harald Meller. Dies spiegelt sich auch in den zahlreichen Schulklassen-Buchungen wider. Insgesamt wurden ca. 400 Schulklassen und Kita-Gruppen betreut. »Das Begleitprogramm war ebenfalls sehr gut besucht – der Hörsaal war bei unseren Vorträgen immer voll, die Abendveranstaltungen der Besucherbetreuung waren regelmäßig ausgebucht. Wir sind mit den Besucherzahlen sehr zufrieden.«

Die Schau fokussierte auf die Entwicklung der Säugetiere in den letzten 66 Millionen Jahren bis hin zum Auftreten des Menschen in Mitteleuropa. Die Ausstellung befasste sich mit den Ursachen der Schwankungen, denen das Klima unserer Region in der Vorgeschichte unterworfen war, und wie sich Flora und Fauna den extremen Situationen anpassten. Der Entwicklung des Menschen vom Gejagten zum Jäger und der damit einhergehenden Loslösung vom Pfad der rein biologischen Evolution wurde ebenso Raum gegeben, wie der Abbildung zweier hypothetischer Szenarien für die Zukunft: Die Auswirkungen einer möglichen Wärme- oder Kaltphase auf das Leben der Menschen wurden am Ende der Ausstellung beleuchtet.

Insgesamt waren etwa 800 Exponate und Exponatgruppen aus den eigenen Beständen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und von 35 in- und ausländischen Leihgebern auf 1.000 m2 Ausstellungsfläche zu sehen. Insbesondere die weltberühmten Funde aus dem Geiseltal aus dem Besitz des Zentralmagazins Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sind hervorzuheben. Eines der Highlights und ein beliebtes Fotomotiv war die zentrale Installation im Museumsfoyer mit der Darstellung einer kämpferischen Auseinandersetzung zwischen Mammuts und Höhlenlöwen, die so vor 220.000 Jahren stattgefunden haben könnte.

Zur Ausstellung wurde ein Begleitbuch herausgegeben, das man bei Amazon als Hardcover und Taschenbuch bestellen kann:

Das Inhaltsverzeichnis können Sie hier anschauen (pdf). Reinschauen lohnt sich. Ausführlich werden im Buch die schwankende Sonnenaktivität besprochen. Auf Seite 45 lautet zudem das Resümee des Autors  zur CO2 – Vermeidung:  “Insofern verschwendet die CO2-Vermeidung  Ressourcen, die in anderen Bereichen für die Zukunftssicherung  viel nützlicher verwendet werden könnten“.

 

Die gefährlichste aller Weltanschauungen

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute,
welche die Welt nie angeschaut haben.

Alexander Freiherr von Humboldt (1769 – 1859), deutscher Naturforscher

Die KS-Hobbyecke: Wir basteln uns einen Indoktrinationsfilter

Von Uli Weber

Nehmen wir einmal an, Sie glauben an die universelle Formel für eine bessere Welt und kennen auch den richtigen Weg dorthin. Nehmen wir weiter an, 97 Prozent aller Meinungsmultiplikatoren würden Ihren festen Glauben an diese bessere Welt teilen, könnten dafür aber nur eingängige Glaubensformeln und keine schlüssigen Beweise vorlegen.

Und auf dieser Basis müssten Sie sich nun mit den verbliebenen konterrevolutionären Kräften herumärgern, die ständig irgendwelche Argumente gegen diese politisch und gesellschaftlich voll akzeptierten Glaubenssätze vorbringen. Dabei kommt Ihnen zunächst einmal sehr entgegen, dass die Erkenntnis eine widerborstige Frucht ist, die sich für einen Fachfremden nur sehr mühsam pflücken lässt. Jede Glaubensformel ist dagegen per se ein allgemeinverständliches Konstrukt in der Form „A+B=C“, die für jedermann ganz einfach und schlüssig nachzuvollziehen ist. Die Widerlegung einer Glaubensformel hat dagegen eine geistige „Zahlschranke“. Diese besteht für einen interessierten Betrachter aus der Zumutung, eine längere Abfolge von komplexen Schlüssen und Beweisen eigenständig nachvollziehen zu müssen; beispielsweise sagt „A>B und B<D“ allein ja noch gar nichts über das Verhältnis zwischen „A“ und „D“ aus, obwohl beide in einem direkten Verhältnis zu „B“ stehen,  sondern lediglich, dass „B“ die kleinste dieser drei Zahlen ist.

Bei der Abwägung, wie gefährlich eine konterrevolutionäre Infiltration für Ihre Glaubenssätze ist, könnten Sie also eigentlich entspannt darauf vertrauen, dass Ihre Zielgruppe mit ziemlicher Sicherheit das ökonomische Sparsamkeitsprinzip anwenden wird. Denn Sie wissen ja, dass eine Glaubensformel die einfachste und verständlichste Erklärung für hoch komplexe Zusammenhänge liefert. Aber natürlich haben Sie auch Angst vor einer zufälligen Keimübertragung, denn wie leicht könnte ein häretischer Gedanke einen gut Gläubigen mit dem Virus des Zweifels infizieren, der dann wiederum andere ansteckt und die wieder andere – und schon haben Sie eine veritable Glaubensepidemie…

Also schauen Sie in Ihr antiquarisches Handbuch für Desinformation und Zersetzung, denn Sie wissen ja, wer selbst nichts weiß, muss alles glauben. In diesem Handbuch finden Sie das folgende Kochrezept:

(1)    Werfe dem Autor grobe fachliche Fehler, mangelnde Qualifikation und/oder eine falsche Gesinnung vor

(2)    Ziehe die Kernaussage der konterrevolutionären Argumentation grundsätzlich in Zweifel, gehe dabei aber ja nicht auf irgendwelche fachlichen Details ein, sondern zitiere lieber gegenteilige Meinungen und/oder Gerüchte

(3)    Behaupte, es gäbe bereits seit langem eine einzige glaubenskonforme Lösung für die von Dir vertretene/angezweifelte Argumentation, beispielsweise auf der Grundlage einer höheren Moral oder einer wissenschaftlich begutachteten Studie

(4)    Verweise den interessierten Leser zum Beweis für Deine glaubensgerechte Lösung auf irgendeinen glaubensstarken Meinungsmultiplikator, die Glaubenskongregation oder Wikipedia

(5)    Wiederhole am Ende nochmals die Glaubensformel Deiner reinen Lehre und nenne sie „alternativlos“, weil 97 Prozent aller Meinungsmultiplikatoren ihr bedingungslos folgen

Wenn Sie also ein begeisterter Anhänger dieser einen reinen Lehre sind, dann wären Sie mit diesem Kochrezept jetzt gegen alle Anfechtungen des Bösen gewappnet und können sich beruhigt zurücklehnen. Wenn das aber nicht der Fall sein sollte, dann probieren Sie den hier nachfolgend beschriebenen Indoktrinationsfilter aus. Machen Sie sich also den Spaß und wenden diesen Desinformationskatalog (1)-(5) einmal umgekehrt als Filter (1*)-(5*) auf die real existierende Medienwelt an.

Wir drehen das beschriebene Kochrezept also einfach einmal um: Suchen Sie sich dazu einen beliebigen Fernsehbeitrag oder Online-/Printartikel heraus, der entweder einen modernen Aberglauben hofiert oder dessen Gegner diskreditiert.
Im ersten Fall suchen Sie im betreffenden Text den Bezug auf eine höhere gesellschaftliche Moral oder eine wissenschaftliche Studie, die diesen Aberglauben angeblich voll bestätigt und beginnen Sie nachstehend mit Punkt (3*). Im zweiten Fall suchen Sie eine abwertende ad-hominem-Formulierung zwischen „inkompetent“ und „gekauft“, natürlich ohne dass ein solches Urteil dort überhaupt bewiesen worden wäre, und beginnen Sie nachfolgend bei Punkt (2*).

Sie finden dann:

(1*) Eine abwertende ad-hominem-Aussage nach Punkt (1),

(2*) eine fehlende inhaltliche Auseinandersetzung mit der kritisierten Argumentation und abwertende Aussagen nach Punkt (2),

(3*) emotionale Zustimmung nach Punkt (3) und eine fehlende dialektische Auseinandersetzung mit dem dort ausführlich behandelten alternativlosen Glaubenssatz,

(4*) eine Beweisführung durch Anrufung der reinen Lehre, das persönliche Bekenntnis eines Glaubensgurus oder den Hinweis auf ein aktuelles Glaubensprojekt nach Punkt (4)

(5*) und schließlich das nochmalige herunterbeten des betreffenden Glaubensbekenntnisses und/oder seiner schrecklichen Zukunftsvisionen nach Punkt (5).

Anmerkung: Achten Sie nebenbei auch einmal darauf, welcher Sprachmittel sich diese glaubensbedingte Argumentation bedient. Üblicherweise werden dort Pro- und Contra-Positionen/Argumente aus völlig unterschiedlichen Perspektiven beschrieben, nämlich die Pro-Position als Innen- und die Contra-Position als Außenansicht. Die in solchen Fällen benutzten emotionalen Sprachmittel weisen daher meist auch keine gemeinsame Schnittmenge auf. In einem unabhängigen und seriösen Journalismus war es dagegen einstmals üblich gewesen, konträre Positionen gleichberechtigt aus einer sachlichen und übergeordneten Perspektive zu beschreiben.

Mit dieser Analyse müsste jetzt die inhaltliche Substanz des betreffenden Beitrags/Artikels bereits aufgebraucht sein, auch wenn es zwischen beiden geschilderten Ansätzen natürlich zu den unterschiedlichsten Mischformen kommen wird. Am Ende sind Sie durch die Beschäftigung mit diesem Beitrag/Artikel jedenfalls nicht schlauer geworden, als Sie es vorher schon waren. Ihnen sind dort also gar keine neuen Erkenntnisse vermittelt worden, sondern Sie sind lediglich zum wiederholten Male mit den alternativlosen Glaubensinhalten der betreffenden Heilslehre und/oder deren schrecklichen/überhöhten Zukunftsvisionen konfrontiert worden. Und eine solche, mit missionarischem Eifer vorgetragene, permanente Indoktrination durch eine beliebige Heilslehre führt am Ende für sich allein bereits zu einer dauerhaften Verzerrung der Realität.

Wir sollten die Verantwortung für den Erhalt unserer Kohlenstoff-basierten technischen Zivilisation also niemals in die Hände von irgendwelchen MINT-fernen und glaubensstarken EEG-Befürwortern legen, denn umgekehrt heuert man ja schließlich auch keine Frösche an, um einen Sumpf trocken zu legen…

 

Foto: Uli Weber

 

Grünen-Nachwuchs fordert EU-Staatsbürgerschaft für Klimaflüchtlinge

Von Sebastian Lüning

Es ist generell immer gut zu teilen. Deutschland geht es gut, da können wir sicher etwas von unserem Reichtum abgeben. Aber wenn man grenzenlos verschenkt, wird am Ende nur noch wenig zum Verschenken übrig sein. Die Norweger wissen dies nur allzu zu gut. Sie sind eines der bevölkerungsmäßig kleinsten aber auch reichsten Länder Europas. Öl und Gas sei Dank. Sie stecken ihr Geld überwiegend in einen Zukunftssicherungsfonds und passen dabei auf, dass sie das Geld nicht mit zu vielen Menschen teilen müssen. Deshalb lehnte Norwegen auch eine EU-Mitgliedschaft ab und schottet sein Land vehement gegen Neuankömmlinge ab.

In Deutschland denkt man anders. Am liebsten würde man der ganzen Welt helfen, was zutiefst menschlich und nachvollziehbar ist. Wer es physikalisch nach Deutschland schafft, hat gute Chancen, für immer hier zu bleiben und von den großzügigen Sozialsystemen zu profitieren. So erhält ein Sozialhilfeempfänger mit Familie in Deutschland ein Vielfaches von dem, was ein hart arbeitender Landwirt in Zentralafrika verdient. Die finanzielle Sogwirkung Europas auf die Bevölkerung ärmerer Länder Afrikas und Asiens ist plausibel.

Aber weshalb sollte man nur denjenigen helfen, die den lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer und andere gefährliche Pisten – oft mithife von teuren Schlepperbanden – erfolgreich hinter sich bringen konnten? Angesichts der Vielzahl von Diktaturen und anderen Ungerechtigkeiten in der Welt, würde vermutlich ein Viertel der gesamten Weltbevölkerung die Asylvoraussetzungen erfüllen. Weshalb können Asylanträge nicht bequem über die europäischen Botschaften in Afrika und Asien gestellt werden? Wer seinen Antrag von der Botschaft bewilligt bekommt, fliegt dann schnell und sicher per Flugzeug nach Deutschland oder das Gastland seiner Wahl. Das wäre effektiv und fair. Momentan kommen vor allem die Betuchteren, Jüngeren und Härteren durch, während die finanziell und körperlich Schwächeren die mühselige Reise nach Europa gar nicht stemmen können.

Man kann sich leicht ausrechnen, dass bei einem solchen Botschafts-Verfahren schnell einige hundert Millionen Anträge pro Jahr zusammenkämen. Und ein großer Teil der Antragsteller würde sogar problemlos die geltenden Asylvoraussetzungen erfüllen. Die jetzt noch üppig ausgestatteten Sozialkassen Europas wären schnell entleert. Verlierer wären vor allem die jetzigen Bezieher von Sozialleistungen, die Schwächeren unserer Gesellschaft. Ihre Leistungen müssten entsprechend gekürzt werden. Normal- und Gutverdiener – und dazu gehören übrigens auch unsere Politiker – würden davon kaum etwas spüren. Sie leben zudem in den teureren Vierteln, haben kaum Kontakt zur Sozialklientel, sind räumlich getrennt. Sie würden nur etwas davon mitbekommen, wenn die explodierenden Sozialbudgets eine kräftige Steuererhöhung zur Folge hätten. Ein schwieriges Thema im komplexen Spannungsfeld von Mitmenschlichkeit, Gerichtigkeit und Machbarkeit. Hier ist Augenmaß gefragt.

Den Grünen fehlt bekanntermaßen genau dies. Die Vorsitzende der Grünen Jugend, Ricarda Lang, fordert nun, dass man die Asylgründe sogar noch weiter ausdehnen sollte. Sie möchte all jenen die deutsche Staatsbürgerschaft anbieten, deren Heimat durch den Klimawandel bedroht ist. Die Welt berichtete am 3. August 2018:

Grünen-Nachwuchs fordert EU-Staatsbürgerschaft für Klimaflüchtlinge
Die Jugendorganisation der Grünen fordert das Angebot einer EU-Staatsbürgerschaft für Menschen, deren Heimat durch den Klimawandel unbewohnbar wird. „Die EU sollte den Bewohnern von Inselstaaten, die durch den Klimawandel bedroht sind, die europäische Staatsbürgerschaft anbieten und ihnen eine würdevolle Migration ermöglichen“, sagte die Vorsitzende der Grünen Jugend, Ricarda Lang, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Weiterlesen auf welt.de.

Ein interessanter Gedanke. Kann man sich demnächst über die deutschen Botschaften in Kiribati oder Dakar bewerben? Wie belegt man eine Klimawandelgefahr in der Heimat? Reichen ein paar kürzliche Taifune oder muss man per wissenschaftlichem Gutachten belegen, dass die Taifunhäufigkeit heute deutlich höher ist als während der vergangenen 3000 Jahre? Reicht ein abbröckelndes Kliff, eine sich verlagernde Sandinsel? Bekommt ein von Dürre geplagter Landwirt Ostafrikas umgehend die deutschen Einbürgerungspapiere zugeschickt, oder muss er zunächst darlegen, dass seine Vorfahren der letzten 20 Generationen stets Regen in ausreichender Menge zum Feldanbau zur Verfügung hatten? Hier öffnet sich ein weites Betätigungsfeld für Klimaeinbürgerungsklagen, wovon sowohl Juristen wie auch zukünftige Gerichtsklimatologen profitieren würden. Generell würde sich sogleich ganz Nordafrika zur Einbürgerung qualifizieren, denn Temperaturen von über 40°C im Sommer sind kaum auszuhalten, so dass einer pauschalen Einbürgerung im kühlen Norden nichts mehr im Wege stehen sollte.

 

Deutschland hat kein Hitzeproblem – sondern ein Hysterieproblem

Die Hitzewelle ist in den meisten Teilen Deutschlands jetzt erstmal abgehakt. Es war ein wahres Fest für alle Aktivisten. Bei allem Warnen, Drohen und Qungeln vergaßen sie doch glatt, dass Klima das durchschnittliche Wetter von 30 Jahren ist. Das war nun plötzlich ganz egal. Es war heiß, da wollte man sich mit diesem dummen Ballast nicht mehr abgeben: Die Hitze sei ein Vorbote der Hölle, in die alle Klimaalarm-Ungläubigen schnellstmöglich gelangen, wenn sie nicht die Forderungen der Klima-Gottheiten umgehend erfüllen. Sonst drohe der Weltuntergang. Zum Glück gab es in der Berichterstattung auch wenige Ausnahmen.

Zum eine wäre da Jörg Kachelmann am 3. August 2018 bei den t-online-Nachrichten:

Kachelmanns Donnerwetter: Kein Sommermärchen

Deutschland hat Angst vorm Klimawandel – und vor Ventilatoren. Während im Winter die nächste Klimakatastrophe droht, tut die Regierung nichts. Weil sie die vielen “Dummen” nicht verprellen will.    

Manchmal bestimmt Mesut Özil nicht nur die Medienagenda für ein paar Tage, sondern für einen Sommer. Natürlich nicht er alleine, sondern “Die Mannschaft”. Man kann das wunderbar vergleichen mit 2006. Damals war der Juli noch mal zwei Grad wärmer als der Juli 2018, also noch mal 50 Prozent weiter über dem Durchschnitt, aber das, was de facto viel schlimmer war als heute, war damals keine böse Hitzewelle, die alles kaputtmachte, sondern ein WM-Sommertraum oder meist das legendäre “Sommermärchen”.

Weiterlesen bei den t-online-Nachrichten:

Der zweite Lichtblick zum Thema stammt von Torsten Krauel, der am 8. August 2018 in der Welt schrieb:

Deutschland hat kein Hitzeproblem – sondern ein Hysterieproblem

Sahara-Sommer? Esst vegan, oder es kommt der Weltuntergang? Von wegen. Heiße Sommer hat es viele gegeben, regnerisch-kühle genauso. Deutschland hat kein Hitzeproblem, das zeigt ein Blick in die Vergangenheit.

Deutscher Saharasommer 2018! Glühende Landschaften! Wer so etwa schreibt, war nie in der Sahara. 36 Grad bei nur 55 oder 60 Prozent Luftfeuchtigkeit? Das wäre in etlichen Weltregionen ein angenehm trockener Erholungstag. Um die 40 Grad bei 95 Prozent Luftfeuchte sind in weiten Teilen Chinas die Regel.

Weiterlesen in der Welt

Danke Herr Kachelmann, Danke Herr Krauel. Sie sprechen das aus, was viele nur insgeheim denken. Es ist wichtig, dass man in dieser politisierten Materie mitdenkt und sein Meinung kundtut, ansonsten glaubt die Alarmfraktion, die Nation prächtig geleimt zu haben.

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Nachtrag 13. August 2018:

Zwischenzeitlich ist eine weitere realistische Stimme zur Hitzewelle dazugekommen. Axel Bojanowski schrieb auf Spiegel Online am 11. August 2018:

Klimastreit im Dürresommer: Überhitzt

Waldbrände, Dürre, Hitze – ist die Klimakatastrophe bereits angekommen? Zeit für eine kühle Inspektion.

Forscher sehen es als Ehre, von der Akademie der Wissenschaften der USA eingeladen zu werden, einen Aufsatz im hauseigenen Magazin “PNAS” zu verfassen. In einer sogenannten Perspective dürfen sie den Forschungsstand ihres Gebietes darstellen, ganz aus ihrer eigenen Perspektive. Diese Woche sorgte solch ein Aufsatz für Schlagzeilen. Der Beitrag war von “PNAS” ungewöhnlich schnell publiziert worden, schon 17 Tage nach Eingang in der Redaktion, normalerweise vergehen Monate bis zur Veröffentlichung. Eine Heißzeit stehe womöglich bevor, aus der es kein Zurück mehr gebe, zitierten Medien weltweit aus dem Essay, auch SPIEGEL ONLINE. Neue Erkenntnisse brachten die Autoren zwar nicht, es handelte sich um bekannte Spekulationen über sogenannte Kipppunkte des Klimas. Das heiße Zeitalter drohe zwar erst in Jahrtausenden. Gleichwohl könnte bereits eine Erwärmung in den kommenden Jahrzehnten den Weg in die Heißzeit unwiderruflich bahnen, argumentieren die Autoren.

Weiterlesen auf Spiegel Online

 

 

Gutachtersystem unterhöhlt: Hans-Joachim Schellnhuber wählt die Prüfer einfach selber aus

Man muss schon fast Mitleid mit den Klimalarm-Multiplikatoren haben. Da schickt Ihnen der Himmel diese schöne Hitzewelle und sofort bauen sie darauf die abenteuerlichsten Dinge. Mit hochverzweifelten Phasen beklagt man sich “Es passiert nichts, nichts, nichts“. Es wird geheult und gedroht, die Hitzewelle würde ab nun zum Normalzustand, wenn man nicht ganz schnell alle Forderungen erfüllt. Ist verbale Hitzefolter eigentlich erlaubt? Das PIK fährt Überstunden und kramt aus der Klamottenkiste die verstaubten Kipppunkte heraus, die aber auch beim gefühlt 18. Versuch niemanden so richtig überzeugen. Wieder droht man, der Planet hätte möglicherweise bereits eine kritische Grenze überschritten.

Vieles deutet daraufhin, dass die PIK-Kommunikationsabteilung hier sauber vorgeplant hat. Die sechzehnköpfige Autorenschar wird vom neuen (Rockström, fast vorne) und alten PIK-Chef (Schellnhuber, ganz hinten) eingerahmt. So macht es auch Donald Trump, der bei Fernsehansprachen für die TV-Kameras das Volk um sich herum aufbaut. Sieht einfach besser aus. Erschienen ist das Paper in Schellhubers Lieblingszeitschrift, PNAS.

Genau, da war doch mal was: Mysteriöse Häufung von Schellnhubers Veröffentlichungen in Zeitschrift der National Academy of Science: Wussten Sie, dass Mitglieder ihre PNAS-Gutachter selber auswählen dürfen?. Unser Blogartikel zu diesem schier unglaublichen PNAS-Begutachtungsverfahren ist nun 4 Jahre alt (von 2014). Da wird sich doch sicherlich mittlerweile etwas getan haben, denn eine Auswahl der Gutachter durch die Autoren öffnet fragwürdigen Gutachterseilschaften Tür und Tor. Schauen wir also auf die aktuelle (August 2018) PNAS-Webseite und prüfen, ob das “Contributed Papers”-Verfahren immer noch zur Verfügung steht. Zur Erinnerung: Hans-Joachim Schellnhuber ist laut Onlinedatenbank immer noch PNAS-Mitglied und könnte daher ohne Probleme seine Lieblingsgutachter aus der befreundeten Alarmecke benennen.

Und in der Tat scheint es die Seilschaften-Option noch zu geben, wie das PNAS-Author-Center auch heute noch (Zugriff 9.8.2018) erklärt (Abb. 1):

Abb. 1: Erläuterungen der PNAS-Einreichungsoptionen. Quelle: PNAS-Webseite, Zugriff 9.8.2018.

 

Der Sprengstoff liegt genau hier:

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Kann man nun herausfinden, welchen Einreichungsweg das aktuelle PIK-Paper (Steffen et al. 2018) bei PNAS genommen hat? Ja kann man, denn auf dem pdf des Papers steht es am unteren Ende der Seite: In diesem Fall war es zum Glück eine ‘Direct Submission’. Das Journal hat die Reviewer für dieses Paper wohl selber ausgesucht. Trotzdem wollen wir es genau wissen. In wievielen Fällen hat Schellnhuber nun wirklich den PNAS-Joker ausgespielt und seine wissenschaftlichen Schiedsrichter selber benannt? Die Wahrheit ist erschreckend. Seit 2009 zählen wir gleich 16 Papers, die als Rechtsüberholer an den Konkurrenten vorbeigezogen sind. Eigentlich ein wissenschaftlicher Supergau. In manchen Jahren hat Schellnhuber das Kontingent von 4 “Contributed Papers” voll ausgeschöpft. Mehr geht nicht. Hier eine Übersicht der “Contributed Papers” von Schellnhuber seit 2009:

Fan et al. 2017: Network analysis reveals strongly localized impacts of El Niño
Autoren: Jingfang Fan, Jun Meng, Yosef Ashkenazy, Shlomo Havlin, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Dirk Helbing und Yochanan Kushnir
Kushnir ist beim PIK kein Unbekannter. Er trug zum IPCC AR5-Bericht zu Kapitel 12 bei. Seine ebenfalls zutragenden Kollegen: Die PIKler und ehemaligen PIKler Stefan Rahmstorf, Kirsten Zickfeld und Malte Meinshausen. pdf hier.

Ludescher et al. 2017: Statistical significance of seasonal warming/cooling trends
Autoren: Josef Ludescher, Armin Bunde, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Valerie Livina und Igor M. Sokolov
Sokolov arbeitet an der Berliner Humboldt Uni, einen Steinwurf von Potsdam entfernt. Ob man sich wohl kennt?

Schleussner et al. 2016: Armed-conflict risks enhanced by climate-related disasters in ethnically fractionalized countries
Autoren: Carl-Friedrich Schleussner, Jonathan F. Donges, Reik V. Donner, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Yoshito Hirata und Jürgen Scheffran
Jürgen Scheffran ist laut Wikipedia ein alter PIKler: “Von 2001 bis 2004 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), tätig in den Arbeitsbereichen Global Change and Social Systems sowie Integrated Systems Analysis.” Schellnhuber war Mitgründer des PIK 1992, muss also zwischendurch auch Scheffrans Chef gewesen sein.

Levermann et al. 2016: Abrupt monsoon transitions as seen in paleorecords can be explained by moisture-advection feedback
Autoren: Anders Levermann, Vladimir Petoukhov, Jacob Schewe, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt
Hier gibt es keinen Hinweis darauf, dass es sich um eine “Direct Submission” handelt. Vermutlich ist es daher ein “Contributed Paper”.

Petoukhov et al. 2016: Role of quasiresonant planetary wave dynamics in recent boreal spring-to-autumn extreme events
Autoren: Vladimir Petoukhov, Stefan Petri, Stefan Rahmstorf, Dim Coumou, Kai Kornhuber, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Rasmus E. Benestad and David Karoly
Benestadt ist Hardcore-Aktivist und Mitautor des Aktivisten-Blogs Real Climate. Karoly ist IPCC-Autor und entschiedener Gegner des Hockeystick-Jägers und Aufklärers Steve McIntyre.

Yu et al. 2016: System crash as dynamics of complex networks
Autoren: Yi Yu, Gaoxi Xiao, Jie Zhou, Yubo Wang, Zhen Wang, Jürgen Kurths, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Ying-Cheng Lai and Matjaz Perc
Perc hat eine ganze Reihe von gemeinsamen Papers mit Zhen Wang, einem Co-Autor des von ihm begutachteten Schellnhuber-Papers. Es drängt sich der Verdacht auf, dass sich hier gut miteinander bekannte Kollegen mit einem Freundschaftsgutachten ausgeholfen haben.

Li et al. 2014: Chaos–order transition in foraging behavior of ants
Autoren: Lixiang Li, Haipeng Peng, Jürgen Kurths, Yixian Yang, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Rogelj et al. 2014: Disentangling the effects of CO2 and short-lived climate forcer mitigation
Autoren: Joeri Rogelj, Michiel Schaeffer, Malte Meinshausen, Drew T. Shindell, William Hare, Zbigniew Klimont, Guus J. M. Velders, Markus Amann, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt.
Etliche der Co-Autoren stammen aus dem Greenpeace-Umfeld. Trotzdem heißt es im Paper offiziell: “The authors declare no conflict of interest.” Wie geht das?

Coumou et al. 2014: Quasi-resonant circulation regimes and hemispheric synchronization of extreme weather in boreal summer
Autoren: Dim Coumou, Vladimir Petoukhov, Stefan Rahmstorf, Stefan Petri, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Dangerman & Schellnhuber 2013Energy systems transformation
Autoren: A. T. C. Jérôme Dangerman und Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Ludescher et al. 2013: Improved El Niño forecasting by cooperativity detection
Autoren: Josef Ludescher, Avi Gozolchiani, Mikhail I. Bogachev, Armin Bunde, Shlomo Havlin, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Petoukhov et al. 2013: Quasiresonant amplification of planetary waves and recent Northern Hemisphere weather extremes
Autoren: Vladimir Petoukhov, Stefan Rahmstorf, Stefan Petri, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Donges et al. 2011: Nonlinear detection of paleoclimate-variability transitions possibly related to human evolution
Autoren: Jonathan F. Donges, Reik V. Donner, Martin H. Trauth, Norbert Marwan, Hans-Joachim Schellnhuber, and Jürgen Kurths
Gutachter: Unbekannt

Schellnhuber 2011: Geoengineering: The good, the MAD, and the sensible
Autor: Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Wu et al. 2010: Evidence for a bimodal distribution in human communication
Autoren: Ye Wu, Changsong Zhou, Jinghua Xiao, Jürgen Kurths, and Hans Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

Hofmann & Schellnhuber 2009: Oceanic acidification affects marine carbon pump and triggers extended marine oxygen holes
Autoren: Matthias Hofmann and Hans-Joachim Schellnhuber
Gutachter: Unbekannt

 

Wer wohl die unbekannten Gutachter waren? Selbst nach unserem Blogbericht über das Problem 2014 sah Schellnhuber offenbar keine Veranlassung dazu, seine fragwürdige PNAS-Einreichungsserie zu beenden. Vor kurzem gab es einen Aufschrei in der deutschen Presse über das Unwesen von ‘Predatory Journals’. Drängen sich die auffälligen PNAS-Serienveröffentlichungen eines des bekanntesten deutschen Klimawissenschaftlers nicht ebenfalls als Thema geradezu auf?

 

Gletscher-JoJo in Nord- und Südamerika

Die Gletscher des Mt. Baker im US-Bundesstaat Washington schrumpfen derzeit. Das haben sie aber auch schon 1915-1950 getan. Davor und danach sind die Gletscher gewachsen. Die aktuelle Schmelzphase begann dann um 1980 und dauert noch an. Das lustige Gletscher-Jojo hat der US-Gletscherforscher Don Easterbrook eindrucksvoll auf WUWT beschrieben. Besonders interesant: Um 1950 waren die Gletscher sogar noch kürzer als heute:

Abb. 1: Positionen der Coleman and Roosevelt Gletscherfronten in 2014 (blau) und 1952 (grün). Quelle: Easterbrook 2015, WUWT.

 

Die University of Fairbanks fand heraus, dass auch ganz andere Faktoren als die Temperatur eine Rolle spielen, speziell bei im Meer mündenden Gletschern. Dort können Gletscherrückzüge auch durch sich verschiebende Sedimente verursacht werden. Andere Forscher der Alaska-Gletscher zeigen sich klimahistorisch eher kurzsichtig, da sie ihre Vergleiche in der Kleinen Eiszeit beginnen, anstatt bis zur letzten natürlichen Warmphase vor 1000 Jahren zurückzugehen. Interessant ist zudem dass die Gletscher Alaskas offenbar mehr als die Hälfte ihrer Masse bereits vor 1950 verloren hatten, als der menschliche Einfluss auf das Klima noch sehr gering war. Ähnlich sieht es wohl im Yosemite-Park aus, wie Thomas Richard beschrieb.

Stansell et al. 2015 beschrieben oszillierende Gletscher in den peruanischen Anden:

Late Glacial and Holocene glacier fluctuations at Nevado Huaguruncho in the Eastern Cordillera of the Peruvian Andes
Discerning the timing and pattern of late Quaternary glacier variability in the tropical Andes is important for our understanding of global climate change. Terrestrial cosmogenic nuclide (TCN) ages (48) on moraines and radiocarbon-dated clastic sediment records from a moraine-dammed lake at Nevado Huaguruncho, Peru, document the waxing and waning of alpine glaciers in the Eastern Cordillera during the past ∼15 k.y. The integrated moraine and lake records indicate that ice advanced at 14.1 ± 0.4 ka, during the first half of the Antarctic Cold Reversal, and began retreating by 13.7 ± 0.4 ka. Ice retreated and paraglacial sedimentation declined until ca. 12 ka, when proxy indicators of glacigenic sediment increased sharply, heralding an ice advance that culminated in multiple moraine positions from 11.6 ± 0.2 ka to 10.3 ± 0.2 ka. Proxy indicators of glacigenic sediment input suggest oscillating ice extents from ca. 10 to 4 ka, and somewhat more extensive ice cover from 4 to 2 ka, followed by ice retreat. The lack of TCN ages from these intervals suggests that glaciers were less extensive than during the late Holocene. A final Holocene advance occurred during the Little Ice Age (LIA, ca. 0.4 to 0.2 ka) under colder and wetter conditions as documented in regional proxy archives. The pattern of glacier variability at Huaguruncho during the Late Glacial and Holocene is similar to the pattern of tropical Atlantic sea-surface temperatures, and provides evidence that prior to the LIA, ice extent in the eastern tropical Andes was decoupled from temperatures in the high-latitude North Atlantic.

 

Georg Forster über Winterschnee und Sommerhitze: Natur im ständigen Wechsel

“Wer über diesen Kreislauf der Begebenheiten unmuthig werden kann, der klage über Winterschnee und Sommerhitze, oder über den Wechsel der Nacht mit dem Tage; er klage über alles in der ganzen Natur, was dem Wechsel unterworfen ist, und – vergesse, daß nur durch diesen unaufhörlichen Wechsel alles besteht. Die relative Moralität gewinnt freylich nicht immer durch die Entwicklung der Fähigkeiten; dieselbe Sonne, die das Wachs erweicht und schmelzt, härtet hingegen den Thon. Wenn aber jemand darum lieber die Sonne ganz entbehren möchte, so dürften wir aus mehr als einem Grunde vermuthen, daß er vielleicht für jede andre Welt, nur nicht für diese wirkliche, geschaffen sey. Daher eilt das Zeitalter auf seiner Bahn weiter, ohne auf die Wehklage eines Hypochondristen zu hören, der von solchen Hirngespinsten ausgeht, und das Menschengeschlecht nach Idealen mißt.”

Georg Forster (1754-1794)
Aus: Über James Cook und andere Essays – Kapitel 1

 

Westkanadische Gletscher waren vor wenigen Jahrtausenden kürzer als heute

Im westlichen Kanada gaben die schmelzenden Gletscher jetzt Baumstümpfe, Humusboden, Pflanzenreste, Karibu-Exkremente und menschliche Artefakte frei, die ein Alter von einigen tausend Jahren haben. Dies zeigt, dass die Gletscher während des Mittelholozäns zur Zeit des holozänen Klimaoptimums dort bereits einmal kürzer waren als heute. Abstract von Koch et al. 2014:

Alpine glaciers and permanent ice and snow patches in western Canada approach their smallest sizes since the mid-Holocene, consistent with global trends
Most alpine glaciers in the Northern Hemisphere reached their maximum extents of the Holocene between ad 1600 and 1850. Since the late 1800s, however, glaciers have thinned and retreated, mainly because of atmospheric warming. Glacier retreat in western Canada and other regions is exposing subfossil tree stumps, soils and plant detritus that, until recently, were beneath tens to hundreds of metres of ice. In addition, human artefacts and caribou dung are emerging from permanent snow patches many thousands of years after they were entombed. Dating of these materials indicates that many of these glaciers and snow patches are smaller today than at any time in the past several thousand years. This evidence, in turn, suggests that glacier recession in the 20th century is unprecedented during the past several millennia and that glaciers in western Canada have reached minimum extents only 150–300 years after they achieved their maximum Holocene extents.

Wie ein Jojo expandierten und schrumpften die Gletscher während der letzten 10.000 Jahre, wie eine Studie aus Britsh Columbia von Mood & Smith 2015a zeigt:

Latest Pleistocene and Holocene behaviour of Franklin Glacier, Mt. Waddington area, British Columbia Coast Mountains, Canada
Franklin Glacier is an 18-km-long valley glacier that originates in a broad icefield below the west face of Mt. Waddington in the central British Columbia Coast Mountains, Canada. Radiocarbon-dated wood samples from the proximal faces of lateral moraines flanking Franklin Glacier show that the glacier expanded at least nine times since 13,000 cal. yr BP. A probable Younger Dryas advance of Franklin Glacier at 12,910–12,690 cal. yr BP followed the late glacial retreat and down wasting of the Cordilleran Ice Sheet from ca. 16,000 to 12,900 cal. yr BP. During the succeeding early Holocene warm period, Franklin Glacier appears to have retreated significantly, leaving no record of glacial expansion until the mid-Holocene when it repeatedly advanced at 6360–6280, 5470–5280 and 4770–4580 cal. yr BP. Down wasting of the glacier surface after ca. 4770–4580 cal. yr BP was followed by intervals of expansion at 4260–4080, 3210–3020 and 2620–2380 cal. yr BP. Following ice expansion at ca. 2620–2380 cal. yr BP into trees over 224 years in age, there is no record of the glacier activity until 1570–1480 cal. yr BP when Franklin Glacier thickened and advanced into young subalpine fir trees. During the ‘Little Ice Age’, advances at 800–680, 610–560 and 570–510 cal. yr BP preceded a mid-19th to early 20th century advance that saw Franklin Glacier attain its maximum Holocene extent. The dendroglaciological record at Franklin Glacier is among the most comprehensive recovered from the British Columbia Coast Mountains and showcases the complexity of mid- to late Holocene glacier expansion in the region.

Passend dazu ein weiterer Artikel von Mood & Smith 2015b:

Holocene glacier activity in the British Columbia Coast Mountains, Canada
The Coast Mountains flank the Pacific Ocean in western British Columbia, Canada. Subdivided into the southern Pacific Ranges, central Kitimat Ranges and northern Boundary Ranges, the majority of large glaciers and icefields are located in the Boundary and Pacific ranges. Prior descriptions of the Holocene glacial history of this region indicate the Holocene was characterized by repeated episodes of ice expansion and retreat. Recent site-specific investigations augment our understanding of the regional character and duration of these events. In this paper, previously reported and new radiocarbon evidence is integrated to provide an updated regional assessment. The earliest evidence of glacier expansion in the Coast Mountains comes from the Boundary Ranges at 8.9 and 7.8 ka and in the Pacific Ranges at 8.5–8.2 ka, with the latter advance corresponding to an interval of rapid, global climate deterioration. Although generally warm and dry climates from 7.3 to 5.3 ka likely limited the size of glaciers in the region, there is radiocarbon evidence for advances over the interval from 7.3 to 6.0 and at 5.4–5.3 ka in the Pacific Ranges. Following these advances, glaciers in the Pacific Ranges expanded down valley at 4.8–4.6, 4.4–4.0, 3.5–2.6, 1.4–1.2, and 0.8–0.4 ka, while glaciers in Boundary Ranges were advancing at 4.1–4.0, 3.7–3.4, 3.1–2.8, 2.3, 1.7–1.1, and 0.8–0.4 ka. After 0.4 ka, it appears that most glaciers in the Coast Mountains continued to expand to attain their maximum Holocene extents by the early 18th to late 19th centuries. This enhanced record of Holocene glacier activity highlights the temporal synchrony in the Coast Mountains. Individual expansion events in the mid-to late Holocene broadly correspond to intervals of regional glacier activity reported in the Canadian Rocky Mountains, in Alaska, and on high-elevation volcanic peaks in Washington State.

Auch Kanada hat Probleme mit Klimaleugnern. Ein ganz besonders großer Leugner ist der Hubbard Glacier im Yukon, der sich trotz Klimawandels weiter ausdehnt. Hat er das Memo vielleicht nicht erhalten? CBC News von 2015:

Hubbard Glacier defies climate change, continues advancing
A Yukon glacier is slowly advancing towards an Alaskan river, setting the stage for an awesome collision of natural forces. If the glacier that originates near Mount Logan in the Yukon continues advancing at its current rate, it could block access to a fiord in Alaska and “strongly impact” the nearby ecosystem. New research from the University of Kansas suggests the Hubbard Glacier could permanently dam the entrance to Russell Fiord, on the Gulf of Alaska, within 25 years.

Weiterlesen in den CBC News. Siehe auch Beitrag auf WUWT.

Kurzlebiges Treibhausgas: Tausende natürliche Methanquellen vor US-Küsten entdeckt

Nach einem Hiatus steigen die Methankonzentrationen in der Atmosphäre wieder an. Noch immer ist der Methankreislauf der Atmosphäre und Ozeane unverstanden. Erst kürzlich entdeckten Forscher tausende natürliche Methanquellen am Meeresboden des tropischen Pazifik, vor Oregon und vor Washington State. Die Wissenschaftler rätseln noch über die Quelle des Methans. Sind sie direkt von tiefen Methanquellen gespeist? Oder handelt es sich um Ausgasungsprodukte von Methanhydraten? Weitere Forschungsarbeiten sind notwendig, um hier Klarheit zu erlangen. Bis dahin sollte man sich in Geduld üben und keine voreiligen Schlüsse ziehen. Ähnliche Quellen wurden übrigens auch an der US-Ostküste entdeckt, die wohl z.T. schon seit 1000 Jahren aktiv sind. Spiegel Online berichtete über das Phänomen.

Was passiert mit dem Methan? Ein gewichtger Teil wird wohl direkt nach dem Austritt von Mikroben aufgenommen und zu Kalkstein ausgefällt, sogenantem authigenem Kalkstein. Dies meldete die Oregon State University:

Scientists discover carbonate rocks are unrecognized methane sink

Since the first undersea methane seep was discovered 30 years ago, scientists have meticulously analyzed and measured how microbes in the seafloor sediments consume the greenhouse gas methane as part of understanding how the Earth works. The sediment-based microbes form an important methane “sink,” preventing much of the chemical from reaching the atmosphere and contributing to greenhouse gas accumulation. As a byproduct of this process, the microbes create a type of rock known as authigenic carbonate, which while interesting to scientists was not thought to be involved in the processing of methane.

That is no longer the case. A team of scientists has discovered that these authigenic carbonate rocks also contain vast amounts of active microbes that take up methane. The results of their study, which was funded by the National Science Foundation, were reported today in the journal Nature Communications. “No one had really examined these rocks as living habitats before,” noted Andrew Thurber, an Oregon State University marine ecologist and co-author on the paper. “It was just assumed that they were inactive. In previous studies, we had seen remnants of microbes in the rocks – DNA and lipids – but we thought they were relics of past activity. We didn’t know they were active. “This goes to show how the global methane process is still rather poorly understood,” Thurber added.

Lead author Jeffrey Marlow of the California Institute of Technology and his colleagues studied samples from authigenic compounds off the coasts of the Pacific Northwest (Hydrate Ridge), northern California (Eel River Basin) and central America (the Costa Rica margin). The rocks range in size and distribution from small pebbles to carbonate “pavement” stretching dozens of square miles.

“Methane-derived carbonates represent a large volume within many seep systems and finding active methane-consuming archaea and bacteria in the interior of these carbonate rocks extends the known habitat for methane-consuming microorganisms beyond the relatively thin layer of sediment that may overlay a carbonate mound,” said Marlow, a geobiology graduate student in the lab of Victoria Orphan of Caltech. These assemblages are also found in the Gulf of Mexico as well as off Chile, New Zealand, Africa, Europe – “and pretty much every ocean basin in the world,” noted Thurber, an assistant professor (senior research) in Oregon State’s College of Earth, Ocean, and Atmospheric Sciences.

The study is important, scientists say, because the rock-based microbes potentially may consume a huge amount of methane. The microbes were less active than those found in the sediment, but were more abundant – and the areas they inhabit are extensive, making their importance potential enormous. Studies have found that approximately 3-6 percent of the methane in the atmosphere is from marine sources – and this number is so low due to microbes in the ocean sediments consuming some 60-90 percent of the methane that would otherwise escape.

Now those ratios will have to be re-examined to determine how much of the methane sink can be attributed to microbes in rocks versus those in sediments. The distinction is important, the researchers say, because it is an unrecognized sink for a potentially very important greenhouse gas. “We found that these carbonate rocks located in areas of active methane seeps are themselves more active,” Thurber said. “Rocks located in comparatively inactive regions had little microbial activity. However, they can quickly activate when methane becomes available.

“In some ways, these rocks are like armies waiting in the wings to be called upon when needed to absorb methane.” The ocean contains vast amounts of methane, which has long been a concern to scientists. Marine reservoirs of methane are estimated to total more than 455 gigatons and may be as much as 10,000 gigatons carbon in methane. A gigaton is approximate 1.1 billion tons. By contrast, all of the planet’s gas and oil deposits are thought to total about 200-300 gigatons of carbon.

 

Klimaretter: Mikroben neutralisieren antarktisches Methan bevor es in die Atmosphäre gelangt

Die schlechte Nachricht: Im Eis eingeschlossene antarktische Seen produzieren große Mengen des Treibhausgases Methan. Die gute Nachricht: 99% dieser Methanausgasungen werden von Mikroben in den Seen “aufgegessen”, wie eine Untersuchung der University of Florida im Juli 2017 ergab:

Methane-eating microbes may reduce release of gases as Antarctic ice sheets melt

Lurking in a lake half a mile beneath Antarctica’s icy surface, methane-eating microbes may mitigate the release of this greenhouse gas into the atmosphere as ice sheets retreat.

A new study published today in Nature Geoscience traces methane’s previously unknown path below the ice in a spot that was once thought to be inhospitable to life. Study researchers sampled the water and sediment in Antarctica’s subglacial Whillans Lake by drilling 800 meters through ice for the first time ever. Next they measured methane amounts and used genomic analyses to find that 99 percent of methane released into the lake is gobbled up by microbes.

These tiny microorganisms may have a big impact on a warming world by preventing methane from seeping into the atmosphere when ice sheets melt, said Brent Christner, a University of Florida microbiologist and co-author on the study. “This is an environment that most people look at and don’t think it could ever really directly impact us,” Christner said. “But this is a process that could have climatic implications.”

Since sunlight cannot reach Antarctica’s subglacial lakes to provide energy for life, some microbes convert methane into carbon dioxide as a way to make energy. Ultimately, methane traps more heat in the atmosphere than carbon dioxide, and study findings suggest microbes may play a critical role in reducing the quantity of methane released into the atmosphere as ice sheets melt, according to Christner, a professor of microbiology and cell science in UF’s Institute of Food and Agricultural Sciences.

“There’s been a lot of concern about the amount of methane that’s beneath these ice sheets because we don’t know exactly what’s going to happen to it,” Christner said. The study found that Lake Whillans contains large amounts of methane. Melting Antarctic ice sheets may release the trapped gases stored in these underground lake reservoirs, Christner said. Researchers have estimated that over 10^14 cubic meters of methane, enough gas to fill more than a billion hot air balloons, is stored beneath Antarctic ice, ready to be released under the right conditions.

Given that methane has a greenhouse effect that is 30 times that of carbon dioxide, the researchers were motivated to understand its quantity, source and ultimate fate beneath the ice, according to the manuscript. However, Christner said it is important to note that while carbon dioxide does not increase warming as quickly as methane, it is still a driver of climate warming. Future studies will assess whether this process is pervasive across subglacial lakes in Antarctica. Christner and his colleagues plan to drill into a different subglacial lake in 2018-2019. Other study authors include Alexander Michaud, John Dore, Mark Skidmore, and John Priscu from Montana State University, Amanda Achberger from Louisiana State University, and Andrew Mitchell from Aberystwyth University.