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Juni-Temperaturen im Visier der Fahnder: Sieger der Tour de Temperatur unter Dopingverdacht

Wir leben in einem Rekordzeitalter. Schneller, höher, weiter. Ein Jahr ohne Rekord wäre eine große Enttäuschung. Das gilt auch fürs Klima. Der Monat Juni war dieses Jahr (2015) ganz besonders ergiebig:

JUNI

Weltrekord! Am 21.7.2015 hängte Spiegel Online dem Juni 2015 die Goldmedaille um den Hals:

Globale Messungen: Juni knackt Wärmerekord
Noch nie haben Meteorologen global einen heißeren Juni registriert als in diesem Jahr [2015]. Die Forscher gehen davon aus, dass 2015 das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen wird. [...] Gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Anstieg von 0,12 Grad Celsius – und der Juni 2014 war bereits der heißeste seit Beginn der Messungen 1880.

Toller Witz. Erst werden die Originalmessdaten so lange korrigiert, bis wieder ein Erwämungstrend herauskommt, und dann kürt man die gedopten Temperaturen auch noch ziemlich frech als Sieger der Tour de Temperatur. Hier werden dringend Dopingkontrollen benötigt, die wieder einen fairen Wettbewerb herstellen. Wir hatten über die fragwürdigen Datenmanipulationen an dieser Stelle bereits berichtet (“NOAA in Not: Erwärmungspause der letzten 15 Jahre lässt sich nicht so einfach wegtricksen“). Bob Tisdale hat einmal den Vorher-Nachher-Vergleich gemacht (Abbildung 1). Der neue, “gedopte” Datensatz der NOAA mit der Bezeichnung ERSST.v4 wurde für die letzten Jahrzehnte um ein ganzes Zehntel Grad gegenüber dem früheren Datensatz ERSST.v3b angehoben. Das funktioniert wie EPO im Ausdauersport und gibt das kleine bisschen Extra, das schließlich den Sieg bringt.

Abbildung 1: Der neue, “gedopte” Datensatz der NOAA mit der BezeichnungERSST.v4 wurde für die letzten Jahrzehnte um ein ganzes Zehntel Grad gegenüber dem früheren Datensatz ERSST.v3b angehoben. Quelle: Bob Tisdale/WUWT.

 

Die NOAA-Daten fließen direkt in die GISS-Temperaturen der NASA sowie NCEI ein, wo sich die Dopingkette dann fortsetzt. Die beiden Datensätze werden damit leider unbrauchbar. Vertrauenswürdiger sind die HadCRUT Temperaturen, die in Großbritannien gesammelt werden, sowie die Satelliten-Temperaturen UAH und RSS. Entsprechend sieht der Vergleich der Datenreihen aus. Die mit stimulierenden Medikamenten vollgestopften Reihen GISS und NCEI zeigen für die vergangenen 14 Jahre seit 2001 eine überraschende Erwärmung von fast einem Zehntel Grad (Abbildung 2). Beim regulär kämpfenden HadCRUT fällt diese Erwärmung jedoch nur halb so hoch aus. Per Satellit ist überhaupt keine Erwärmung festzustellen, im Gegenteil, es wurde in den letzten knapp anderthalb Jahrzehnten sogar leicht kühler.

Abbildung 2: Vergleich verschiedener Temperaturdatensätze für die vergangenen 14 Jahre. Quelle: Bod Tisdale

 

Abbildung 3: “Ich ändere die Daten. Bete, dass ich sie nicht noch weiter ändere.” Zeichnung: Josh.

 

Auch in Deutschland will man fündig geworden sein. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete am 29.6.2015: (weiterlesen …)

Vom IPCC-Autor zum Verschwörungstheoretiker: Peter Wadhams verdächtigt Öl-Lobby, hinter dem Unfalltod dreier Klimakollegen zu stehen

Stoff für aufregende Verschwörungstheorien: Anfang 2013 sind in unterschiedlichen Situationen drei britische Wissenschaftler ums Leben gekommen, die allesamt an der Erforschung des arktischen Eises beteiligt waren. Eine tragische Unfallkette: Ein Forscher wurde vom Blitz getroffen, einer fiel während einer Party die Treppe herunter und einer wurde beim Radeln von einem LKW überrollt. Angesichts dieser sehr verschiedenen Umstände ist es überaus schwer, hier eine Anschlagsserie zu vermuten.

Nicht so der IPCC-nahe Klimawissenschaftler Peter Wadhams. Er vermutet hier eine konzertierte Aktion gegen die Klimawissenschaften, möglicherweise von der Öl-Lobby ausgeführt, wie The Telegraph am 25. Juli 2015 berichtete:

Three scientists investigating melting Arctic ice may have been assassinated, professor claims
Cambridge Professor Peter Wadhams suspects the deaths of the three scientists were more than just an ‘extraordinary’ coincidence [...] The three scientists he identified – Seymour Laxon and Katherine Giles, both climate change scientists at University College London, and Tim Boyd of the Scottish Association for marine Science – all died within the space of a few months in early 2013. Professor laxon fell down a flight of stairs at a New year’s Eve party at a house in Essex while Dr Giles died when she was in collision with a lorry when cycling to work in London. Dr Boyd is thought to have been struck by lightning while walking in Scotland. [...] Asked who might have wanted them out the way, [Wadhams] replied: “I can only think of the oil lobby but I don’t think the oil lobby goes around killing people.”

Ganzen Artikel in The Telegraph lesen.

Könnte Wadhams Recht haben? Hat die Ölbranche vielleicht im Geheimen ein Gerät entwickelt, dass Blitze generiert und gezielt auf Anschlagsziele lenken kann? Es deutet vieles darauf hin, dass Wadhams vermutlich zu viel Raumschiff Enterprise geguckt hat. Bereits in der Klimadiskussion geht er vielen seiner Kollegen mit seinen hysterischen Katastrophenszenarien kräftig auf die Nerven. So gehört Wadhams zu den Anhängern der eisigen Arktis-Todesspirale. Er setzte 2012 eine Prognose in die Welt, dass es innerhalb von vier Jahren mit dem arktischen Meereis vorbei wäre. Drei Jahre später geht der Trend jedoch in die ganz falsche Richtung. Es sieht nicht gut für ihn und seine Vorhersage aus. Das finden mittlerweile sogar hartgesottene Klimaalarm-Mitstreiter. Ihnen gehen die apokalyptischen Eis-Visionen kräftig auf den Senkel. Im Rahmen einer Meereis-Konferenz im September 2014 in London ätzte Gavin Schmidt gegen Wadhams per Twitter:

“Some anticipation for Peter Wadhams. Audience members already crying,” “Wadhams still using graphs with ridiculous projections with no basis in physics,” “Wadhams now onto methane pulse of 50 GT. But no better justified than his previous statements,” and “Wadhams clearly states that there is no physics behind his extrapolations.”

Aber Peter Wadhams hat noch ein zweites Steckenpferd: Die arktische Methan-Bombe. Spiegel Online berichtete im Juli 2013:

Klimawandel: Forscher warnen vor arktischer Kosten-Zeitbombe
Das Tauwetter in der Arktis weckt Hoffnungen auf einen Rohstoff-Boom. Jetzt aber haben Forscher berechnet, welche Kosten der Klimawandel im hohen Norden verursachen könnte. Das Ergebnis ist eine schwindelerregende Zahl: Sie entspricht fast der gesamten jährlichen Weltwirtschaftsleistung. [...] Die Wirtschaftswissenschaftlerin Gail Whiteman von der Erasmus-Universität in Rotterdam rechnet zusammen mit Chris Hope und Peter Wadhams von der University of Cambridge vor, wie teuer der Klimawandel am Pol für die gesamte Welt werden dürfte. Die Forscher kommen auf 60 Billionen Dollar – das entspricht beinahe der gesamten Weltwirtschaftsleistung 2012. [...] Natalia Schachowa von der University of Fairbanks in Alaska hatte 2010 erstmals über das beunruhigende Phänomen des Methanaustritts vor Sibirien berichtet, das eine Art arktische Zeitbombe sein könnte. Bisher liegt das Methan in den flachen Meeren vor Russlands Küste als sogenanntes Gashydrat am Ozeanboden vor. Das ist ein Gemisch aus Eis und Methan. Doch im wärmer werdenden Wasser zersetzt sich die frostige Melange, und das Methan blubbert in die Atmosphäre. Weil es sich um ein sehr kräftiges Treibhausgas handelt, wird die Erderwärmung so noch weiter befeuert.

Eine Wissenschaftlergruppe verkündet eine drohende Klimakatastrophe, und Wirtschaftswissenschaftler nehmen den Ball sogleich auf und bauen auf Basis dieses fraglichen Modells wirtschaftliche Schreckensszenarien. Dies ist klimakatastrophaler Mannschaftssport der fördermitteltechnisch äußerst lukrativ ist. Nun weist der Spiegel-Artikel selbst darauf hin, dass die arktische Methan-Apokalypse bereits im Jahr 2010 postuliert wurde. Haben andere, unabhängige Forscher dieses Konstrukt mittlerweile bestätigen können? Spiegel Online Autor Christoph Seidler scheint die jüngste Berichterstattung seiner eigenen Kollegen nicht zu kennen. Mitte Mai 2013 hatte Axel Bojanowski über neueste Forschungsergebnisse zu diesem Thema geschrieben (“Keine Freisetzung: Tundra sichert gefährliches Klimagas“). Tenor der Arbeit: Der Karbonhaushalt in der Tundra bleibt trotz Klimawandels stabil. Die postulierte Methan-Klimabombe hat sich als Blindgänger erwiesen. Die Grundlage der hochtrabenden, medial spektakulär verbreiteten klimatischen Kostenexplosion ist fehlerhaft. Folglich sind alle wirtschaftlichen Schadens-Berechnungen die auf diesem instabilen Datenfundament errichtet wurden ebenfalls unbrauchbar.

Die angesehene Klimawissenschaftlerin Judith Curry macht in einem Artikel mit dem Titel “Arctic time bomb (?)” in ihrem Blog deutlich, dass eine Vielzahl von Fachkollegen den arktischen Methan-Katastrophismus nicht teilen. Selbst der IPCC-nahe Gavin Schmidt von der NASA scheint das Risiko einer raschen Methanfreisetzung in der Arktis als nur gering einzuschätzen. Und auch der Kipppunkt-Spezialist Tim Lenton von der Exeter University erkennt keine drängende Gefahr und sieht den Prozess eher auf einer Zeitskala von tausenden bis zehntausenden von Jahren ablaufen. Ein Beitrag von Carolyn D. Ruppel aus dem Jahr 2011 scheint in die gleiche Richtung zu weisen. Curry zählt in ihrem Artikel weitere kritische Stimmen auf, darunter David Archer von der University of Chicago, der das Methan-Klimabomben-Szenario als “vollständig unbelegt” bezeichnet.

Nimmt man jetzt noch die aktuellen Verschwörungstheorien und aus der Hüfte geschossenen Verdächtigungen hinzu, entsteht ein Bild eines Mannes, der sich in der Klimadiskussion in eine extreme Ecke manövriert hat. Seine Glaubwürdigkeit hat Wadhams jedenfalls vorerst verspielt. In einem Gremium mit Schiedsrichterfunktion wie es der IPCC ist, sollte für Aktivisten wie Wadhams kein Platz mehr sein.

 

Hockeystick-Erfinder Michael Mann macht sich im ORF-Interview lächerlich: “Eines haben alle gemeinsam: Das Endstück der Kurve zeigt steil nach oben”

In Österreich gibt es erste Anzeichen dafür, dass die Politik die nicht enden wollende Lawine von Klimaalarm-Stories allmählich leid ist. Der Standard berichtete am 9. Juli 2015:

Die neue FPÖ-Umweltsprecherin Susanne Winter sorgt mit einem Facebook-Eintrag für Aufsehen. Sie nennt darin Studien, die den vom Menschen verursachten Klimawandel beweisen, eine “ideologische Pseudowissenschaft”. Die “angebliche Klimaproblematik” ist laut Winter “ein einziges mediales Lügengebäude, das zum Einsturz gebracht werden muss”. Winter fungiert seit Montag als Umweltsprecherin im freiheitlichen Parlamentsklub.

Hart formuliert, jedoch in der Sache richtig. Man muss sich wirklich fragen, weshalb die Medien immer nur über klimatischen Horror berichten, wenn eine Vielzahl von Studien viel gemäßigtere Resultate herausbekommt. Wir haben in der Vergangenheit mehrfach Journalisten auf interessante Studien hingewiesen. Keiner der Vorschläge wurde angenommen. Und am nächsten Tag ging es dann wie gewohnt mit handverlesenem Klimalarm weiter. Frau Winter hat leider absolut Recht.

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Bleiben wir in Österreich. Der ORF hielt es am 29. Mai 2015 doch in der Tat für notwendig, den Erfinder der mittlerweile vollkommen diskreditierten Hockeystick-Kurve (Abbildung 1) in einem Interview zu präsentieren:

“Der Temperaturanstieg ist beispiellos”
Der “Hockey Stick” ist die bekannteste und wohl auch die umstrittenste Kurve der Klimaforschung: Sie verdeutlicht, wie massiv der Mensch in das Klima der Erde eingreift. Michael Mann ist der Schöpfer dieser Grafik: Er erzählt in einem Interview, wie es zu seiner Entdeckung kam.

Potzblitz. Die Kurve ist falsch, wie kann sie da verdeutlichen, wie stark der Mensch in das Klima der Erde eingreift? Eine tolle logische Fehlleistung des ORF. Zehn Jahre später erkannte man dann den Irrtum und besann sich wieder auf realistischere Rekonstruktionen, z.B. jene von Ljungqvist 2010 (Abbildung 2).

Abbildung 1: Hockeystick-Kurve von 1998/2001.

 

Abbildung 2: Temperaturrekonstruktion nach Ljungqvist 2010. RWP=Römische Wärmeperiode, MWP=Mittelalterliche Wärmeperiode, CWP=Moderne Wärmeperiode, LIA=Little Ice Age, DACP=Dark Ages Cold Period.

 

Es ist schon erschreckend, was der ORF seinen Zuschauern da für einen Quatsch zumutet:

science.ORF.at: Der Hockey Stick hat sich von der nüchternen Temperaturkurve zum veritablen Internetmem [Internetphänomen] entwickelt. Was zeigt die Grafik?

Mann: Wir messen die globale Temperatur auf dem Erdball erst seit rund 100 Jahren mit Thermometern. In dieser Zeit hat sich die Atmosphäre um rund ein Grad erwärmt. Wenn wir wissen wollen, wie ungewöhnlich diese Erwärmung ist, müssen wir weiter zurück in die Vergangenheit blicken. Das geht nur, wenn man natürliche Klimaarchive auswertet – Baumringe, Korallen, Eisbohrkerne und Sedimente, die uns Aufschluss darüber geben, wie sich das Klima in der Vergangenheit verändert hat. Genau das haben wir in den späten 90ern erstmals getan. Das Ergebnis war, dass die jüngste Erwärmung wirklich beispiellos ist. Die Temperarturkurve des Hockey Sticks beginnt vor 1.000 Jahren und fällt während des Mittelalters bis zur sogenannten kleinen Eiszeit ab. Ab dem 20. Jahrhundert macht die Kurve plötzlich eine Zacke nach oben. Die Temperatur steigt nun so rapide an wie noch nie zuvor. Das ist das Endstück des Hockeyschlägers, wenn Sie so wollen.

Schauen Sie nun einmal auf Abbildung 2. Ist die Erwärmung des 20. Jahrhunderts wirklich so beispielslos wie Mann behauptet? Warum war es vor 1000 Jahren schon einmal so heiß wie heute? Dann einer der Höhepunkte des Interviews:

science.ORF.at: Im IPCC-Report 2007 wurden neben Ihren Arbeiten auch die Studien von einem Dutzend anderer Teams erwähnt. Die Temperaturkurven ihrer Kollegen sehen jedenfalls nicht immer aus wie Hockeyschläger.

Mann: Stimmt, aber eines haben alle gemeinsam: Das Endstück der Kurve zeigt steil nach oben.

Haha. Da hat der gute Mann Recht. Aber darum geht es gar nicht. Die Wiedererwärmung nach der Kleinen Eiszeit ist allseits anerkannt. Kritisiert wird Mann für seine Darstellung der Zeit von 1000-1900 n. Chr., die angeblich ereignislos gewesen sei. Für diese Behauptung wird Michael Mann wohl heute keinen einzigen seiner Fachkollegen mehr als Unterstützer gewinnen können.

So ganz geheuer ist dem ORF bei der ganzen Sache dann doch nicht. Es kommt schließlich zur Frage aller Fragen: (weiterlesen …)

Schöne, heile Klimamodellierungswelt im Bremer Weser Kurier: “Die Ergebnisse der Computersimulationen hängen davon ab, welche Treibhausgasmengen die Forscher zugrunde legen”

Im Juli 2015 fand im schleswig-holsteinischen Eckernförde die “Klimale 2015″ statt. Die Eckernförder Zeitung berichtete am 15.7.2015:

Die Klimale 2015 als Festival mit Kunst, Vorträgen und kreativen Mitmachangeboten weist auf Klimawandel hin. Mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen wird das Thema noch bis heute Nachmittag anschaulich dargestellt. Als Bürgermeister einer ehemaligen Bundesumwelthauptstadt hatte Jörg Sibbel gestern bei der Eröffnung der Klimale mehr zu sagen als nur die üblichen Grußworte. „Ich vermisse den ernsthaften Willen, den Energieverbrauch zu drosseln“, sagte er zu den nationalen und internationalen Bemühungen.

Energieverbrauch drosseln. Eine gute Idee, auch ohne Klimakatastrophe, denn es spart Geld. Aber bitte vernünftig bleiben. Einige Zeitgenossen neigen hier zur klimareligiösen Selbstgeißelung, gönnen ihren Mitmenschen nicht einmal mehr einen Urlaub auf Madeira, da der Flugzeugsprit das Klima beschädige. Im Artikel der Eckernförder Zeitung darf dann leider auch ein Professor aus Kiel über Andersdenkende herziehen:

Doch nicht alle Menschen glauben an den von Menschenhand gemachten Klimawandel. „Das ist Kopf in den Sand stecken“, sagt der Klimale-Gründer Professor Horst Sterr vom Geographischen Institut der Universität Kiel. Milliarden Tonnen an Treibhausgasen seien seit Beginn der Industrialisierung in die Atmosphäre entwichen. „Und wir wissen, dass sie die Atmosphäre und die Meere erwärmen.“ Die durchschnittliche Temperatur der Erde sei in den vergangenen 100 Jahren um über ein Grad angestiegen. Zwar gebe es auch eine natürliche Erwärmung – die jedoch spiele sich über Jahrtausende ab und nicht über so kurze Zeit. Dabei wirkten die Meere zurzeit wie ein Puffer. „Aber irgendwann wird die von den Meeren absorbierte Energie wieder in die Atmosphäre abgegeben.“

Was Sterr hier nicht erwähnt: Ein Großteil des Temperaturanstiegs von einem Grad entspricht der natürlichen Wiedererwärmung seit dem Ende der Kleinen Eiszeit. Der Startpunkt der Erwärmung entspricht keinesfalls einem “Normalwert”, sondern einer kalten Sondersituation. Und auch bei den Zeitmaßstäben irrt der Kieler Professor. Solare Aktivitätsschwankungen haben in der Vergangenheit klimatische Veränderungen im Maßstab von einigen Jahrzehnten, Jahrhunderten und Jahrtausenden bewirkt. Vielleicht hätte Sterr hier lieber einmal Rücksprache mit seinen Kieler Kollegen gehalten, bevor er sich fachlich so weit aus dem Fenster lehnt. Siehe unseren Blogbeitrag “Neue Studie der Universität Kiel zur Jungsteinzeit in Irland: Klimazyklen durch Schwankungen der Sonnenaktivität ausgelöst“. Weitere Lesetipps für Professor Sterr:

Irreführende Halbwahrheiten zum Klimawandel waren auch am 4. Juli 2015 im Bremer Weser Kurier zu erspähen. Dort regte sich Autor Jürgen Wendler über einige heiße Sommertage auf, die wohl auf die Klimaerwärmung zurückzuführen seien. Im Vormonat war es jedoch zu kalt – das war sicher nur Wetter. Am Ende des Beitrags dann ein überraschender Absatz über wirtschaftliche Interessen auf beiden Seiten der Klimadebatte:

Klimaforscher weisen seit Jahren darauf hin, dass es auf der Erde seit dem 19. Jahrhundert deutlich wärmer geworden sei. Vor den möglichen Folgen des Klimawandels haben sie so oft gewarnt, dass manche Menschen des Themas überdrüssig geworden sind. Das heißt allerdings nicht, dass es keine hitzigen Debatten mehr gäbe. Nach wie vor gibt es Zeitgenossen, die bezweifeln, dass vor allem der Mensch für die globale Erwärmung verantwortlich ist. Manchen dieser sogenannten Klimaskeptiker wird vorgeworfen, dass es ihnen um wirtschaftliche Interessen und allein darum gehe, die Möglichkeit zu erhalten, weiterhin große Mengen an Treibhausgasen auszustoßen. Dies geschieht, wenn Energieträger wie Erdöl oder Kohle verbrannt werden. Auch jenen, die vor den Risiken des Klimawandels warnen, werden zuweilen wirtschaftliche Interessen unterstellt. Wenn Deiche erhöht, Gebäude gedämmt und Solaranlagen installiert werden, kommt dies nicht zuletzt Unternehmen zugute. Wer solche Argumente beiseitelässt und sich allein auf das konzentriert, was als wissenschaftlicher Kenntnisstand gilt, erhält allerdings ein sehr klares Bild.

Ganz genau. Am besten man spart die wirtschaftlichen Interessen einmal aus und konzentriert sich voll auf die Wissenschaft. Es ergäbe sich dann ein ganz klares Bild, sagt Wendler. Da sind wir gespannt:

Wenn Energieträger wie Erdöl oder Kohle verbrannt werden, wird das Treibhausgas Kohlendioxid gebildet, und dessen Menge in der Erdatmosphäre hat sich seit Beginn der Industrialisierung um 40 Prozent erhöht. Dass Kohlendioxid aufgrund seiner besonderen Eigenschaften dafür sorgt, dass von der Erde abgegebene Energie nicht entweicht, dass es die Erwärmung fördert, ist unstrittig.

Korrekt. Die wärmetreibende Kraft des CO2 beschreiben wir zum Beispiel auch in unserem Buch “Die kalte Sonne”. Trotzdem fiel das Klima-Establishment über uns her und wünschte uns in die Stratophäre. Der Grund war, dass wir von einer verringerten Klimasensitivität des CO2 ausgehen. Eine feine quantitative Diskussion fernab der oft betriebenen Schwarz-Weiß-Malerei. Offenbar zu fein für die Anhänger der harten IPCC-Linie. Auch Weser-Kurier-Autor Wendler will seinen Lesern nichts von der Sensitivität mitteilen. Er behauptet, die unterschiedlichen Modellierungsergebnisse würden vor allem von der eingesetzten CO2-Konzentration abhängen:

Um zu ermessen, welche Treibhausgasmengen was bewirken könnten, nutzen Wissenschaftler Klimamodelle, die das Geschehen in der Atmosphäre, an Land und in den Meeren auf der Grundlage physikalischer Gesetze beschreiben. Dies geschieht mithilfe mathematischer Gleichungen. Die Ergebnisse der Computersimulationen hängen davon ab, welche Treibhausgasmengen die Forscher zugrunde legen. Entsprechend stark variieren die Vorhersagen.

In Wirklichkeit ist die CO2-Entwicklung nur eine Unsicherheit von vielen. Noch immer gibt es in den Modellen große ungelöste Fragen zur Wirkung der Aerosole, Wolken, Sonnenaktivitätsschwankungen, Wasserdampfverstärkung und etlichen anderen Parametern. Unerwähnt lässt Wendler auch, dass die hochgelobten Klimamodelle nicht einmal die Erwärmungspause der letzten 17 Jahre nachvollziehen können. Weshalb verschweigt Wendler all dies?

 

25.000 Todesfallen – Wie Windkraftanlagen Vögeln und Fledermäusen zum Verhängnis werden

Ende 2014 gab es allein in Deutschland rund 25.000 Windkraftanlagen – so eine Statistik des Bundesverbands WindEnergie. Unter anderem durch die Windkraft soll der Atomausstieg vorangetrieben werden. Doch nicht jeder freut sich über die spargeligen Windräder, die mittlerweile nicht nur zu hunderten auf Feldern und Hügelgruppen entstehen, sondern auch immer öfter in Wäldern. Das belegt eine aktuelle Emnid-Umfrage. Zu den Ergebnissen und der Auswirkung der Windkraft auf die Natur berichtet Helke Michael in einem Audiobeitrag, der im Juli 2015 von der Deutschen Wildtierstiftung zur Verfügung gestellt wurde. Zum Beitrag geht es hier (“Medium 1″).

Wenn Sie dann auf das kleine rechte Mediensymbol unter dem Hauptfenster klicken (“Medium 2“) gelangen Sie zu einem dazugehörigen Interview mit dem Alleinvorstand der Stiftung, Fritz Vahrenholt. Das Interview ist auch auf presseportal.de nachzulesen:

Prof. Fritz Vahrenholt: “So kann es mit der Windenergie nicht weitergehen. Jedenfalls nicht in den Deutschen Wäldern. Energiewende schön und gut, aber das kann ja nicht bedeuten: Windenergie um jeden Preis, nämlich dem Preis der Opferung von bedrohten Arten. Und das will die Mehrheit in Deutschland auch nicht. 65 Prozent unserer Befragten sagen, dass der Schutz von Vögeln vor Windkraft geht.”

Sprecherin: So Professor Fritz Vahrenholt vom Auftraggeber der Umfrage, der Deutschen Wildtier Stiftung. Und der Schutz von Vögeln ist dringend notwendig, denn sie reagieren sehr sensibel auf Windkraftanlagen.

Prof. Fritz Vahrenholt: “Der Schreiadler bis zu sechs Kilometer Entfernung meidet er Gegenden von Windrädern. Wir haben es gesehen in Vogelsberg, als dort 125 Windkraftanlagen gebaut worden sind, hat sich der Schwarzstorchbestand halbiert.”

Sprecherin: Und auch Fledermäusen werden die Windräder zum Verhängnis. Jeder Jahr sterben in Deutschland 240.000 Tiere aufgrund des Unterdrucks, der durch die Anlagen erzeugt wird. Tatsachen, die man nicht ignorieren kann.

Prof. Fritz Vahrenholt: “Wir sagen JA zu Windenergie, aber bitte nicht im Wald. Vor allen Dingen haben hier eine besondere Verantwortung die Länder mit sehr waldreichen Gebieten, wie zum Beispiel Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern. Und gerade in diesen Ländern gibt es Erlasse, die den Wald für Windkraftwerke geöffnet haben. Und das muss vom Tisch. Nur so können wir die bedrohte Vogelwelt im Wald vor den Windkraftwerken schützen.”

Siehe auch Artikel auf unternehmen-heute.de vom 22. Juli 2015:

Windräder ja – aber nicht im Wald
Die deutschen zeigen in einer aktuellen Umfrage ein Herz für Wälder. Jedenfalls lehnen es 79 Prozent der von Emnid befragten Bundesbürger ab, dass für den Ausbau der Windenergie Waldgebiete verschwinden oder zerschnitten werden.

Weiterlesen auf unternehmen-heute.de.

Auch schanzer-leben.de berichtete (“Emnid-Umfrage belegt: 79 Prozent der Befragten lehnen Windkraft im Wald ab“).

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Die englische Ausgabe unseres Buches “Die kalte Sonne” / “The Neglected Sun” ist seit kurzem wieder als Taschenbuch erhältlich. Der Geologe George Devries Klein veröffentlichte jetzt im Blog des Heartland Instituts eine Rezension zum Buch:

In both my opinion and experience, this book is by far the best book I have encountered and read on the issue of climate change and anthropogenic global warming. Anyone interested in this topic should read a copy. It’s that definitive.

The book is a translation of the German version, Der Kalte Sonne, published in 2012. Thus, some of the policy discussions are set in a German context. They do provide a glimpse of what could happen if similar policies are adopted elsewhere as one sees today in the UK.

Here are some critical things I learned from the book (this is an incomplete list):

  • The sun, including its magnetic cycles, and inner dynamics, exerts the major control on climate variability and climate change.
  • Six different cycles of solar activity are documented. The climate history of the earth, including the last 150 years, correlate closely with these cycles which range from 11 to 2300 years. Moreover, some are amplified long term by Milankovich orbital parameters.
  • The sun’s quantitative influence on climate change exceeds the influence of anthropogenic CO2, although the authors acknowledge that anthropogenic CO2 has a minor role to play in raising global temperatures (I concur with this interpretation). The supporting arguments are well-buttressed and convincing
  • The current temperature “Pause” is explained in terms of solar cycles and decreasing solar radiation. Likely, a period of cooling is ahead as solar radiation entering a diminished phase.
  • Chapters 5 (Has the IPCC really done its homework?), 6 (The misunderstood climate amplifiers), and 7 (A look into the future) provide the most detailed and accurate critique of the UN-IPCC’s reports I have read (I call it a withering dissection). Thus, projected future temperature increases are expected to be much less than the UN-IPCC infers and the climate ‘crisis’ is overblown far too much. These chapters are incisive.
  • The last two chapters deal with German climate and energy policy. They are instructive because the policies are failing, particularly as electricity costs have skyrocketed since implementation. This is becoming a universal problem.
  • A trivial (or perhaps not) fact I did not know. Before Angela Merkel became Chancellor of Germany, she was the minister of the environment. It appears she was co-opted by the green movement well before her rise to global prominence.

Summary recommendation: Buy this book. Our future may depend on it.

ABOUT THE AUTHOR: George Devries Klein is a geologist who earned his MA from the University of Kansas and his PhD from Yale University in that field. He worked for Sinclair Research, Inc., and taught at the Universities of Pittsburgh, Pennsylvania and Illinois @ Urbana Champaign. He is now Professor Emeritus, Geology, University of Illinois @ Urbana Champaign. Between 1996 and 2014, he was president of SD-STRAT Geoscience Consultants, Inc, a geological consulting firm in the petroleum field. He is now retired in Guam.

 

Meeresspiegelforschung aktuell: Neues aus der Antarktis

Am 1. September 2014 verbreitete der Deutschlandfunk schlechte Nachrichten aus der Antarktis:

An den Antarktis-Küsten steigt der Meeresspiegel besonders schnell an
Im südlichen Polarmeer sei der Wasserspiegel um acht statt um sechs Zentimeter angestiegen – und damit stärker und schneller als in anderen Regionen der Welt, berichten Forscher der Universität Southampton im Fachblatt “Nature Geoscience” nach der Auswertung von Satelliten-Aufnahmen aus den letzten 19 Jahren. Die Ursache des Wasseranstiegs liege im Abschmelzen des antarktischen Eispanzers sowie von Gletschern. So gelangten jährlich an die 350 Milliarden Tonnen Süßwasser ins Meer. Das Süßwasser schwimme auf dem dichteren Salzwasser und führe so zu regionalen Meeresspiegelerhöhungen: vor allem vor der Westküste der Antarktis und entlang der antarktischen Halbinsel.

In der Antarktis steigt der Meeresspiegel schneller als anderswo. Den Pinguinen ist es vermutlich herzlich egal, und Strandvillen drohen ebenfalls nicht überflutet zu werden. Trotzdem wollen wir noch einmal nachhaken. Wie stellt sich der angeblich so dramatische Meeresspiegelanstieg im globalen Kontext dar? Eine Karte der per Satellit vermessenen Anstiegsraten für die letzten 22 Jahre zeigt in der Tat Küstenabschnitte der Antarktis mit einem schnellen Meeresspiegelanstieg (dunkel rote Bereiche in Abbildung 1). Allerdings gibt es auch antarktische Küstenabschnitte, an denen sich der Meeresspiegel im gleichen Zeitraum abgesenkt hat (blaue Bereiche in Abbildung 1). Davon lesen wir beim Deutschlandfunk seltsamerweise nichts.

Abbildung 1 : Meeresspiegelanstiegsrate für den Zeitraum 1993 bis heute. Quelle : University of Colorado.

 

Wieder einmal wird klar, dass wir es mit einer komplexen Entwicklung zut un haben, in der es starke regionale Unterschiede gibt. Zudem gibt es zeitliche Veränderungen der Anstiegsrate, die im Zusammenhang mit Ozeanzyklen stehen, die im Bereich von 60 Jahren oszillieren. Craig Rye und die Coautoren des besprochenen Artikels in Nature Geoscience haben dankenswerterweise ein Daten-Supplement zu ihrer Arbeit zum download verfügbar gemacht. Abbildung S4 dieses Supplements enthält eine interessante Darstellung der Meeresspiegelentwicklung der Antarktis (Abbildung 2; Trend abgezogen). Schön zu sehen ist eine ausgeprägte zyklische Komponente. Diese muss jedoch zunächst voll verstanden werden, bevor Aussagen zum langfristigen Meeresspiegeltrend in der Antarktis gemacht werden können. Generell ist die Satellitendatenreihe seit 1993 viel zu kurz, um Effekte der Ozeanzyklik zu identifizieren und korrigieren zu können wie eine andere Studie der University of Southampton zeigen konnte (siehe „University of Southampton: Erst 2020-2030 wird man wissen, ob sich der Meeresspiegelanstieg beschleunigt oder nicht“).

 

Abbildung 2: Meeresspiegel-Schwankungen im Südpolarmeer. Langfristiger Anstiegstrend ist von den Daten bereits abgezogen, um die Zyklizität herauszuarbeiten. Quelle: Abbildung S4 im Supplement zu Rye et al. 2014.

 

 

Mit Dank an WUWT. Pressemitteilung der University of Southampton hier. Mit diesem Beitrag beenden wir unsere Artikel-Serie zur aktuellen Meeresspiegelforschung.

 

Marschallinseln im Pazifik besonders vom Klimawandel betroffen? In den letzten 2000 Jahren fiel dort der Meeresspiegel um anderthalb Meter

Am 1. September 2014 informierte das deutsche Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) auf seiner Webseite über eine interessante neue internationale Kooperation:

Bundesumweltministerium stärkt Zusammenarbeit mit Pazifikinseln zum Schutz vor Klimawandel
Ein neues Projekt des Bundesumweltministeriums soll Küstenzonen und Ökosysteme auf Pazifikinseln vor den Folgen des Klimawandels schützen. Die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter unterzeichnete das entsprechende Abkommen mit dem Generalsekretär des Sekretariats des Pazifischen Umweltprogramms, David Sheppard. Das Treffen fand im Vorfeld des UN-Gipfels zu “kleinen Inselstaaten” auf Samoa statt. Durch den Anstieg des Meeresspiegels, die Versauerung der Meere und Zunahme von Stürmen sind die Lebensgrundlagen vieler Bewohner der pazifischen Inseln in Gefahr. Das Vorhaben mit dem Titel “Natural Solutions to Climate Change in the Pacific Islands Region” unterstützt ökosystembasierte Maßnahmen zum Schutz von Küstenzonen und lebenswichtigen Ökosystemen auf pazifischen Inseln. […] Die drei Inselstaaten Fidschi, Vanuatu und die Salomonen dienen hierbei als Pilotgebiete. Das Sekretariat des Pazifischen Umweltprogramms wird die dort gesammelten Erfahrungen mit seinen anderen Mitgliedsstaaten teilen, so dass auch andere pazifische Inseln eigene Anpassungsmaßnahmen entwickeln können. Durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) fördert das BMUB eine Reihe von Kooperationsprojekten mit “kleinen Inselstaaten” in den Bereichen Klimaschutz, Erhaltung der biologischen Vielfalt und nachhaltige Energieversorgung mit einem Volumen von ca. 120 Millionen Euro. Das Projekt mit dem Pazifischen Umweltprogramm setzt die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Region bis 2019 fort und ist mit Mitteln im Umfang von fünf Millionen Euro ausgestattet.

Drei Gründe für die Projekte: „Anstieg des Meeresspiegels, die Versauerung der Meere und Zunahme von Stürmen“. Aber sind dies wirklich gute Gründe?

Meeresspiegel: Die Korallenatolle wachsen dem Meeresspiegel hinterher, so wie sie es seit 10.000 Jahren und länger tun. Überflutungsgefahr: Keine.

Versauerung der Meere: Vermutlich weitgehend gefahrlos: Siehe „Back to the roots: Meeresbewohner trotzen der Ozeanversauerung, da sie den abgesenkten pH-Wert bereits aus dem Urozean kennen“ und „Überraschung: Korallen kommen mit der Ozeanversauerung offenbar doch besser zurecht als lange gedacht“.

Stürme: Wohl ein Sturm im Wasserglas. Siehe „Schwerer Wirbelsturm verwüstet Vanuatu. Premierminister sieht es realistisch: “Stürme sind kein neues Phänomen, wir Insulaner leider darunter seit Besiedelung Vanuatus vor 5000 Jahren”“ und „Wer hätte das gedacht: Studien können keine Zunahme der tropischen Wirbelstürme im Indischen und Pazifischen Ozean feststellen“.

Fünf Millionen Euro für fragwürdige Probleme. Vielleicht sollte man das Geld lieber in eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Inseln stecken.

Euronews machte sich im April 2014 große Sorgen um die Marschallinseln:

Klimawandel: Marshallinseln schon jetzt betroffen
Den Bewohnern der Marshallinseln steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals. Der Inselstaat im Pazifischen Ozean bekommt die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels schon jetzt zu spüren. Starke Stürme mit heftigen Niederschlägen nagen an der Küste. Menschen müssen hilflos zusehen, wie Schutzmauern gegen die Flut im Meer versinken. Tony De Brum, verantwortlicher Minister für Energie und Klimafragen: “Wenn die Welt weitermacht, wie bisher und weiter die Umwelt verpestet, stellt sich nicht mehr die Frage, was in hundert Jahren geschieht. Es geht darum, was uns bereits jetzt widerfährt.” Die Küstenerosion geht mit Riesenschritten voran. Für den kleinen Inselstaat hat das geografische und wirtschaftliche Folgen. Genau davor warnt auch der jüngste Weltklimabericht. Tony De Brum appelliert eindringlich an die internationale Gemeinschaft. “Wir sind wie Kanarienvögel, die unter Tage sterben und dadurch Minenarbeiter vor dem Tod warnen. Wenn der Schaden so groß ist, dass wir diese Inseln räumen müssen, dann ist es auch für die Welt zu spät, sich selbst zu retten.”

Entwicklungspolitik Online schlug im Februar 2014 in die gleiche Kerbe:

Bevor die pazifischen Inseln versinken …
“Als ich jung war, wurde unser Garten noch nicht überflutet – und wir erlebten nicht, wie ein tropischer Sturm nach dem nächsten über die tropischen Inseln fegte.” So hat Tommy Remengesau, der Präsident von Palau, die Auswirkungen des Klimawandels auf seine pazifische Heimat wahrgenommen. Viele Menschen auf den pazifischen Inseln erkennen solch dramatische Veränderungen und warnen die Weltgemeinschaft vor den Folgen eines “weiter so” bei klimaschädlichen Emissionen. Sie fürchten, dass sie oder ihre Kinder ihre Heimat verlassen müssen, weil diese im Meer versinken könnte. Von Frank Kürschner-Pelkmann.
Die Marshallinseln gehören zu den Inselgruppen, die besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Mitte 2013 litten die Bewohner der nördlichen Inseln unter Dürre und Wassermangel, während über den Süden starke Stürme mit heftigen Niederschlägen hinwegzogen. Seriöse Klimawissenschaftler sind sich einig, dass weltweit die Extremwetterereignisse durch die globale Erwärmung verstärkt haben und dieser Prozess sich in den nächsten Jahrzehnten noch beschleunigen wird. In der südpazifischen Region lässt sich studieren, wie sich dies konkret auswirkt. Die Weltregion, die am wenigsten zum globalen Klimawandel beigetragen hat, ist am stärksten von seinen Folgen betroffen. Tony de Brum, Regierungsmitglied der Marshallinseln, berichtete im Juni 2013: “Tausende meiner Mitbürger im Norden sind durstig und hungrig, Tausende von uns hier im Süden werden vom Meerwasser durchnässt.” Viele Inseln und Atolle der Marshallinseln und der Nachbarstaaten sind von einer Erosion der Korallenriffe und der Uferzonen betroffen, und vereinzelt dringt bereits Salzwasser in die kostbaren kleinen unterirdischen Süßwasserlinsen ein, ohne die ein Leben auf den Atollen unmöglich wäre. Wenn der Meeresspiegel im Südpazifik tatsächlich bis 2100 um zwei Meter steigen sollte, wäre dies zum Beispiel für die Bewohner der 500 flachen Atolle des mikronesischen Staaten Palau eine Katastrophe.

Zwei Meter Meeresspiegelanstieg bis 2100? Das sagt nicht einmal der IPCC. Derzeit steigt der Meerespiegel um 2-3 mm pro Jahr, was bis 2100 etwa 21 cm Anstieg ergibt. Die Stürme haben in den letzten Jahren keineswegs zugenommen (siehe Links oben). Und Dürren sind im Pazifik keineswegs ein ganz und gar neues Phänomen, vielmehr gibt es hier eine charakteristische Zyklik, die gerne übersehen wird. Siehe „Überraschung: Feucht- und Trockenphasen wechselten im Südpazifik in vorindustrieller Zeit stets ab“ und „Tropfstein aus Tuvalu birgt Überraschung: Niederschläge im Südpazifik schwankten in vorindustrieller Zeit viel dramatischer als heute“.

Bei all der Jammerei zu den Marschallinseln scheint vielen Schreibern nicht klar zu sein, dass sich der Meeresspiegel auf der Inselgruppe in den letzten 2000 Jahren um einen Meter abgesenkt hat (Abbildung 1). Dies zeigen Forschungsresultate eine Studie von Paul Kench und Kollegen, die im Februar 2014 in den Geophysical Research Letters erschienen ist.

Abbildung 1: Meeresspiegelentwicklung auf den Marschallinseln während der vergangenen 6000 Jahre. Quelle: Kench et al. 2014.

 

Hier die Kurzfassung der Arbeit: (weiterlesen …)

Gute Nachrichten aus dem Pazifik: Meeresspiegel in Kiribati in den letzten 20 Jahren ohne langfristigen Anstieg

In wenigen Monaten treffen sich die Führer der Welt in Paris zu einer neuen Klimakonferenz. Wie jedes Mal geht es auch diesmal um alles, um das Fortbestehen der Menschheit. Solch ein wichtiges Treffen will gut vorbereitet sein. Die Leute müssen bereit sein, wenn harte wirtschaftliche Einschnitte beschlossen werden, die ihren Lebensstandard spürbar absenken werden. Zum Glück können sich die Staaten auf die Presse verlassen. Um die Zeitungen höchstmöglich gleichzuschalten, hat man ein ‘Climate Publishers Network’ (CPN) eingerichtet, das den Medien klimapolitisch geprüfte und korrekte Artikel kostenfrei zur Verfügung stellt. Da wollte das Kalte-Sonne-Blog natürlich gerne teilnehmen und stellte einen Mitgliedsantrag, der jedoch leider unbeantwortet blieb. Schade.

Im Vorjahr war im Warmschreiben für die Lima-Klima-Konferenz so einiges schief gelaufen. So titelte Die Zeit am 30. November 2014:

Klimawandel: Vor dem Untergang
In der Südsee zeigt der Treibhauseffekt schon massive Folgen. Hilft der Klimagipfel?
Aus der Luft betrachtet, ist Tarawa ein Paradies, aber seine Bewohner kämpfen gegen den Untergang. Hier, auf dem Hauptatoll der Inselrepublik Kiribati, spüren sie die Auswirkungen des Klimawandels schon lange. Weltweit lässt er den Meeresspiegel steigen, doch in der tropischen Südsee erhöht sich der Pegel besonders schnell. Die Erosion frisst an den Korallenriffen, das Grundwasser versalzt, Krankheiten breiten sich aus, Sturmfluten wüten immer heftiger. Der größte Teil Kiribatis ist nicht einmal zwei Meter hoch. Stünde Dirk Nowitzki am Strand von Tarawa, er könnte problemlos über das Atoll hinwegschauen – noch. Denn schon in wenigen Jahrzehnten könnte Kiribati zerstört sein.

Die Idee des Untergangs gefiel einem Inselbewohner Kiribatis so gut, dass er auf die Idee kam, einen Asylantrag im Land seiner Träume – Neuseeland – zu stellen. Begründung: Er wäre Klimaflüchtling und bald würde das Meer seine Heimat überfluten. Der Antrag wurde mittlerweile abgelehnt. Vermutlich machte sich der Mann nicht so sehr Sorgen wegen des Klimawandels, sondern es gab vielmehr handfeste wirtschaftliche Gründe für seinen Auswanderungsversuch. Die Mitteldeutsche Zeitung brachte es vor einige Jahren auf den Punkt:

Kiribati – klein, heiß und bitter arm
[…] Danach beträgt die Wirtschaftsleistung der Inselgruppe mit der Weihnachtsinsel Kiritimati derzeit 152 Millionen US-Dollar (knapp 114,7 Millionen Euro). Das entspricht in etwa der Summe, die allein die sechs deutschen Teilnehmer der Champions League und Europa League in der vergangenen Saison bei den Wettbewerben an Prämien kassierten. Das Handelsdefizit Kiribatis gehörte mit 92 Prozent im abgelaufenen Jahr zu den höchsten der Welt.

Der Präsident Kiribatis sonnt sich mittlerweile im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit und ist immer für einen Publicity Stunt gut. So erwarb er letztes Jahr (2014) zu einem stark überhöhten Preis ein Stück Land auf einer Fidji-Insel, auf das die Einwohner Kiribatis im Fall der Fälle flüchten sollen. Klimaretter berichtete am 22. Juni 2014:

Kiribati kauft Land für Klimaflüchtlinge
Anote Tong, der Präsident des Inselstaates Kiribati im Pazifik, hat auf den Fidschi-Inseln Land erworben. Dorthin sollen mehrere Tausend Kiribatier ziehen, wenn ihre Heimat wegen des Klimawandels im Meer untergeht. Doch der Plan sorgt für Verunsicherung und Streit.

Natürlich sind die aktuellen Bewohner der betroffenen Fidji-Insel alles andere als froh über die mögliche bevorstehende Invasion aus Kiribati. Auch auf Kiribati selber ist man entsetzt über den fragwürdigen Landkauf, wie dem guten Klimaretter-Artikel ebenfalls zu entnehmen ist:

Tongs Amtsvorgänger Teburoro Tito hat sämtliche wissenschaftlichen Abhandlungen über die Folgen des Klimawandels für die Atolle gelesen. Er hält den Landkauf für unsinnig. “Die Forscher sagen, unsere Korallenriffe sind gesund und können mit dem Meeresspiegelanstieg Schritt halten. Deshalb gibt es keine Notwendigkeit, Land auf den Fidschi-Inseln oder sonst irgendwo zu kaufen”, sagt Tito und fügt verärgert hinzu: “Wie können wir um ausländische Hilfe bitten, wenn wir unser Geld für so unsinnige Dinge ausgeben?” Auch Paul Kench, ein Geomorphologe an der University of Auckland, findet die Sorgen überzogen. “Wir wissen, dass die gesamte Riffstruktur um zehn bis 15 Millimeter im Jahr wachsen kann – schneller als der erwartete Meeresanstieg”, sagt der Atoll-Experte. “Solange das so ist und der Nachschub an Sand gesichert bleibt, brauchen wir keine Angst zu haben.”

Der Präsident Kiribatis hat offenbar die fundamentalen Grundlagen eines Korallenriffs nicht verstanden. Hat er im Geographie- und Biologie-Unterricht vielleicht gefehlt, als das Thema Korallenriffe durchgenommen wurde? Vielleicht hätte er vor dem Inselkauf auch einmal die Meeresspiegelkurven für Kiribati anschauen sollen. Zu finden ist eine solche in einer Arbeit von Than Aung und Kollegen, die 2009 im Fachblatt „Weather“ der Royal Meteorological Society erschienen ist (Abbildung 1). Ein Anstiegstrend ist nicht zu erkennen. Der höchste Stand des Meeresspiegels wurde vielmehr 1995 erreicht.

Abbildung 1: Meeresspiegelentwicklung Kiribatis 1994-2008. Quelle: Aung et al. 2009.

 

Präsident Tong hätte aber auch die Satellitenkurve des Meeresspiegels für seine Region anschauen können (Abbildung 2). Diese umfasst immerhin die vergangenen 22 Jahre. Auch hier ist kein Trend zu erkennen.

Abbildung 2: Meeresspiegelentwicklung der Region um Kiribati auf Basis von Satellitenmessungen. Quelle: University of Colorado.

 

Der im Klimaretter-Beitrag erwähnte Wissenschaftler Paul Kench leistet vorbildliche Aufklärungsarbeit und steuert dringend benötigte wissenschaftliche Daten zum Thema bei. Im März 2015 erschien ein weiterer Artikel von ihm im Fachblatt Geology zum Funafuti Atoll. Im Bereich dieses Atolls stieg der Meeresspiegel in den letzten 60 Jahren besonders stark an, nämlich mit einer durchschnittlichen Rate von etwa 5 mm pro Jahr. Trotz des Meeresspiegelanstiegs ist keine Insel des Atolls untergegangen, im Gegenteil, viele Inseln haben sich in dieser Zeit sogar vergrößert, wie Analysen der Küstenlinienentwicklung im Rahmen der Studie zeigten. Auch konnten keine Gebiete gefunden werden, in denen größere Erosion herrschen würde. Im Folgenden die Kurzfassung der neuen Arbeit:

Coral islands defy sea-level rise over the past century: Records from a central Pacific atoll
The geological stability and existence of low-lying atoll nations is threatened by sea-level rise and climate change. Funafuti Atoll, in the tropical Pacific Ocean, has experienced some of the highest rates of sea-level rise (5.1 ± 0.7 mm/yr), totaling 0.30 ± 0.04 m over the past 60 yr. We analyzed six time slices of shoreline position over the past 118 yr at 29 islands of Funafuti Atoll to determine their physical response to recent sea-level rise. Despite the magnitude of this rise, no islands have been lost, the majority have enlarged, and there has been a 7.3% increase in net island area over the past century (A.D. 1897–2013). There is no evidence of heightened erosion over the past half-century as sea-level rise accelerated. Reef islands in Funafuti continually adjust their size, shape, and position in response to variations in boundary conditions, including storms, sediment supply, as well as sea level. Results suggest a more optimistic prognosis for the habitability of atoll nations and demonstrate the importance of resolving recent rates and styles of island change to inform adaptation strategies.

Lesenswert in diesem Zusammenhang ist ein Artikel von Ulli Kulke auf Donner + Doria: (weiterlesen …)

Neue Studie der Durham University verweist Rahmstorfs Sintflutszenarien für North Carolina in das Reich der Fabeln

Vor einigen Jahren reiste der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf durch die Salzwiesen North Carolinas an der Ostküste der USA. Gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten wollte er dort das Geheimnis des Meeresspiegels ein und für allemal klären. Und er fand Ungeheuerliches: Aus den Kalkschalen von Einzellern las die Rahmstorf-Gruppe heraus, dass der weltweite Meeresspiegel heute schneller als je zuvor in den letzten zweitausend Jahren ansteigt. Ein großer Tag für die Unterstützer der Klimakatastrophe. Kurz darauf herrschte aber Katerstimmung. Fachkollegen konnten Rahmstorfs Behauptung nicht nachvollziehen. North Carolina eignet sich nämlich gar nicht als Stellvertreter für die weltweite Meeresspiegelentwicklung. Der Meeresspiegel großer Teile der US-Ostküste ist global nicht repräsentativ. Die Anstiegsrate in anderen Teilen der Erde ist viel geringer.

Auch die politische Führung North Carolinas reagierte prompt und entschied, dass die von Rahmstorf vermutete enorme Steigerung des Meeresspiegels selbst für North Carolina nicht plausibel ist und daher in Planungen nicht zu berücksichtigen sei (siehe unseren Blogartikel „Senat von North Carolina erteilt Rahmstorfs beschleunigtem Meeresspiegel eine Absage“). Bereits in den Vorjahren hatte es in Fachkreisen Kritik an den überzogenen Prognosen des Potsdamers gegeben, so zum Beispiel anlässlich einer Analyse einer Arbeit von Vermeer und Rahmstorf aus dem Jahr 2009 auf Climate Sanity.

Die Rahmstorf-Truppe stellte auf stur. Sie blieben bei ihrer fragwürdigen Darstellung und hoffte offenbar, das eine oder andere Paper bei IPCC-freundlichen Journalen unterzubringen. Im Juli 2012 schickten Rahmstorf und Kollegen ein weiteres Manuskript zu den Salzwiesen in North Carolina auf die Reise durch die wissenschaftliche Begutachtung. Das Paper ging jedoch im Kugelhagel der Gutachterkritik schnell unter und schaffte es nicht durch das Reviewsystem (siehe unseren Beitrag „Fachzeitschrift ‘Climate of the Past’ lehnt Meeresspiegel-Manuskript von Rahmstorf-Gruppe ab: Gutachter finden fundamentale Fehler in der Methodik“).

Wie steht es nun wirklich um den Meeresspiegel in North Carolina? Ein Forscherteam um Matthew Brain von der britischen Durham University begab sich erneut in die Salzwiesen, um das Meeresspiegelrätsel zu lösen. Nun liegen die Ergebnisse vor, die im Januar 2015 im Fachblatt Quaternary Research publiziert wurden. Das Resultat des Brain-Teams unterscheidet sich dabei grundlegend von Rahmstorfs Vorstellungen: Laut den neuen Daten stieg der Meeresspiegel in North Carolina seit Ende der Kleinen Eiszeit 1845 um unspektakuläre 1,7 mm pro Jahr an. Dieser Anstieg vollzog sich ab 1900 relativ konstant, ohne Anzeichen für eine weitere Beschleunigung nach der initialen Anlaufphase (Abbildung 1). Hier der Abstract der Studie:

Quantifying the contribution of sediment compaction to late Holocene salt-marsh sea-level reconstructions, North Carolina, USA
Salt-marsh sediments provide accurate and precise reconstructions of late Holocene relative sea-level changes. However, compaction of salt-marsh stratigraphies can cause post-depositional lowering (PDL) of the samples used to reconstruct sea level, creating an estimation of former sea level that is too low and a rate of rise that is too great. We estimated the contribution of compaction to late Holocene sea-level trends reconstructed at Tump Point, North Carolina, USA. We used a geotechnical model that was empirically calibrated by performing tests on surface sediments from modern depositional environments analogous to those encountered in the sediment core. The model generated depth-specific estimates of PDL, allowing samples to be returned to their depositional altitudes. After removing an estimate of land-level change, error-in-variables changepoint analysis of the decompacted and original sea-level reconstructions identified three trends. Compaction did not generate artificial sea-level trends and cannot be invoked as a causal mechanism for the features in the Tump Point record. The maximum relative contribution of compaction to reconstructed sea-level change was 12%. The decompacted sea-level record shows 1.71 mm yr− 1 of rise since AD 1845.

Wenn man sich die Meeresspiegelkurve in Abbildung 1 näher anschaut, fällt auch ein interessanter Abfall des Meeresspiegels im 17. Jahrhundert zur Zeit der Kleinen Eiszeit auf. Dies könnte mit dem verstärkten Eisaufbau in den Polar- und Gletschergebieten während dieser natürlichen Kälteperiode zu tun haben.

 

Abbildung 1: Meeresspiegelentwicklung an der Küste North Carolinas während der vergangenen 1000 Jahre. Quelle: Brain et al. 2015.

 

Meeresspiegel in Südbrasilien und Uruguay in den letzten 6000 Jahren um mehrere Meter gefallen

Im Rahmen unseres aktuellen Themenschwerpunkts zur Meeresspiegelforschung wollen wir Ihnen heute einige weitere interessante Arbeiten aus Nord- und Südamerika vorstellen, bevor wir dann im übernächsten Teil unserer Serie in die Südsee reisen.

USA

In den vergangenen Monaten erschienen zwei Arbeiten zur USA, die sowohl die West- als auch Ostküste zum Thema hatten. Im März 2015 veröffentlichten Thomas Wahl und Don Chambers im Fachblatt Journal of Geophysical Research eine Studie, in der die Autoren sechs Meeresbereiche um die USA identifizieren, die sich durch jeweils gemeinsame Muster in der natürlichen Variabilität der Meeresspiegelentwicklung auszeichnen. Ein verbessertes Verständnis dieser Bewegungsmuster ist unerlässlich, um natürliche von anthropogenen Anteilen des Meeresspiegelanstiegs zu differenzieren. Hier der Abstract:

Evidence for multidecadal variability in US extreme sea level records
We analyze a set of 20 tide gauge records covering the contiguous United States (US) coastline and the period from 1929 to 2013 to identify long-term trends and multidecadal variations in extreme sea levels (ESLs) relative to changes in mean sea level (MSL). Different data sampling and analysis techniques are applied to test the robustness of the results against the selected methodology. Significant but small long-term trends in ESLs above/below MSL are found at individual sites along most coastline stretches, but are mostly confined to the southeast coast and the winter season when storm surges are primarily driven by extratropical cyclones. We identify six regions with broadly coherent and considerable multidecadal ESL variations unrelated to MSL changes. Using a quasi-nonstationary extreme value analysis, we show that the latter would have caused variations in design relevant return water levels (50–200 year return periods) ranging from 10 cm to as much as 110 cm across the six regions. The results raise questions as to the applicability of the “MSL offset method,” assuming that ESL changes are primarily driven by changes in MSL without allowing for distinct long-term trends or low-frequency variations. Identifying the coherent multidecadal ESL variability is crucial in order to understand the physical driving factors. Ultimately, this information must be included into coastal design and adaptation processes.

Drei Monate später, im Juni 2015, legten Hamlington et al. ebenfalls im Journal of Geophysical Research nach und beschrieben Meeresspiegeleffekte, die auf das Wechselspiel zwischen El Nino/La Nina zurückgehen. Auch diese führen entlang der US-Küsten zu charakteristischen Meeresspiegelschwankungen. Im Folgenden die Kurzfassung der Studie:

The effect of the El Niño-Southern Oscillation on U.S. regional and coastal sea level
Although much of the focus on future sea level rise concerns the long-term trend associated with anthropogenic warming, on shorter time scales, internal climate variability can contribute significantly to regional sea level. Such sea level variability should be taken into consideration when planning efforts to mitigate the effects of future sea level change. In this study, we quantify the contribution to regional sea level of the El Niño-Southern Oscillation (ENSO). Through cyclostationary empirical orthogonal function analysis (CSEOF) of the long reconstructed sea level data set and of a set of U.S. tide gauges, two global modes dominated by Pacific Ocean variability are identified and related to ENSO and, by extension, the Pacific Decadal Oscillation. By estimating the combined contribution of these two modes to regional sea level, we find that ENSO can contribute significantly on short time scales, with contributions of up to 20 cm along the west coast of the U.S. The CSEOF decomposition of the long tide gauge records around the U.S. highlights the influence of ENSO on the U.S. east coast. Tandem analyses of both the reconstructed and tide gauge records also examine the utility of the sea level reconstructions for near-coast studies.

 

Florida

Im Stern konnte man am 6. Dezember 2014 eine unterhaltsame vorweihnachtliche Reportage aus Miami von Norbert Höfler lesen:

Klimawandel in Miami: Täglich verlassen die Kakerlaken die sinkende Stadt
Irgendwann wird das Meer Miami gefressen haben. Schon jetzt sind die ersten Vorboten zu spüren. Erstaunlich, dass die Stadt dennoch boomt wie nie. Besuch in einer Stadt am Rand des Untergangs.

Gänsehaut. Eine Stadt kurz vor dem Exitus. Party auf der Titanic kurz vor dem Untergang. Zum Glück gibt es Visionäre, die schon Ideen für den Tag X haben. Waterworld lässt grüßen. Wir lesen im Stern:

Raymond Romero, der Fischer aus Miami Beach, hat viel über den Klimawandel und die Veränderungen in den Ozeanen gehört. Das Eis an den Polen schmilzt, und die Temperatur in den Meeren zieht an. Wärmeres Wasser braucht mehr Platz als kaltes. Der Meeresspiegel steigt. Romero macht schon Notfallpläne. “Ich fülle den unteren Stock des Hauses mit Sand und Beton und baue ein neues obendrauf.” Ein Haus auf dem Haus. Wenn das alle so wie er machen würden, glaubt er, könnte eine neue Stadt auf der alten Stadt entstehen. Ob das zu bezahlen ist? Romero zuckt mit den Schultern und sagt: “Entweder Miami ersäuft und wird zur Geisterstadt – oder zum teuersten Pflaster der Welt.” Die meisten Bewohner der Millionenmetropole wissen, dass ihre Stadt ein Opfer des steigenden Meeresspiegels werden wird. Es ist keine Frage mehr, ob es passiert. Ungewiss ist nur noch, wann die Wassermassen einen Großteil Floridas unbewohnbar machen. Ob schon in 20 Jahren, in 50 oder in 100 Jahren. Forscher warnen: Miami wird zur Hochwasserruine.

Es ist richtig, dass Miami heute nur knapp über dem Meeresspiegel liegt. Deshalb jedoch vor einem moderaten Meeresspiegelanstieg von 30 cm pro Jahrhundert in Panik zu geraten wäre sicher falsch. Gerade eine reiche Stadt wie Miami wird sicher die Mittel aufbringen können, um sich vor dem Wasser zu schützen. Man erinnere sich an die Niederlande. Dort liegt etwa ein Viertel der gesamten Landesfläche unterhalb des Meeresspiegels, geschützt von umfangreichen Deichsystemen. Unmöglich in Miami?

 

Alaska

Vom warmen Miami geht es nun nach Alaska. Von dort berichteten Briggs und Kollegen im April 2014 in den Geophysical Research Letters über einen Sintflut-Retter, über den die Bewohner Miamis sicher neidisch sind: Aufgrund von tektonischen Prozessen wurde die Küste von Sitkinak Island im Kodiak Archipel mehrfach vor der Überflutung bewahrt und nach oben gedrückt. Die Mitgliederzeitschrift der American Geophysical Union „Eos“ schreibt über die Studie:

Over the past 2,300 years Sitkinak Island in the Kodiak Archipelago has repeatedly risen above the waves and been plunged into the ocean as the Alaska-Aleutian megathrust fault underlying it ruptured. Using a variety of observational techniques, Briggs et al. tracked the changing elevation of Sitkinak Island, in the process uncovering a previously unstudied history of the fault.

 

Brasilien

Auf nach Südamerika. Im brasilianischen Bundestaat Rio de Janeiro hat der Meeresspiegel eine ganz und gar verrückte Entwicklung genommen. Vor 5000 Jahren lag der Meeresspiegel noch 5 m über dem heutigen Niveau. In den folgenden Jahrtausenden fiel er in mehreren Etappen und erreichte heute das aktuelle Niveau (Abbildung 1). Die entsprechende Arbeit eines Teams um Alberto Figueiredo Jr. erschien im Dezember 2014 in Palaeo3. Hier der Abstract: (weiterlesen …)

Meeresspiegel in Australien in den letzten 7000 Jahren um mehrere Meter gefallen

In der Zeitung geht der Meeresspiegel immer nur in eine Richtung – nach oben. In Wahrheit war die Entwicklung jedoch viel komplexer als der Leserschaft gemeinhin zugemutet wird. Beispiel Australien. Die Welt meldete am 24. Mai 2011:

Erderwärmung: Meer vor Australien könnte um einen Meter steigen
Als Folge der Erderwärmung könnte der Meeresspiegel einer neuen Studie zufolge innerhalb eines Jahrhunderts um bis zu einen Meter steigen. Dadurch nehme die Gefahr verheerender Überschwemmungen zu, heißt es in einem Bericht der Klimakommission der australischen Regierung.

Tolle Alarmstory. Eine Kleinigkeit blieb dann jedoch im Artikel unerwähnt: Der aktuelle Meeresspiegel liegt bis zu mehrere Meter tiefer als während des Großteils der vergangenen 7000 Jahre. Welch Überraschung. Nachzulesen ist dies beispielsweise in einer Arbeit von Stephen Lewis und Kollegen, die im August 2013 in den Quaternary Science Reviews erschien. Das Forscherteam fasst in der Studie den aktuellen Wissensstand zur Meeresspiegelhistorie Australiens für die vergangenen 10.000 Jahre auf Basis einer Vielzahl von Arbeiten zusammen. Die Entwicklung folgte einem einfachen Muster: Gegen Ende der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren ereignete sich ein rapider Meeresspiegel-Anstieg, der vor 7000 Jahren schließlich endete. Dabei schoss der Meeresspiegel in der Endphase mehrere Meter über das heutige Niveau hinaus. In den sieben nachfolgenden Jahrtausenden sank der Meeresspiegel dann relativ gleichmäßig, vielleicht aber auch oszillierend, bis schließlich der heutige Stand erreicht wurde. Diese Entwicklung ist gleich für mehrere Küsten Australiens nachgewiesen, darunter West-Australien (Abbildung 1) und Ost-Australien (Lewis et al. 2008).

Abbildung 1: Meeresspiegelentwicklung in West-Australien während der vergangenen 8000 Jahre. Quelle: Lewis et a. 2013.

 

Auch im Großen Barriereriff lässt sich ein drastischer Meeresspiegelabfall nachweisen. In den letzten 2000 Jahren sackte dort der Meeresspiegel um 1,0 bis 1,3 m ab, wie ein Forscherteam um Daniel Harris im Januar 2015 in Geology dokumentierte. Eine schöne Studie, die die Autoren natürlich gerne in der Presse verbreitet sehen wollten. Allerdings gab es dabei den Schönheitsfehler, dass das Ergebnis so gar nicht in das klimaalarmistische Erzählmuster stetig steigender Fluten passte. In der entsprechenden Pressemitteilung der Universität Sydney vom 22. Januar 2015 mussten aus diesem Grund entsprechende Formulierungen eingefügt, die das massive Absinken des Meeres als „relativ kleinen Meeresspiegelrückgang“ verniedlichten. Es ist schon putzig zu lesen: Die Universität spricht schadensbegrenzend von einem „small drop“, „small change“, „minor sea level change“ und „relatively small sea level fall”. Erst im letzten Drittel der Meldung wird dann das ganze Ausmaß von mehr als einem Meter Differenz eingeräumt. Allesamt Vorkehrungen, um ja nicht Gefahr zu laufen, als Klimaskeptiker abgestempelt zu werden. Hier die Pressemitteilung in ganzer Länge:

Small drop in sea level had big impact on southern Great Barrier Reef
The idea that coral reefs have formed over millennia in a continuous process has been challenged by a study of the southern Great Barrier Reef. The research, led by the University of Sydney, shows that even small variations in sea level can cause significant change across the reef. “We create a new narrative for how the Barrier Reef and other coral reefs came about and explain the importance of surprisingly small changes in sea level,” said Associate Professor Jody Webster from the University of Sydney’s School of Geosciences and an author on a recently published article on the findings in Geology.

“That such a minor sea level change has stalled coral reef growth and sediment production is an unexpected and significant finding.” During rising sea levels reefs grow vertically upwards until they reach sea level. Then they grow away from the reef front, producing massive amounts of sediment which gradually fill in the reef lagoon, much like filling a bucket. “Most current models describe this infilling as a continual process, taking place over the past 6000 years or mid-Holocene, the geological era dating to the present day, following the reef reaching present sea level,” said Dr Ana Vila-Concejo, also from the School and an author on the study. “Instead our research suggests that the majority of lagoon infilling occurred for only four thousand years and was ‘turned off’ by a relatively small sea level fall 2000 years ago.”

The researchers analysed samples from One Tree Reef in the southern Great Barrier Reef. They radiocarbon dated sediment cores from the lagoons of the coral reef to calculate sand infilling. Sea level change was calculated by dating fossil samples from micro-atolls. “We established that starting about 6000 years ago there was 4000 years of rapid sediment production and transport until a sea level fall of between 1 to 1.3 metres. This fall coincided with a dramatic slowing of the coral reef’s growth on the broadest part of the reef over the next 2000 years,” said Dr Daniel Harris, the lead author on the study which he completed as a PhD student in the School of Geosciences.

Associate Professor Jody Webster said, “Our findings suggest that reefs will be sensitive to sea level changes likely to take place because of climate change, quite apart from other impacts such as ocean acidification or pollution. Based on our model higher sea level might allow for greater coral reef growth and more carbonate sediment production but that would rely on the reef systems otherwise being in good health.” Quan Hua from ANSTO,Professor Yusuke Yokoyama from the University of Tokyo and Professor Paula Reimer from Queen’s University Belfast are contributing authors on the Geology article.

Bei der Betrachtung dieser langen Zeitmaßstäbe und dem enormen Meeresspiegel-Absenkungsbetrag von mehreren Metern gehen kürzermaßstäbliche Entwicklungen etwas unter. Natürlich ist in den letzten 100 Jahren im Zuge der Wiedererwärmung nach der Kleinen Eiszeit auch in Australien der Meeresspiegel angestiegen. Ein Forscherteam um Neil White hat im September 2014 in Earth Science Reviews eine Analyse dieser Entwicklung publiziert. Laut White und Kollegen zeigen Küstenpegel zwischen 1966 und 2010 einen Anstieg von 2,1 mm pro Jahr. Das entspricht einem Gesamtanstieg von 9,2 cm, ein magerer Betrag im Vergleich zum vorangegangenen Meeresspiegelabfall von mehreren Metern. Selbst der Gesamtanstieg seit 1880 beträgt lediglich 15 cm. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit: (weiterlesen …)

Beschleunigter Meeresspiegelanstieg an Teilen der US-Ostküste geht auf atlantischen Ozeanzyklus zurück

Entlang eines 1000 km langen Streifens der US-Ostküste zwischen Massachusetts und North Carolina stieg in den letzten Jahrzehnten der Meeresspiegel schneller an als im globalen Durchschnitt. Was steckt hinter dieser anomal schnellen Entwicklung? Das Forscherduo Kenigson und Han nahm das Phänomen jetzt näher unter die Lupe und veröffentlichte das Ergebnis im Dezember 2014 im Fachblatt Journal of Geophysical Research.

In ihrer Studie fanden sie starke Hinweise darauf, dass sich hinter der Anomalie vor allem ein Effekt der sogenannten Atantischen Multidekadenoszillation (AMO) verbirgt, die den Meeressspiegel mal schneller und mal langsamer ansteigen lässt. Die Effekte sind regional gestaffelt, was die derzeitige Beschränkung auf die „U.S. mid-Atlantic coast“ erklärt. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit:

Detecting and understanding the accelerated sea level rise along the east coast of the United States during recent decades
A “hot spot” of accelerated sea level rise has recently been detected between Cape Hatteras and Cape Cod.
The acceleration in the long-term trend, however, is difficult to isolate from transient acceleration due to variability, particularly the 60 year cycle associated with the Atlantic Multidecadal Oscillation (AMO). The Empirical Mode Decomposition (EMD) and Ensemble EMD (EEMD) methods have been used to isolate oscillations and provide robust acceleration estimates for the trend. Yet the reliability of these methods in detecting accelerated sea level rise, particularly given the limited lengths of tide gauge records, has not been fully tested. Here, the EMD and EEMD methods are applied to both tide gauge observations and synthetic sea level time series constructed as a sum of oscillations extracted from tide gauge records and trends with prescribed acceleration rates. The successively truncated synthetic and observed data are analyzed with (E)EMD, and estimates of the acceleration error based on the record length are produced. Generally, EEMD provides more stable acceleration estimates than EMD, and the error decreases as the record length increases, although not monotonically. Records exceeding two multidecadal oscillation periods in length provide superior estimates over shorter records. In addition, the AMO may have contributed significantly to the rapid acceleration detected in the hot spot during recent decades. These findings have important implications for improved detection of regional sea level acceleration in a warming climate.

Bereits zuvor hatten mehrere Studien zeigen können, dass es sich bei der Anomalie um ein rein natürliches Phänomen handelt (siehe unseren Blogbeitrag „Beschleunigter Meeresspiegelanstieg an Teilen der US-Ostküste liegt noch vollständig im Bereich der natürlichen Variabilität“).

Es wird immer klarer, dass die natürliche Variabilität des Meeresspiegels zunächst vollkommen verstanden werden musss, bevor man sich an Prognosen heranwagen sollte. Im September 2014 erschien im Journal of Geophysical Research eine diesbezügliche Studie von Thompson & Mitchum, in der die Autoren an der nordamerikanischen Ostküste nach Schwankungen des Meeresspiegels suchten. Dabei ging es den Wissenschaftlern um Veränderungen im Abstand von Jahr zu Jahr, jedoch auch um Trends im Maßstab von einigen Jahrzehnten. Interessanterweise konnten Thompson & Mitchum feststellen, dass offenbar ein einheitliches Schwankungsmuster existiert, das vom kanadischen Nova Scotia bis in die Karibik reicht. Es muss also Antriebskräfte geben, die im gesamten Gebiet wirken. Im Folgende der Abstract der Studie:

Coherent sea level variability on the North Atlantic western boundary
Interannual to decadal sea level variability
on the North Atlantic western boundary is surprisingly coherent over substantial distances stretching from the Caribbean to Nova Scotia. The physical mechanisms responsible for this basin-scale, low-frequency coherence are explored in a diagnosis of simulated ocean fields from GECCO, which reproduces the observations to good approximation. Coastal sea level variability on the western boundary is known to be influenced by meridional divergence in the boundary current resulting in a geostrophic tilting of the sea surface. This mechanism is found to be of leading order along some stretches of the boundary, but it does not account for the coherence spanning the western North Atlantic. Instead, the coherence along the entire boundary is accounted for by vertical divergence resulting in the uniform rise and fall of the sea surface west of the 295°E meridian. The vertical divergence is found to be due to net vertically integrated zonal transport across this meridian resulting from meridional variation in the Sverdrup transport over the basin interior.

Einige Monate später, im Dezember 2014, legte ein Team um Philip Woodworth im Journal of Geophysical Research nach. Die Wissenschaftler fanden, dass die von Jahr zu Jahr auftretenden Schwankungen im Meeresspiegelanstieg an der Ostküste der USA wohl vor allem von Veränderungen in den küstennahen Winden herrühren. Hier die Kurzfassung:

Mean sea-level variability along the northeast American Atlantic coast and the roles of the wind and the overturning circulation
The variability in mean sea level (MSL) during 1950–2009 along the northeast American Atlantic coast north of Cape Hatteras has been studied, using data from tide gauges and satellite altimetry and information from the Liverpool/Hadley Centre (LHC) ocean model, thereby providing new insights into the spatial and temporal scales of the variability. Although a relationship between sea level and the overturning circulation can be identified (an increase of approximately 1.5 cm in MSL for a decrease of 1 Sv in overturning transport), it is the effect of the nearshore wind forcing on the shelf that is found to dominate the interannual sea-level variability. In particular, winds are found to be capable of producing low-frequency changes in MSL (“accelerations”) in a narrow coastal band, comparable to those observed by the tide gauges. Evidence is presented supporting the idea of a “’common mode” of spatially coherent low-frequency MSL variability, both to the north and south of Cape Hatteras and throughout the northwest Atlantic, which is associated with large spatial-scale density changes from year to year.

 

 

Dramatischer Meeresspiegelanstieg 2009-2010 an der nordamerikanischen Ostküste zwischen New York und Neufundland: Verantwortlich war eine seltene Konstellation atlantischer Ozeanzyklen

In den Jahren 2009 und 2010 ist der Meeresspiegel an der nordamerikanischen Ostküste zwischen New York und Neufundland um unglaubliche 12,8 cm nach oben geschnellt. Ein Resultat des menschengemachten Klimawandels? War dies der Anfang der von Klimaapokalyptikern prophezeiten Sintflut? Ein Forscherteam um Paul Goddard nahm sich der Sache an und untersuchte den Fall. Zunächst stellten die Wissenschaftler fest, dass sich der Anstieg auf die Jahre 2009 und 2010 beschränkte. Dies machte sie hellhörig, denn es passte so gar nicht zur eher langfristigen Wirkung des Klimawandels.

Im Zuge der Überprüfung der verschiedenen natürlichen Ozeanparameter stießen Goddard und seine Kollegen auch auf atlantische Ozeanzyklen, die genau zu dieser Zeit auffällige Entwicklungen durchmachten. Die sogenannte AMOC („Atlantic meridional overturning circulation”) fiel zu dieser Zeit stark ab und die NAO („North Atlantic Oscillation”) nahm außerordentlich negative Werte an. Diese seltene Kombination führte schließlich zum beobachteten starken Meeresspiegelanstieg. Als die Zyklen-Konstellation dann wieder vorbei war, sank der Meeresspiegel im betrachteten Küstengebiet wieder nahezu auf Normalwerte. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit, die im Februar 2015 in Nature Communications publiziert wurde:

An extreme event of sea-level rise along the Northeast coast of North America in 2009–2010
The coastal sea levels along the Northeast Coast of North America show significant year-to-year fluctuations in a general upward trend. The analysis of long-term tide gauge records identified an extreme sea-level rise (SLR) event during 2009–10. Within this 2-year period, the coastal sea level north of New York City jumped by 128 mm. This magnitude of interannual SLR is unprecedented (a 1-in-850 year event) during the entire history of the tide gauge records. Here we show that this extreme SLR event is a combined effect of two factors: an observed 30% downturn of the Atlantic meridional overturning circulation during 2009–10, and a significant negative North Atlantic Oscillation index. The extreme nature of the 2009–10 SLR event suggests that such a significant downturn of the Atlantic overturning circulation is very unusual. During the twenty-first century, climate models project an increase in magnitude and frequency of extreme interannual SLR events along this densely populated coast.

In einer Pressemitteilung der University of Arizona vom 24. Februar 2015 erläuterten die Autoren ihre Resultate näher (Auszüge):

Sea Level Spiked for Two Years Along NE North America
[…] The paper is also the first to show that the unusual spike in sea level was a result of changes in ocean circulation. Co-author Jianjun Yin, UA assistant professor of geosciences, said, “We are the first to establish the extreme sea level rise event and its connection with ocean circulation.” Goddard detected the two-year-long spike in sea level by reviewing monthly tide-gauge records, some of which went back to the early 1900s, for the entire Eastern Seaboard. No other two-year period from those records showed such a marked increase. The team linked the spike to a change in the ocean’s Atlantic Meridional Overturning Circulation and also a change in part of the climate system known as the North Atlantic Oscillation. [...]

Yin’s previous work on climate models suggests that weakening of the Atlantic Meridional Overturning Circulation could cause sea levels to rise faster along the northeast coast of North America. Yin wondered whether such sea level rise had actually been observed, so he asked Goddard to compile the tide-gauge records for the east coast of North America. The 40 gauges, spanning the coast from Key West, Florida, north to Newfoundland, have been recording sea levels as far back as the 1920s. Goddard’s work revealed a surprise — that during 2009 and 2010, sea level between New York and Newfoundland rose an average of four inches. Sea level from Cape Hatteras to New York also had a notable spike, though not as dramatic. “The sea level rise of 2009-10 sticks out like a sore thumb for the Northeast,” Goddard said. […]

In addition to the weakening AMOC, during 2009-10 the region’s atmosphere was in a very negative phase of the climate mode called the North Atlantic Oscillation. The NAO flip-flops between negative and positive phases. “The negative North Atlantic Oscillation changes the wind patterns along the northeast coast, so during the negative NAO the winds push water onto the northeast coast,” Goddard said. Although the NAO has resumed flipping between positive and negative states, observations show that the AMOC, while somewhat stronger, has still not recovered its previous strength. Even now, sea level is still higher than before 2009, Yin said. He’s not surprised, because most of the climate models predict a weakening of the AMOC over the 21st century. Yin said that at the current rate of increase in greenhouse gases, most climate models predict a weakening of the AMOC over the 21st century. Therefore, such extreme sea level rise events and coastal flooding are quite likely to occur along the densely populated northeast coast of North America more often. 

 

Malediven vor dem Untergang? Laut Küstenpegelmessungen ist der Meeresspiegel seit 15 Jahren stabil geblieben

Der steigende Meeresspiegel bedroht die Existenz zahlreicher kleiner Koralleninseln im Indischen und Pazifischen Ozean, heißt es. Dafür müssten die Industrieländer hohe Ausgleichszahlungen vornehmen, denn diese hätten ja das Problem verursacht, heißt es weiter. Man kann es den Insulanern nicht verdenken, dass sie diese Gelegenheit nutzen und auf den Alarmismus-Zug aufspringen. Es geht um große Summen aus dem in Cancun und Durban beschlossenen Grüne Klimafonds.

Der bekannteste Aktivist ist dabei wohl der ehemalige Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed. Im Rahmen einer publikumswirksamen Aktion tagte er am 17. Oktober 2009 mit seinem Kabinett in Taucherausrüstung unter Wasser und verabschiedete eine Erklärung mit dem Titel „SOS von der Front“. Nasheed sagte im Gespräch mit der Welt, dass große Ignoranz in der Welt herrsche. „Es ist das Zeitalter der Dummen.“ Der Präsident der Malediven bezog dies auf den Klimawandel, der mit steigendem Meeresspiegel einhergehe und sein Inselreich unmittelbar bedrohe – was von der Mehrheit der Menschen einfach nicht erkannt werde. Nasheed engagierte daraufhin eine holländische Architektengruppe, die für die angeblich untergangsgefährdeten Malediven ein schwimmendes Kongresszentrum sowie schwimmende Luxusappartements erstellen soll (Süddeutsche Zeitung vom 5.1.2012: „Rückkehr in den Ozean“). Es scheint allerdings, dass Nasheed den Seenot-Rettungsruf etwas voreilig abgesetzt hat. Kieler Forscher fanden kürzlich heraus, dass der Meeresspiegel in Teilen des Indischen Ozeans seit der Mitte des letzten Jahrhunderts um bis zu 5 Zentimeter abgesunken ist (siehe S. 200 in „Die kalte Sonne“).

Mittlerweile hat Nasheed sein Amt auf der Inselgruppe verloren. Im Februar 2012 wurde er offenbar mit vorgehaltener Waffe zum Rücktritt gezwungen. Im März 2015 wurde der Ex-Präsident schließlich zu 13 Jahren Haft verurteilt, da er in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft offenbar einen Richter entführen und festhalten ließ.

Richtig erfolgreich war Nasheeds Meeresspiegel-Alarmismus im Nachhinein nicht. Im Gegenteil: Anstatt des erhofften Klimageldregens wandten sich potentielle Investoren in Scharen ab. Wer will schon auf einem absaufenden Archipel investieren. Die neue Regierung der Malediven zog daher umgehend die Notbremse. Der Präsident der Inselgruppe versicherte, dass die Malediven nicht untergehen werden, und sich Projekte in seinem Land auf jeden Fall lohnen.

Im Westen hingegen pflegt die grüngewandete Presse noch immer gerne das Bild des Untergangs. Im April 2014 schrieben z.B. feelgreen.de:

Die Malediven stehen vor dem Untergang
Berge gibt es auf den Malediven nicht. Auch keine Hügel. Nicht einmal Dünen. Die höchste natürliche Erhebung – rechnet man die Palmen nicht mit – liegt auf 2,4 Metern über dem Meeresspiegel. Steigt dieser um einen Meter an, verschwinden 80 Prozent des Inselparadieses im Indischen Meer. “Ich sehe jetzt schon, wie es den Sand hier an den Palmen wegspült”, sagt die Schweizer Urlauberin Doris Friedrich. Die Regierung des Landes mit den derzeit noch rund 1200 Koralleninseln sucht händeringend nach Möglichkeiten, den Untergang zu verhindern.

Ähnliche Beiträge erschienen auch auf wetter.at und nachrichten.at.

Irgendwo in der Mitte des Beitrags wird dann kleinlaut eingeräumt, dass die Hauptstadt überbesiedelt ist und wertvolle Korallenareale vor der Küste einfach zugebaut wurden. Unerwähnt bleibt dabei, dass die Korallen dringend benötigt werden, um die Insel über Wasser zu halten. Die Korallen haben in den vergangenen 15.000 Jahren selbst stärkste Meeresspiegelanstiege ausgeglichen, in dem sie einfach stets hinterherwuchsen.

Was sagen die Küstenpegel auf den Malediven? Der Pegel „GAN II“ besitzt eine Messreihe von etwa 25 Jahren. Interessanterweise ist der Meeresspiegel seit 1998 stabil geblieben (Abbildung 1). Die Insulaner können ihre Schwimmwesten zum Glück also wieder ausziehen.

 

Abbildung 1: Meeresspiegelentwicklung am Küstenpegel GAN II auf den Malediven seit 1987. Quelle: PSMSL.

 

Interessanterweise betrug der mittlere Anstieg des Meeresspiegels im Indischen Ozean in den letzten 60 Jahren lediglich 1,5 mm pro Jahr. Dies berichteten Palanysami und Kollegen im Mai 2014 in einem Artikel im Fachblatt Global and Planetary Change. Kein Wert, der Anlass für große Panik geben könnte.

Abschließen möchten wir unser kleine asiatische Meeresspiegelschau mit einem Paper zum Persischen Golf, der im Mai 2015 online im Fachblatt Quaternary Research erschien. Ein Team um Stephen Lokier stellte fest, dass der Meeresspiegel dort vor 5000 Jahren mehr als einen Meter über dem heutigen Wert lag. Um 1400 fiel der Meeresspiegel dann wieder und erreichte das heutige Niveau. Hier die Kurzfassung:

Late Quaternary sea-level changes of the Persian Gulf
Late Quaternary reflooding of the Persian Gulf climaxed with the mid-Holocene highstand previously variously dated between 6 and 3.4 ka. Examination of the stratigraphic and paleoenvironmental context of a mid-Holocene whale beaching allows us to accurately constrain the timing of the transgressive, highstand and regressive phases of the mid- to late Holocene sea-level highstand in the Persian Gulf. Mid-Holocene transgression of the Gulf surpassed today’s sea level by 7100–6890 cal yr BP, attaining a highstand of > 1 m above current sea level shortly after 5290–4570 cal yr BP before falling back to current levels by 1440–1170 cal yr BP. The cetacean beached into an intertidal hardground pond during the transgressive phase (5300–4960 cal yr BP) with continued transgression interring the skeleton in shallow-subtidal sediments. Subsequent relative sea-level fall produced a forced regression with consequent progradation of the coastal system. These new ages refine previously reported timings for the mid- to late Holocene sea-level highstand published for other regions. By so doing, they allow us to constrain the timing of this correlatable global eustatic event more accurately.

 

Schreckliche Sintflut in Südostasien abgeblasen: PIK übersieht in Weltbank-Bericht die natürliche Ozeanzyklik

Kürzlich war Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) als Ghostwriter für den Papst tätig. In den Jahren zuvor hatten die PIKler bereits einen Auftrag als Kontraktschreiber für die Weltbank an Land gezogen. Dabei ersannen die Potsdamer eine Klimaalarm-Serie mit dem coolen Titel „Turn Down the Heat“, den die Weltbank daraufhin global in ihrem Namen verbreitete. Die bisherigen Episoden wurden im November 2012, Juni 2013 und November 2014 auf den Markt gebracht.

Die Hefte wurden von der Presse gierig aufgegriffen, natürlich ohne sie näher im Detail zu prüfen. Wir wollen es genauer wissen: Wie verlässlich ist der Inhalt der Berichte? Is it right?

Beispiel Südostasien. Laut PIK und Weltbank soll die Klimagefahr in dieser Region besonders stark ausgeprägt sein. In einer Pressemitteilung der Weltbank vom 19. Juni 2013 heißt es:

Warmer World Threatens Livelihoods in South East Asia
Turn Down the Heat: Climate Extremes, Regional Impacts and the Case for Resilience, was prepared for the World Bank by the Potsdam Institute for Climate Impact Research and Climate Analytics. […] The report examines the most significant climate risks for South East Asia in a 2ºC world. […] Sea levels are rising faster than previously projected and cyclones will intensify. The report finds that a sea-level rise of as much as 50 cm by the 2050s may already be unavoidable as a result of past emissions, and in some cases, impacts could be felt much earlier. This will cause greater destruction and result in flooding fields for extended periods, and inundate delta areas with intrusions of salt water into fields and in groundwater used for drinking. The report also projects that typhoons will increase in intensity (category 4 and 5).

Bei den Wirbelstürmen ist die Lage ziemlich eindeutig: Bisher ist kein Anstieg der Häufigkeit in der Region zu beobachten (siehe „.Klimaaktivisten missbrauchen Taifun Haiyan für eigene Zwecke: Studien fanden für die vergangenen Jahrzehnte keine Zunahme der Taifunaktivität“). Konzentrieren wir uns daher auf den Meeresspiegel. Weshalb sollte hier in den kommenden 35 Jahren in Südostasien ein Anstieg von 50 cm zu befürchten sein? Das wäre eine Anstiegsrate von 14 mm pro Jahr! Gibt es irgendwelche Anzeichen für einen solch rasanten Meeresspiegelanstieg in der Region? Im weltweiten Durchschnitt zeigen die Küstenpegel doch nur einen Anstieg von 2 mm pro Jahr an.

Eine Arbeit aus dem Mai 2015 im Fachblatt Climate of the Past enthüllt, in welche Falle die Potsdamer hier höchstwahrscheinlich getappt sind. Eine internationale Forschergruppe um Mathew Strassburg von der University of Colorado in Boulder hat sich die Meeresspiegeltrends in Südostasien näher angeschaut. Die Wissenschaftler arbeiteten dabei mit Satellitendaten, die die vergangenen 20 Jahre abdecken. Dabei fanden sie, dass der Meeresspiegelanstieg in diesem Zeitraum in Südostasien außergewöhnlich hohe Raten erreichte, die in einigen Teilen des Untersuchungsgebietes Werte von 10 mm pro Jahr erreichten und sogar überschritten (Abbildung 1). Aber ist es wirklich zulässig, diese hohen Anstiegsraten einfach in die Zukunft zu verlängern, so wie es die PIK-Leute offenbar getan haben?

Abbildung 1: Meeresspiegelanstiegsraten in Südostasien für den Zeitraum 1993-2009 auf Basis von Satellitendaten. Quelle: Strassburg et al. 2015.

 

Strassburg und Kollegen wollten zunächst verstehen, weshalb der Meeresspiegel in Südostasien in den letzten 20 Jahren so viel schneller aufwärts strebte als in den anderen Regionen der Erde. Ist dies ein stabiler Trend oder müssen hier natürliche Schwankungen berücksichtigt werden? Die Wissenschaftler schauten sich daraufhin Küstenpegelmessungen der letzten 60 Jahre an und machten eine überraschende Entdeckung: Der Meeresspiegelanstieg zeigte eine klare natürliche Zyklizität, die an den bedeutenden Ozeanzyklus der Pazifischen Dekadischen Oszillation (PDO) gekoppelt ist, der mit einer Periode von etwa 60 Jahren schwingt. Das Zeitfenster von 20 Jahren im Zusammenhang mit den Satellitenmessungen hat nur den stark anschwellenden Teil der Zyklik abgebildet, der keineswegs für den mittleren Langfrist-Anstieg repräsentativ ist. Betrachtet man die Meeresspiegelentwicklung seit 1950, so ergeben sich für Südostasien mittlere Anstiegsraten von lediglich 1,0-2,5 mm pro Jahr (Abbildung 2), was sich sehr gut in den globalen Durchschnitt einpasst.

Abbildung 2: Meeresspiegelanstiegsraten in Südostasien für den Zeitraum 1950-2009. Quelle: Strassburg et al. 2015.

 

Unter Einbeziehung der natürlichen Zyklik prognostizieren Mathew Strassburg und sein Team für die nächsten Jahre eine starke Verlangsamung des Meeresspiegelanstiegs in Südostasien. Dabei werden in den kommenden 20 Jahren voraussichtlich Werte erreicht, die deutlich unterhalb der globalen Durchschnittsraten liegen.

Nun wird auch klar, an welcher Stelle es beim PIK schiefgelaufen ist. Offenbar hat man es in Potsdam versäumt, die natürliche PDO-Zyklik miteinzubeziehen. Man hatte die Schwankungen in der Geschwindigkeit des Meeresspiegelanstiegs ignoriert und einfach die hohen Werte der letzten Jahre in die Zukunft fortgeschrieben. Ein fataler Fehler. Nimmt man den langfristig belegten Anstiegswert von 2 mm pro Jahr als Grundlage, ist in den kommenden 35 Jahren lediglich mit einem Anstieg von 70 mm, also 7 cm zu rechnen. Dies ist signifikant weniger als die 50 cm, die vom PIK in den Weltbank-Bericht geschrieben wurden. Eigentlich müsste dieser jetzt dringend mit einem „Addendum“ korrigiert werden, denn es ist davon auszugehen, dass Politiker in der Region und den Geberländern fälschlicherweise noch immer vom stark überhöhten Wert ausgehen. Mit diesem Defizit belastet, ist der PIK/Weltbank-Bericht sicher keine geeignete Planungsgrundlage für die Festlegung von Prioritäten bei der Bewältigung der Klimawandelfolgen.

Im Folgenden die Kurzfassung der Studie: (weiterlesen …)

Tansanias Meeresspiegel übertraf während der letzten 4500 Jahre vermutlich das heutige Niveau. Meeresspiegel auf den Seychellen in den letzten 10 Jahren stabil

Der globale Meeresspiegel steigt und steigt – und das seit 15.000 Jahren. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass der Anstieg nicht kontinuierlich war und es Phasen gab, wo der Meeresspiegel stabil blieb, vielleicht sogar gefallen ist. Dies könnte z.B. in den natürlichen Kältephasen passiert sein, die es etwa alle 1000 Jahre gab.

Anhand von geologischen Methoden ist es möglich, die Meeresspiegelgeschichte zu rekonstruieren. Eine Forschergruppe um Sarah Woodroffe von der Universität Durham in Nordengland hat die Entwicklung des Meeresspiegels in Tansania und auf den weit vor der ostafrikanischen Küste vorgelagerten Seychellen näher unter die Lupe genommen. In einer ersten Studie, die im Mai 2015 im Fachblatt The Holocene erschien, rekonstruieren Woodroffe und Kollegen die Schwankungen an der Küste Tansanias der letzten 10.000 Jahre. Zunächst stieg der Meeresspiegel schnell an und erreichte vor 7900 Jahren ein Niveau um drei Meter fünfzig unterhalb des heutigen Niveaus. Neunhundert Jahre später erreichte das Meer dann den heutigen Stand. Der Anstieg verlangsamte sich daraufhin. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Meeresspiegel in der Folgezeit über dem heutigen Niveau lag. In den letzten 4400 Jahren fiel der Meeresspiegel dann wieder bzw. blieb konstant.

Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit:

Radiocarbon dating of mangrove sediments to constrain Holocene relative sea-level change on Zanzibar in the southwest Indian Ocean
Mangrove sedimentary deposits are sensitive to changes in sea level and can be used to reconstruct mid- to late Holocene sea-level fluctuations in intermediate and far-field locations, distant to the former polar ice sheets. However, they can be difficult to date using 14C because mangrove sediment can contain mixtures of carbon of different ages. The two main potential causes of error are younger mangrove roots penetrating down through the sediment column and bioturbation by burrowing animals which moves carbon up and down the sediment column. Both processes may introduce carbon not representative of the age of deposition of the layer being dated. This study reports new 14C dates on organic concentrates (10–63 µm) from mangrove sediments from Makoba Bay on Zanzibar (Unguja) where previous bulk sediment 14C age–depth profiles contained inversions and were therefore less useful for relative sea-level (RSL) reconstruction. Dates on organic concentrates provide a more coherent sequence of 14C ages compared with those from bulk sediments. These new data provide an improved environmental history and mid- to late Holocene RSL record for this site. Our reconstructions show that RSL rose during the mid-Holocene and reached within −3.5 m of present by c. 7900 cal. yr BP. RSL slowed as it reached present at or shortly after c. 7000 cal. yr BP, with falling and/or stable RSL from c. 4400 cal. yr BP to present. We are not able to determine whether there was a RSL highstand above present on Zanzibar during the mid- to late Holocene. The RSL reconstruction agrees broadly with changes predicted by the ICE-5G geophysical model, which includes 4 m of ice equivalent sea-level rise between 7000 and 4000 cal. yr BP. Our new dating approach has the potential to provide improved chronologies with which to interpret sea level data from this and other mangrove environments.

Was für eine Überraschung: In den letzten viereinhalb Jahrtausenden ist der Meeresspiegel in Tansania gefallen bzw. stabil geblieben. Was sagen die aktuellen Küstenpegelmessungen des Landes? Zum Glück gibt es auf Sansibar einen Pegel, der seit 1984 Daten liefert (Abbildung 1). Ein Langzeittrend ist für die letzten 30 Jahre nicht auszumachen. Vielmehr kann eine Art Zyklus vermutet werden, mit einem Abfallen bis 2000 und einem nachfolgenden Wiederanstieg. Das heutige Meeresspiegelniveau wurde in den letzten 30 Jahren mehrfach kurzfristig erreicht.

Abbildung 1 : Meeresspiegelentwicklung am Küstenpegel Sanibar in Tansania. Quelle : PSMSL.

 

In einer Vergleichsstudie hat das Team um Sarah Woodroffe auch die Seychellen untersucht, die in weiterer Entfernung der tansanianischen Küste vorgelagert sind. Bei dieser abseitigen Lage inmitten des Ozeans können tektonische Hebungs- oder Senkungseffekte praktisch ausgeschlossen werden. Auch hier fanden die Forscher einen sehr stabilen Meeresspiegel in den letzten 2000 Jahren. Im Rahmen der Rekonstruktionsgenauigkeit konnte festgestellt werden, dass der Meeresspiegel in dieser Zeit niemals tiefer als 2m unter dem heutigen Niveau lag. Aber auch Meeresspiegelstände von einigen Dezimetern über dem heutigen Stand können nicht ausgeschlossen werden.

Diese Arbeit erschien in den Quaternary Science Reviews, ebenfalls im Mai 2015: Im Folgenden die Kurzfassung:

New constraints on late Holocene eustatic sea-level changes from Mahé, Seychelles
This study provides new estimates of globally integrated ice sheet melt during the late Holocene (since 4 ka BP) from Seychelles in the western Indian Ocean, a tectonically stable, far field location where the necessary Glacial-Isostatic Adjustment (GIA) correction is small and is relatively insensitive to predictions using different Earth viscosity profiles. We compare sea level data from Seychelles to estimates of eustasy from two GIA models, ICE-5G and EUST3, which represent end-members in the quantity of global melt during the late Holocene. We use data from a range of coastal environments including fringing reef, present day beaches, fossil plateau and mangrove deposits on the largest island of the Seychelles archipelago, Mahé to reconstruct relative sea-level changes. Our data suggest that extensive coastal deposits of carbonate-rich sands that fringe the west coast formed in the last 2 ka and the horizontal nature of their surface topography suggests RSL stability during this period. Mangrove sediments preserved behind these deposits and in river mouths date to c. 2 ka and indicate that RSL was between −2 m and present during this interval. Correcting the reconstructed sea level data using a suite of optimal GIA models based on the two ice models mentioned above and a large number (c. 350) of Earth viscosity models gives a result that is consistent with the sedimentological constraints. When uncertainties in both model results and data are considered, it is possible to rule out eustatic sea levels below c. 2 m and more than a few decimetres above present during the past two millennia. This uncertainty is dominated by error in the reconstructions rather than the model predictions. We note, however, that our estimates of eustasy are more compatible with the EUST3 model compared to the ICE-5G model during the late Holocene (2–1 ka BP). Our evidence from Seychelles shows that the timing of when eustatic sea level first rose close to present is between the predictions of the two end-member GIA models presented here (4 ka BP for ICE-5G and 1 ka BP for EUST3). Using all lines of evidence currently available from Mahé we suggest that the eustatic contribution during the last 2 ka has been less than 2 m. This conclusion is drawn from a tectonically stable, far-field region that is relatively insensitive to earth and ice model uncertainties, and implies that global eustasy has been relatively insensitive to climate fluctuations over the pre-industrial part of the last 2 ka.

Wieder studieren wir die Küstenpegelmessungen dazu. Die seit 2012 offenbar inaktive Point La Rue-Station zeigt einen interessanten Verlauf: Seit 2002 ist der Meeresspiegel überhaupt nicht mehr angestiegen (Abbildung 2).

Abbildung 2 : Meeresspiegelentwicklung am Küstenpegel Pointe La Rue auf den Seychellen. Quelle : PSMSL.

 

Was sagen die Satellitenmessungen? Auch hier in den letzten 10 Jahren keinerlei Meeresspiegelanstieg! (Abbildung 3).

Abbildung 3: Meeresspiegelentwicklung im Gebiet der Seychellen auf Basis von Satellitenmessungen. Quelle: University of Colorado.

 

Niederländische Studie: Schlimmer als der Anstieg des Meeresspiegels durch den Klimawandel ist für viele Küstenstädte, dass sie absinken

Kann es etwas Schlimmeres als den Klimawandel geben? Ja, kann es, wie in der Taz am 1. Mai 2014 zu lesen war:

Megastädte versinken im Boden: Wie vom Erdboden verschluckt
Das Absinken des Erdbodens ist gefährlicher für Küstensiedlungen als der vom Klimawandel verursachte Anstieg des Meeresspiegels.
In manchen Städten sinkt der Grund zehn mal schneller als das Wasser steigt. Grundwasserentnahme und steigende Bevölkerungszahlen sind der Hauptgrund dafür, heißt es in einer neuen Publikation des Deltares Forschungsinstituts in Utrecht. Eine weitere Ursache sei, dass Küstenstädte häufig auf sehr weichem Grund gebaut sind.

Weiterlesen in der Taz. Auch die Wiener Zeitung, The Independent und die Daily Mail berichteten. Den Konferenz-Abstract von Erkens et al. (2014) können Sie hier finden.

Was kann man gegen die Bodenabsenkung tun? Auf nachrichten.at werden die Lösungsansätze der niederländischen Forscher skizziert:

So könne man aufhören zu pumpen und die Grundwasserspeicher wieder füllen, aber auch leichtere Bauwerke errichten und die Flussdeltas künstlich mit Sedimenten stärken. Triviale Ansätze, wie dort zu bauen, wo die Absinkgefahr nicht ganz so groß ist, solle man aber genauso berücksichtigen. Hier könnten die Geologen mit ihrer Expertise helfen.

Im folgenden Video aus dem Mai 2015 erläutert der Leitautor der Studie die große Bedeutung des Themas:

 

Zum gleichen Thema publizierte auch eine Forscherguppe um Stephanie Higgins im August 2014 im Journal of Geophysical Research. Der Fokus dieser Studie lag im Ganges-Brahmaputra-Delta in Bangladesch. Mithilfe von Satellitenmessungen konnten sie nachweisen, dass Teile der Landeshauptstadt Dhaka mit über 10 mm pro Jahr absinken, dem Drei- bis Vierfachen des globalen Meeresspiegelanstiegs. Außerhalb der Metropole wurden sogar Absenkungsraten von mehr als 18 mm pro Jahr festgestellt. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit:

InSAR measurements of compaction and subsidence in the Ganges-Brahmaputra Delta, Bangladesh
Many of the world′s largest river deltas are sinking due to sediment loading, compaction, and tectonics but also recently because of groundwater extraction, hydrocarbon extraction, and reduced aggradation. Little is known, however, about the full spatial variability of subsidence rates in complex delta systems. This study reconstructs subsidence rates in the eastern portion of the Ganges-Brahmaputra Delta (GBD), Bangladesh, covering more than 10,000 km2 at a high spatial resolution of 100 m. The map was produced using Interferometric Synthetic Aperture Radar (InSAR) covering the period 2007 to 2011. Eighteen Advanced Land Observing Satellite Phased-Array L-band SAR scenes were used to generate 30 interferograms calibrated with GPS. Interferograms were stacked to yield average subsidence rates over the study period. Small Baseline Subset-InSAR was then applied to validate the results against an additional GPS record from Dhaka, Bangladesh. Land subsidence of 0 to > 10 mm/yr is seen in Dhaka, with variability likely related to local variations in shallow subsurface sediment properties. Outside of the city, rates vary from 0 to > 18 mm/yr, with the lowest rates appearing primarily in Pleistocene Madhupur Clay and the highest rates in Holocene organic-rich muds. Results demonstrate that subsidence in this delta is primarily controlled by local stratigraphy, with rates varying by more than an order of magnitude depending on lithology. The ability of L-band InSAR to differentiate between stratigraphic units in this humid, vegetated subtropical river delta demonstrates the power of interferometry as a tool for studying the subsurface in deltaic environments.

Am 9. April 2015 erinnerte auch Quirin Schiermeier in Nature an das im Vergleich zum Klimawandel große Absenkungsproblem im Ganges–Brahmaputra delta:

Risks are expected to climb. Global warming is raising sea levels around the planet by 2–3 millimetres each year. That only adds to bigger problems in the Ganges–Brahmaputra delta, which is sinking so rapidly that the local, relative sea level may be rising by up to 2 centimetres each year. And Bangladesh’s population of more than 150 million people is projected to grow by a further 50 million by 2050, putting more people in harm’s way. The Ganges–Brahmaputra delta is the dumping ground of the Himalayas. As wind and rain erode the mountain range, massive rivers carry more than a billion tonnes of sediment into the Bay of Bengal each year; in some places, the layer deposited since the most recent ice age is more than one kilometre thick. As in all deltas, this loose material compacts easily, causing the land to sink slowly and the relative sea level to rise. In the past, sediment carried downstream each year would have refreshed the delta. But agriculture, industry and hydroelectric dams have diverted water and choked the flow of sediments, so the land is no longer being rebuilt.

Eine ausgezeichnete geologische Darstellung des Ganges-Brahmaputra-Deltas stammt von B. Quartero auf WUWT.

 

Meeresspiegelforschung aktuell: Neue Studien aus Europa

Im Januar 2014 hatten wir an dieser Stelle über eine Studie der Universität Siegen mit einem interessanten Fazit berichtet. Eine gründliche Datenauswertung hatte ergeben, dass der Meeresspiegel in der Nordsee seit 100 Jahren mit konstanter Geschwindigkeit steigt, ohne Beschleunigung. Im Oktober 2014 legte die Forschergruppe im Journal of Geophysical Research nach. Den Wissenschaftlern war aufgefallen, dass sich hinter dem gleichmäßigen langfristigen Anstieg des Meeresspiegels Schwankungen versteckten. In ihrer neuen Studie konnten sie zeigen, dass diese Schwankungen nicht nur in der Nordsee auftraten, sondern von der Norwegischen See bis zu den Kanarischen Inseln im Atlantik reichten. Die Forschergruppe um Sönke Dangendorf vermutet, dass Änderungen der küstenparallelen Winde den Meeresspiegelanstieg systematisch beeinflusst haben könnten. Im Folgenden die Kurzfassung des Artikels:

Mean sea level variability in the North Sea: Processes and implications
Mean sea level (MSL) variations across a range of time scales are examined for the North Sea under the consideration of different forcing factors since the late 19th century. We use multiple linear regression models, which are validated for the second half of the 20th century against the output of a tide+surge model, to determine the barotropic response of the ocean to fluctuations in atmospheric forcing. We find that local atmospheric forcing mainly initiates MSL variability on time scales up to a few years, with the inverted barometric effect dominating the variability along the UK and Norwegian coastlines and wind controlling the MSL variability in the south from Belgium up to Denmark. On decadal time scales, MSL variability mainly reflects steric changes, which are largely forced remotely. A spatial correlation analysis of altimetry observations and gridded steric heights suggests evidence for a coherent signal extending from the Norwegian shelf down to the Canary Islands. This fits with the theory of longshore wind forcing along the eastern boundary of the North Atlantic causing coastally trapped waves to propagate over thousands of kilometers along the continental slope. Implications of these findings are assessed with statistical Monte-Carlo experiments. It is demonstrated that the removal of known variability increases the signal to noise ratio with the result that: (i) linear trends can be estimated more accurately; (ii) possible accelerations (as expected, e.g., due to anthropogenic climate change) can be detected much earlier. Such information is of crucial importance for anticipatory coastal management, engineering, and planning.

Den Wind hat auch eine Arbeitsgruppe um Margot Saher im Verdacht. Saher und Kollegen dokumentierten im Januar 2015 in den Quaternary Science Reviews die Meeresspiegelgeschichte Islands für die vergangenen 500 Jahre. Sie fanden, dass sich der Meeresspiegelanstieg auf drei Phasen beschränkte: Um 1600, 1810 und 1980. Den Phasen war gemeinsam, dass sich zu diesen Zeiten die größten Veränderungen in der Nordatlantischen Oszillation (NAO) ereigneten, einem bedeutenden Ozeanzyklus. Die Änderungen in der NAO haben die Windverhältnisse offenbar so umgestellt, dass der Meeresspiegel jeweils nach oben schnellte. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit:

Sea-level changes in Iceland and the influence of the North Atlantic Oscillation during the last half millennium
We present a new, diatom-based sea-level reconstruction for Iceland spanning the last 500 years, and investigate the possible mechanisms driving the sea-level changes. A sea-level reconstruction from near the Icelandic low pressure system is important as it can improve understanding of ocean–atmosphere forcing on North Atlantic sea-level variability over multi-decadal to centennial timescales. Our reconstruction is from Viðarhólmi salt marsh in Snæfellsnes in western Iceland, a site from where we previously obtained a 2000-yr record based upon less precise sea-level indicators (salt-marsh foraminifera). The 20th century part of our record is corroborated by tide-gauge data from Reykjavik. Overall, the new reconstruction shows ca 0.6 m rise of relative sea level during the last four centuries, of which ca 0.2 m occurred during the 20th century. Low-amplitude and high-frequency sea-level variability is super-imposed on the pre-industrial long-term rising trend of 0.65 m per 1000 years. Most of the relative sea-level rise occurred in three distinct periods: AD 1620–1650, AD 1780–1850 and AD 1950–2000, with maximum rates of 3 ± 2 mm/yr during the latter two of these periods. Maximum rates were achieved at the end of large shifts (from negative to positive) of the winter North Atlantic Oscillation (NAO) Index as reconstructed from proxy data. Instrumental data demonstrate that a strong and sustained positive NAO (a deep Icelandic Low) generates setup on the west coast of Iceland resulting in rising sea levels. There is no strong evidence that the periods of rapid sea-level rise were caused by ocean mass changes, glacial isostatic adjustment or regional steric change. We suggest that wind forcing plays an important role in causing regional-scale coastal sea-level variability in the North Atlantic, not only on (multi-)annual timescales, but also on multi-decadal to centennial timescales.

Im arktischen Norwegen gibt es ein ganz seltsames Phänomen, das nichts mit dem Wind zu tun hat. Dort hat sich nach Ende der letzten Eiszeit und Schmelzen der skandinavischen Eismassen das Land stark gehoben. Ein Forscherteam um Robert Barnett hat im Januar 2015 in den Quaternary Science Reviews eine Meeresspiegelrekonstruktion für eine Lofoteninsel für die vergangenen 3300 Jahre vorgestellt. Sie fanden über den Zeitraum eine Meeresspiegelabsenkung von knapp einem Millimeter pro Jahr. Auf den Lofoten wird es wohl vorerst keine Klimaflüchtlinge geben. Hier die Kurzfassung der Arbeit:

Late Holocene sea-level change in Arctic Norway
Relative sea-level data from the pre-industrial era are required for validating geophysical models of glacio-isostatic adjustment as well as for testing models used to make sea-level predictions based on future climate change scenarios. We present the first late Holocene (past 3300 years) relative sea-level reconstruction for northwestern Norway based on investigations in South Hinnøya in the Vesterålen – Lofoton archipelago. Sea-level changes are reconstructed from analyses of salt-marsh and estuarine sediments and the micro-organisms (foraminifera and testate amoebae) preserved within. The ‘indicative meaning’ of the microfauna is established from their modern distributions. Records are dated by radiocarbon, 201Pb, 137Cs and chemostratigraphical analyses. Our results show a continuous relative sea-level decline of 0.7–0.9 mm yr−1for South Hinnøya during the late Holocene. The reconstruction extends the relative sea-level trend recorded by local tide gauge data which is only available for the past 25 years. Our reconstruction demonstrates that existing models of shoreline elevations and GIA overpredict sea-level positions during the late Holocene. We suggest that models might be adjusted in order to reconcile modelled and reconstructed sea-level changes and ultimately improve understanding of GIA in Fennoscandia.

In Schottland gibt es in abgeschwächter Form einen ähnlichen Trend. Natasha Barlow und Kollegen konnten im September 2014 in den Quaternary Science Reviews zeigen, dass der Meeresspiegel in Nordwest Schottland während der letzten 2000 Jahre allmählich mit 0,4 mm pro Jahr fiel. Insgesamt verzeichneten die Autoren jedoch eine ziemliche Stabilität. Hier die Kurzfassung:

Salt-marsh reconstructions of relative sea-level change in the North Atlantic during the last 2000 years
Sea-level changes record changes in the mass balance of ice sheets and mountain glaciers, as well as dynamic ocean–atmosphere processes. Unravelling the contribution of each of these mechanisms on Late Holocene timescales ideally requires observations from a number of sites on several coasts within one or more oceans. We present the first 2000 year-long continuous salt marsh-based reconstructions of relative sea-level (RSL) change from the eastern North Atlantic and uniquely from a slowly uplifting coastline. We develop three RSL histories from two sites in north west Scotland to test for regional changes in sea-level tendency (a positive tendency indicating an increase in the proximity of marine conditions and a negative tendency the reverse), whilst at the same time highlighting methodological issues, including the problems of dataset noise when applying transfer functions to fossil salt-marsh sequences. The records show that RSL has been stable (±0.4 m) during the last two millennia, and that the regional sea-level tendency has been negative throughout most of the record lengths. A recent switch in the biostratigraphy of all three records, indicating a regional positive tendency, means we cannot reject the hypothesis of a 20th century sea-level acceleration occurring in north west Scotland that must have exceeded the rate of background RSL fall (−0.4 mm yr−1), but this signal appears muted and later than recorded from the western North Atlantic.

Die Hebungsgeschichte der Ostsee ist ebenfalls hochinteressant. Hier haben sich Hebung und globaler Meeresspiegelanstieg immer wieder gegenseitig überholt, so dass es mehrere Wechsel von Verlandung und Überflutung in den letzten 10.000 Jahren gegeben hat. Siehe Zusammenfassungen von Meyer (2002) und Hillmann (2004).

Im Januar 2015 erschien eine Arbeit von Jens Morten Hansen, Troels Aagaard und Antoon Kuijpers online im Journal of Coastal Research. Die Gruppe fahndete nach Zyklen in der Meeresspiegelentwicklung in Nordsee und Ostsee. Dabei stießen sie auf Zyklen mit Perioden von 19, 60 und 75 Jahren, die sie mit Gezeitenzyklen des Mondes korrelierten. Hier der Abstract:

Sea-level forcing by synchronization of 56- and 74-year oscillations with the Moon’s nodal tide on the northwest European Shelf (eastern North Sea to central Baltic Sea)
The North Sea and Baltic Sea long-term records reveal a strong correlation (0.997) between sea-level changes and the sum of identified harmonic oscillations, corresponding to the lunar nodal period and four multiples of it. We developed a transparent method for iterative least residual sine regression that is capable of identifying harmonic sea-level oscillations, e.g., gravitational sea-level effects of the lunar nodal oscillation. Three relatively large harmonic sea-level oscillations with period lengths of 18.6 (18.6), 60.5 (55.8), and 76.1 (74.4) years correspond well to factors 1, 3, and 4 of the 18.6-year lunar nodal period (multiple periods in parentheses). The sum of these oscillations leaves small residuals that can be resolved into two further, statistically less significant oscillations with apparent period lengths of 28.1 (27.9) and 111.1 (111.7) years, corresponding to factors 1½ and 6 of the lunar nodal period. Periods and amplitudes expose strong entrainment, i.e. phase synchronization at rational ratios of the identified oscillations’ periods as well as amplitude locking at reciprocal rational ratios of 1/2, 1/3, and 2/3 of the three largest oscillations. On top of the region’s general sea-level rise (1.18 mm/y), strong quasi-oscillations occur when the two largest oscillations are in phase. Thus, a large quasi-oscillation commenced in 1971 adding a 40-year sea-level rise of 1.0–1.2 mm/y to the region’s general sea-level rise. If our theory is correct, the ongoing quasi-oscillation should culminate in 2011, and the suggestion may be tested after completion of the ongoing 18.6-year nodal oscillation, i.e. in 2020–21. A purely mathematical extension of the oscillation parameters identified by the applied method suggests that the sum of harmonic oscillations produces 223-year pulses of quasi-oscillations, which can be divided into 158-year periods (e.g., 1747–1905 and after 1970) with large oscillations (60–65 mm), followed by 65-year periods (e.g., 1905–70) with much smaller oscillations (2–16 mm).

Aus Wales berichtete Spiegel Online im Februar 2014 über einen aus den Fluten auftauchenden Wald: (weiterlesen …)

University of Southampton: Erst 2020-2030 wird man wissen, ob sich der Meeresspiegelanstieg beschleunigt oder nicht. Mojib Latif: Modelle müssen natürliche Variabilität viel stärker berücksichtigen

Vorhersagen haben die Menschen schon seit jeher fasziniert. Der Blick in die Zukunft hat etwas Magisches. Das Orakel von Delphi, der Blick in die Kristallkugel auf dem Jahrmarkt, Kartenlegen: Die Fehlerquote ist zwar hoch, aber das scheint die Leute nicht davon abzuhalten, für windige Prognosen Geld auszugeben.

Die Webseite ClimateChangePredictions.org hat sich zur Aufgabe gemacht, Vorhersagen zum Klimawandel aufzuzeichnen, um sie mit der realen Entwicklung abzugleichen. Ein schönes Beispiel ist der Anstieg des Meeresspiegels. Aktuell steigt das Meer um 2-3 mm pro Jahr, was bei gleichbleibendem Trend bis zum Ende des Jahrhunderts 25 cm ausmachen würde. Das hält jedoch einige Zeitgenossen nicht davon ab, mit sehr viel höheren Anstiegsbeträgen in der Öffentlichkeit um Aufmerksamkeit zu buhlen. Eine hochinteressante Auflistung aller Prognosen finden Sie auf der genannten Webseite. So prognostiziert der australische Klimaforscher John Church 3 m bis 2100. Anderen ist das noch viel zu wenig und drohen mit 7 m oder sogar 100m! Fast könnte man glauben, der höchste Wett-Tipp gewinnt, was zumindest hinsichtlich der Aufmerksamkeit in der Presse sicher nicht einmal falsch ist.

Seriöse Studien zeigen, wie absurd der Bieterwettbewerb geworden ist. Im Rahmen eines mit insgesamt 10 Millionen Euro geförderten europäischen Forschungsprogrammes untersuchte ein Verbund von 24 Instituten Szenarien für die zukünftige Meeresspiegelentwicklung. Beteiligt war unter anderem auch das Bremerhavener Alfred Wegener Institut (AWI). Hauptziel des von 2009 bis 2013 aktiven ice2sea-Programm war es dabei, das Abschmelzen von auf dem Land befindlichen Eismassen zu quantifizieren. Im Mai 2013 haben die Forscher ihren Abschlussbericht vorgelegt (pdf hier). Das Forschungskonsortium kommt zu dem Schluss, dass im wahrscheinlichsten Szenario der Meeresspiegel bis zu Ende des Jahrhunderts lediglich zwischen 16,5 cm und 69 cm ansteigen wird. Eine bittere Enttäuschung für die Alarmisten in der Branche.

Welchen Zweck verfolgen die alarmistischen Prognosen? Einige stammen aus der Feder von Regierungsorganisationen, die damit ihre aggressive Klimapolitik inhaltlich untermauern wollen. In den USA warnte die Obama-Regierung vor einem Anstieg von 2,10 m bis zur Jahrhundertwende, weitab vom wissenschaftlichen Mainstream. Den Bodenkontakt hat offenbar auch der letzte IPCC-Bericht verloren, der trotz der vorsichtigen Prognosen in der Fachliteratur eine Steigerung der Meeresspiegelgefahr behauptete. Dabei blickt man gerne auch mal zweitausend Jahre in die Zukunft, ein absoluter Irrsinn, wenn man die Vielzahl von schlecht bekannten Entwicklungen berücksichtigt.

Wer pfeift die schrillen Warner vor einer kommenden Sintflut endlich zurück? Wenn Prognosen vollkommen außerhalb der akzeptierten Bandbreite liegen, sollte dies nachdenklich machen und die Glaubwürdigkeit der Apokalyptiker in Frage stellen. Der Presse ist dies jedoch offenbar herzlich egal, bekommt sie doch auf diesem Weg Stoff für stets neue spektakuläre Klimageschichten.

In der Fachwelt sieht man die Vorhersagbarkeit des Meeresspiegels mittlerweile immer kritischer. Im März 2015 veröffentlichte eine Forschergruppe um Mohammad Bordbar – zu der auch Mojb Latif gehört – eine Studie, in der sie eine stärkere Berücksichtigung der natürlichen Variabilität des Meeresspiegels anmahnen. Man dürfe diese Prozesse nicht weiter ignorieren, heißt es in der Kurzfassung der Arbeit, die in Nature Climate Change erschien:

Effects of long-term variability on projections of twenty-first century dynamic sea level
Sea-level rise1 is one of the most pressing aspects of anthropogenic global warming with far-reaching consequences for coastal societies. However, sea-level rise did2, 3, 4, 5, 6, 7 and will strongly vary from coast to coast8, 9, 10. Here we investigate the long-term internal variability effects on centennial projections of dynamic sea level (DSL), the local departure from the globally averaged sea level. A large ensemble of global warming integrations has been conducted with a climate model, where each realization was forced by identical CO2 increase but started from different atmospheric and oceanic initial conditions. In large parts of the mid- and high latitudes, the ensemble spread of the projected centennial DSL trends is of the same order of magnitude as the globally averaged steric sea-level rise, suggesting that internal variability cannot be ignored when assessing twenty-first-century DSL trends. The ensemble spread is considerably reduced in the mid- to high latitudes when only the atmospheric initial conditions differ while keeping the oceanic initial state identical; indicating that centennial DSL projections are strongly dependent on ocean initial conditions.

Die natürliche Variabilität macht es momentan auch noch unmöglich festzustellen, ob sich die Geschwindigkeit des Meeresspiegelanstiegs bereits jenseits der natürlichen Schwankungsbreite befindet. Die University of Southampton wies hierauf in einer Pressemitteilung vom 9. Mai 2014 noch einmal ausdrücklich hin. Man müsse zunächst die natürlichen Prozesse verstehen und diese dann von der Meeresspiegelentwicklung abziehen, um das anthropogene Signal zu identifizieren und zu quantifizieren. Es wird wohl noch 5 bis 15 Jahre dauern, bis man in der Lage sein wird, zu entscheiden, ob sich der Meeresspiegelanstieg in ungewöhnlicher Weise beschleunigt hat, oder auch nicht. Im Folgenden die Pressemitteilung in voller Länge:

Back to the future to determine if sea level rise is accelerating

Scientists have developed a new method for revealing how sea levels might rise around the world throughout the 21st century to address the controversial topic of whether the rate of sea level rise is currently increasing.

The international team of researchers, led by the University of Southampton and including scientists from the National Oceanography Centre, the University of Western Australia, the University of South Florida, the Australian National University and the University of Siegen in Germany, analysed data from 10 long-term sea level monitoring stations located around the world. They looked into the future to identify the timing at which sea level accelerations might first be recognised in a significant manner.
Lead author Dr Ivan Haigh
, Lecturer in Coastal Oceanography at the University of Southampton, says: “Our results show that by 2020 to 2030, we could have some statistical certainty of what the sea level rise situation will look like for the end of the century. That means we’ll know what to expect and have 70 years to plan. In a subject that has so much uncertainty, this gives us the gift of long-term planning.

“As cities, including London, continue to plan for long-term solutions to sea level rise, we will be in a position to better predict the long-term situation for the UK capital and other coastal areas across the planet. Scientists should continue to update the analysis every 5 to 10 years, creating more certainty in long-term planning — and helping develop solutions for a changing planet.”
The study found that the most important approach to the earliest possible detection of a significant sea level acceleration lies in improved understanding (and subsequent removal) of interannual (occurring between years, or from one year to the next) to multidecadal (involving multiple decades) variability in sea level records.

“The measured sea levels reflect a variety of processes operating at different time scales,” says co-author Dr Francisco Calafat, from the National Oceanography Centre. He adds, “One of the main difficulties in detecting sea level accelerations is the presence of decadal and multi-decadal variations. For example, processes associated with the North Atlantic Oscillation have a strong influence on the sea levels around the UK over multi-decadal periods. Such processes introduce a large amount of ‘noise’ into the record, masking any underlying acceleration in the rate of rise. Our study shows, that by adequately understanding these processes and removing their influence, we can detect accelerations much earlier.”

Co-author Professor Eelco Rohling, from the Australian National University and formerly of the University of Southampton, adds: “By developing a novel method that realistically approximates future sea level rise, we have been able to add new insight to the debate and show that there is substantial evidence for a significant recent acceleration in the sea level rise on a global and regional level. However, due to the large ‘noise’ signals at some local coastal sites, it won’t be until later this decade or early next decade before the accelerations in sea level are detection at these individual tide gauge sites.”

The findings of the study, funded by the Natural Environmental Research Council (iGlass consortium), are published in this months issue of the journal Nature Communications.

 

Die Sonne im Juni 2015: Neues Maunder-Minimum angekündigt. Droht eine Neuauflage der Kleinen Eiszeit?

Von Frank Bosse und Fritz Vahrenholt

Ab dem 1. Juli 2015 zählt man offiziell die Sonnenflecken anders als bis zu diesem Monat. Aufgrund einer Arbeit eines Teams um Frédéric Clette und Leif Svalgaard und einer ganzen Reihe von internationalen Workshops zum Thema wurde die Version 2.0 der SSN (SunSpotNumber) – Erfassung veröffentlicht. Die alte (auch von uns verwendete) Reihe erhielt die Versionsnummer 1.0 und wird seit Juni 2015 nicht mehr aktuell erhoben. Sie steht als Vergleich jedoch archiviert zur Verfügung. Wir hatten ja nach Konsultation des Mitautoren Leif Svalgaard bereits in die „alte“ Version korrigierend eingegriffen, indem wir bei Vergleichen mit den Aktivitätszahlen vor 1945 diese um den Faktor 1,2 anhoben.

Nun also zu den neuen Daten. Zunächst die Version 2.0 für den Vergleich mit einem synthetischen „mittleren Zyklus“ gebildet durch den arithmetischen Mittelwert der einzelnen Monate für alle Zyklen (Solar Cycles „ SC“) 1-23:

Abb.1: Der bisherige Verlauf des aktuellen Zyklus 24 (rot) im Vergleich zu einem mittleren Zyklus ( blau) und dem Zyklus 5 ( 1798-1810, schwarz).

 

Demnach war unser Zentralgestirn im Juni 2015 nur zu 58% so aktiv wie im Mittel aller Zyklen. Auch nach neuer Zählweise ergibt sich für die Gesamtaktivität seit Beginn des SC 24 ein Wert der Aktivität von ca. 55%. Für die einzelnen Zyklen wurden auch mit den „SSN 2.0“ die monatlichen Anomalien aufsummiert bis zum aktuellen 79. Monat seit Zyklusbeginn (Dezember 2008) für alle Zyklen:

Abb.2: Die aufsummierten monatlichen SSN- Anomalien der einzelnen Zyklen

 

Auch mit dem SSN-Datensatz 2.0 zeigt sich: so wenig aktiv war die Sonne zuletzt im SC7, und der war 1833 beendet! Wie verhalten sich nun die Anomalien untereinander beim Versionswechsel? Dazu haben wir die relativen Änderungen  in Abb.2 betrachtet, und  die neue und „alte“  SSN- Reihe in Abb. 3 verglichen.

Abb. 3: Der Vergleich der bisher verwendeten SSN- Reihe (rot) zur neuen SSN- Reihe (blau)

 

Außer beim recht unauffälligen SC10 und dem SC22 ergeben sich keine nennenswerten Abweichungen, wir müssen hier also nicht die Geschichte der Solaren Zyklen neu schreiben. Die jüngsten Entwicklungen konnten wir schon seit  Jahren gut abbilden. Wir haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, also schon Jahre vor der Änderung der Zählweise der Sonnenflecken durch unsere vorweggenommene Korrektur über die relative Aktivität unserer Sonne über die Zeit seit 1755  zutreffend ins Bild gesetzt.

Was macht die Sonne mit unserem Klima?

Zu diesem Thema gibt es aktuelle Aufregung, die sich allerdings kaum in der Presse niederschlägt. Eine Arbeit im renommierten Astrophysical Journal sagt eine Reduktion der Sonnenaktivität im nächsten Zyklus 25 auf ein Niveau von nur noch 80% des aktuellen (schon recht schwachen) Zyklus 24 und im SC26 auf nur noch  ca. 40% voraus. Dies bedeutet: Ein waschechtes Maunder-Minimum wie Ende des 17. Jahrhunderts steht bevor. Die Mitautorin Prof. Valentina Zharkova von der Universität Northumbria verband das mit der Aussage: „Ein Ereignis wie die Kleine Eiszeit.“ Im Rahmen des britischen National Astrononomy Meeting stellte sie ein neues Modell des Sonnendynamos vor. Danach besteht der Dynamo aus zwei Wellen mit einer Frequenz von 11 Jahren, die sich vertsärken oder abschwächen können. In den beiden nächsten Zyklen würden sich die beiden Wellen gegenseitig schwächen und ein Maunder Minimum generieren.

Könnten sich die Temperaturen so verhalten? Darüber entbrannte der Streit. Sofort zogen die Verfechter des alles überwiegenden Treihausgasantriebes ins Feld und gaben zu bedenken: Die Sonne kann ihre Gesamtstrahlung (Total Solar Irradiance, TSI) nur zu ca. 1,5 W/m² mit ihren Aktivitätsvariationen auf der Erde drosseln, mehr geht nicht. Und der Treibhausgasantrieb erreicht bis 2050 deutlich größere Werte.  Also keine merkbaren Klimaauswirkungen des wahrscheinlich nahenden Maunder-Minimums? „Regional schon!“ rufen hier die britischen Autoren einer Studie eines Teams um Sarah Ineson, die im Juni 2015 in Nature Climate Change erschien.  Ihre Annahmen: Mit der Variation von TSI ändert sich auch der UV-Anteil und diese Änderung ist viel größer als die der Gesamtstrahlung: bis zu 30%  meint eine Studie von Yeo und Kollegen aus dem Juni 2015 im Journal of Geophysical Research. Was zieht das nach sich?

 

Abb. 4: Die Temperatur- Auswirkungen einer Sonnenaktivitätsreduktion im UV- Bereich um 27W/m²  Quelle: Ineson et al. 2015

 

Die Veränderungen wurden mit Klimamodellen ermittelt im Vergleich zu unveränderter Sonnenaktivität. Über die Nordhalbkugel ergeben sich recht erkleckliche 0,5 °C Absenkung. Die gleichen Modelle ermitteln für den Treibhausgasantrieb Werte von um 0,8 °C bis 2050 mehr als heute… aber Vorsicht! Bei Modellen und ihrer Widerspiegelung der klimatischen Realitäten immer unser Bild vor Augen halten:

Abb. 5: Überschätzung der Erwärmung durch Treibhausgase durch die CMIP5- Modelle. Quelle: Kalte Sonne.

 

Die Sonne könnte also sehr wohl einen bedeutenden Anteil der Erwärmung seit 1950 ausmachen und zwar auf sehr großen Teilen der Nordhalbkugel. Denn wenn sie in der Lage ist, diese Gegend ab 2020 durch ihre zurückgehende Aktivität abzukühlen, dann muss sie  in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der damals starken solaren Aktivität auch erwärmend gewirkt haben. Schauen Sie sich nochmals in Ruhe unsere Abb. 2 an…