25.000 Todesfallen – Wie Windkraftanlagen Vögeln und Fledermäusen zum Verhängnis werden

Ende 2014 gab es allein in Deutschland rund 25.000 Windkraftanlagen – so eine Statistik des Bundesverbands WindEnergie. Unter anderem durch die Windkraft soll der Atomausstieg vorangetrieben werden. Doch nicht jeder freut sich über die spargeligen Windräder, die mittlerweile nicht nur zu hunderten auf Feldern und Hügelgruppen entstehen, sondern auch immer öfter in Wäldern. Das belegt eine aktuelle Emnid-Umfrage. Zu den Ergebnissen und der Auswirkung der Windkraft auf die Natur berichtet Helke Michael in einem Audiobeitrag, der im Juli 2015 von der Deutschen Wildtierstiftung zur Verfügung gestellt wurde. Zum Beitrag geht es hier (“Medium 1″).

Wenn Sie dann auf das kleine rechte Mediensymbol unter dem Hauptfenster klicken (“Medium 2“) gelangen Sie zu einem dazugehörigen Interview mit dem Alleinvorstand der Stiftung, Fritz Vahrenholt. Das Interview ist auch auf presseportal.de nachzulesen:

Prof. Fritz Vahrenholt: “So kann es mit der Windenergie nicht weitergehen. Jedenfalls nicht in den Deutschen Wäldern. Energiewende schön und gut, aber das kann ja nicht bedeuten: Windenergie um jeden Preis, nämlich dem Preis der Opferung von bedrohten Arten. Und das will die Mehrheit in Deutschland auch nicht. 65 Prozent unserer Befragten sagen, dass der Schutz von Vögeln vor Windkraft geht.”

Sprecherin: So Professor Fritz Vahrenholt vom Auftraggeber der Umfrage, der Deutschen Wildtier Stiftung. Und der Schutz von Vögeln ist dringend notwendig, denn sie reagieren sehr sensibel auf Windkraftanlagen.

Prof. Fritz Vahrenholt: “Der Schreiadler bis zu sechs Kilometer Entfernung meidet er Gegenden von Windrädern. Wir haben es gesehen in Vogelsberg, als dort 125 Windkraftanlagen gebaut worden sind, hat sich der Schwarzstorchbestand halbiert.”

Sprecherin: Und auch Fledermäusen werden die Windräder zum Verhängnis. Jeder Jahr sterben in Deutschland 240.000 Tiere aufgrund des Unterdrucks, der durch die Anlagen erzeugt wird. Tatsachen, die man nicht ignorieren kann.

Prof. Fritz Vahrenholt: “Wir sagen JA zu Windenergie, aber bitte nicht im Wald. Vor allen Dingen haben hier eine besondere Verantwortung die Länder mit sehr waldreichen Gebieten, wie zum Beispiel Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern. Und gerade in diesen Ländern gibt es Erlasse, die den Wald für Windkraftwerke geöffnet haben. Und das muss vom Tisch. Nur so können wir die bedrohte Vogelwelt im Wald vor den Windkraftwerken schützen.”

Siehe auch Artikel auf unternehmen-heute.de vom 22. Juli 2015:

Windräder ja – aber nicht im Wald
Die deutschen zeigen in einer aktuellen Umfrage ein Herz für Wälder. Jedenfalls lehnen es 79 Prozent der von Emnid befragten Bundesbürger ab, dass für den Ausbau der Windenergie Waldgebiete verschwinden oder zerschnitten werden.

Weiterlesen auf unternehmen-heute.de.

Auch schanzer-leben.de berichtete (“Emnid-Umfrage belegt: 79 Prozent der Befragten lehnen Windkraft im Wald ab“).

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Die englische Ausgabe unseres Buches “Die kalte Sonne” / “The Neglected Sun” ist seit kurzem wieder als Taschenbuch erhältlich. Der Geologe George Devries Klein veröffentlichte jetzt im Blog des Heartland Instituts eine Rezension zum Buch:

In both my opinion and experience, this book is by far the best book I have encountered and read on the issue of climate change and anthropogenic global warming. Anyone interested in this topic should read a copy. It’s that definitive.

The book is a translation of the German version, Der Kalte Sonne, published in 2012. Thus, some of the policy discussions are set in a German context. They do provide a glimpse of what could happen if similar policies are adopted elsewhere as one sees today in the UK.

Here are some critical things I learned from the book (this is an incomplete list):

  • The sun, including its magnetic cycles, and inner dynamics, exerts the major control on climate variability and climate change.
  • Six different cycles of solar activity are documented. The climate history of the earth, including the last 150 years, correlate closely with these cycles which range from 11 to 2300 years. Moreover, some are amplified long term by Milankovich orbital parameters.
  • The sun’s quantitative influence on climate change exceeds the influence of anthropogenic CO2, although the authors acknowledge that anthropogenic CO2 has a minor role to play in raising global temperatures (I concur with this interpretation). The supporting arguments are well-buttressed and convincing
  • The current temperature “Pause” is explained in terms of solar cycles and decreasing solar radiation. Likely, a period of cooling is ahead as solar radiation entering a diminished phase.
  • Chapters 5 (Has the IPCC really done its homework?), 6 (The misunderstood climate amplifiers), and 7 (A look into the future) provide the most detailed and accurate critique of the UN-IPCC’s reports I have read (I call it a withering dissection). Thus, projected future temperature increases are expected to be much less than the UN-IPCC infers and the climate ‘crisis’ is overblown far too much. These chapters are incisive.
  • The last two chapters deal with German climate and energy policy. They are instructive because the policies are failing, particularly as electricity costs have skyrocketed since implementation. This is becoming a universal problem.
  • A trivial (or perhaps not) fact I did not know. Before Angela Merkel became Chancellor of Germany, she was the minister of the environment. It appears she was co-opted by the green movement well before her rise to global prominence.

Summary recommendation: Buy this book. Our future may depend on it.

ABOUT THE AUTHOR: George Devries Klein is a geologist who earned his MA from the University of Kansas and his PhD from Yale University in that field. He worked for Sinclair Research, Inc., and taught at the Universities of Pittsburgh, Pennsylvania and Illinois @ Urbana Champaign. He is now Professor Emeritus, Geology, University of Illinois @ Urbana Champaign. Between 1996 and 2014, he was president of SD-STRAT Geoscience Consultants, Inc, a geological consulting firm in the petroleum field. He is now retired in Guam.

 

Meeresspiegelforschung aktuell: Neues aus der Antarktis

Am 1. September 2014 verbreitete der Deutschlandfunk schlechte Nachrichten aus der Antarktis:

An den Antarktis-Küsten steigt der Meeresspiegel besonders schnell an
Im südlichen Polarmeer sei der Wasserspiegel um acht statt um sechs Zentimeter angestiegen – und damit stärker und schneller als in anderen Regionen der Welt, berichten Forscher der Universität Southampton im Fachblatt “Nature Geoscience” nach der Auswertung von Satelliten-Aufnahmen aus den letzten 19 Jahren. Die Ursache des Wasseranstiegs liege im Abschmelzen des antarktischen Eispanzers sowie von Gletschern. So gelangten jährlich an die 350 Milliarden Tonnen Süßwasser ins Meer. Das Süßwasser schwimme auf dem dichteren Salzwasser und führe so zu regionalen Meeresspiegelerhöhungen: vor allem vor der Westküste der Antarktis und entlang der antarktischen Halbinsel.

In der Antarktis steigt der Meeresspiegel schneller als anderswo. Den Pinguinen ist es vermutlich herzlich egal, und Strandvillen drohen ebenfalls nicht überflutet zu werden. Trotzdem wollen wir noch einmal nachhaken. Wie stellt sich der angeblich so dramatische Meeresspiegelanstieg im globalen Kontext dar? Eine Karte der per Satellit vermessenen Anstiegsraten für die letzten 22 Jahre zeigt in der Tat Küstenabschnitte der Antarktis mit einem schnellen Meeresspiegelanstieg (dunkel rote Bereiche in Abbildung 1). Allerdings gibt es auch antarktische Küstenabschnitte, an denen sich der Meeresspiegel im gleichen Zeitraum abgesenkt hat (blaue Bereiche in Abbildung 1). Davon lesen wir beim Deutschlandfunk seltsamerweise nichts.

Abbildung 1 : Meeresspiegelanstiegsrate für den Zeitraum 1993 bis heute. Quelle : University of Colorado.

 

Wieder einmal wird klar, dass wir es mit einer komplexen Entwicklung zut un haben, in der es starke regionale Unterschiede gibt. Zudem gibt es zeitliche Veränderungen der Anstiegsrate, die im Zusammenhang mit Ozeanzyklen stehen, die im Bereich von 60 Jahren oszillieren. Craig Rye und die Coautoren des besprochenen Artikels in Nature Geoscience haben dankenswerterweise ein Daten-Supplement zu ihrer Arbeit zum download verfügbar gemacht. Abbildung S4 dieses Supplements enthält eine interessante Darstellung der Meeresspiegelentwicklung der Antarktis (Abbildung 2; Trend abgezogen). Schön zu sehen ist eine ausgeprägte zyklische Komponente. Diese muss jedoch zunächst voll verstanden werden, bevor Aussagen zum langfristigen Meeresspiegeltrend in der Antarktis gemacht werden können. Generell ist die Satellitendatenreihe seit 1993 viel zu kurz, um Effekte der Ozeanzyklik zu identifizieren und korrigieren zu können wie eine andere Studie der University of Southampton zeigen konnte (siehe „University of Southampton: Erst 2020-2030 wird man wissen, ob sich der Meeresspiegelanstieg beschleunigt oder nicht“).

 

Abbildung 2: Meeresspiegel-Schwankungen im Südpolarmeer. Langfristiger Anstiegstrend ist von den Daten bereits abgezogen, um die Zyklizität herauszuarbeiten. Quelle: Abbildung S4 im Supplement zu Rye et al. 2014.

 

 

Mit Dank an WUWT. Pressemitteilung der University of Southampton hier. Mit diesem Beitrag beenden wir unsere Artikel-Serie zur aktuellen Meeresspiegelforschung.

 

Marschallinseln im Pazifik besonders vom Klimawandel betroffen? In den letzten 2000 Jahren fiel dort der Meeresspiegel um anderthalb Meter

Am 1. September 2014 informierte das deutsche Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) auf seiner Webseite über eine interessante neue internationale Kooperation:

Bundesumweltministerium stärkt Zusammenarbeit mit Pazifikinseln zum Schutz vor Klimawandel
Ein neues Projekt des Bundesumweltministeriums soll Küstenzonen und Ökosysteme auf Pazifikinseln vor den Folgen des Klimawandels schützen. Die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter unterzeichnete das entsprechende Abkommen mit dem Generalsekretär des Sekretariats des Pazifischen Umweltprogramms, David Sheppard. Das Treffen fand im Vorfeld des UN-Gipfels zu “kleinen Inselstaaten” auf Samoa statt. Durch den Anstieg des Meeresspiegels, die Versauerung der Meere und Zunahme von Stürmen sind die Lebensgrundlagen vieler Bewohner der pazifischen Inseln in Gefahr. Das Vorhaben mit dem Titel “Natural Solutions to Climate Change in the Pacific Islands Region” unterstützt ökosystembasierte Maßnahmen zum Schutz von Küstenzonen und lebenswichtigen Ökosystemen auf pazifischen Inseln. […] Die drei Inselstaaten Fidschi, Vanuatu und die Salomonen dienen hierbei als Pilotgebiete. Das Sekretariat des Pazifischen Umweltprogramms wird die dort gesammelten Erfahrungen mit seinen anderen Mitgliedsstaaten teilen, so dass auch andere pazifische Inseln eigene Anpassungsmaßnahmen entwickeln können. Durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) fördert das BMUB eine Reihe von Kooperationsprojekten mit “kleinen Inselstaaten” in den Bereichen Klimaschutz, Erhaltung der biologischen Vielfalt und nachhaltige Energieversorgung mit einem Volumen von ca. 120 Millionen Euro. Das Projekt mit dem Pazifischen Umweltprogramm setzt die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Region bis 2019 fort und ist mit Mitteln im Umfang von fünf Millionen Euro ausgestattet.

Drei Gründe für die Projekte: „Anstieg des Meeresspiegels, die Versauerung der Meere und Zunahme von Stürmen“. Aber sind dies wirklich gute Gründe?

Meeresspiegel: Die Korallenatolle wachsen dem Meeresspiegel hinterher, so wie sie es seit 10.000 Jahren und länger tun. Überflutungsgefahr: Keine.

Versauerung der Meere: Vermutlich weitgehend gefahrlos: Siehe „Back to the roots: Meeresbewohner trotzen der Ozeanversauerung, da sie den abgesenkten pH-Wert bereits aus dem Urozean kennen“ und „Überraschung: Korallen kommen mit der Ozeanversauerung offenbar doch besser zurecht als lange gedacht“.

Stürme: Wohl ein Sturm im Wasserglas. Siehe „Schwerer Wirbelsturm verwüstet Vanuatu. Premierminister sieht es realistisch: “Stürme sind kein neues Phänomen, wir Insulaner leider darunter seit Besiedelung Vanuatus vor 5000 Jahren”“ und „Wer hätte das gedacht: Studien können keine Zunahme der tropischen Wirbelstürme im Indischen und Pazifischen Ozean feststellen“.

Fünf Millionen Euro für fragwürdige Probleme. Vielleicht sollte man das Geld lieber in eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Inseln stecken.

Euronews machte sich im April 2014 große Sorgen um die Marschallinseln:

Klimawandel: Marshallinseln schon jetzt betroffen
Den Bewohnern der Marshallinseln steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals. Der Inselstaat im Pazifischen Ozean bekommt die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels schon jetzt zu spüren. Starke Stürme mit heftigen Niederschlägen nagen an der Küste. Menschen müssen hilflos zusehen, wie Schutzmauern gegen die Flut im Meer versinken. Tony De Brum, verantwortlicher Minister für Energie und Klimafragen: “Wenn die Welt weitermacht, wie bisher und weiter die Umwelt verpestet, stellt sich nicht mehr die Frage, was in hundert Jahren geschieht. Es geht darum, was uns bereits jetzt widerfährt.” Die Küstenerosion geht mit Riesenschritten voran. Für den kleinen Inselstaat hat das geografische und wirtschaftliche Folgen. Genau davor warnt auch der jüngste Weltklimabericht. Tony De Brum appelliert eindringlich an die internationale Gemeinschaft. “Wir sind wie Kanarienvögel, die unter Tage sterben und dadurch Minenarbeiter vor dem Tod warnen. Wenn der Schaden so groß ist, dass wir diese Inseln räumen müssen, dann ist es auch für die Welt zu spät, sich selbst zu retten.”

Entwicklungspolitik Online schlug im Februar 2014 in die gleiche Kerbe:

Bevor die pazifischen Inseln versinken …
“Als ich jung war, wurde unser Garten noch nicht überflutet – und wir erlebten nicht, wie ein tropischer Sturm nach dem nächsten über die tropischen Inseln fegte.” So hat Tommy Remengesau, der Präsident von Palau, die Auswirkungen des Klimawandels auf seine pazifische Heimat wahrgenommen. Viele Menschen auf den pazifischen Inseln erkennen solch dramatische Veränderungen und warnen die Weltgemeinschaft vor den Folgen eines “weiter so” bei klimaschädlichen Emissionen. Sie fürchten, dass sie oder ihre Kinder ihre Heimat verlassen müssen, weil diese im Meer versinken könnte. Von Frank Kürschner-Pelkmann.
Die Marshallinseln gehören zu den Inselgruppen, die besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Mitte 2013 litten die Bewohner der nördlichen Inseln unter Dürre und Wassermangel, während über den Süden starke Stürme mit heftigen Niederschlägen hinwegzogen. Seriöse Klimawissenschaftler sind sich einig, dass weltweit die Extremwetterereignisse durch die globale Erwärmung verstärkt haben und dieser Prozess sich in den nächsten Jahrzehnten noch beschleunigen wird. In der südpazifischen Region lässt sich studieren, wie sich dies konkret auswirkt. Die Weltregion, die am wenigsten zum globalen Klimawandel beigetragen hat, ist am stärksten von seinen Folgen betroffen. Tony de Brum, Regierungsmitglied der Marshallinseln, berichtete im Juni 2013: “Tausende meiner Mitbürger im Norden sind durstig und hungrig, Tausende von uns hier im Süden werden vom Meerwasser durchnässt.” Viele Inseln und Atolle der Marshallinseln und der Nachbarstaaten sind von einer Erosion der Korallenriffe und der Uferzonen betroffen, und vereinzelt dringt bereits Salzwasser in die kostbaren kleinen unterirdischen Süßwasserlinsen ein, ohne die ein Leben auf den Atollen unmöglich wäre. Wenn der Meeresspiegel im Südpazifik tatsächlich bis 2100 um zwei Meter steigen sollte, wäre dies zum Beispiel für die Bewohner der 500 flachen Atolle des mikronesischen Staaten Palau eine Katastrophe.

Zwei Meter Meeresspiegelanstieg bis 2100? Das sagt nicht einmal der IPCC. Derzeit steigt der Meerespiegel um 2-3 mm pro Jahr, was bis 2100 etwa 21 cm Anstieg ergibt. Die Stürme haben in den letzten Jahren keineswegs zugenommen (siehe Links oben). Und Dürren sind im Pazifik keineswegs ein ganz und gar neues Phänomen, vielmehr gibt es hier eine charakteristische Zyklik, die gerne übersehen wird. Siehe „Überraschung: Feucht- und Trockenphasen wechselten im Südpazifik in vorindustrieller Zeit stets ab“ und „Tropfstein aus Tuvalu birgt Überraschung: Niederschläge im Südpazifik schwankten in vorindustrieller Zeit viel dramatischer als heute“.

Bei all der Jammerei zu den Marschallinseln scheint vielen Schreibern nicht klar zu sein, dass sich der Meeresspiegel auf der Inselgruppe in den letzten 2000 Jahren um einen Meter abgesenkt hat (Abbildung 1). Dies zeigen Forschungsresultate eine Studie von Paul Kench und Kollegen, die im Februar 2014 in den Geophysical Research Letters erschienen ist.

Abbildung 1: Meeresspiegelentwicklung auf den Marschallinseln während der vergangenen 6000 Jahre. Quelle: Kench et al. 2014.

 

Hier die Kurzfassung der Arbeit: (weiterlesen …)

Gute Nachrichten aus dem Pazifik: Meeresspiegel in Kiribati in den letzten 20 Jahren ohne langfristigen Anstieg

In wenigen Monaten treffen sich die Führer der Welt in Paris zu einer neuen Klimakonferenz. Wie jedes Mal geht es auch diesmal um alles, um das Fortbestehen der Menschheit. Solch ein wichtiges Treffen will gut vorbereitet sein. Die Leute müssen bereit sein, wenn harte wirtschaftliche Einschnitte beschlossen werden, die ihren Lebensstandard spürbar absenken werden. Zum Glück können sich die Staaten auf die Presse verlassen. Um die Zeitungen höchstmöglich gleichzuschalten, hat man ein ‘Climate Publishers Network’ (CPN) eingerichtet, das den Medien klimapolitisch geprüfte und korrekte Artikel kostenfrei zur Verfügung stellt. Da wollte das Kalte-Sonne-Blog natürlich gerne teilnehmen und stellte einen Mitgliedsantrag, der jedoch leider unbeantwortet blieb. Schade.

Im Vorjahr war im Warmschreiben für die Lima-Klima-Konferenz so einiges schief gelaufen. So titelte Die Zeit am 30. November 2014:

Klimawandel: Vor dem Untergang
In der Südsee zeigt der Treibhauseffekt schon massive Folgen. Hilft der Klimagipfel?
Aus der Luft betrachtet, ist Tarawa ein Paradies, aber seine Bewohner kämpfen gegen den Untergang. Hier, auf dem Hauptatoll der Inselrepublik Kiribati, spüren sie die Auswirkungen des Klimawandels schon lange. Weltweit lässt er den Meeresspiegel steigen, doch in der tropischen Südsee erhöht sich der Pegel besonders schnell. Die Erosion frisst an den Korallenriffen, das Grundwasser versalzt, Krankheiten breiten sich aus, Sturmfluten wüten immer heftiger. Der größte Teil Kiribatis ist nicht einmal zwei Meter hoch. Stünde Dirk Nowitzki am Strand von Tarawa, er könnte problemlos über das Atoll hinwegschauen – noch. Denn schon in wenigen Jahrzehnten könnte Kiribati zerstört sein.

Die Idee des Untergangs gefiel einem Inselbewohner Kiribatis so gut, dass er auf die Idee kam, einen Asylantrag im Land seiner Träume – Neuseeland – zu stellen. Begründung: Er wäre Klimaflüchtling und bald würde das Meer seine Heimat überfluten. Der Antrag wurde mittlerweile abgelehnt. Vermutlich machte sich der Mann nicht so sehr Sorgen wegen des Klimawandels, sondern es gab vielmehr handfeste wirtschaftliche Gründe für seinen Auswanderungsversuch. Die Mitteldeutsche Zeitung brachte es vor einige Jahren auf den Punkt:

Kiribati – klein, heiß und bitter arm
[…] Danach beträgt die Wirtschaftsleistung der Inselgruppe mit der Weihnachtsinsel Kiritimati derzeit 152 Millionen US-Dollar (knapp 114,7 Millionen Euro). Das entspricht in etwa der Summe, die allein die sechs deutschen Teilnehmer der Champions League und Europa League in der vergangenen Saison bei den Wettbewerben an Prämien kassierten. Das Handelsdefizit Kiribatis gehörte mit 92 Prozent im abgelaufenen Jahr zu den höchsten der Welt.

Der Präsident Kiribatis sonnt sich mittlerweile im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit und ist immer für einen Publicity Stunt gut. So erwarb er letztes Jahr (2014) zu einem stark überhöhten Preis ein Stück Land auf einer Fidji-Insel, auf das die Einwohner Kiribatis im Fall der Fälle flüchten sollen. Klimaretter berichtete am 22. Juni 2014:

Kiribati kauft Land für Klimaflüchtlinge
Anote Tong, der Präsident des Inselstaates Kiribati im Pazifik, hat auf den Fidschi-Inseln Land erworben. Dorthin sollen mehrere Tausend Kiribatier ziehen, wenn ihre Heimat wegen des Klimawandels im Meer untergeht. Doch der Plan sorgt für Verunsicherung und Streit.

Natürlich sind die aktuellen Bewohner der betroffenen Fidji-Insel alles andere als froh über die mögliche bevorstehende Invasion aus Kiribati. Auch auf Kiribati selber ist man entsetzt über den fragwürdigen Landkauf, wie dem guten Klimaretter-Artikel ebenfalls zu entnehmen ist:

Tongs Amtsvorgänger Teburoro Tito hat sämtliche wissenschaftlichen Abhandlungen über die Folgen des Klimawandels für die Atolle gelesen. Er hält den Landkauf für unsinnig. “Die Forscher sagen, unsere Korallenriffe sind gesund und können mit dem Meeresspiegelanstieg Schritt halten. Deshalb gibt es keine Notwendigkeit, Land auf den Fidschi-Inseln oder sonst irgendwo zu kaufen”, sagt Tito und fügt verärgert hinzu: “Wie können wir um ausländische Hilfe bitten, wenn wir unser Geld für so unsinnige Dinge ausgeben?” Auch Paul Kench, ein Geomorphologe an der University of Auckland, findet die Sorgen überzogen. “Wir wissen, dass die gesamte Riffstruktur um zehn bis 15 Millimeter im Jahr wachsen kann – schneller als der erwartete Meeresanstieg”, sagt der Atoll-Experte. “Solange das so ist und der Nachschub an Sand gesichert bleibt, brauchen wir keine Angst zu haben.”

Der Präsident Kiribatis hat offenbar die fundamentalen Grundlagen eines Korallenriffs nicht verstanden. Hat er im Geographie- und Biologie-Unterricht vielleicht gefehlt, als das Thema Korallenriffe durchgenommen wurde? Vielleicht hätte er vor dem Inselkauf auch einmal die Meeresspiegelkurven für Kiribati anschauen sollen. Zu finden ist eine solche in einer Arbeit von Than Aung und Kollegen, die 2009 im Fachblatt „Weather“ der Royal Meteorological Society erschienen ist (Abbildung 1). Ein Anstiegstrend ist nicht zu erkennen. Der höchste Stand des Meeresspiegels wurde vielmehr 1995 erreicht.

Abbildung 1: Meeresspiegelentwicklung Kiribatis 1994-2008. Quelle: Aung et al. 2009.

 

Präsident Tong hätte aber auch die Satellitenkurve des Meeresspiegels für seine Region anschauen können (Abbildung 2). Diese umfasst immerhin die vergangenen 22 Jahre. Auch hier ist kein Trend zu erkennen.

Abbildung 2: Meeresspiegelentwicklung der Region um Kiribati auf Basis von Satellitenmessungen. Quelle: University of Colorado.

 

Der im Klimaretter-Beitrag erwähnte Wissenschaftler Paul Kench leistet vorbildliche Aufklärungsarbeit und steuert dringend benötigte wissenschaftliche Daten zum Thema bei. Im März 2015 erschien ein weiterer Artikel von ihm im Fachblatt Geology zum Funafuti Atoll. Im Bereich dieses Atolls stieg der Meeresspiegel in den letzten 60 Jahren besonders stark an, nämlich mit einer durchschnittlichen Rate von etwa 5 mm pro Jahr. Trotz des Meeresspiegelanstiegs ist keine Insel des Atolls untergegangen, im Gegenteil, viele Inseln haben sich in dieser Zeit sogar vergrößert, wie Analysen der Küstenlinienentwicklung im Rahmen der Studie zeigten. Auch konnten keine Gebiete gefunden werden, in denen größere Erosion herrschen würde. Im Folgenden die Kurzfassung der neuen Arbeit:

Coral islands defy sea-level rise over the past century: Records from a central Pacific atoll
The geological stability and existence of low-lying atoll nations is threatened by sea-level rise and climate change. Funafuti Atoll, in the tropical Pacific Ocean, has experienced some of the highest rates of sea-level rise (5.1 ± 0.7 mm/yr), totaling 0.30 ± 0.04 m over the past 60 yr. We analyzed six time slices of shoreline position over the past 118 yr at 29 islands of Funafuti Atoll to determine their physical response to recent sea-level rise. Despite the magnitude of this rise, no islands have been lost, the majority have enlarged, and there has been a 7.3% increase in net island area over the past century (A.D. 1897–2013). There is no evidence of heightened erosion over the past half-century as sea-level rise accelerated. Reef islands in Funafuti continually adjust their size, shape, and position in response to variations in boundary conditions, including storms, sediment supply, as well as sea level. Results suggest a more optimistic prognosis for the habitability of atoll nations and demonstrate the importance of resolving recent rates and styles of island change to inform adaptation strategies.

Lesenswert in diesem Zusammenhang ist ein Artikel von Ulli Kulke auf Donner + Doria: (weiterlesen …)

Neue Studie der Durham University verweist Rahmstorfs Sintflutszenarien für North Carolina in das Reich der Fabeln

Vor einigen Jahren reiste der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf durch die Salzwiesen North Carolinas an der Ostküste der USA. Gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten wollte er dort das Geheimnis des Meeresspiegels ein und für allemal klären. Und er fand Ungeheuerliches: Aus den Kalkschalen von Einzellern las die Rahmstorf-Gruppe heraus, dass der weltweite Meeresspiegel heute schneller als je zuvor in den letzten zweitausend Jahren ansteigt. Ein großer Tag für die Unterstützer der Klimakatastrophe. Kurz darauf herrschte aber Katerstimmung. Fachkollegen konnten Rahmstorfs Behauptung nicht nachvollziehen. North Carolina eignet sich nämlich gar nicht als Stellvertreter für die weltweite Meeresspiegelentwicklung. Der Meeresspiegel großer Teile der US-Ostküste ist global nicht repräsentativ. Die Anstiegsrate in anderen Teilen der Erde ist viel geringer.

Auch die politische Führung North Carolinas reagierte prompt und entschied, dass die von Rahmstorf vermutete enorme Steigerung des Meeresspiegels selbst für North Carolina nicht plausibel ist und daher in Planungen nicht zu berücksichtigen sei (siehe unseren Blogartikel „Senat von North Carolina erteilt Rahmstorfs beschleunigtem Meeresspiegel eine Absage“). Bereits in den Vorjahren hatte es in Fachkreisen Kritik an den überzogenen Prognosen des Potsdamers gegeben, so zum Beispiel anlässlich einer Analyse einer Arbeit von Vermeer und Rahmstorf aus dem Jahr 2009 auf Climate Sanity.

Die Rahmstorf-Truppe stellte auf stur. Sie blieben bei ihrer fragwürdigen Darstellung und hoffte offenbar, das eine oder andere Paper bei IPCC-freundlichen Journalen unterzubringen. Im Juli 2012 schickten Rahmstorf und Kollegen ein weiteres Manuskript zu den Salzwiesen in North Carolina auf die Reise durch die wissenschaftliche Begutachtung. Das Paper ging jedoch im Kugelhagel der Gutachterkritik schnell unter und schaffte es nicht durch das Reviewsystem (siehe unseren Beitrag „Fachzeitschrift ‘Climate of the Past’ lehnt Meeresspiegel-Manuskript von Rahmstorf-Gruppe ab: Gutachter finden fundamentale Fehler in der Methodik“).

Wie steht es nun wirklich um den Meeresspiegel in North Carolina? Ein Forscherteam um Matthew Brain von der britischen Durham University begab sich erneut in die Salzwiesen, um das Meeresspiegelrätsel zu lösen. Nun liegen die Ergebnisse vor, die im Januar 2015 im Fachblatt Quaternary Research publiziert wurden. Das Resultat des Brain-Teams unterscheidet sich dabei grundlegend von Rahmstorfs Vorstellungen: Laut den neuen Daten stieg der Meeresspiegel in North Carolina seit Ende der Kleinen Eiszeit 1845 um unspektakuläre 1,7 mm pro Jahr an. Dieser Anstieg vollzog sich ab 1900 relativ konstant, ohne Anzeichen für eine weitere Beschleunigung nach der initialen Anlaufphase (Abbildung 1). Hier der Abstract der Studie:

Quantifying the contribution of sediment compaction to late Holocene salt-marsh sea-level reconstructions, North Carolina, USA
Salt-marsh sediments provide accurate and precise reconstructions of late Holocene relative sea-level changes. However, compaction of salt-marsh stratigraphies can cause post-depositional lowering (PDL) of the samples used to reconstruct sea level, creating an estimation of former sea level that is too low and a rate of rise that is too great. We estimated the contribution of compaction to late Holocene sea-level trends reconstructed at Tump Point, North Carolina, USA. We used a geotechnical model that was empirically calibrated by performing tests on surface sediments from modern depositional environments analogous to those encountered in the sediment core. The model generated depth-specific estimates of PDL, allowing samples to be returned to their depositional altitudes. After removing an estimate of land-level change, error-in-variables changepoint analysis of the decompacted and original sea-level reconstructions identified three trends. Compaction did not generate artificial sea-level trends and cannot be invoked as a causal mechanism for the features in the Tump Point record. The maximum relative contribution of compaction to reconstructed sea-level change was 12%. The decompacted sea-level record shows 1.71 mm yr− 1 of rise since AD 1845.

Wenn man sich die Meeresspiegelkurbe in Abbildung 1 näher anschaut, fällt auch ein interessanter Abfall des Meeresspiegels im 17. Jahrhundert zur Zeit der Kleinen Eiszeit auf. Dies könnte mit dem verstärkten Eisaufbau in den Polar- und Gletschergebieten während dieser natürlichen Kälteperiode zu tun haben.

 

Abbildung 1: Meeresspiegelentwicklung an der Küste North Carolinas während der vergangenen 1000 Jahre. Quelle: Brain et al. 2015.

 

Meeresspiegel in Südbrasilien und Uruguay in den letzten 6000 Jahren um mehrere Meter gefallen

Im Rahmen unseres aktuellen Themenschwerpunkts zur Meeresspiegelforschung wollen wir Ihnen heute einige weitere interessante Arbeiten aus Nord- und Südamerika vorstellen, bevor wir dann im übernächsten Teil unserer Serie in die Südsee reisen.

USA

In den vergangenen Monaten erschienen zwei Arbeiten zur USA, die sowohl die West- als auch Ostküste zum Thema hatten. Im März 2015 veröffentlichten Thomas Wahl und Don Chambers im Fachblatt Journal of Geophysical Research eine Studie, in der die Autoren sechs Meeresbereiche um die USA identifizieren, die sich durch jeweils gemeinsame Muster in der natürlichen Variabilität der Meeresspiegelentwicklung auszeichnen. Ein verbessertes Verständnis dieser Bewegungsmuster ist unerlässlich, um natürliche von anthropogenen Anteilen des Meeresspiegelanstiegs zu differenzieren. Hier der Abstract:

Evidence for multidecadal variability in US extreme sea level records
We analyze a set of 20 tide gauge records covering the contiguous United States (US) coastline and the period from 1929 to 2013 to identify long-term trends and multidecadal variations in extreme sea levels (ESLs) relative to changes in mean sea level (MSL). Different data sampling and analysis techniques are applied to test the robustness of the results against the selected methodology. Significant but small long-term trends in ESLs above/below MSL are found at individual sites along most coastline stretches, but are mostly confined to the southeast coast and the winter season when storm surges are primarily driven by extratropical cyclones. We identify six regions with broadly coherent and considerable multidecadal ESL variations unrelated to MSL changes. Using a quasi-nonstationary extreme value analysis, we show that the latter would have caused variations in design relevant return water levels (50–200 year return periods) ranging from 10 cm to as much as 110 cm across the six regions. The results raise questions as to the applicability of the “MSL offset method,” assuming that ESL changes are primarily driven by changes in MSL without allowing for distinct long-term trends or low-frequency variations. Identifying the coherent multidecadal ESL variability is crucial in order to understand the physical driving factors. Ultimately, this information must be included into coastal design and adaptation processes.

Drei Monate später, im Juni 2015, legten Hamlington et al. ebenfalls im Journal of Geophysical Research nach und beschrieben Meeresspiegeleffekte, die auf das Wechselspiel zwischen El Nino/La Nina zurückgehen. Auch diese führen entlang der US-Küsten zu charakteristischen Meeresspiegelschwankungen. Im Folgenden die Kurzfassung der Studie:

The effect of the El Niño-Southern Oscillation on U.S. regional and coastal sea level
Although much of the focus on future sea level rise concerns the long-term trend associated with anthropogenic warming, on shorter time scales, internal climate variability can contribute significantly to regional sea level. Such sea level variability should be taken into consideration when planning efforts to mitigate the effects of future sea level change. In this study, we quantify the contribution to regional sea level of the El Niño-Southern Oscillation (ENSO). Through cyclostationary empirical orthogonal function analysis (CSEOF) of the long reconstructed sea level data set and of a set of U.S. tide gauges, two global modes dominated by Pacific Ocean variability are identified and related to ENSO and, by extension, the Pacific Decadal Oscillation. By estimating the combined contribution of these two modes to regional sea level, we find that ENSO can contribute significantly on short time scales, with contributions of up to 20 cm along the west coast of the U.S. The CSEOF decomposition of the long tide gauge records around the U.S. highlights the influence of ENSO on the U.S. east coast. Tandem analyses of both the reconstructed and tide gauge records also examine the utility of the sea level reconstructions for near-coast studies.

 

Florida

Im Stern konnte man am 6. Dezember 2014 eine unterhaltsame vorweihnachtliche Reportage aus Miami von Norbert Höfler lesen:

Klimawandel in Miami: Täglich verlassen die Kakerlaken die sinkende Stadt
Irgendwann wird das Meer Miami gefressen haben. Schon jetzt sind die ersten Vorboten zu spüren. Erstaunlich, dass die Stadt dennoch boomt wie nie. Besuch in einer Stadt am Rand des Untergangs.

Gänsehaut. Eine Stadt kurz vor dem Exitus. Party auf der Titanic kurz vor dem Untergang. Zum Glück gibt es Visionäre, die schon Ideen für den Tag X haben. Waterworld lässt grüßen. Wir lesen im Stern:

Raymond Romero, der Fischer aus Miami Beach, hat viel über den Klimawandel und die Veränderungen in den Ozeanen gehört. Das Eis an den Polen schmilzt, und die Temperatur in den Meeren zieht an. Wärmeres Wasser braucht mehr Platz als kaltes. Der Meeresspiegel steigt. Romero macht schon Notfallpläne. “Ich fülle den unteren Stock des Hauses mit Sand und Beton und baue ein neues obendrauf.” Ein Haus auf dem Haus. Wenn das alle so wie er machen würden, glaubt er, könnte eine neue Stadt auf der alten Stadt entstehen. Ob das zu bezahlen ist? Romero zuckt mit den Schultern und sagt: “Entweder Miami ersäuft und wird zur Geisterstadt – oder zum teuersten Pflaster der Welt.” Die meisten Bewohner der Millionenmetropole wissen, dass ihre Stadt ein Opfer des steigenden Meeresspiegels werden wird. Es ist keine Frage mehr, ob es passiert. Ungewiss ist nur noch, wann die Wassermassen einen Großteil Floridas unbewohnbar machen. Ob schon in 20 Jahren, in 50 oder in 100 Jahren. Forscher warnen: Miami wird zur Hochwasserruine.

Es ist richtig, dass Miami heute nur knapp über dem Meeresspiegel liegt. Deshalb jedoch vor einem moderaten Meeresspiegelanstieg von 30 cm pro Jahrhundert in Panik zu geraten wäre sicher falsch. Gerade eine reiche Stadt wie Miami wird sicher die Mittel aufbringen können, um sich vor dem Wasser zu schützen. Man erinnere sich an die Niederlande. Dort liegt etwa ein Viertel der gesamten Landesfläche unterhalb des Meeresspiegels, geschützt von umfangreichen Deichsystemen. Unmöglich in Miami?

 

Alaska

Vom warmen Miami geht es nun nach Alaska. Von dort berichteten Briggs und Kollegen im April 2014 in den Geophysical Research Letters über einen Sintflut-Retter, über den die Bewohner Miamis sicher neidisch sind: Aufgrund von tektonischen Prozessen wurde die Küste von Sitkinak Island im Kodiak Archipel mehrfach vor der Überflutung bewahrt und nach oben gedrückt. Die Mitgliederzeitschrift der American Geophysical Union „Eos“ schreibt über die Studie:

Over the past 2,300 years Sitkinak Island in the Kodiak Archipelago has repeatedly risen above the waves and been plunged into the ocean as the Alaska-Aleutian megathrust fault underlying it ruptured. Using a variety of observational techniques, Briggs et al. tracked the changing elevation of Sitkinak Island, in the process uncovering a previously unstudied history of the fault.

 

Brasilien

Auf nach Südamerika. Im brasilianischen Bundestaat Rio de Janeiro hat der Meeresspiegel eine ganz und gar verrückte Entwicklung genommen. Vor 5000 Jahren lag der Meeresspiegel noch 5 m über dem heutigen Niveau. In den folgenden Jahrtausenden fiel er in mehreren Etappen und erreichte heute das aktuelle Niveau (Abbildung 1). Die entsprechende Arbeit eines Teams um Alberto Figueiredo Jr. erschien im Dezember 2014 in Palaeo3. Hier der Abstract: (weiterlesen …)

Meeresspiegel in Australien in den letzten 7000 Jahren um mehrere Meter gefallen

In der Zeitung geht der Meeresspiegel immer nur in eine Richtung – nach oben. In Wahrheit war die Entwicklung jedoch viel komplexer als der Leserschaft gemeinhin zugemutet wird. Beispiel Australien. Die Welt meldete am 24. Mai 2011:

Erderwärmung: Meer vor Australien könnte um einen Meter steigen
Als Folge der Erderwärmung könnte der Meeresspiegel einer neuen Studie zufolge innerhalb eines Jahrhunderts um bis zu einen Meter steigen. Dadurch nehme die Gefahr verheerender Überschwemmungen zu, heißt es in einem Bericht der Klimakommission der australischen Regierung.

Tolle Alarmstory. Eine Kleinigkeit blieb dann jedoch im Artikel unerwähnt: Der aktuelle Meeresspiegel liegt bis zu mehrere Meter tiefer als während des Großteils der vergangenen 7000 Jahre. Welch Überraschung. Nachzulesen ist dies beispielsweise in einer Arbeit von Stephen Lewis und Kollegen, die im August 2013 in den Quaternary Science Reviews erschien. Das Forscherteam fasst in der Studie den aktuellen Wissensstand zur Meeresspiegelhistorie Australiens für die vergangenen 10.000 Jahre auf Basis einer Vielzahl von Arbeiten zusammen. Die Entwicklung folgte einem einfachen Muster: Gegen Ende der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren ereignete sich ein rapider Meeresspiegel-Anstieg, der vor 7000 Jahren schließlich endete. Dabei schoss der Meeresspiegel in der Endphase mehrere Meter über das heutige Niveau hinaus. In den sieben nachfolgenden Jahrtausenden sank der Meeresspiegel dann relativ gleichmäßig, vielleicht aber auch oszillierend, bis schließlich der heutige Stand erreicht wurde. Diese Entwicklung ist gleich für mehrere Küsten Australiens nachgewiesen, darunter West-Australien (Abbildung 1) und Ost-Australien (Lewis et al. 2008).

Abbildung 1: Meeresspiegelentwicklung in West-Australien während der vergangenen 8000 Jahre. Quelle: Lewis et a. 2013.

 

Auch im Großen Barriereriff lässt sich ein drastischer Meeresspiegelabfall nachweisen. In den letzten 2000 Jahren sackte dort der Meeresspiegel um 1,0 bis 1,3 m ab, wie ein Forscherteam um Daniel Harris im Januar 2015 in Geology dokumentierte. Eine schöne Studie, die die Autoren natürlich gerne in der Presse verbreitet sehen wollten. Allerdings gab es dabei den Schönheitsfehler, dass das Ergebnis so gar nicht in das klimaalarmistische Erzählmuster stetig steigender Fluten passte. In der entsprechenden Pressemitteilung der Universität Sydney vom 22. Januar 2015 mussten aus diesem Grund entsprechende Formulierungen eingefügt, die das massive Absinken des Meeres als „relativ kleinen Meeresspiegelrückgang“ verniedlichten. Es ist schon putzig zu lesen: Die Universität spricht schadensbegrenzend von einem „small drop“, „small change“, „minor sea level change“ und „relatively small sea level fall”. Erst im letzten Drittel der Meldung wird dann das ganze Ausmaß von mehr als einem Meter Differenz eingeräumt. Allesamt Vorkehrungen, um ja nicht Gefahr zu laufen, als Klimaskeptiker abgestempelt zu werden. Hier die Pressemitteilung in ganzer Länge:

Small drop in sea level had big impact on southern Great Barrier Reef
The idea that coral reefs have formed over millennia in a continuous process has been challenged by a study of the southern Great Barrier Reef. The research, led by the University of Sydney, shows that even small variations in sea level can cause significant change across the reef. “We create a new narrative for how the Barrier Reef and other coral reefs came about and explain the importance of surprisingly small changes in sea level,” said Associate Professor Jody Webster from the University of Sydney’s School of Geosciences and an author on a recently published article on the findings in Geology.

“That such a minor sea level change has stalled coral reef growth and sediment production is an unexpected and significant finding.” During rising sea levels reefs grow vertically upwards until they reach sea level. Then they grow away from the reef front, producing massive amounts of sediment which gradually fill in the reef lagoon, much like filling a bucket. “Most current models describe this infilling as a continual process, taking place over the past 6000 years or mid-Holocene, the geological era dating to the present day, following the reef reaching present sea level,” said Dr Ana Vila-Concejo, also from the School and an author on the study. “Instead our research suggests that the majority of lagoon infilling occurred for only four thousand years and was ‘turned off’ by a relatively small sea level fall 2000 years ago.”

The researchers analysed samples from One Tree Reef in the southern Great Barrier Reef. They radiocarbon dated sediment cores from the lagoons of the coral reef to calculate sand infilling. Sea level change was calculated by dating fossil samples from micro-atolls. “We established that starting about 6000 years ago there was 4000 years of rapid sediment production and transport until a sea level fall of between 1 to 1.3 metres. This fall coincided with a dramatic slowing of the coral reef’s growth on the broadest part of the reef over the next 2000 years,” said Dr Daniel Harris, the lead author on the study which he completed as a PhD student in the School of Geosciences.

Associate Professor Jody Webster said, “Our findings suggest that reefs will be sensitive to sea level changes likely to take place because of climate change, quite apart from other impacts such as ocean acidification or pollution. Based on our model higher sea level might allow for greater coral reef growth and more carbonate sediment production but that would rely on the reef systems otherwise being in good health.” Quan Hua from ANSTO,Professor Yusuke Yokoyama from the University of Tokyo and Professor Paula Reimer from Queen’s University Belfast are contributing authors on the Geology article.

Bei der Betrachtung dieser langen Zeitmaßstäbe und dem enormen Meeresspiegel-Absenkungsbetrag von mehreren Metern gehen kürzermaßstäbliche Entwicklungen etwas unter. Natürlich ist in den letzten 100 Jahren im Zuge der Wiedererwärmung nach der Kleinen Eiszeit auch in Australien der Meeresspiegel angestiegen. Ein Forscherteam um Neil White hat im September 2014 in Earth Science Reviews eine Analyse dieser Entwicklung publiziert. Laut White und Kollegen zeigen Küstenpegel zwischen 1966 und 2010 einen Anstieg von 2,1 mm pro Jahr. Das entspricht einem Gesamtanstieg von 9,2 cm, ein magerer Betrag im Vergleich zum vorangegangenen Meeresspiegelabfall von mehreren Metern. Selbst der Gesamtanstieg seit 1880 beträgt lediglich 15 cm. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit: (weiterlesen …)

Beschleunigter Meeresspiegelanstieg an Teilen der US-Ostküste geht auf atlantischen Ozeanzyklus zurück

Entlang eines 1000 km langen Streifens der US-Ostküste zwischen Massachusetts und North Carolina stieg in den letzten Jahrzehnten der Meeresspiegel schneller an als im globalen Durchschnitt. Was steckt hinter dieser anomal schnellen Entwicklung? Das Forscherduo Kenigson und Han nahm das Phänomen jetzt näher unter die Lupe und veröffentlichte das Ergebnis im Dezember 2014 im Fachblatt Journal of Geophysical Research.

In ihrer Studie fanden sie starke Hinweise darauf, dass sich hinter der Anomalie vor allem ein Effekt der sogenannten Atantischen Multidekadenoszillation (AMO) verbirgt, die den Meeressspiegel mal schneller und mal langsamer ansteigen lässt. Die Effekte sind regional gestaffelt, was die derzeitige Beschränkung auf die „U.S. mid-Atlantic coast“ erklärt. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit:

Detecting and understanding the accelerated sea level rise along the east coast of the United States during recent decades
A “hot spot” of accelerated sea level rise has recently been detected between Cape Hatteras and Cape Cod.
The acceleration in the long-term trend, however, is difficult to isolate from transient acceleration due to variability, particularly the 60 year cycle associated with the Atlantic Multidecadal Oscillation (AMO). The Empirical Mode Decomposition (EMD) and Ensemble EMD (EEMD) methods have been used to isolate oscillations and provide robust acceleration estimates for the trend. Yet the reliability of these methods in detecting accelerated sea level rise, particularly given the limited lengths of tide gauge records, has not been fully tested. Here, the EMD and EEMD methods are applied to both tide gauge observations and synthetic sea level time series constructed as a sum of oscillations extracted from tide gauge records and trends with prescribed acceleration rates. The successively truncated synthetic and observed data are analyzed with (E)EMD, and estimates of the acceleration error based on the record length are produced. Generally, EEMD provides more stable acceleration estimates than EMD, and the error decreases as the record length increases, although not monotonically. Records exceeding two multidecadal oscillation periods in length provide superior estimates over shorter records. In addition, the AMO may have contributed significantly to the rapid acceleration detected in the hot spot during recent decades. These findings have important implications for improved detection of regional sea level acceleration in a warming climate.

Bereits zuvor hatten mehrere Studien zeigen können, dass es sich bei der Anomalie um ein rein natürliches Phänomen handelt (siehe unseren Blogbeitrag „Beschleunigter Meeresspiegelanstieg an Teilen der US-Ostküste liegt noch vollständig im Bereich der natürlichen Variabilität“).

Es wird immer klarer, dass die natürliche Variabilität des Meeresspiegels zunächst vollkommen verstanden werden musss, bevor man sich an Prognosen heranwagen sollte. Im September 2014 erschien im Journal of Geophysical Research eine diesbezügliche Studie von Thompson & Mitchum, in der die Autoren an der nordamerikanischen Ostküste nach Schwankungen des Meeresspiegels suchten. Dabei ging es den Wissenschaftlern um Veränderungen im Abstand von Jahr zu Jahr, jedoch auch um Trends im Maßstab von einigen Jahrzehnten. Interessanterweise konnten Thompson & Mitchum feststellen, dass offenbar ein einheitliches Schwankungsmuster existiert, das vom kanadischen Nova Scotia bis in die Karibik reicht. Es muss also Antriebskräfte geben, die im gesamten Gebiet wirken. Im Folgende der Abstract der Studie:

Coherent sea level variability on the North Atlantic western boundary
Interannual to decadal sea level variability
on the North Atlantic western boundary is surprisingly coherent over substantial distances stretching from the Caribbean to Nova Scotia. The physical mechanisms responsible for this basin-scale, low-frequency coherence are explored in a diagnosis of simulated ocean fields from GECCO, which reproduces the observations to good approximation. Coastal sea level variability on the western boundary is known to be influenced by meridional divergence in the boundary current resulting in a geostrophic tilting of the sea surface. This mechanism is found to be of leading order along some stretches of the boundary, but it does not account for the coherence spanning the western North Atlantic. Instead, the coherence along the entire boundary is accounted for by vertical divergence resulting in the uniform rise and fall of the sea surface west of the 295°E meridian. The vertical divergence is found to be due to net vertically integrated zonal transport across this meridian resulting from meridional variation in the Sverdrup transport over the basin interior.

Einige Monate später, im Dezember 2014, legte ein Team um Philip Woodworth im Journal of Geophysical Research nach. Die Wissenschaftler fanden, dass die von Jahr zu Jahr auftretenden Schwankungen im Meeresspiegelanstieg an der Ostküste der USA wohl vor allem von Veränderungen in den küstennahen Winden herrühren. Hier die Kurzfassung:

Mean sea-level variability along the northeast American Atlantic coast and the roles of the wind and the overturning circulation
The variability in mean sea level (MSL) during 1950–2009 along the northeast American Atlantic coast north of Cape Hatteras has been studied, using data from tide gauges and satellite altimetry and information from the Liverpool/Hadley Centre (LHC) ocean model, thereby providing new insights into the spatial and temporal scales of the variability. Although a relationship between sea level and the overturning circulation can be identified (an increase of approximately 1.5 cm in MSL for a decrease of 1 Sv in overturning transport), it is the effect of the nearshore wind forcing on the shelf that is found to dominate the interannual sea-level variability. In particular, winds are found to be capable of producing low-frequency changes in MSL (“accelerations”) in a narrow coastal band, comparable to those observed by the tide gauges. Evidence is presented supporting the idea of a “’common mode” of spatially coherent low-frequency MSL variability, both to the north and south of Cape Hatteras and throughout the northwest Atlantic, which is associated with large spatial-scale density changes from year to year.

 

 

Dramatischer Meeresspiegelanstieg 2009-2010 an der nordamerikanischen Ostküste zwischen New York und Neufundland: Verantwortlich war eine seltene Konstellation atlantischer Ozeanzyklen

In den Jahren 2009 und 2010 ist der Meeresspiegel an der nordamerikanischen Ostküste zwischen New York und Neufundland um unglaubliche 12,8 cm nach oben geschnellt. Ein Resultat des menschengemachten Klimawandels? War dies der Anfang der von Klimaapokalyptikern prophezeiten Sintflut? Ein Forscherteam um Paul Goddard nahm sich der Sache an und untersuchte den Fall. Zunächst stellten die Wissenschaftler fest, dass sich der Anstieg auf die Jahre 2009 und 2010 beschränkte. Dies machte sie hellhörig, denn es passte so gar nicht zur eher langfristigen Wirkung des Klimawandels.

Im Zuge der Überprüfung der verschiedenen natürlichen Ozeanparameter stießen Goddard und seine Kollegen auch auf atlantische Ozeanzyklen, die genau zu dieser Zeit auffällige Entwicklungen durchmachten. Die sogenannte AMOC („Atlantic meridional overturning circulation”) fiel zu dieser Zeit stark ab und die NAO („North Atlantic Oscillation”) nahm außerordentlich negative Werte an. Diese seltene Kombination führte schließlich zum beobachteten starken Meeresspiegelanstieg. Als die Zyklen-Konstellation dann wieder vorbei war, sank der Meeresspiegel im betrachteten Küstengebiet wieder nahezu auf Normalwerte. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit, die im Februar 2015 in Nature Communications publiziert wurde:

An extreme event of sea-level rise along the Northeast coast of North America in 2009–2010
The coastal sea levels along the Northeast Coast of North America show significant year-to-year fluctuations in a general upward trend. The analysis of long-term tide gauge records identified an extreme sea-level rise (SLR) event during 2009–10. Within this 2-year period, the coastal sea level north of New York City jumped by 128 mm. This magnitude of interannual SLR is unprecedented (a 1-in-850 year event) during the entire history of the tide gauge records. Here we show that this extreme SLR event is a combined effect of two factors: an observed 30% downturn of the Atlantic meridional overturning circulation during 2009–10, and a significant negative North Atlantic Oscillation index. The extreme nature of the 2009–10 SLR event suggests that such a significant downturn of the Atlantic overturning circulation is very unusual. During the twenty-first century, climate models project an increase in magnitude and frequency of extreme interannual SLR events along this densely populated coast.

In einer Pressemitteilung der University of Arizona vom 24. Februar 2015 erläuterten die Autoren ihre Resultate näher (Auszüge):

Sea Level Spiked for Two Years Along NE North America
[…] The paper is also the first to show that the unusual spike in sea level was a result of changes in ocean circulation. Co-author Jianjun Yin, UA assistant professor of geosciences, said, “We are the first to establish the extreme sea level rise event and its connection with ocean circulation.” Goddard detected the two-year-long spike in sea level by reviewing monthly tide-gauge records, some of which went back to the early 1900s, for the entire Eastern Seaboard. No other two-year period from those records showed such a marked increase. The team linked the spike to a change in the ocean’s Atlantic Meridional Overturning Circulation and also a change in part of the climate system known as the North Atlantic Oscillation. [...]

Yin’s previous work on climate models suggests that weakening of the Atlantic Meridional Overturning Circulation could cause sea levels to rise faster along the northeast coast of North America. Yin wondered whether such sea level rise had actually been observed, so he asked Goddard to compile the tide-gauge records for the east coast of North America. The 40 gauges, spanning the coast from Key West, Florida, north to Newfoundland, have been recording sea levels as far back as the 1920s. Goddard’s work revealed a surprise — that during 2009 and 2010, sea level between New York and Newfoundland rose an average of four inches. Sea level from Cape Hatteras to New York also had a notable spike, though not as dramatic. “The sea level rise of 2009-10 sticks out like a sore thumb for the Northeast,” Goddard said. […]

In addition to the weakening AMOC, during 2009-10 the region’s atmosphere was in a very negative phase of the climate mode called the North Atlantic Oscillation. The NAO flip-flops between negative and positive phases. “The negative North Atlantic Oscillation changes the wind patterns along the northeast coast, so during the negative NAO the winds push water onto the northeast coast,” Goddard said. Although the NAO has resumed flipping between positive and negative states, observations show that the AMOC, while somewhat stronger, has still not recovered its previous strength. Even now, sea level is still higher than before 2009, Yin said. He’s not surprised, because most of the climate models predict a weakening of the AMOC over the 21st century. Yin said that at the current rate of increase in greenhouse gases, most climate models predict a weakening of the AMOC over the 21st century. Therefore, such extreme sea level rise events and coastal flooding are quite likely to occur along the densely populated northeast coast of North America more often. 

 

Malediven vor dem Untergang? Laut Küstenpegelmessungen ist der Meeresspiegel seit 15 Jahren stabil geblieben

Der steigende Meeresspiegel bedroht die Existenz zahlreicher kleiner Koralleninseln im Indischen und Pazifischen Ozean, heißt es. Dafür müssten die Industrieländer hohe Ausgleichszahlungen vornehmen, denn diese hätten ja das Problem verursacht, heißt es weiter. Man kann es den Insulanern nicht verdenken, dass sie diese Gelegenheit nutzen und auf den Alarmismus-Zug aufspringen. Es geht um große Summen aus dem in Cancun und Durban beschlossenen Grüne Klimafonds.

Der bekannteste Aktivist ist dabei wohl der ehemalige Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed. Im Rahmen einer publikumswirksamen Aktion tagte er am 17. Oktober 2009 mit seinem Kabinett in Taucherausrüstung unter Wasser und verabschiedete eine Erklärung mit dem Titel „SOS von der Front“. Nasheed sagte im Gespräch mit der Welt, dass große Ignoranz in der Welt herrsche. „Es ist das Zeitalter der Dummen.“ Der Präsident der Malediven bezog dies auf den Klimawandel, der mit steigendem Meeresspiegel einhergehe und sein Inselreich unmittelbar bedrohe – was von der Mehrheit der Menschen einfach nicht erkannt werde. Nasheed engagierte daraufhin eine holländische Architektengruppe, die für die angeblich untergangsgefährdeten Malediven ein schwimmendes Kongresszentrum sowie schwimmende Luxusappartements erstellen soll (Süddeutsche Zeitung vom 5.1.2012: „Rückkehr in den Ozean“). Es scheint allerdings, dass Nasheed den Seenot-Rettungsruf etwas voreilig abgesetzt hat. Kieler Forscher fanden kürzlich heraus, dass der Meeresspiegel in Teilen des Indischen Ozeans seit der Mitte des letzten Jahrhunderts um bis zu 5 Zentimeter abgesunken ist (siehe S. 200 in „Die kalte Sonne“).

Mittlerweile hat Nasheed sein Amt auf der Inselgruppe verloren. Im Februar 2012 wurde er offenbar mit vorgehaltener Waffe zum Rücktritt gezwungen. Im März 2015 wurde der Ex-Präsident schließlich zu 13 Jahren Haft verurteilt, da er in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft offenbar einen Richter entführen und festhalten ließ.

Richtig erfolgreich war Nasheeds Meeresspiegel-Alarmismus im Nachhinein nicht. Im Gegenteil: Anstatt des erhofften Klimageldregens wandten sich potentielle Investoren in Scharen ab. Wer will schon auf einem absaufenden Archipel investieren. Die neue Regierung der Malediven zog daher umgehend die Notbremse. Der Präsident der Inselgruppe versicherte, dass die Malediven nicht untergehen werden, und sich Projekte in seinem Land auf jeden Fall lohnen.

Im Westen hingegen pflegt die grüngewandete Presse noch immer gerne das Bild des Untergangs. Im April 2014 schrieben z.B. feelgreen.de:

Die Malediven stehen vor dem Untergang
Berge gibt es auf den Malediven nicht. Auch keine Hügel. Nicht einmal Dünen. Die höchste natürliche Erhebung – rechnet man die Palmen nicht mit – liegt auf 2,4 Metern über dem Meeresspiegel. Steigt dieser um einen Meter an, verschwinden 80 Prozent des Inselparadieses im Indischen Meer. “Ich sehe jetzt schon, wie es den Sand hier an den Palmen wegspült”, sagt die Schweizer Urlauberin Doris Friedrich. Die Regierung des Landes mit den derzeit noch rund 1200 Koralleninseln sucht händeringend nach Möglichkeiten, den Untergang zu verhindern.

Ähnliche Beiträge erschienen auch auf wetter.at und nachrichten.at.

Irgendwo in der Mitte des Beitrags wird dann kleinlaut eingeräumt, dass die Hauptstadt überbesiedelt ist und wertvolle Korallenareale vor der Küste einfach zugebaut wurden. Unerwähnt bleibt dabei, dass die Korallen dringend benötigt werden, um die Insel über Wasser zu halten. Die Korallen haben in den vergangenen 15.000 Jahren selbst stärkste Meeresspiegelanstiege ausgeglichen, in dem sie einfach stets hinterherwuchsen.

Was sagen die Küstenpegel auf den Malediven? Der Pegel „GAN II“ besitzt eine Messreihe von etwa 25 Jahren. Interessanterweise ist der Meeresspiegel seit 1998 stabil geblieben (Abbildung 1). Die Insulaner können ihre Schwimmwesten zum Glück also wieder ausziehen.

 

Abbildung 1: Meeresspiegelentwicklung am Küstenpegel GAN II auf den Malediven seit 1987. Quelle: PSMSL.

 

Interessanterweise betrug der mittlere Anstieg des Meeresspiegels im Indischen Ozean in den letzten 60 Jahren lediglich 1,5 mm pro Jahr. Dies berichteten Palanysami und Kollegen im Mai 2014 in einem Artikel im Fachblatt Global and Planetary Change. Kein Wert, der Anlass für große Panik geben könnte.

Abschließen möchten wir unser kleine asiatische Meeresspiegelschau mit einem Paper zum Persischen Golf, der im Mai 2015 online im Fachblatt Quaternary Research erschien. Ein Team um Stephen Lokier stellte fest, dass der Meeresspiegel dort vor 5000 Jahren mehr als einen Meter über dem heutigen Wert lag. Um 1400 fiel der Meeresspiegel dann wieder und erreichte das heutige Niveau. Hier die Kurzfassung:

Late Quaternary sea-level changes of the Persian Gulf
Late Quaternary reflooding of the Persian Gulf climaxed with the mid-Holocene highstand previously variously dated between 6 and 3.4 ka. Examination of the stratigraphic and paleoenvironmental context of a mid-Holocene whale beaching allows us to accurately constrain the timing of the transgressive, highstand and regressive phases of the mid- to late Holocene sea-level highstand in the Persian Gulf. Mid-Holocene transgression of the Gulf surpassed today’s sea level by 7100–6890 cal yr BP, attaining a highstand of > 1 m above current sea level shortly after 5290–4570 cal yr BP before falling back to current levels by 1440–1170 cal yr BP. The cetacean beached into an intertidal hardground pond during the transgressive phase (5300–4960 cal yr BP) with continued transgression interring the skeleton in shallow-subtidal sediments. Subsequent relative sea-level fall produced a forced regression with consequent progradation of the coastal system. These new ages refine previously reported timings for the mid- to late Holocene sea-level highstand published for other regions. By so doing, they allow us to constrain the timing of this correlatable global eustatic event more accurately.