PIK warnt vor Ausfall der nächsten Eiszeit. Mojib Latif cool: “100 Jahre bleibt CO2 in der Luft”

In Potsdam gibt es ein finanziell gut ausgestattetes Institut, das für die Produktion von Klimaalarm geschaffen wurde. Am 13. Januar 2016 sorgte sich das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in einer Pressemitteilung, die nächste Eiszeit könne ausfallen:

Menschgemachter Klimawandel unterdrückt die nächste Eiszeit
Der Mensch ist zu einer geologischen Kraft geworden, die den Beginn der nächsten Eiszeit unterdrücken kann – das zeigt eine Studie, die jetzt im renommierten Fachmagazin Nature veröffentlicht wird. Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung haben den Code der Eiszeiten geknackt und in dem Verhältnis von Sonneneinstrahlung auf die Erde und CO2-Konzentration in der Atmosphäre den Schlüssel gefunden, um die letzten acht Eiszyklen der Erdgeschichte zu erklären. Gleichzeitig machen ihre Ergebnisse deutlich, dass schon eine moderate Störung des natürlichen Kohlenstoffhaushalts des Planeten durch den Menschen die nächste Eiszeit um 100.000 Jahre verschieben könnte.

Ganz bitter. Die Schleswig Holsteiner hatten sich sicher schon über die kilometerhohen Eismassen gefreut, die sich ansonsten über ihren Köpfen aufgetürmt hätten. Haha. Und die Strandbäder an der Nordsee müssen nun weiter ihren langweiligen Badebetrieb durchziehen. Wäre eine Eiszeit gekommen, hätte sich das Meer soweit zurückgezogen, dass man zu Fuß nach England wandern könnte.

Naja, Scherz beiseite. Was die PIK-Aktivisten hier offenbar komplett übersehen haben, ist die begrenzte Verweildauer des CO2 in der Atmosphäre. Es macht überhaupt keinen Sinn, Aussagen über zehntausende von Jahren zu machen, wenn das CO2 eine Lebensdauer in der Atmosphäre von lediglich 30-95 Jahren besitzt. Es wundert schon, dass in den eifrig berichtenden Medien niemand diesen kleinen Schönheitsfehler entdeckt hat. Im Rahmen einer Lions-Club-Veranstaltung wies Mojib Latif auf diesen Umstand gerade noch einmal hin, wie infranken.de am 13. Januar 2016 berichtete:

“100 Jahre bleibt CO2 in der Luft”
Der Klimaforscher Professor Mojib Latif machte als Gastredner beim Neujahresempfang des Lions-Clubs auf den Klimawandel aufmerksam. [...] “Wenn wir CO2 in die Luft blasen, dann bleibt das da 100 Jahre”, so Latif.

Natürlich vermied es der Kieler Professor tunlichst, den PIK-Artikel zu kommentieren. Aber war der Hinweis auf die 100 Jahre vielleicht doch insgeheim Richtung Potsdam gerichtet?

—————–

In Australien ist jetzt ein Meeresbiologe des Betrugs überführt worden, der in den vergangenen sieben Jahren mehr als eine halbe Millionen australische Dollar an Forschungsgeldern mithilfe fiktiver Quittungen in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte. Daniel Alongi ist unter anderem im Bereich der CO2-Sequestrierung tätig. The Guardian meldete am 11. Januar 2016:

Scientist on Great Barrier Reef research body alleged to have fabricated expenses
A senior scientist at Australia’s key research body on the Great Barrier Reef is alleged to have fabricated research expenses worth more than half a million dollars and has been arrested on fraud charges, the Australian federal police say. Daniel Alongi, 59, is accused of duping the taxpayer-funded Australian Institute of Marine Science (Aims) into paying him $556,508 for non-existent purchases of “radioisotopes” and laboratory analysis of reef sediment over seven years.

Weiterlesen im Guardian.

Schon machen sich die ersten Fachleute Sorgen, dass Alongi vielleicht auch bei seiner Forschung geschludert haben könnte. Hat er die teuren Radioisotopenmessungen wirklich durchführen lassen? Alongi ist Autor oder Co-Autor in 140 Publikationen. Viel Spass beim Nachprüfen.

—————–

Kennen Sie schon das Buch “Klimasozialismus: Massenarmut – Millionen Tote – Niedergang der Kulturen Was bezweckt der weltweite CO2-Schwindel wirklich?“? Die von Dieter Ber und Gerhard Breunig verfasste Neuerscheinung kam am 27. November 2015 auf den Markt. In der Kurzbeschreibung heißt es:

Die Reduzierung von CO2 bedeutet weniger Pflanzenwachstum und somit auch die geringere Produktion von Nahrungsmitteln. Sie bedeutet ebenso wachsenden Energiemangel und sinnlosen Verzicht auf Wohlstand, besonders in den ärmsten Ländern der Welt. Immer weniger CO2 bedeutet die absichtliche Förderung weltweiter Hungersnöte. Dient das alles nur der offensichtlich beabsichtigten Reduzierung von Leben auf dieser Erde oder ist es gar ein von langer Hand geplanter Völkermord verrückt gewordener, selbsternannter Gutmenschen? Die beiden Autoren Gerhard Breunig und Dieter Ber führen den Kampf gegen die Mär der drohenden, vom Menschen verursachten Klimakatastrophe faktenreich fort. Sie legen schlüssig dar, dass die Schauermärchen nur einer kleinen Machtelite und den davon – vor allem – profitierenden NGOs nützen und zeigen auf, wie notwendig es ist, sich gegen den modernen „großen Sprung nach vorn“ zu wehren. Denn tun wir das nicht, ist der Weg in eine ungeahnte Armut für Millionen von Menschen nur noch eine Frage der Zeit.

—————–

Früher bekam man immer ein schlechtes Gewissen, wenn im Fernsehen ein Eisberg gezeigt wurde. Seht her, auch dieser abgespaltene Eisblock geht auf unser Konto. Der ausschweifende Lebensstil der Menschheit erzeugt schamvolle Berge aus Eis, die stumm warnend über die Polarmeere schippern. Mit diesen Selbstvorwürfen ist es jetzt zum Glück vorbei. Eine neue Studie der University of Sheffield fand jetzt nämlich heraus, dass Eisberge ein wahrer Segen für den CO2-Haushalt sind. Aus dem Eis regnen nämlich große Mengen an Nährstoffen wie etwa Eisen heraus, die die polare Lebewelt kräftig ankurbeln. Dabei binden die Meerespflanzen große Mengen an CO2, dass andernfalls in der Atmosphäre gelandet wäre. Die vollständige Pressemitteilung der University of Sheffield vom 11. Januar 2016 finden Sie hier. Sogar die Deutsche Welle berichtete über die überraschenden Erkenntnisse:

Klimawandel: Weniger CO2 durch schmelzende Eisberge
Schmelzende Eisberge fördern das Wachstum von Plankton im Meer und binden somit CO2. Forscher fanden nun heraus, dass dieser Effekt größer ist als bisher angenommen. Das könnte die Erderwärmung verlangsamen.

Weiterlesen auf dw.com.

 

Die Sonne im Januar 2016, Rekorde und Ozeanströmungen: Der Golfstrom bleibt stabil!

Von Frank Bosse und Fritz Vahrenholt

Der schwerste Körper unseres Sonnensystems (99,8% der Gesamtmasse) war auch im Januar recht ruhig. Die festgestellte SSN (SunSpotNumber) betrug  56,6. Dies sind 71% des Mittelwertes der 23 bisher  systematisch beobachteten kompletten Zyklen in diesem Zyklusmonat.

Abb.1: Die monatliche SSN im laufenden Zyklus 24 (rot) im Vergleich zu einem mittleren Sonnenzyklus (blau) und dem auch im aktuellen Vergleichsmonat 86 stärker aktiven Zyklus 5 ( schwarz).

 

Die frühe Spitze um den Zyklusmonat 35 herum (Herbst 2011) signalisiert den Zeitraum des SSN-Maximums auf der Nordhemisphäre der Sonne, die späten Spitzen um den Monat 68 ( Mitte 2014) zeigen das SSN- Maximum der Südhemisphäre. Der Vergleich der Zyklen untereinander:

Abb.2: Der Vergleich der Sonnenaktivität der Zyklen seit 1755. Die Werte  entstehen durch Aufsummieren der monatlichen Differenzen der festgestellten SSN zum Mittelwert der Aktivität, blau in Abb.1.

 

Bis zum Ende des SC 24 werden noch ca. 3 Jahre ins Land gehen. Sehr wahrscheinlich werden wir am Ende den rechten roten Balken in Abb.2 recht deutlich unter dem SC7, dem letzten des Dalton-Minimums sehen. Dieser Zyklus hatte am Ende viel mehr Aktivität als es sich für den aktuellen Zyklus abzeichnet. Prognosen sind jedoch auch hier gewagt, das „Sonnenwetter“ entzieht sich bisher allen Versuchen der Vorhersage, sodass kein Mensch genau sagen kann, was wir an Aktivität in den nächsten beiden Jahren zu erwarten haben- außer vielleicht, dass auf längere Sicht der Zyklus recht ruhig zu Ende gehen könnte.

 

Das Rekordjahr 2015 und was dazu beitrug

Das Jahr 2015 endete mit einem Rekordwert: Die Temperaturreihe GISS verzeichnete +0,87 °C Anomalie gegenüber dem Referenzzeitraum 1951-1981. Dies waren nochmals 0,13°C  mehr als im Vorjahr 2014 global festgestellt wurde. Besonders stark stiegen die Ozeantemperaturen an.  Ein Blick zurück auf einen nur wenige Monate älteren Datensatz GISS vom Mai 2015 zeigt, dass die globalen Mitteltemperaturen 2014 damals noch um 0,06°C geringer angezeigt wurden als im Januar 2016. Wie kann das sein? Im Sommer 2015 wurde eine Korrektur der Meerestemperaturen eingeführt, wir hatten u.a. hier darüber berichtet. Der Auslöser:  Die Messmethoden zur Erfassung der Oberflächentemperaturen der Meere (SST- Sea Surface Temperature) änderten sich ab 1998. Wurden früher die SST von Schiffen aus bestimmt, oft indem die Wassertemperatur in Eimern oder über das angesaugte Kühlwasser gemessen wurde, ging man später zu präziseren Bojenmessungen über. Dieser Übergang trug, so die Wissenschaftler um T. Karl von der NOAA, eine negative Verfälschung ein, die man mit Korrekturen ( für die offensichtlich  zu warmen Messungen der Vergangenheit nach unten, für die präzisen Messungen der Gegenwart nach oben ) minimierte. Diese Maßnahme wurde sehr schnell für die globalen Bodentemperatur-Reihen übernommen. Es gibt hierfür nicht nur Beifall in der Fachwelt, wie unser Artikel “IPCC-Autor Gerald Meehl verurteilt fragwürdige Rettungsaktionen von Klimaaktivisten zur Erwärmungspause: Der Hiatus ist real und ist erklärungsbedürftig” zeigte. Es erscheint recht fragwürdig, gute neuere Bojenmessungen nach oben zu verändern, um sie an die schlechten alten Eimermessungen anzupassen.

Wir wollen die Stichhaltigkeit der Korrekturen nach T. Karl kurz abschätzen. Als Referenz benutzen wir die wohl homogenste Temperaturreihe, die es für Meerestemperaturen  gibt: Die Bojenmessungen des Argo-Programms, die seit 2004 recht genaue und eng fehlerdefinierte Daten liefert. Wir betrachten die Temperaturen der oberen 100m global und vergleichen mit der nicht korrigierten Reihe ERSSTv3b sowie der nachjustierten Reihe ERSSTv4 (NOAA).

Abb.3: Die Jahresmittelwerte der SST für ERSSTv3b (v3b- schwarz) und ERSStv4 (NOAA- rot) sowie die Referenz der Argo- Messungen (NODC- blau)mit den resultierenden linearen Trends der globalen SST.

 

Auffällig ist, dass die Trends für die unjustierte Reihe (schwarz) und für die recht genaue Referenzreihe der Bojenmessungen (blau) praktisch nicht zu unterscheiden sind, die justierte Reihe (rot) jedoch einen um ca. 50% stärker ansteigenden Trend seit 2004 liefert. Der Unterschied entsteht durch geringere Werte in der Vergangenheit und leicht höhere in der Gegenwart. Der Vergleich mit den modernsten und unverfälschten Daten über die Meerestemperaturen jedenfalls rechtfertigt die Korrektur der SST  nach T. Karl nicht. Zum Rekord in 2015 trug die Einführung der neuen SST-Reihe ca. 0,04°C bei. Zwei weitere Beiträge zur hohen Globaltemperatur sehen wir auf dieser Abbildung der SST im Pazifik:

Abb.4: Die SST der westlichen Hemisphere am 19.10.2015, Quelle: NOAA 

 

Konzentrieren Sie sich bitte zunächst auf den roten Fleck bei ca. 30°N vor der Küste von Kalifornien. Dort lag für über ein Jahr eine große Warmwassermasse an der Oberfläche, sie reichte kaum 100m in die Tiefe. Man nennt sie recht einprägsam den „Blopp“. Auch er trug mit ca. 0,03K zu den globalen Temperaturen 2015 bei und seine Existenz verdankt er meteorologischen Erscheinungen im Westen der USA: Wetter, nicht Klima!

Einen deutlich höheren Einfluss auf die weltweiten Temperaturen sehen Sie in Abb. 4 im äquatorialen Pazifik: den bereits im November 2015 voll entwickelten ElNino. Über die Entstehung und den Verlauf dieser internen Variabilität unseres Klimas hatten wir hier berichtet. Bereits im Jahre 2014 kündigte er sich an, zumindest bis zum Mai. Ab Anfang August 2014 war er abgesagt, wie wir hier meldeten. Nun also kam er mit einiger Wucht in 2015 und bescherte den globalen Temperaturen  im  Jahr 2015 im Mittel einen Anstieg  von ca. 0,09 °C. Das viele rot in Abb. 4 hinterließ seine Spuren in den Troposphären-und Bodentemperaturen. Alle genannten Beiträge zum Rekord in Summe belaufen sich auf ca. 0,16°C. Nach GISS hätten wir dann etwa die globalen Temperaturen des Vorjahres. Der Rekord in 2015 ist also zu ganz großen Teilen auf natürliche Variabilität und eine umstrittene Korrektur von Messdaten größtenteils der Vergangenheit zurückzuführen, die die Trends ansteigen ließ, gewissermaßen „on top“ auf die klimatische Entwicklung. Im Übrigen zeigen die Satellitenmessungen der Troposphäre keinen Rekordanstieg : beide Messreihen, sowohl UAH als auch RSS, geben 2015 nur als drittwärmstes Jahr seit 1979 an. Dass die Troposphärentemperaturen langsamer steigen als die Bodentemperaturen ist ein Sachverhalt, den die Klimamodelle nicht reproduzieren. Sie erwarten es genau anders herum.

Was erwarten wir von 2016? Zunächst werden die Temperaturen weiter hoch bleiben. Die Wärme des ElNino ist noch vorhanden: Sie schlägt sich in verstärkter Wolkenbildung im Ostpazifik nieder. Diese latente Wärme wird erst später in den Weltraum abgestrahlt. Der ganze Vorgang sollte noch etwa 4-5 Monate dauern, dann werden die globalen Temperaturen sinken. Es kündigt sich dann nämlich eine LaNina an. Dies ist nicht etwa das Gegenteil eines ElNino mit seiner Strömungsumkehr. Vielmehr sind es „verstärkte Normalbedingungen“. Die Passatwinde wehen heftiger als normal und fördern sehr viel kühles Tiefenwasser vor Südamerika an die Oberfläche. Dadurch wird ein Teil des erwärmten Wassers eines ElNino wieder in die Tiefe vor Indonesien verfrachtet und in die Oberflächentemperaturen geht eine große Kaltwasserfläche im äquatorialen Teil des Pazifiks ein. Aus „rot“ in Bild 4 wird dann blau.

Abb.5: Die SST des Pazifiks für das Frühjar (oben) und modelliert für den Herbst (unten)2016, Modell: Jamstec. Quelle: Vencore Weather

 

In die globalen Temperaturen wird dieser doch recht  heftige Umschwung sehr wahrscheinlich erst in 2017 voll durchschlagen. Für klimatische Einschätzungen wird es so auch in 2017 noch zu früh sein, denn erst nach der zu erwartenden LaNina wird sich ein „neutrales Niveau“ einstellen. Wo das liegt ist noch unbestimmt.

 

Entwarnung im Atlantik

Erinnern Sie sich noch an die medial so „ausführlich“ ausgeschlachteten Meldungen vom Frühjahr  2015, dass sich der Golfstrom dramatisch abgeschwächt hat durch das Schmelzen des  Grönlandeises? Wir hatten uns hier sehr kritisch mit einer Arbeit (Rahmstorf2015) von Stefan Rahmstorf vom PIK und Kollegen auseinandergesetzt, die den neuerlichen Hype auslöste. Die Süddeutsche Zeitung beispielsweise vermied das Wort „Katastrophe“, zitierte jedoch die Autoren, die ihrer Besorgnis Ausdruck verliehen, dass stark reduzierte Atlantikströme “massive Folgen” für Mensch und Umwelt haben, ergänzten die Forscher. Die Ökosysteme in den Meeren könnten gestört werden, was die Fischerei und die Lebensgrundlage vieler Menschen entlang der Küsten treffe. Auch trügen Veränderungen zu einem regionalen Meeresspiegelanstieg etwa in den US-Städten New York und Boston bei. Zudem seien auch Wetterveränderungen sowohl in Nordamerika als auch in Europa denkbar.“

Im Januar 2015 erschien nun eine Arbeit von Parker & Ollier,  die die Schlüsse von Rahmstorf2015 entschieden zurückweist. Wie wir in unserem Artikel damals schon zeigten hatte Rahmstorf2015 einen Stellvertreter  („Proxy“)  für die Stärke der AMOC (Atlantic Meridional Overturning Circulation, der Wärmetransport nach Norden) verwendet, der bei näherer Betrachtung offensichtlich Schwierigkeiten mit der Kausalität hatte: er reagierte auf AMOC- Veränderungen bevor diese eintraten.  Die Autoren der widerlegenden Arbeit um Albert Parker von der James Cook- Universität in Townsville, Australien verwendeten einen vertrauenserweckenden Parameter, der auch kürzere Schwankungen der AMOC gut abbildet.

Abb. 6: Die AMOC im Vergleich zu ihrem Proxy, den Meeresspiegelschwankungen in Brest und NewYork, Quelle: Fig.2 der zitierten Arbeit

 

Im Teil a von Abb.6 werden die festgestellten Schwankungen der AMOC mit dem Proxy verglichen und zwar nicht stark geglättet wie in Rahmstorf2015, sondern zeitlich hoch aufgelöst. Damit wird die Brauchbarkeit des Proxys sauber nachgewiesen. In Teil b sind verschiedene Zeiträume dargestellt: Seit 1860 fällt die AMOC leicht, seit 1910 hingegen steigt sie leicht an. Seit 2005 fällt sie recht deutlich, konsistent mit den direkten Beobachtungen seitdem. Ihre Zeitspanne von 11 Jahren ist jedoch viel zu kurz, um Aussagen über die Langzeitentwicklung zu treffen.Die AMOC ist dekadischen  Schwankungen unterworfen, eine darüber hinaus gehende Veränderung ist nicht zu erkennen. Am Ende kommen die Autoren zu dem Schluss:

Behauptungen über eine Verstärkung oder Abschwächung der AMOC sind reine Spekulation“

Die Watsch‘n in Richtung Rahmstorf und Kollegen saß!

 

Deutschlandtemperaturen 1995-2015: 8 Monate wärmer, 4 Monate kälter

Von Josef Kowatsch und Sebastian Lüning

Im Rahmen unserer Transparenz-Initiative zur Temperaturentwicklung Deutschlands wollen wir heute die Trends für die Jahre ab 1995 bis heute  – also die letzten 21 Jahre – vorstellen. Wie bereits in unserem letzten Beitrag (2000-2015), verwenden wir die Original-Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Das Vorziehen des Startpunktes um 5 Jahre bringt nun auch deutlich kältere Jahre mit in die Statistik, die noch in die starke globale Erwärmungsphase 1977-1998 fallen. Ab 1998 war dann das Wärmeplateau erreicht, das auch heute noch andauert, der sogenannte Erwärmungshiatus.

Der Blick auf die Entwicklung der Jahresdurchschnittstemperatur in Deutschland bestätigt die Erwartungen: Im Zeitraum 1995-2015 hat sich Deutschland um einige Zehntelgrade erwärmt.

 

Interessant ist nun aber der Blick auf die Entwicklung der einzelnen Monate. Unerwarteterweise gibt es noch immer 4 Monate, die sich 1995-2015 abgekühlt haben. Besonders hervorstechend der Wintermonat Februar, der in den letzten 21 Jahren um mehr als 2°C kälter geworden ist.

Die Auswertung ergibt acht Monate, in denen ein Erwärmungstrend zu beobachten ist:
Januar, März, April, Juni, Juli, September, November, Dezember

Ein Abkühlungstrend findet sich in vier Monaten:
Februar, Mai, August, Oktober

Im Vergleich zum Zeitraum 2000-2015 gab es lediglich beim Juni eine Trendumkehr. Die Einbeziehung der zusätzlichen 5 Anfangsjahre brachte hier nun einen leichten Erwärmungstrend.

 

 

 

 

 

(weiterlesen …)

Universität Göteborg: Trinkwasserversorgung auf dem Tibetplateau ist auch in den kommenden Jahrzehnten gesichert

Vor kurzem verstarb der bekannte Klimaskeptiker und Geologe Bob Carter. In zahlreichen Nachrufen wurde seine Arbeit gewürdigt. Trauersituationen wie diese offenbaren jedoch auch den wahren Charakter einiger Zeitgenossen. Der Klimaaktivist William Connolley freute sich in seinem Blog diebisch über Carters Tod:

Science advances one funeral at a time
Actually a new scientific truth does not triumph by convincing its opponents and making them see the light, but rather because its opponents eventually die, and a new generation grows up that is familiar with it, but I’m allowed to paraphrase in titles. And anyway [Max Planck] said it in German, naturally. Today brings us news of another such advancement in science, with the reported death of Robert Carter.

Was für ein kranker Geist, William Connolley. Über seine Wikipedia-Fälschungen hatten wir an dieser Stelle bereits einmal berichtet (“Klima-Fälscher Connolley: Der Mann, der unser Weltbild umschrieb“).

—————–

Der Klimaforscher Kevin Trenberth erklärte am 20. Januar 2016 in der Washington Post, dass er nicht davon ausgehe, dass das Jahr 2016 wärmer als das Vorjahr wird. Der El Nino erreicht gerade seinen Höhepunkt und wird später nicht die Wärme beitragen können, die für einen neuen Rekord gebraucht werden würde:

“My guess is that 2016 may not be warmer than 2015,” said Kevin Trenberth, a climate change and El Niño expert at the National Center for Atmospheric Research. He thinks the current El Niño may already have begun to peak (or have peaked) and thus that the second half of 2016 may cool down again somewhat.

 

 

 

—————–

Eiskerne aus der Antarktis und Grönland liefern wichtige Klimaarchive der letzten Millionen Jahre. Unter anderem messen die Forscher an den Kernen CO2- und Methan-Konzentrationen. Die große Frage: Kann sich die Gaszusammensetzung der Atmosphäre über einen so langen Zeitraum unverändert im Eis erhalten, trotz Bewegung des Eises? Eine neue Studie hat nun  herausgefunden, dass sich die Methankonzentration in den Eisbläschen durchaus im Laufe der Zeit ändern kann. Am 15. Januar 2016 berichteten Rhodes et al. im Fachblatt Climate of the Past Discussions über Artefakte, die man lange nicht für möglich gehalten hatte:

Local artifacts in ice core methane records caused by layered bubble trapping and in-situ production: a multi-site investigation
Superimposed on the coherent and major atmospheric changes in trace gases revealed by ice core records, local high frequency, non-atmospheric features can now be resolved due to improvement s in resolution and precision of analytical techniques. These are signals that could not have survived the low-pass filter effect that firn diffusion exerts on the atmospheric history and therefore do not result from changes in the composition of the atmosphere at the surface of the ice sheet. Using continuous methane (CH4) records obtained from five polar ice cores, we characterize these non-atmospheric signals and explore their origin. Isolated samples, enriched in CH4 in the Tunu13 (Greenland) record are linked to the presence of melt layers. Melting can enrich the methane concentration due to preferential dissolution of methane relative to nitrogen, but we find that an additional in-situ process is required to generate the full magnitude of these anomalies. Furthermore, in the all ice cores studied there is evidence of reproducible, decimetre-scale CH4 variability. Through a series of tests, we demonstrate that this sign al is an artifact of layered bubble trapping in a heterogeneous-density firn column; we term this phenomenon ‘trapping noise’. The magnitude of CH4 trapping noise increases with atmospheric CH4 growth rate and seasonality of density contrasts, and decreases with accumulation rate. Firn air transport model simulations, accounting for layered bubble trapping, are in agreement with our empirical data. Significant annual periodicity is present in the CH4 variability of two Greenland ice cores, suggesting that layered gas trapping at these sites is controlled by regular, seasonal variations in the physical properties of the firn.

—————–

Rückblick: Im Jahr 2009 schürte die Frankfurter Rundschau kräftig Klimaangst:

Klimawandel Tibets Gletscher schwinden
Forscher befürchten eine massive Wassernot in asiatischen Ländern. Von der Dürre wären Milliarden Menschen betroffen.

Sieben Jahre Forschung später. Eine neue Studie konnte die wilden Schreckensvisionen nun entkräften. Laut Modellierungen wird die Wasserführung der Flüsse auf dem Tibetplateau in den kommenden Jahrzehnten sogar zunehmen. Die Trinkwasserversorgung ist also gesichert. Endstation für den Klimaalarm. Im Folgenden die entsprechende Pressemitteilung der Universität Göteborg vom 1. Januar 2016:

Water supplies in Tibet set to increase in the future

The Tibetan Plateau has long been seen as a “hotspot” for international environmental research, and there have been fears that water supplies in the major Asian rivers would drastically decline in the near future. However, new research now shows that water supplies will be stable and may even increase in the coming decades.

A report by the International Panel on Climate Change (IPCC) from 2007 suggests that the glaciers in the Himalayas will be gone by 2035. This statement was questioned and caused a great stir. “This mistaken claim and the subsequent debate pointed to a need for a better understanding of the dynamics of climate, glaciers and future water supplies in the region,” says Deliang Chen, Professor in the Department of Earth Sciences at the University of Gothenburg.

Since the statement by IPCC in 2007, the Tibetan Plateau has been a focus of international environmental research. A research group led by Professor Deliang Chen at the University of Gothenburg, in close collaboration with researchers from the Institute of Tibetan Plateau Research at the Chinese Academy of Sciences, headed by Professor Fengge Su, has studied future climate change and its effect on the water balance in the region. The great Asian rivers have their source on the Plateau or in the neighbouring mountains. The researchers recently published a study in Global and Planetary Change which modelled the water flows upstream in the Yellow River, the Yangtze, the Mekong, the Salween, the Brahmaputra and the Indus. The studies include both data from past decades and simulations for future decades. The results show that water flows in the rivers in the coming decades would either be stable or would increase compared to the period from 1971-2000.

The Tibetan Plateau is the highest and most extensive area of high land in the world, and what happens there affects water resources for almost a third of the world’s population. Dr. Tinghai Ou, who was responsible for the climate projections in the study, has commented that increased precipitation and meltwater from glaciers and snowfall are contributing to increased water flows in the region. “This is good news because social and economic development in the surrounding areas, including China, India, Nepal and other countries in Southeast Asia, are closely tied to climate change and access to water. But the fact that the glaciers are shrinking in the region could be a concern in the longer term, and we must keep a close eye on what is happening with global warming,” says Professor Deliang Chen.

More about the study here:
Su, F., L. Zhang, T. Ou, D. Chen, T. Yao, and K. Tong, Y. Qi, 2016: Hydrological response to future climate changes for the major upstream river basins in the Tibetan Plateau, Global and Planetary Change, 136, 82-95, doi:10.1016/j.gloplacha.2015.10.012.
Link to the published study

 

Um Antwort wird gebeten: Werden die Grünen ihre Ernährungsempfehlungen angesichts des schlechten Klimafussabdrucks von vegetarischem Essen ändern?

Am 20. Januar 2016 berichteten wir an dieser Stelle über eine neue wissenschaftliche Studie, die der vegetarischen Kost ein denkbar schlechtes Klimazeugnis ausstellte (siehe “Grüne Kantinenpläne von neuer Studie ad absurdum geführt: Vegetarische Ernährung klimaschädlicher als Normalkost“). Wir fragten daher bei der Grünen-Spitzenpolitikerin Katrin Göring-Eckardt nach, ob sich ihre Ernährungempfehlungen nun ändern würden.

Von: Sebastian Lüning
An: Karin Göring-Eckardt

Gesendet: 18.1.2016

 

Sehr geehrte Frau Göring-Eckardt,

Vor einiger Zeit schlugen Sie vor, vegetarische Tage in Kantinen einzuführen, um das Klima zu schützen. Eine neue Untersuchung hat jetzt aber gezeigt, dass vegetarische Kost zu deutlich höheren CO2-Emissionen führt als Normalkost.

http://www.cmu.edu/news/stories/archives/2015/december/diet-and-environment.html

Inwieweit ändert sich nun Ihre Ernährungs-Empfehlung? Ist die vegetarische Lebensweise angesichts der erhöhten CO2-Belastung überhaupt nachhaltig?

Ich würde Ihre Antwort gerne im Blog www.kaltesonne.de bekanntgeben.

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Lüning

Frau Göring-Eckardt antwortete dankenswerterweise auf die Anfrage, über den Info-Service der Bundestagsfraktion:

Von: Info-Service der Bundestagsfraktion
An: Sebastian Lüning

Gesendet: 29.1.2016

Sehr geehrter Herr Lüning,

danke für Ihre Anfrage. In dem unten aufgeführten Link finden Sie eine ausführliche Bewertung des von Ihnen gesendeten Ergebnisses.

http://munchies.vice.com/de/articles/salat-ist-nicht-umweltschaedlicher-als-bacon-354

Wir werden also unsere Ernährungsempfehlung nicht ändern. Neben dem verursachten CO2-Ausstoß und dem großen Leid für die Tiere ist billiges Fleisch auf Grundlage massiven Antibiotikamissbrauchs eine Gesundheitgefährdung für die Bevölkerung. Antibiotika für die Humanmedizin drohen unwirksam zu werden, weil der massive Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zu Resistenzbildungen führt. Wissenschaftler warnen bereits vor einer Rückkehr in die „präantibiotische Ära vor 1945“. Massentierhaltung fördert Artensterben und Klimawandel. Für den Anbau von zumeist gentechnisch verändertem Soja und Mais, Grundlage für die billige Fleischproduktion, wird Regenwald gerodet und Grünland umgebrochen – mit verheerenden Folgen für die biologische Vielfalt und das Klima durch steigende CO2-Emissionen.

Mit freundlichen Grüßen

Caroline Ilawa

Info-Service der Bundestagsfraktion

Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
11011 Berlin
Mehr Infos: www.gruene-bundestag.de

 

Neues zum Polkappeneis in Grönland: Eis schmilzt anders als gedacht, besonders wenn es wolkig ist

In den vergangenen Wochen haben wir mehrfach über die beiden Eisschilde an Nord- und Südpol berichtet. Eine Übersicht aller Artikel gibt es im thematischen Inhaltsverzeichnis zum Blog (Grönland, Antarktis). Zum Ausklang der Serie hier noch weiteres Wissenswertes zur aktuellen Eisforschung in Grönland.

Im Januar 2015 meldete die University of Texas at Austin, dass sie ein visuelles 3D-Modell zum grönländischen Eis und seiner altersmäßigen Schichtung erstellt habe. In der entsprechenden Pressemitteilung heißt es:

A 3-D View of the Greenland Ice Sheet Opens Window on Ice History

Scientists using ice-penetrating radar data collected by NASA’s Operation IceBridge and earlier airborne campaigns have built the first comprehensive map of layers deep inside the Greenland Ice Sheet, opening a window on past climate conditions and the ice sheet’s potentially perilous future. This new map allows scientists to determine the age of large swaths of the second largest mass of ice on Earth, an area containing enough water to raise ocean levels by about 20 feet. “This new, huge data volume records how the ice sheet evolved and how it’s flowing today,” said Joe MacGregor, the study’s lead author, a glaciologist at The University of Texas at Austin Institute for Geophysics (UTIG), a unit of the Jackson School of Geosciences.

Greenland’s ice sheet has been losing mass during the past two decades, a phenomenon accelerated by warming temperatures. Scientists are studying ice from different climate periods in the past to better understand how the ice sheet might respond in the future. Ice cores offer one way of studying the distant past. These cylinders of ice drilled from the ice sheet hold evidence of past snow accumulation and temperature and contain impurities such as dust and volcanic ash compacted over hundreds of thousands of years. These layers are visible in ice cores and can be detected with ice-penetrating radar. Ice-penetrating radar works by sending radar signals into the ice and recording the strength and return time of reflected signals. From those signals, scientists can detect the ice surface, sub-ice bedrock and layers within the ice.

New techniques used in this study allowed scientists to efficiently pick out these layers in radar data. Prior studies had mapped internal layers, but not at the scale made possible by these newer, faster methods. Another major factor in this study was the scope of Operation IceBridge’s measurements across Greenland, which included flights that covered distances of tens of thousands of kilometers across the ice sheet. “IceBridge surveyed previously unexplored parts of the Greenland Ice Sheet and did it using state-of-the-art CReSIS radars,” said study co-author Mark Fahnestock, an IceBridge science team member and glaciologist from the Geophysical Institute at the University of Alaska Fairbanks (UAF-GI).

CReSIS is the Center for Remote Sensing of Ice Sheets, a National Science Foundation science and technology center headquartered at the University of Kansas in Lawrence, Kansas. IceBridge’s flight lines often intersect ice core sites where other scientists have analyzed the ice’s chemical composition to map and date layers in the ice. These core data provide a reference for radar measurements and provide a way to calculate how much ice from a given climate period exists across the ice sheet, something known as an age volume. Scientists are interested in knowing more about ice from the Eemian period, a time from 115,000 to 130,000 years ago that was about as warm as today. This new age volume provides the first data-driven estimate of where Eemian ice may remain.

Comparing this age volume to simple computer models helped the study’s team better understand the ice sheet’s history. Differences in the mapped and modeled age volumes point to past changes in ice flow or processes such as melting at the ice sheet’s base. This information will be helpful for evaluating the more sophisticated ice sheet models that are crucial for projecting Greenland’s future contribution to sea-level rise. “Prior to this study, a good ice-sheet model was one that got its present thickness and surface speed right. Now, they’ll also be able to work on getting its history right, which is important because ice sheets have very long memories,” said MacGregor.

This study was published online on Jan. 16, 2015, in Journal of Geophysical Research: Earth Surface. It was a collaboration among scientists at UTIG, UAF-GI, CReSIS and the Department of Earth System Science at the University of California, Irvine. It was supported by NASA’s Operation IceBridge and the National Science Foundation’s Arctic Natural Sciences.

 

————————–

Einige Wochen zuvor, am 16. Dezember 2014 hatte auch Spiegel Online Neues zum Grönlandeis zu berichten:

Anstieg des Meeresspiegels: Grönlands Gletscher schmelzen anders als gedacht
Der riesige Eispanzer Grönlands spielt eine zentrale Rolle beim prognostizierten Anstieg des Meeresspiegels. Daten aus 20 Jahren zeigen nun, wie wenig Forscher bislang über das Abschmelzen der Gletscher wissen.

“Anders als gedacht”, das klingt nicht gut, wenn man an die teuren Eissschmelzmodelle denkt, die offenbar jahrelang die Prozesse falsch berechnet haben. Kritik wurde dabei stets als Angriff auf die Wissenschaft interpretiert. Nun ist es raus: Wir wissen noch immer viel zuwenig über die Vorgänge, die wir angeblich so zuverlässig in den Computern modellieren. Auf spiegel.de beginnt der Artikel: (weiterlesen …)

Winter in Deutschland: Immer wärmer oder immer kälter?

Von Josef Kowatsch und Sebastian Lüning

Im meteorologischen Sinne handelt es sich beim Winter um die Monate Dezember, Januar und Februar. Die Einzelmonate mit den Trends ab 2000 haben wir bereits an dieser Stelle dargestellt. In diesem Nachtrag wollen wir die kalte Jahreszeit als Ganzes anschauen. Interessant ist dies auch deswegen, weil der Klimafolgenforscher Mojib Latif zu Beginn des Jahres 2000 seine mittlerweile berühmte Schnee-Vorhersage machte: Aufgrund der Klimaerwärmung würde es in Deutschland in absehbarer Zeit wohl keine Winter mehr geben, orakelte er. Schnee im Flachland würde selten, sondern nur noch im Hochgebirge sähe er Chancen auf üppige Mengen der weißen Pracht.

Heute sind wir 16 Jahre schlauer. Denn wir können uns den Trend der Wintertemperaturen der verflossenen mehr als anderthalb Jahrzehnte in den offiziellen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) anschauen. Das Ergebnis fällt für Latif allerdings denkbar schlecht aus: Die Trendlinie der deutschen Wintertemperaturen ist leicht fallend, es wird immer kälter! Die gute Nachricht: Dem Schnee geht es gut.

 

Abbildung: Entwicklung der deutschen Wintertemperaturen 2000-2015. Daten: DWD. Kurve: Kowatsch.


 

In den kommenden beiden Artikeln werden wir Ihnen dann die Monats- und Winter-Trends für die Zeiträume ab 1995 und 1990 präsentieren.

Focus-Redakteur Alexander Wendt: „Am besten wäre es, das EEG sofort abzuschaffen“

Interview zuerst erschienen auf der Webseite des Ludwig von Mises Instituts am 13. Januar 2016:

—————–

Interview mit Alexander Wendt zu seinem Buch „Der Grüne Blackout: Warum die Energiewende nicht funktionieren kann

MISES-INSTITUT: Herr Wendt, in Ihrem Buch „Der Grüne Blackout“ bezeichnen Sie die Energiewende als „veritablen Thriller, dem keine spannungsfördernde Zutat fehlt“. Wer ist Täter? Wer ist Opfer?

WENDT: Täter waren 1999 zunächst eine kleine Gruppe von Bundestagsabgeordneten um SPD-Politiker und Solarlobbyisten Hermann Scheer, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) durchgesetzt hatten, dessen gewaltige Umverteilungswirkung damals kaum jemand überblickte. Heute gibt es eine relativ kleine, aber enorm einflussreiche Gruppe von Profiteuren, von Windpark-Fondsverkäufern über Landbesitzer, die Boden für bis zu 100 000 Euro pro Jahr und Windrad verpachten, bis zu Glücksrittern wie dem Solarword-Chef Frank Asbeck. Opfer beziehungsweise Zahler der Veranstaltung sind die Stromkunden, die in diesem Jahr durch die Ökostromumlage insgesamt 24,8 Milliarden Euro für grünen Strom überweisen werden, der an der Börse nur 1,8 Milliarden wert ist. Opfer sind gutgläubige Leute, die in Windparks investiert haben und jetzt feststellen, dass zwei Drittel aller Windräder im Binnenland defizitär laufen. Unter Druck geraten auch alle, die in energieintensiven Branchen arbeiten: je weiter die Strompreise steigen, desto prekärer werden ihre Arbeitsplätze. Ein grünes Jobwunder hilft ihnen auch nicht, das ist nämlich ausgeblieben.

Noch ein Vergleich, den Sie bei der Energiewende anführen, nämlich mit dem Staatssozialismus in der DDR und anderen Ostblockländern, die Bürokraten heute würden den damaligen Steuerungseifer aber bei weitem übertreffen…

In der Tat: in der DDR gab es Fünfjahrespläne. Das EEG garantiert Betreibern von Ökostromanlagen nicht nur feste Abnahmepreise über 20 Jahre; die Energiewendeplaner wollen auch detailliert festlegen, wie Deutschlands Energiewirtschaft im Jahr 2050 aussehen soll. Das ist in Zahlen gegossene Hybris.

Wir haben uns sehr gefreut, zu lesen, dass Sie Ludwig von Mises’ Interventionismus-Theorie in der Energiewende bestätigt sehen. Skizzieren Sie Ihre Beobachtungen doch bitte für uns.

Ludwig von Mises sagte mit seiner Interventionstheorie, dass der Staat, wenn er in den Markt eingreift, um ein Problem zu lösen, zwar unter Umständen dieses eine Problem mildert, aber dafür mindestens zwei neue schafft. Statt den ersten Eingriff zurückzunehmen, interveniert er weiter, mit der Folge, dass die Dysfunktionalität ständig vergrößert wird. Am logischen Endpunkt der Entwicklung verheddert er sich selbst hoffnungslos in seinen widersprüchlichen Regeln und Eingriffen.

Bei der Energiewende lässt sich dieses Problem mustergültig studieren. Ein Beispiel aus vielen: Schon ab 2011 ließ sich absehen, dass die Produktion von Windstrom in Norddeutschland an vielen Tagen die Kapazität des Stromnetzes übersteigen würde – ein Teil der Energie kann also durch die Leitungen gar nicht abtransportiert werden. Die Bundesregierung traf eine Regelung, die ausschließlich im Interesse der Windmüller lag: Jede Kilowattstunde, die hätte produziert werden können, aber nicht ins Netz passt, muss von den Verbrauchern trotzdem mit der vollen Einspeisevergütung bezahlt werden. Die Folge: Windparkinvestoren scherten sich künftig erst Recht nicht darum, ob es dort, wo sie bauen wollten, überhaupt genug Netzkapazität gab, und verschlimmerten das Problem innerhalb weniger Jahre drastisch. 2014 zahlten die Stromkunden über die Netzentgelte erstmals an die 100 Millionen Euro für nie produzierten Strom. Für dieses Jahr dürfte der Betrag noch einmal kräftig steigen. Wenn die Regierung jetzt entscheiden würde, dass nur noch jede tatsächlich eingespeiste Kilowattstunde vergütet wird, brächen allerdings die Kalkulationen vieler Windparks zusammen. Also drehen sich in Norddeutschland mehr und mehr Windmühlen teuer subventioniert im Leerlauf – während der Staat sich anschickt, auch für konventionelle Kraftwerke südlich des Mains Subventionen auszureichen. Namentlich Gaskraftwerke verdienen kein Geld mehr, weil sie nur noch als Lückenspringer Strom ins Netz liefern dürfen. Allerdings werden sie wegen der erratischen Grünstromproduktion dringend gebraucht.

Weil die Stromkosten dadurch und durch andere Maßnahmen ständig steigen, diskutieren Politiker bekanntlich auch schon, ob sie nicht demnächst Strom für Einkommensschwache aus Steuermitteln subventionieren sollten. Dann wäre nicht nur die Produktion staatlich gestützt und der Markt fast komplett abgeschnürt, sondern auch noch der Konsum eines Gutes staatlich gelenkt.

Warum hat die Energiewende in den Medien nicht mehr Kritiker gefunden?

Nun, sie hat durchaus viele Kritiker. Vielleicht sollte ich dazu eine kleine Geschichte erzählen: Zwischen Politikern beziehungsweise Verbandsvertretern und Journalisten gibt es die so genannten Gespräche unter Drei. Das heißt: die einen reden frei darüber, was sie wirklich denken. Die anderen benutzen das Gesagte nur für ihre Meinungsbildung, zitieren aber nichts wörtlich. Ein Chef einer großen Einzelgewerkschaft sagte mir in einem dieser Gespräche zum Thema Energiewende: „Die einzelnen Bundestagsparteien unterscheiden sich da nur im Grad ihres Wahnsinns.” Ein führendes Mitglied der Unionsfraktion: „Bei der Energiewende ist es so wie bei einem Fuhrwerk, das in die Sackgasse fährt: es muss dort wieder herauskommen, wo es hineingefahren ist. Man braucht also nicht hinterherzulaufen. Von Unterhaltungswert ist allein das Wendemanöver.“ Ich könnte noch etliche andere Zitate von Politikern, Wirtschaftswissenschaftlern und Managern zitieren, allerdings die Namen nicht nennen – denn das würde die Vertraulichkeit brechen. Zitieren kann ich immerhin Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der beim Besuch des Solarunternehmens SMA Solar in Kassel am 17. April 2014 sagte: „Die Energiewende steht kurz vor dem Aus. Die Wahrheit ist, dass wir die Komplexität der Energiewende auf allen Feldern unterschätzt haben. Die anderen Länder in Europa halten uns sowieso für Bekloppte.“ Gegen Gabrieles Annahme war ein Lokaljournalist anwesend, der die einigermaßen unverstellten ministeriellen Worte verbreitete. Gabriel dementierte auch nichts. Er wiederholte diese Worte allerdings in keinem Interview. Die Frage ist: warum sagen selbst Mitglieder der Funktionselite nur dann, was sie über die Energiewende denken, wenn sie sicher sind oder glauben, dass nichts in die Öffentlichkeit dringt?

Lassen Sie mich raten: jetzt kommt der „Klimawandel“ ins Spiel… (weiterlesen …)

Hochkurios: Stefan Rahmstorf interpretiert verheerende Kältewelle an der US-Ostküste als Folge der Klimaerwärmung

Eine uralte Strategie: Wenn einem das Wasser bis zum Halse steht und sich angesichts der vielen Probleme keine schnelle Lösung anbietet, hilft oft nur noch eines: Themenwechsel und Ablenkung. Genau dies scheinen die Grünen in Österreich derzeit zu versuchen. Statt sich mit den Flüchtlingen, Arbeitslosigkeit oder Staatsverschuldung zu beschäftigen, setzen die Grünen ganz auf das bewährte Wohlfühlthema Klimawandel. Der Kurier meldete am 14. Januar 2016:

Rückbesinnung der Grünen auf alte Stärken: “Kampf gegen den Klimawandel”
Die Grünen überraschten bei ihrer Klubklausur: Nicht Flüchtlinge, nicht Soziales, nicht Hofburg-Kandidat Alexander Van der Bellen standen im Vordergrund, sondern eine fast vergessene, alte Stärke der Grünen: Die Umweltpolitik. Die Grünen wollen das Jahr 2016 für den Kampf gegen den Klimawandel nutzen. Partei-Chefin Eva Glawischnig gab bei der Klubklausur die Marschrichtung vor. “Wir sind die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels spürt”, zitierte Glawischnig gleich zu Beginn US-Präsident Barack Obama, “und wir sind die letzte, die etwas dagegen tun kann”.

Weiterlesen im Kurier.

—————–

Ist es nicht bizarr? Wenn es im Sommer eine Hitzewelle gibt, ist schnell die Klimaerwärmung als Schuldiger ausgemacht. Wenn dann im Winter schlimme Kältewellen die Ostküste Nordamerikas lahmlegen, ist die Ursache ebenso schnell gefunden: Ebenfalls die Klimaerwärmung! So denkt auf jeden Fall Deutschlands unterhaltsamster Klimaforscher Stefan Rahmstorf, verbreitet am 25. Januar 2016 via Greenpeace-Magazin, eine unschlagbare Kombination:

Was das Schnee-Chaos in den USA mit dem Klimawandel zu tun hat
Ein extremer Schneesturm brachte der US-Ostküste Chaos und schöne Bilder. Klimaforscher Stefan Rahmstorf hält es für wahrscheinlich, dass der Klimawandel daran einen Anteil hat. [...] Nun hat der deutsche Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf dem Wissenschafts-Blog Real Climate dargelegt, warum „Snowzilla“ womöglich nicht trotz, sondern gerade wegen des Klimawandels so heftig ausgefallen ist. US-Meteorologen sehen nämlich einen Zusammenhang zwischen den derzeit ungewöhnlich hohen Meerestemperaturen vor der US-Ostküste und den Rekord-Schneemengen. Diese Wärme des Oberflächenwassers ist offenbar Folge einer Abschwächung der „Atlantischen Meridionalen Umwälzbewegung“, besser bekannt als Golfstrom-System. Und diese Abschwächung wiederum ist wahrscheinlich durch den Klimawandel verursacht. Es sind komplizierte Zusammenhänge, aber sie sind so spannend, dass es sich lohnt, sie nachzuvollziehen.

Wenn Sie jetzt spontan geschmunzelt haben, dann geht es Ihnen vermutlich wie den meisten Lesern. Man kann schon gar nicht mehr böse auf Rahmstorf sein, Mitleid trifft die Sache schon besser. Er hatte sicher schon einmal bessere Zeiten. Eine  Google-News-Suche deutet an, dass kaum eine andere Redaktion Rahmsdorfs verrückte Idee  ihren Lesern zumuten wollte.

—————–

Am 21. und 22. Februar 2016 richtet die Hanns-Seidel-Stiftung im Kloster Banz ein Seminar mit dem Titel “Aktuelles zum Klimawandel” aus. Als Vortragender mit dabei ist auch Gerd Ganteför. Weitere Informationen und das Programm finden Sie hier (pdf hier).

—————–

Alljährlich treffen sich in Davos auf dem Weltwirtschaftsforum international führende Wirtschaftsexperten, Politiker, Intellektuelle und Journalisten, um über aktuelle globale Fragen zu diskutieren. Vom 20.-23. Januar 2016 war es wieder soweit. Im Gegensatz zu alarmistischen Prognosen aus dem Klimawandel-Aktivisten-Camp beeindruckten die Teilnehmer durch eine realistische Einschätzung der Gefahrenlage. In einer Umfrage unter Firmenchefs schaffte es die vermeintliche Klimakatastrophe nicht in die oberen Gefahrenränge, wie The Guardian am 20. Januar 2016 schrieb:

Climate change fails to top list of threats for business leaders at Davos
Geopolitical uncertainty, over-regulation and cyber attacks among biggest threats to business, survey of CEOs finds. The high profile UN summit on climate change in Paris appears to have had little impact on the decision making and worries of global business leaders. Despite concerns about its impact on extreme weather events, such as recent flooding in the UK, climate change failed to register near the top of the list of business threats, according to a survey of 1,400 CEOs from around the world compiled by PricewaterhouseCoopers (PwC) and published at Davos this week. Instead, over-regulation was listed as the biggest threat to business (by 79% of CEOs), followed by geopolitical uncertainty (74%) and other key threats including cyber attacks (61%). In contrast, climate change and environmental damage was mentioned as a threat to business growth by just 50% of CEOs.

Natürlich hatte auch der Schauspieler Leonardo DiCaprio seinen Auftritt in Davos. Er reiste standesgemäß mit seinem Privatjet an, um den verdutzten Konferenz-Teilnehmern dann in seiner Rede nahezulegen, das Fliegen und den Genuß von fossilen Brennstoffen einzuschränken. Hochkurios. Kurz darauf reiste DiCaprio (vermutlich wiederum mit seinem Jet) nach Rom, wo er den Heiligen Vater traf, um mit ihm ebenfalls den klimaschändlichen exzessiven Lebenswandel der Menschheit zu erörtern. Vielleicht ist ihm bei dieser Gelegenheit auch die Beichte abgenommen worden. Thema könnte dabei seine Flugsucht gewesen sein. In Kanada hat man zwischenzeitlich DiCaprios Pseudoaktivismus kräftig satt. Ein Grünenpolitiker rief den Schauspieler dort dazu auf, seine fragwürdige Mobbingkampagne gegen ganze Gesellschafts- und Industriezweige zu beenden.

 

Bremer Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie: „Unsere Daten lassen keine Rückschlüsse darauf zu, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels bei den Takuu-Inseln in den letzten 70 Jahren negativ bemerkbar gemacht hat“

Pressemitteilung des Bremer Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) vom 29. Januar 2016 mit überraschendem Ergebnis:

———————————–

Versinkende Inseln: Bedroht der Meeresspiegelanstieg das Takuu-Atoll im Pazifik?

Seit einigen Jahrzehnten steigt der Meeresspiegel unaufhaltsam – im Schnitt 3,3 mm im Jahr. Inwieweit machen sich die Folgen des Meeresspiegelanstiegs bereits heute auf den Riffinseln bemerkbar? Diese Frage konnten Forscher des ZMT nun für das Takuu-Atoll, eine Inselgruppe im Pazifik nordöstlich von Papa-Neuguinea, beantworten.

Seit einigen Jahrzehnten steigt der Meeresspiegel unaufhaltsam – im Schnitt 3,3 mm im Jahr. Für flache Riffinseln wie die Malediven oder die Marshall-Inseln werden Zukunftsszenarien entworfen, die den Untergang der Inselstaaten und ihrer Kulturen heraufbeschwören. Inwieweit machen sich die Folgen des Meeresspiegelanstiegs bereits heute auf den Riffinseln bemerkbar? Diese Frage konnten Forscher des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) nun für das Takuu-Atoll, eine Inselgruppe im Pazifik nordöstlich von Papa-Neuguinea, beantworten. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden kürzlich im Fachjournal „Geomorphology“ publiziert.

Riffinseln gehören zu den Landformen, die am stärksten vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind. Für das Takuu-Atoll mit seiner mehr als tausend Jahre alten polynesischen Kultur prophezeien Forscher, dass die Inselgruppe schon innerhalb der nächsten Jahrzehnte nicht mehr bewohnbar sein werde. Die Regierung soll bereits Pläne vorbereitet haben, um die Bevölkerung des Atolls als sogenannte „Klimaflüchtlinge“ umzusiedeln. Die erschreckende Problematik war sogar das Thema einer preisgekrönten Dokumentation mit dem Titel „There Once Was An Island“ aus dem Jahr 2010.

Bisher gibt es jedoch nur wenige Studien zu den sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels auf Riffinseln. Anhand von Luftaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg und einem umfangreichen Datensatz an Satellitenbildern hat der ZMT-Geologe Dr. Thomas Mann jetzt erstmals die Veränderungen der Vegetationsfläche und Küstenlinie des Takuu-Atolls seit 1943 untersucht. „Die Ergebnisse haben uns sehr erstaunt“, berichtet der Geologe. „Obwohl der Anstieg des Meeresspiegels bereits vor rund 100 Jahren begann und seit den 1990er Jahren noch deutlich schneller verläuft, hat sich die Vegetationsfläche der Takuu-Inseln zwischen 1943 und 2012 insgesamt sogar um drei Prozent vergrößert“.

Zwar ist seit 2008 ein rückläufiger Trend zu verzeichnen. Der Flächenverlust verlief jedoch zu abrupt, um ihn auf den Meeresspiegelanstieg zurückführen zu können. Die Erosion setzte direkt nach einer Sturmflut ein, die weite Teile der Inselküsten abtrug und zum Schreckensszenario der untergehenden Inseln beitrug. „Nach solchen Klimaereignissen erholen sich die Inseln jedoch meist wieder, wenn auch nur sehr langsam. Unsere Daten zeigen, dass die Wiederherstellung der Inselfläche bereits wenige Jahre nach der Sturmflut begonnen hat“, so der Geologe.

Zum Bild des untergehenden Takuu-Atolls trugen auch Veränderungen der Strände bei. Allerdings nahm die Strandfläche wiederum nur bei einigen Inseln ab. Auf diesen wurden große Mengen an Strandsand von den Bewohnern abgetragen und für Warften verwendet, da es auf Takuu Brauch ist, die Häuser der Dorfältesten erhöht zu bauen. Außerdem hatten die Bewohner zum Schutz vor Sturmfluten auf der Hauptinsel Nukutoa einen Schutzwall gebaut. Statt sanft auf dem seicht abfallenden Ufer abzurollen, treffen nun die Wellen mit Wucht auf den Wall, wirbeln den Strandsand auf und reißen ihn mit sich zurück ins Meer.

„Unsere Daten lassen keine Rückschlüsse darauf zu, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels bei den Takuu-Inseln in den letzten 70 Jahren negativ bemerkbar gemacht hat“, fasst Thomas Mann seine Untersuchungen zusammen. Auch seien Koralleninseln dem Meeresspiegelanstieg nicht hilflos ausgeliefert. „Die Inseln sind gesäumt von lebenden Korallen, die sich sozusagen in einem Wettlauf mit dem Meeresspiegel befinden. Korallen können bis zu 20 cm pro Jahr in die Höhe wachsen, ganze Korallenriffe immerhin noch etwa 8 mm im Jahr, also durchaus schneller als der derzeitige Meeresspiegelanstieg.“

Allerdings kann ein Korallenriff nur dann mithalten, wenn es in gesundem Zustand ist und nicht durch Verschmutzung, erhöhte Wassertemperaturen oder zerstörerische Fischereimethoden beeinträchtigt wird. „Die Gesundheit der Korallenriffe ist also ein entscheidendes Kriterium für die zukünftige Stabilität von Atollinseln“, so Dr. Mann.

Publikation
Mann, T., Bayliss-Smith, T., Westphal, H. (2015). A Geomorphic Interpretation of Shoreline Change Rates on Reef Islands. Journal of Coastal Research. DOI: 10.2112/JCOASTRES-D-15-00093.1