Will die neue Chefredaktion beim Spiegel das Blatt wieder zum Öko-Kampfblatt zurückschrauben?

Das Wochenmagazin Spiegel bereitet Sorge. Klimatisch befindet sich das Blatt im vollen Rückwärtsgang. Klimalarm ist wieder Trumpf. Am 21. Februar 2015 erschien die Spiegel-Titelgeschichte “Der verheizte Planet”, in dem Klimaaktvisten wie Naomi Klein sowie Angehörige des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) für die Katastrophe werben. Die PIK-nahe Mercator-Stiftung freute sich und berichtete stolz.

Gemäßigte Teilnehmer der Klimadiskussion hingegen waren bestürzt. Wie konnte es zu dieser gefährlichen Kehrtwende kommen? Könnte es mit dem kürzlichen Wechsel des Chefredakteurs zusammenhängen? Im Januar 2015 übernahm Klaus Brinkbäumer die Printausgabe. Gleichzeitig wurde Florian Harms neuer Chefredakteur von Spiegel Online. Brinkbäumer äußerte sich in der Vergangenheit immer wieder besorgt über den Klimwandel. Hat er nun seine Chance gesehen und das Thema kraft seines neuen Amtes im Eiltempo auf die große Bühne gehoben?

Auch Fritz Vahrenholt ärgerte sich über die kurzsichtige Berichterstattung. Er schickte der Spiegelredaktion den folgenden Lesebrief, der in gekürzter Fassung auch gedruckt wurde. Im Folgenden die vollständige Version:

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Von: Fritz Vahrenholt
An: Spiegel

Gesendet: 25. Februar 2015

Betreff: Leserbrief zum Artikel “Der verheizte Planet” in Spiegel 9/2015

LESERBRIEF

Sehr geehrte Damen und Herren,

der „verheizte Planet“ ist ein äußerst mangelhaft recherchierter Artikel, der einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhält. Als Basis der Temperaturentwicklung werden die Jahre 1950 bis 1980 zugrunde gelegt, eine Zeit der Abkühlung. Der Spiegel titelte damals in 33/1974: Kommt eine neue Eiszeit? Die Zeit davor wird in der Grafik des Artikels abgeschnitten, es war  um 0,3 Grad wärmer – ein Hinweis auf die natürliche Zyklik, die im Artikel vollkommen ausgeblendet wird. So ist es auch nicht verwunderlich, dass unerwähnt bleibt, dass die globale Mitteltemperatur trotz stetig steigender CO2-Emissionen seit 16 Jahren nicht mehr signifikant zugenommen hat. Zahlreiche neuere wissenschaftliche Veröffentlichen legen nahe, dass mehr als 50% des Temperaturanstieges von 1975 bis 2000 natürliche Ursachen (solarer Einfluss, zyklische Meeresströmungen) hat.

Auch bei der Katastrophenbetrachtung wird nur die halbe Wahrheit berichtet. Der Anstieg der EM-Dat Datenbank von 1970 bis 2000 ist dem Umstand geschuldet, dass die Datenbank 1988 eingerichtet wurde. Dass die Zeit  vor 1970 im Spiegel abgeschnitten wurde, ist ebenso bedenklich, denn die Daten sind nahe Null, da es noch keine systematische Berichterstattung gab. Im Übrigen erfasst EM-Dat auch Erdbeben und Kältekatastrophen. Dass die Naturkatastrophen seit 2000 deutlich abnehmen, passt natürlich auch nicht ins Bild. Selbst der Weltklimarat schreibt in seinem letzten Bericht 2013 , dass es keine belastbaren Hinweise auf die Zunahme von Hurrikanen, Dürren, Hochwasser, Hagel und Stürmen gibt. Die Sahara breitet sich eben nicht aus, wie der Artikel ausführt, sondern die Sahelzone wird grüner, wie Satellitendaten zeigen. So etwas darf dem Spiegel eigentlich nicht passieren.

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt

Autor „ Die kalte Sonne- die Klimakatastrophe findet nicht statt“

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt

Alleinvorstand
der Deutschen Wildtier Stiftung
Hamburg

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Ulli Kulke analysiert die Spiegel-Wende in seinem Blog Donner + Doria wie folgt:

Spiegel: Zurück zum Öko-Kampfblatt

Will die neue Chefredaktion beim Spiegel das Blatt wieder zum Öko-Kampfblatt zurück schrauben? Werden die kritischen Ansätze, die in den letzten Jahren die immer haltlosere Weltuntergangsstimmung zumindest hinterfragten, jetzt hintangestellt? Der neue Titel „Der verheizte Planet“ scheint an die guten alten Zeiten der Apokalypse, die 80er Jahre, anknüpfen zu wollen, als der Spiegel uns zum Beispiel 1981 in einer dreiteiligen Serie den deutschen Wald als endgültig verloren verkaufte und genüsslich einen Kronzeugen nach dem anderen zitierte. O-Töne von damals: “Die ersten großen Wälder werden schon in den nächsten fünf Jahren sterben. Sie sind nicht mehr zu retten.“ “Die Tanne verabschiedet sich.” “Im Jahr 2020 dürfte aller physisch erreichbare Wald in den unterentwickelten Ländern abgeholzt sein.” Schlimm, alles schlimm.

Jetzt also: „Der verheizte Planet“, Klimawandel, was sonst? Nicht mehr nur der Wald verschwindet jetzt, sondern gleich unsere ganze Lebensgrundlage, der Planet. Wenn sich nichts mehr verkauft, Angst geht immer. Da wird zum einen ein Interview mit der Globalisierungskritikerin Naomi Klein schwer in Szene gesetzt. Ihrer Ansicht nach hätten die Menschen ja in den 80er Jahren erkannt, dass die Welt gemeinsam gegen den Klimawandel zu Felde ziehen müsse, aber dann passierte leider etwas Schlimmes: der Zusammenbruch des Ostblocks. Und damit waren alle Anstrengungen von vornherein zum Scheitern verurteilt, meint Klein – allen Ernstes. Die Sowjetunion, die ja bekanntlich wesensmäßig auf Elektrizität basiert, und dann die DDR mit ihrer Braunkohlewirtschaft, die polnischen Stahlhütten in Oberschlesien, garantiert filterfrei – was waren das alles noch für Hoffnungsträger in Sachen Nullemission und effiziente Klimapolitik. Die sind jetzt verschwunden, und jetzt muss man wieder ganz von vorn anfangen, den Kapitalismus zu überwinden, um den überhitzten Planeten zu retten. Die Spiegel-Redakteure wollen sich das zwar nicht ganz zu eigen machen, suggerieren mit ihren Fragen aber lediglich, dass die Reihenfolge vielleicht nicht die richtige sei: Wenn man erst das Gesellschaftssystem überwinden wolle, würde ja nichts daraus, halten da die Journalisten dagegen. Klimawandel hin, Alarmismus her – dass ganz im Gegensatz zur These von Klein die Luft nach dem Crash im Osten erheblich sauberer geworden ist, daran konnte sich offenbar keine Seite mehr erinnern in dem Gespräch. Ist ja auch lange her.

Weiterlesen auf Donner + Doria.

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Mittlerweile hat sich auch der ehemalige Direktor des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Lennart Bengtsson, zu Wort gemeldet und den Spiegel-Artikel in einem schwedischen Blogartikel heftig kritisiert. Pierre Gosselin berichtete am 4. März 2015 auf Notrickszone darüber:

Some criticism even came from rather hefty figures in the climate scene. For example Swedish professor Lennart Bengtsson, former IPCC climatologist and former head of the German Max Planck Institute for Meteorology in Hamburg. Bengtsson posted a commentary concerning the Spiegel doomsday piece at the Swedish Anthropocene site here. He calls the alarmist views of book author Naomi Klein, which Spiegel cited in its article: “not only wrong, but also hopelessly naïve.”

Bengtsson, who has gravitated from being a regular alarmist to a non-alarmist luke-warmer over the years, thinks that the growing emission of greenhouse gases is a problem over the long term, but that it is not an urgent problem. He writes there is no scientific basis showing the weather has become more extreme.

The storms are not worse than before, and they will be fewer in a warmer climate as a result of the polar regions warming up.”

On sea level Bengtsson writes that it is now rising at about 3 mm per year, but has not accelerated over the past 23 years. It makes no sense to rush and to make “hasty and inaccurate decisions“. He writes:

The reason for the increased emissions of carbon dioxide is the increasing earth‘s population and the desire of all the poor to live a life that is a little better and more hopeful, and perhaps someday even take a taxi at any time – surely among some of Naomi Klein’s environmental sins.”

Bengtsson calls the belief that a non-capitalist system can solve the earth’s energy and environmental problems “completely naïve” and uninformed, citing past failed experiments in socialism.

If anyone ought to be familiar with the costs needed to solve the problems left behind by communist East Germany, it is Spiegel. The Elbe River was a dead river at the time of the German reunification. Now, thanks to the capitalist system, it has returned to life.”

As an example of a successful approach to lower CO2, emissions, Bengtsson uses the United States: “In fact, one of the few countries that has significantly reduced CO2 emissions are the United States, through its growing gas exploration!

Bengtsson adds:

The only hope to solve the planet’s long-term environmental problems is via the open and free society, not least of all by a socialist dictatorship on a global scale. This at least Spiegel’s editors ought to know.”

 

Polizei in Neu Delhi sagt, ex-IPCC-Chef Pachauri behindere Ermittlungen gegen ihn

Putzige Geschichte am 24. Februar 2015 in den Stuttgarter Nachrichten von Annette Mohl:

Klimawandel im Land: Jetzt hilft nur noch Anpassung
Vielleicht bleibt er ja doch aus, der Klimawandel? Ein schöner Wunsch, aber nicht die Wirklichkeit. Vielmehr gibt es Belege dafür. Messdaten weisen eindeutig die Erderwärmung nach. Die Konsequenzen sind fatal. Das Land entwickelt deshalb eine gezielte Anpassungsstrategie für acht Bereiche.
Es hilft nicht, den Klimawandel wegzudiskutieren: Der UN-Weltklimarat weist ihn in seinem Sachstandsbericht eindeutig nach. Das bedeutet einerseits, dass die Emissionen weltweit und lokal gesenkt werden müssen. Dem nicht vermeidbaren Klimawandel aber müssen Strategien entgegengesetzt werden, damit es nicht zur Katastrophe kommt.

Plump und platt. Der Weltklimarat hat gesprochen. Kein Wort über den Unterschied von “Klimawandel” gegenüber “anthropogenem Klimawandel”.  Lesen wir weiter:

Das erste Jahrzehnt im neuen Jahrtausend war in Deutschland die wärmste Dekade seit mindestens 130 Jahren. In Baden-Württemberg hat die Jahresdurchschnittstemperatur um gut ein Grad Celsius zugenommen, weltweit dagegen nur um 0,7 Grad.

Kleine Auslassung: Vor tausend Jahren während der Mittelalterlichen Wärmeperiode war es schon einmal so warm wie heute. Weiter bei Frau Mohl:

Der Klimawandel ist in Baden-Württemberg in vollem Gange: Die Jahresmitteltemperatur stieg seit 1901 bis heute von rund acht Grad Celsius auf neun Grad an. Den größten Anstieg gab es dabei erst in den vergangenen 30 Jahren.

Wobei die Temperatur in den letzten 17 Jahren überhaupt nicht mehr angestiegen ist (-; Weiter bei Frau Mohl:

Die Höchstniederschläge haben im Winter bis zu 35 Prozent zugenommen, ebenso die Zahl der Hochwasserereignisse in den letzten 30 Jahren.

Allerdings ist im Verlauf der vergangenen 100 Jahre keine Steigerung der Hochwasserereignisse feststellbar. Und dann auch noch das hier: Neue begutachtete Studie in Nature Climate Change: Klimawandel lässt Hochwasser in Europa wohl in Zukunft seltener werden. Und das hier: Flutkatastrophen am bayerischen Ammersee vor allem während solarer Schwächephasen.

Genug gelesen. Frau Mohl, das war nix.

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Vancouverdesi.com machte sich am 10. März 2015 in einer Nachbetrachtung des kürzlichen Skandals zum Rücktritt von IPCC-Chef Pachauri Sorgen, dass dies auch die Glaubwürdigkeit des Weltklimarats als Organisation in Frage stellt:

Opinion: Sex charges cast a chill on climate cause
[...] This spectacular fall from grace is a public relations disaster for the green movement and for UN officials hoping to secure a new global warming treaty at the Paris climate summit this December. For the past 13 years, Pachauri has been the face of the IPCC, which describes itself as a “scientific body.” The fact that he has often behaved like an environmental activist rather than a disinterested scientist has long undermined the credibility of that organization. The manner of his departure on February 24 has only amplified these concerns. Pachauri’s resignation letter is a gloriously self-indulgent, two-page ode to himself. He talks about his “greatest joy” and “sublime satisfaction,” and says the IPCC “scaled new heights of excellence” under his leadership. But the coup de grâce was this declaration: “For me the protection of Planet Earth, the survival of all species and sustainability of our ecosystems is more than a mission. It is my religion and my dharma.”

Ganzen Artikel auf Vancouverdesi.com

Verfasst wurde der Artikel von der kanadischen Investigativ-Journalistin Donna Laframboise. In ihrem Blog brachte sie zehn Tage später am 21. März 2015 weitere brisante Details:

New Delhi police say the former IPCC chairman is violating his bail conditions by hampering their investigation and influencing witnesses
The crimes for which he is being investigated are so serious that, once a person is taken into police custody, bail is not an option. Last month, Pachauri’s aggressive legal team secured what is known as “anticipatory” or “interim” bail on his behalf – a measure that temporarily prevents his arrest. One of his bail conditions is that he not have contact with anyone at TERI. Another requires him to cooperate with the police. But police recently told a judge that Pachauri has been “influencing witnesses” and “hampering investigations.” According to the Economic Times, police say Pachauri is “creating documents” for his defence and [is] still in touch with Teri officials who “at the behest of Pachauri are not co-operating” with the police. [...] A hot-off-the-press article in India’s Business Standard reports that a prosecutor told the court that, when police interviewed one of Pachauri’s assistants, they discovered the assistant had visited Pachauri earlier and conferred with him about what to say. According to the prosecutor, “IT experts are not being allowed to enter TERI offices and even if allowed inside, no cooperation is extended to them and they are deliberately being made to wait.”

Ganzen Artikel im Blog von Donna Laframboise lesen.

 

Um Antwort wird gebeten: Weshalb lässt N24 die Küstenabsenkung in den Sundabarns unerwähnt und fokussiert stattdessen allein auf den Klimawandel?

An: Redaktion N24
Von: Sebastian Lüning

Gesendet: 26.3.2015

 

Sehr geehrte Redaktion,

Am 19.2.2015 brachten Sie auf http://www.n24.de/n24/Wissen/Mensch-Natur/d/6173506/dem-sundarbans-bleiben-noch-15-jahre.html einen Beitrag zu den Sundarbans. Sie berichten “Der Meeresspiegel steigt in der Region etwa doppelt so schnell wie im weltweiten Durchschnitt.” Allerdings versäumen Sie es in dem Beitrag den allerwichtigsten Faktor dieses erhöhten regionalen Meeresspiegelanstiegs zu nennen, nämlich die enorme Küstenabsenkung, die typisch für Deltagebiete ist. Weshalb erwähnen Sie diessen Effekt in Ihrem Beitrag nicht und fokussieren stattdessen allein auf den Klimawandel?
Wir wüden Ihre Antwort gerne in unserem Blog bekanntgeben. Siehe:

http://www.kaltesonne.de/flussdeltas-in-indien-und-bangladesch-saufen-ab-n24-lasst-kustenabsenkung-als-folge-der-sedimentverfestigung-als-wichtigsten-grund-unerwahnt/

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Lüning

Mojib Latif: Keine weitere Erwärmung bis 2020

Eine schon fast kuriose Schlagzeile produzierte Mojib Latif am 5. März 2015 auf wetter.de (via dpa):

Mojib Latif: Die Erderwärmung steigt rasant an

Haben wir da irgendetwas verpasst? Die unerwartete Erwärmungspause ist soeben in ihr 17. Jahr eingetreten und Latif berichtet von einem Hitzeinferno? Wie ist das gemeint? Dazu lesen wir ein Stückchen weiter:

Der Klimaforscher Mojib Latif vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung rechnet damit, dass sich die Erderwärmung in den kommenden Jahren beschleunigen wird. „Spätestens nach 2020 werden die Temperaturen wieder stark ansteigen“, sagte Latif dem Nachrichtenmagazin ‚Der Spiegel‘. „Dann wird es noch schneller wärmer werden auf dem Planeten, als wir es selbst in den Achtziger- und Neunzigerjahren erlebt haben.“

Achso. Die eigentlich wirklich interessante Nachricht ist also, dass es auch bis 2020 keine weitere Erwärmung geben wird. Das sind immerhin 5 Jahre. Der darauf folgende Temperaturanstieg ist nur eine Idee, kein gesichertes Wissen. Andere Forscher wie Judith Curry sagen, dass es bis Mitte der 2030er Jahre dauern kann, bis es mit der Erwärmung weiter geht. Eine viel bessere Schlagzeile wäre daher für die dpa-Meldung:

Mojib Latif: Keine weitere Erwärmung bis 2020

Knapp eine Woche später, am 10. März 2015, das selbe Theater in der Wirtschaftswoche Green:

US-Forscher zeigen in einer neuen Studie, dass sich der Klimawandel im Vergleich mit den vergangenen 1000 Jahren deutlich beschleunigt.

Verlinkt wird dabei auf eine englischsprachige Pressemitteilung auf EurekAlter:

The climate is starting to change faster
[...] An analysis of changes to the climate that occur over several decades suggests that these changes are happening faster than historical levels and are starting to speed up. The Earth is now entering a period of changing climate that will likely be faster than what’s occurred naturally over the last thousand years, according to a new paper in Nature Climate Change, committing people to live through and adapt to a warming world.

All diese Weisheiten basieren aber auf Computermodellierungen, die schon die aktuelle Erwärmungspause nicht haben kommen sehen. Nicht gerade sehr vertrauenserweckend. Die Behautptung der Forscher ist schon mutig: Schon bald soll sich das Klima schneller erwärmen als in den letzten 1000 Jahren. Nun ja. Heute ist es genauso warm wie vor 1000 Jahren, zur Zeit der Mittelalterlichen Wärmeperiode. Die Netto-Erwärmung über diesen langen Zeitraum ist also genau – Null! Und in den letzten anderthab Jahrzehnten ist die Erwärmung ebenfalls Null. Woher nehmen die Forscher bloß den Mut zu ihrer steilen These? Ist dies vielleicht die Voraussetzung für neue Forschungsgelder? Oder wäre es im aktuellen alarmistischen Denkmuster sogar noch mutiger, die nüchterne Wahrheit auszusprechen?

Die oben erwähnte Judith Curry besprach in ihrem Blog am 5. März 2015 zwei neue Papers zur Erwärmungspause. Eines davon stammt von Hockey-Stick-Erfinder Michael Mann. Wieder einmal wurde die Rolle der Ozeanzyklik unterschätzt. Curry schlussfolgert:

Brilliant to use climate models that don’t correctly simulate internal variability, particularly the PDO, to claim that the AMO and PDO aren’t correlated and not part of a stadium wave oscillation. /sarc   The stadium wave paper showed that it is  the lag that gives rise to maximum correlation between the AMO and PDO.  Steinman and Mann conclude that the linear detrending is likely to cause artificially high observed (lagged) correlations between the AMO and PDO  in the stadium wave.

So where does all this leave us?  Internal variability only partly explains the pause – how big that part is remains somewhat unclear, but there is growing evidence that it is the major cause of the pause.  The critical issues are how long will the pause last, inability of climate models to simulate a pause beyond 20 yrs with increasing CO2, and what will happen once the internal variability flips to a warming situation.

Is there a looming ‘warming spurt’ at the ‘end’ of the pause?  Maybe, but it depends on what is going on with the sun.  Many solar scientists expect a coming solar cooling.  How increasing CO2, solar cooling and internal variability will play out in terms of influencing the global climate over the next several decades is of central importance to our understanding of the climate system, which still has substantial uncertainties (no matter what the IPCC, EPA etc say).

Bottom line: The pause in global warming is NOT finally explained.

 

 

Klima-Zyklen IV: Die Milankovic-Zyklen. Über die Ursache der alle 100 000 Jahre aufgetretenen Warmzeiten

Von Dr. Dietrich E. Koelle

Das Klima der letzten 800 000 Jahre zeigt eine markante Charakteristik:  im Abstand von etwa 100 000 Jahren traten jeweils starke kurzzeitige Erwärmungsphasen auf (Bild 1). Die gegenwärtige  Warmzeit, die seit etwa 10 000 Jahren andauert, wird bekanntlich als Holozän bezeichnet, das die Würm-Kaltzeit des Pleistozäns ablöste. Tatsächlich aber befinden wir uns seit ca. 2,5 Millionen Jahren in einer langfristigen Eiszeit, die dem großen Klima-Zyklus von 150 bis 180 Millionen Jahren entspricht und entsprechend dem Verlauf der bisherigen Klimahistorie mindesten noch 50 bis 60 Millionen Jahre andauern dürfte (siehe Beitrag im Blog vom 1.1.2015). Umso interessanter ist die Frage, woher kommen diese kurzen Warmzeiten ? Sie dauerten in den letzten 350 000 Jahren immer nur 12 000 bis 14 000 Jahre, wenn man Temperaturen über 13°C zugrunde legt.

Bild 1: Die globale Temperaturhistorie der letzten 500 000 Jahre  nach den Daten der Eiskernbohrungen in Grönland und der Antarktis

 

Es handelt sich dabei nicht um einen normalen Klimazyklus, z.B. etwa verursacht durch die Änderung der Exzentrizität der Erdbahn um die Sonne, wie man es auch noch bei Wikipedia findet. Dazu ist die Änderung der Sonneneinstrahlung durch die Änderung der Orbit-Geometrie zu gering und vor allem erfolgt diese sehr langsam. Ein normaler Zyklus hat einen eher sinusförmigen Verlauf, nicht einen so steilen Anstieg und Anfall wie diese Warmphasen.

Interessant ist in diesem Fall auch der Zusammenhang zwischen Temperatur und CO2-Gehalt der Atmosphäre, wie er in Bild 2 als Ergebnis der Eiskernbohrungen vorliegt. Bei dem eiszeitlichen Temperaturniveau war der CO2-Gehalt jeweils auf nur noch 190 ppm zurückgegangen – das absolute Minimum, das der Vegetation gerade noch das Überleben erlaubte. Mit dem Temperaturanstieg folgte jeweils mit zeitlicher Verzögerung auch ein Anstieg des CO2-Niveaus, wie Bild 2 veranschaulicht. Es stieg damals vom eiszeitlichen Niveau von ca. 190 ppm auf ein Maximum von 290 ppm an, durch Ausgasung aus den wärmer werdenden Ozeanen.  Die Spitzentemperaturen lagen dabei deutlich über dem heutigen Niveau, was im Gegensatz zu der IPCC-Theorie steht. Deswegen ist diese Tatsache dort auch  äußerst unbeliebt. Das Diagramm in Bild 2 stellt eines der wichtigsten Forschungsergebnisse über das Klima der letzten 400 000 Jahre dar – aber man sucht es vergebens im einschlägigen Kapitel 5.3.4 des letzten IPCC-Berichtes. (weiterlesen …)

Kieler Professsorin behauptet: “Bei der momentanen Erderwärmung spielt die Sonne keine Rolle”. Kalte Sonne hakt nach.

Die Bildzeitung meldete am 25. März 2015 ein sensationelles Konferenzergebnis:

Keine Schuld am Klimawandel: Freispruch für die Sonne
Führende Wissenschaftler haben bei einer Konferenz von Sonnen- und Klimaexperten in Kiel unsere Sonne freigesprochen. Das eindeutige Urteil: Sie ist nicht schuld am aktuellen Klimawandel und der fortschreitenden Erderwärmung. [...] Prof. Katja Matthes, Meteorologin und Klimaforscherin am renommierten Kieler Geomar-Institut (Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung) zu BILD: „Sicher hat die Sonne langfristig einen Einfluss auf das Klima unserer Erde. Sie kann Eis- aber auch Warmzeiten beeinflussen, aber Fakt ist auch: Bei der momentanen Erderwärmung spielt sie keine Rolle.“ Dieses Ergebnis der jüngsten Forschungen widerlegt damit eindeutig Klimaskeptiker, die immer wieder versuchen, den Einfluss der Menschen auf die Erderwärmung herunterzuspielen, um dafür der Sonne die Schuld zu geben.

Früher ja, heute nicht. So richtig will das nicht einleuchten. Und welche Eis- und Warmzeiten sind gemeint? Die Kleine Eiszeit vor dreihundert Jahren und die Mittelalterliche Wärmeperiode (MWP) vor 1000 Jahren? Während der Kleinen Eiszeit war die Sonnenaktivität gering, während der MWP hoch. Momentan erleben wir eine Neuauflage der MWP mit ähnlich hohen Temperaturen. Und interessanterweise erreichte die Sonnenaktivität in den letzten Jahrzehnten Rekordwerte, wie sie im Laufe der letzten 10.000 Jahre nur selten ausgebildet waren. Mit welcher Methode hat Frau Matthes nun den Einfluss der Sonne auf die Klimaerwärmung im 20. Jahrhundert ausgeschlossen? Die Erklärung hierzu bleibt uns die Bildzeitung leider schuldig. Damit bleibt die Behauptung erst einmal nur eine unbelegte Idee.

Wir begeben uns auf Spurensuche. Zunächst schauen wir auf der Homepage des Geomar vorbei. Gibt es hier vielleicht eine Pressemitteilung mit einer näheren Erklärung? Leider nein (Stand 25.3.2015). Überhaupt gibt sich das Geomar zum Thema Sonne öffentlich eher einsilbig. Bereits am 18. März 2015 hakten wir beim Geomar wegen einer fragwürdigen Behauptung in der Ankündigung zum Kieler Sonnenkongress nach (siehe unseren Beitrag “Um Antwort wird gebeten: Weshalb behauptet das Geomar, Skeptiker würden die Sonne als alleinigen Klimatreiber ansehen?“). Leider gibt es auch eine Woche danach immer noch keine Antwort.

Wir haben Frau Matthes jetzt eine Email geschrieben. Vielleicht kann Sie Licht in das Dunkel zur Bildzeitungsgeschichte bringen:

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Von: Sebastian Lüning
An: Katja Matthes, Geomar

Gesendet: 25.3.2015
Antwort: Bislang unbeantwortet

 

Sehr geehrte Frau Matthes,

In der Bildzeitung vom 25.3.2015 werden Sie zitiert:

„Sicher hat die Sonne langfristig einen Einfluss auf das Klima unserer Erde. Sie kann Eis- aber auch Warmzeiten beeinflussen, aber Fakt ist auch: Bei der momentanen Erderwärmung spielt sie keine Rolle.“
http://www.bild.de/ratgeber/2015/klimawandel/sonne-ist-nicht-schuld-am-klimawandel-40260020.bild.html

Die historische Perspektive teile ich auf jeden Fall mit Ihnen. Eine große Anzahl an geologischen Studien hat den starken solaren Einfluss auf das Klima eindrucksvoll belegen können. Allerdings will mir nicht ganz einleuchten, weshalb der solare Einfluss nun plötzlich angeblich keine Rolle mehr für das Klima spielen soll. Was genau soll passiert sein, das die Sonne nun plötzlich unwirksam macht? Wie Sie wissen, erreichte die Sonnenaktivität in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Rekordwerte, wie sie nur selten in den letzten 10.000 Jahren aufgetreten sind. Dies fällt im Großen und Ganzen mit der bekannten starken Klimaerwärmung zusammen. Die heutigen Temperaturen bewegen sich etwa auf dem Niveau der Mittelalterlichen Wärmeperiode, als eine ähnlich hohe Sonnenaktivität herrschte. Abweichungen im Detail-Verlauf von Temperatur und Sonnenaktivität im 20. Jahrhundert können durchaus mit klimabeeinflussenden Ozeanzyklen (AMO, NAO, PDO) sowie der Trägheit des Klimasystems erklärt werden.

Meine Frage an Sie: Wie begründen Sie Ihre Aussage “Bei der momentanen Erderwärmung spielt [die Sonne] keine Rolle“? Im genannten Bildzeitungsartikel konnte ich leider keine Hinweise hierauf finden.

Mir geht es nicht darum, die Klimawirkung des CO2 abzustreiten. Im Gegenteil. Auch ich gehe von einer erwärmenden Wirkung des Kohlendioxids aus. Allerdings sollte die Sonne in der Klimagleichung des 20. Jahrhunderts nicht unnötig marginalisiert werden.

Wir würden Ihre Antwort gerne bei uns im Blog www.kaltesonne.de bekanntgeben.

Mit besten Grüßen

Sebastian Lüning

 

Um Antwort wird gebeten: Fastenkalender mit fragwürdigen Klimavisionen

An: Fastenopfer, Brot für alle, Partner sein
Von: Sebastian Lüning

Gesendet: 18.3.2015
Antwort: 24.3.2015 (siehe unten)

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit Interesse las ich Ihren Fastenkalender 2015.
http://www.sehen-und-handeln.ch/Media/01_texte/de/materialien/agenda/2015_fastenkalender_web.pdf

Zunächst freue ich mich sehr, dass Sie gegen Armut und Ungerechtigkeit in der Welt kämpfen. Ihre Stichworte „nachhaltige Waldnutzung“, „sicheres Einkommen“, „mehr Liebe statt Hass“, „gemeinsam gegen die Agrar-Barone“ unterstütze ich. Allerdings verstecken sich in Ihrem Kalender auch Aussagen zum Klimawandel, die aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar sind. Es handelt sich um folgende Passagen:

Pdf-Seite 11:
Wirbelstürme auf den Philippinen, vertrocknete Felder in Haiti, rutschende Berge in der Schweiz – die ganze Welt wird den Klimawandel zu spüren bekommen oder spürt ihn bereits. Am stärksten darunter leiden werden Entwicklungsländer, in denen die Bevölkerung schon heute ums Überleben kämpft. Gleichzeitig sind das diejenigen Menschen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben. Das ist ungerecht.

Pdf-Seite 12:
«Dieses Jahr blieb es während der Regenzeit zwei Monate trocken. Ich habe über die Hälfte meiner Maisernte verloren», berichtet Cristiano Patricio, ein Kleinbauer im brasilianischen Cerado. So wie ihm geht es vielen Menschen in südlichen Ländern, deren Leben von fruchtbarem Land, Wasser und vielfältigen Ackerpflanzen abhängt. Der Klimawandel bedroht ihre Existenzgrundlage.

 

Wirbelsturm Haijan (Philippinen)
Haiyan war einer der stärksten tropischen Wirbelstürme seit Beginn verlässlicher Wetteraufzeichnungen. Laut dem letzten Bericht des Uno-Klimarats gibt es jedoch keine erkennbaren Langzeittrends bei tropischen Zyklonen, also bei Hurrikanen und Taifunen. Eine globale Steigerung ist nicht zu erkennen. Auch die lokale Entwicklung lässt wenig Raum für Spekulationen. Ein Forscherteam um Kubota et al. veröffentlichte 2009 in den Geophysical Research Letters eine Taifunstatistik der Philippinen für die letzten 100 Jahre. Erneut das gleiche Bild: Kein Anstieg der Taifunaktivität trotz globaler Erwärmung in der gleichen Zeit um mehr als ein halbes Grad.
Siehe Gesamtdarstellung hier: http://www.kaltesonne.de/taifun/

Dürren auf Haiti
Dürren hat es in der Karibik immer schon gegeben. Ihre Häufigkeit ist natürlichen Schwankungen unterlegen. Ende September 2013 erschien im Journal of Quaternary Science eine neue derartige Studie zur Klimageschichte der Karibik. Michael Burn und Suzanne Palmer von der University of the West Indies analysierten darin Seensedimente der letzten 1000 Jahre und erstellten eine Übersicht über die Dürrehäufigkeit in der Region. Die Forscher entdeckten, dass sich die schlimmsten Dürren der Karibik während der Kleinen Eiszeit vor einigen hunderten von Jahren ereigneten. Burn und Palmer sehen dabei einen direkten Zusammenhang mit der geringen Sonnenaktivität, die damals herrschte. Eine schwache Sonne führt zu häufigeren Dürren in der Karibik.
http://www.kaltesonne.de/neue-studie-im-journal-of-quaternary-science-durren-in-der-karibik-haufen-sich-wahrend-solarer-schwachephasen/

Dürren in Zentralbrasilien
Auch Brasilien erlebte in der Vergangenheit bedeutende Dürrephasen. Eine langfristige Steigerung konnte die Wissenschaft nicht finden. Impulsgeber für die klimatischen Niederschlagsveränderungen scheinen solare Aktivitätsschwankungen zu sein. Siehe:
http://www.kaltesonne.de/solarer-210-jahres-zyklus-beeinflusste-das-klima-in-nordostbrasilien/
http://www.kaltesonne.de/starker-einfluss-von-sonnenaktivitatsschwankungen-und-el-nino-auf-temperaturen-und-regenmengen-in-sud-brasilien-wahren-der-letzten-100-jahre/

Die von Ihnen dargestellten Ereignisse spiegeln Extremwetter wieder, das es in der Vergangenheit stets gegeben hat. Eine aktuelle Steigerung jenseits der natürlichen Klimavariabilität ist nicht erkennbar. Meine Frage: Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage ordnen Sie diese Ereignisse als Folge des anthropogenen Klimawandels ein? An Zitaten entsprechender Facharbeiten oder wissenschaftlicher Zusammenfassungen wäre ich interessiert. Ihre Antwort würden wir gerne unseren Lesern im Blog „Die kalte Sonne“, www.kaltesonne.de mitteilen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. habil. Sebastian Lüning

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Von: Stefan Salzman, Fastenopfer
An: Sebastian Lüning

Gesendet: 24.3.2015

Sehr geehrter Herr Lüning!

Vielen Dank für ihre Anfrage und wir freuen uns, wenn sich die Leser unserer Materialien genauer mit dem Thema auseinandersetzen. Sehr interessant auch die Texte auf ihrer Webseite „Kaltesonne“. Antworten und Rückmeldungen zu ihren Fragen erlaube ich mir in Rot direkt unten in ihre Mail zu integrieren! Veröffentlichen sie gerne unsere Position auf ihrem Blog.

Freundliche Grüsse aus Luzern,

Stefan Salzmann

 

Zu den zitierten Passagen aus dem Kalender:
Diese Aussagen die Sie zitieren sind nicht Aussagen von Wissenschaftlern und wir wollen sie deshalb hier auch nicht wissenschaftlich begründen. Es sind Aussagen von KleinbäuerInnen die in den entsprechenden Ländern wohnen und in ihrem Alltag eine Veränderung der klimatischen Bedingungen feststellen – Regenperioden, die vorher immer im März begonnen haben, beginnen plötzlich im April. Sie sind nicht repräsentativ oder empirisch belegt im Sinne einer Wissenschaftlichen Untersuchung. Aus unserer Sicht bedeutet dies aber nicht, dass sie weniger wahr sind. Im Gegenteil: als Hilfswerke wollen wir auch Menschen eine Stimme geben, die nicht die Mittel haben, wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen. Dass sie betroffen sind von veränderten klimatischen Bedingungen (egal wer sie verursacht hat) ist aber lebensbedrohend für diese Menschen – das wissen wir, weil wir uns mit diesen Menschen vor Ort unterhalten und mit ihnen zusammenarbeiten.

Zum Extremwetter:
Dass die globale Durchschnittstemperatur ansteigt, ist wissenschaftlich mit fast maximaler Wahrscheinlichkeit belegt. Den IPCC-Bericht kennen sie wahrscheinlich besser als ich. Der globale Temperaturanstieg ist aber nicht linear (es gibt Schwankungen) und regional sehr unterschiedlich. Es häufen sich aber Ereignisse, welche durch die Schwankungen die statistischen Grenzwerte von „Hitzetagen“ oder „Niederschlagsmengen“ etc. öfters überschreiten als in Refernzperioden. Regional ist der Alpenraum stark betroffen. Hier haben wir aber die nötigen Mittel, uns anzupassen. Hierzu verweise ich auf eine Publikation des Schweizerischen Bundesamtes für Umwelt (http://www.bafu.admin.ch/dokumentation/umwelt/index.html?lang=de). In den letzten Jahren sind in der Schweiz mehr Hitzetage gemessen worden. Es häufen sich sowohl gemessene Niederschlagsrekorde wie auch Trockenperioden in den Jahren seit 2000 (immer im Vergleich zur gesamten Messperiode mit Daten bis zu 150 Jahren). Ich habe selber an einem solchen Projekt der ETH mitgearbeitet (zu Studienzeiten), welche solche Daten aufbereitet hat. Dabei nehmen die Tage / Monate mit Wetterextremen zu und sind auch spürbar. Während wir nicht merken, dass die jährliche Durchschnitttemperatur um 0.x Grad zunimmt, merken wir den Hitzesommer 2003, auf welchen bereits 2009 der nächste folgte. Die Zeitabstände solcher Ereignisse werden kürzer und die Gletscher schmelzen schneller.

Ein weiterer Aspekt extremer Wetterereignisse ist auch immer die Anzahl betroffener Menschen. So werden immer mehr arme Menschen (z.B. in den Philippinen) vom Land in die Städte getrieben (z.B. auf der Suche nach Arbeit). So sind mehr Menschen von Taifunen betroffen, selbst wenn die Häufigkeit konstant bleibt. Immer mehr Menschen sind also betroffen und dass den Küstenbewohnern in den Philippinen die Anpassung schwerer fällt als Alpenbewohnern in der Schweiz ist auch ohne wissenschaftliche Begründung als Fakt akzeptierbar in unseren Augen.

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Kommentierung der Antwort durch die Kalte-Sonne-Redaktion: (weiterlesen …)

Winter in Deutschland immer milder? Februar-Temperaturen sind während der vergangenen 28 Jahre immer weiter abgesackt

Am 14. März 2015 wandten wir uns im Rahmen unserer Serie “Um Antwort wird gebeten” an den Tagesspiegel aus Berlin. Die Zeitung hatte 2007 über angebliche Folgen des Klimwandels in der Mongolei berichtet. Neue Studien konnten nun jedoch zeigen, dass weniger der Klimawandel, sondern vielmehr Bergbau und Landwirtschaft zur Versteppung des Landes geführt haben. Wir fragten an, ob der Tagesspiegel über diese neue Erkenntnis berichten werde. Freundlicherweise antwortete uns die Redaktion zehn Tage später und ergänzte im angesprochenen Online-Artikel eine Anmerkung:

Anmerkung vom 23. März 2015: In einer aktuellen Studie im Fachblatt “PNAS” haben Forscher um Jingyun Fang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften die Ausbreitung der Steppe erneut begutachtet. Sie kommen zu einem anderen Schluss. Ihren Untersuchungen zufolge wurde der Wasserverlust – markiert durch den Schwund von Seen auf dem Mongolischen Plateau – vorrangig durch Bergbau und Landwirtschaft verursacht.

Den genauen Wortlaut des Antwortschreibens der Zeitung finden Sie hier. Wir danken dem Tagesspiegel für die Ergänzung. Vielleicht wäre dies sogar Thema für einen neuen, aktuellen Artikel?

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Am 9. März 2015 startete eine historische Flugmission, die angeblich ohne einen Tropfen Sprit die Welt umrunden soll. Die Welt meldete an jenem Tag:

Solar-Flieger zu historischer Mission aufgebrochen
“Solar Impluse 2″ soll in fünf Monaten 35.000 Kilometer zurücklegen – mit nur einem Piloten und ohne einen Tropfen Kerosin an Bord. Bei der Weltklimakonferenz in Paris wird Bilanz gezogen.

Weiterlesen in der Welt.

Kein Tropfen Kerosin? Naja, das Solarflugzeug selber benötigt in der Tat keinen Sprit, die Gesamtmission hingegen verschlingt gleich tonnenweise fossilen Treibstoff. Eine Riesen-Mogelpackung. Tatsächlich müssen nämlich der jeweilige Ersatz-Pilot, die mehrköpfige technische Boden-Crew und Tonnen von mechanischen und logistischen Material mit konventionellen Charterflugzeugen hinterher fliegen, um die Reise des Solarfliegers überhaupt zu ermöglichen, was ohne grosse Mengen fossiler Treibstoffe ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Dieser offenkundige Widerspruch wird freilich in den üblichen Berichten geflissentlich übersehen, und es ist schwierig hierfür Belege im Internet zu finden. Allerdings wurde dieser Schwachpunkt in einem Schweizer Radiobericht versehentlich ganz locker ausgeplaudert (siehe vorletzter Beitrag hier). Und auch auf der Homepage des Projekts findet man Belege hierfür, siehe z.B. die Vorstellung der Boden-Crew, die sich sicher nicht einfach “hinterher-Beamen” kann.

 

Siehe auch Beitrag auf notrickszone.com.

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In Deutschland wird es immer heißer und heißer. Unsere Kinder werden nicht mehr wissen, was Schnee ist. Schon bald können wir ganzjährig in kurzen Hosen herumstapfen. So oder so ähnlich erklären uns die Experten die Lage. Nur seltsam, dass in den seltensten Fällen Temperaturkurven gezeigt werden. Will man die Bevölkerung nicht mit langweiligen Graphiken überfordern?

Gerne helfen wir hier im Blog aus und füllen die Lücke. Josef Kowatsch hat sich die offiziellen Februar-Temperaturen für Deutschland vom Deutschen Wetterdienst (DWD) besorgt und in der folgenden Kurve geplottet (Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Entwicklung der Februar-Temperaturen in Deutschland während der vergangenen 28 Jahre. Daten: DWD. Graphik: J. Kowatsch.

 

Überraschenderweise ergibt sich trotz einiger Zappelei ein deutlicher Abkühlungstrend. Ganz langsam zum Mitschreiben: Der Februar ist in den letzten anderthalb Jahrzehnten in Deutschland im Mittel immer kälter geworden. Darüber liest man in der Presse recht wenig. In der  Sächsischen Zeitung konnten man am 22. März 2015 sogar das ganze Gegenteil erfahren. Beim Lesen der Schlagzeile ist es allerdings schwer, ein Schmunzeln zu unterdrücken:

Milder Winter – Landwirte befürchten Invasion der Feldmäuse
Der zweite milde Winter in Folge lässt die Gefahr einer Mäuseplage in Sachsen wachsen. „Es deutet sich schon an, dass wir mit Feldmäusen in diesem Jahr größere Probleme kriegen“, sagte Andreas Jahnel vom Landesbauernverband.

Ab und zu ein milder Winter, das muss drin sein. Das menschliche Gedächtnis ist vor allem auf den Nahbereich fokussiert. Schnell sind die klirrenden Winter der Vorjahre vergessen. Stefan Kämpfe und Josef Kowatsch haben in einem EIKE-Artikel die Entwicklung der Wintertemperaturen in Deutschland beschrieben (Abbildung 2). Auch hier ist in den letzten 28 Jahren eher eine Abkühlung zu erkennen. Von “immer milder” keine Spur: (weiterlesen …)

Flussdeltas in Indien und Bangladesch saufen ab: N24 lässt Küstenabsenkung als Folge der Sedimentverfestigung als wichtigsten Grund unerwähnt

Klimatische Endzeitstimmung am 19. Februar 2015 auf n24:

Klimawandel extrem: Dem Sundarbans bleiben noch 15 Jahre
Der Klimawandel bedroht die ganze Menschheit, doch einige sind davon ganz besonders betroffen. Im Sundarbans ist schon bald die Existenz von 13 Millionen Menschen bedroht. [...] Salzwasser hat den Flecken Land auf der indischen Insel Bali überschwemmt, auf dem Mondol einst Reis anbaute und Fischteiche bewirtschaftete – so wie seine Vorfahren seit rund 200 Jahren. Das Wasser hat ihnen alles andere genommen – und eines Tages wird es sich auch noch diese Hütte nehmen. “Jedes Jahr müssen wir ein bisschen weiter ins Landesinnere ziehen”, sagt er. Das indische Bali ist wesentlich kleiner als die indonesische Insel gleichen Namens. Mondol lebt in den Sundarbans, einer tiefgelegenen Deltaregion zwischen Indien und Bangladesch mit rund 200 Inseln und rund 13 Millionen Einwohnern. Die meisten hausen in ärmlichen Verhältnissen. Der Meeresspiegel steigt in der Region etwa doppelt so schnell wie im weltweiten Durchschnitt. Zehntausende sind bereits obdachlos geworden. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern könnte der größte Teil der Sundarbans in 15 bis 25 Jahren überflutet sein.

Deltagebiete sind dafür bekannt, dass sie durch die allmähliche Verfestigung ihrer Sedimente – die sogenannte Kompaktion – absinken. Diese Kleinigkeit hat n24 doch glatt ausgelassen. Dabei hatte Nature India zwei Jahre zuvor explizit am 30. April 2013 darauf hingewiesen, dass die Überflutung nicht allein durch den Klimawandel verursacht wird:

Seven years after the first report on the ‘vanishing islands’ of Sundarbans, Subhra Priyadarshini revisits the fragile delta in the Bay of Bengal to find that it is not just climate change that threatens the existence of this world heritage mangrove tiger-land spread across the Indo-Bangladesh border. [...] “In the last 25 years, the rate of relative sea level rise comes close to 8 mm/year, significantly higher than the rate of 3.14 mm/year in the previous decade,” he says. In a recent report he co-authored for the World Wide Fund for Nature (WWF)3, Hazra says besides global warming and the subsequent thermal expansion of water, the rather rapid subsidence of the Bengal delta (2-4 mm/year), compaction of silt and other local causes may be responsible for the exceptionally high rate of relative sea level rise in the Indian Sundarbans.

Die Wissenschaft hat das Absenkungsproblem bereits intensiv studiert, umso seltsamer, dass n24 kein Wort über die Ergebnisse verliert. So berichtete 2013 der Geologe Till Hanebuth über Ergebnisse aus dem Deltabereich Bangladeschs. Sein Team fand natürliche Absenkungsraten von mehr als 4 Millimeter pro Jahr. Diese Rate ist deutlich höher als der klimatisch-bedingte Meeresspiegelanstieg. In der Ergebnisbeschreibung des Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft heisst es:

Assessing the recent subsidence of the central coastal Delta of Bangladesh by dating submerged kilns The densely populated low lying Ganges‐Brahmaputra Delta is highly vulnerable to the global sea‐ level rise. In order to estimate the subsidence of the delta, we examined submerged salt‐producing kiln sites in the coastal Sundarbans. These kilns were built just above the previous winterly spring high‐tide level, but are currently located ~155 cm below the corresponding modern level. According to optically stimulated luminescence (OSL) dating, the kilns were ultimately fired ~300 years ago and salt production was terminated by a catastrophic event, which affected the kiln sites at different levels and locations. AMS‐14C ages of charcoal at the kiln’s base and associated mangrove stump ho‐ rizons support the OSL dates. Based on the elevations and the ages, the 300‐year‐average rate of sinking of the outer delta is 5.2 ± 1.2 mm/a, which includes 0.8 mm/a of eustatic sea‐level rise. Reasonably postulating that the sub‐ sidence rate will not change during the next few decades and accepting the estimates of current sea‐ level rise of 1.8–3.0 mm/a or 2.7–7.1 mm/a, a RSL rise of 6.4 ± 1.7 mm/a or 8.9 ± 3.3 mm/a, respectively, must be assumed along the Sundarbans coasts.

Ähnliche Absenkungsbeträge fanden übrigens auch bereits auch Stanley & Hait (2000).

 

Siehe auch unseren Blogbeitrag "Bangladesch und die Pazifikinseln wachsen trotz steigendem Meeresspiegel: Klimamodellierer benötigen dringend Nachhilfe in Geologie"

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Der langjährige Vorsitzende des Weltklimarats, Rajendra Pachauri, verursachte im Laufe seiner Amtszeit eine ganze Reihe von Skandalen und Skandälchen. Zuletzt musste er vorzeitig beim IPCC seinen Hut nehmen, da zwei Mitarbeiterinnen seines Instituts in Indien ihn der sexuellen Belästigung beschuldigten (siehe unseren Beitrag “Weltklimarat in der Krise: IPCC-Chef Pachauri tritt wegen Vorwurfs der sexuellen Belästigung zurück“). Nun wird ein neuer Leiter gesucht. Die schweizerische Pendlerzeitung 20 Minuten berichtete am 19. Februar 2015 über einen Kandidaten, der in der Vergangenheit in der Klimadiskussion keine besonders gute Figur gemacht hat. 20 Minuten schreibt:

Klimaforscher Thomas Stocker von der Uni Bern wurde vom Bundesrat als Präsident des Weltklimarates vorgeschlagen.

Im Interview wird Stocker dann auch zu seiner Stategie in der Klimadiskussion befragt:

20 min: Wie begegnen Sie Zweiflern des Klimawandels?
Stocker: Zweifel ist zwar immer die Quelle des wissenschaftlichen Fortschritts, aber Zweifel an belegten Fakten ist Ignoranz.

Genau dieser Faktendiskussion entzieht sich Stocker jedoch systematisch. Siehe unsere Blogbeiträge “IPCC-Berichts-Chef Thomas Stocker zeigt im Weltwoche-Interview unerklärliche Gedächtnislücken: Die Gesprächsanalyse” und “Führender IPCC-Wissenschaftler im Streitgespräch über die kalte Sonne: Thomas Stocker vs. Fritz Vahrenholt auf dem Berner Bundesplatz“. Kein guter Kandidat.

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Die kanadische Regierung hat genug von günen Aktivisten, die mihilfe von wilden Klimaalarmszenarien die wirtschaftliche Entwicklung des Landes behindern. Die Zeitung The Guardian berichtete jetzt über einen vertraulichen Regierungsbericht, der Maßnahmen gegen die Aktivisten für notwendig hält: (weiterlesen …)

KlimaKontroverse am 26.3.2015 in Hannover: Faktencheck zum Spiegeltitel “Der verheizte Planet”

Nächstes Treffen Do, 26. März, 19:30, Freizeitheim Linden, Hannover

Das Hauptthema des nächsten Treffens ist der Spiegeltitel “Der verheizte Planet“. Wir beginnen mit einem Faktencheck.

Außerdem:

* Macht Windkraft krank? – Dänemark unterbricht Ausbau der Windkraft.

* Zyklon Pam zerstört Vanuatu: Wer ist Schuld?

Beim letzten Mal sprachen wir über nachträgliche Datenveränderungen beim Klimainstitut GISS der NASA.

Dort können online die Temperaturdaten tausender Messstationen weltweit abgefragt werden. Angezeigt werden diese mittels eines Temperaturdiagramms.

Verschiedene Nutzer haben nun festgestellt, dass diese Temperaturdaten laufend verändert werden. Dabei dominiert ein Erwärmungseffekt, den es vorher nirgends gab. Beispielsweise wird die große arktische Erwärmung der 30er Jahre im 20. Jhdt. zum Verschwinden gebracht. Dadurch erscheinen heutige Temperaturen höher. So auch in Island, Reykjavik.

Mehr bei www.klimakontroverse.de/#26.03.2015

Haben Sie Fragen zum Klima oder der Energiewende? Wir antworten gerne.
Leichte Verständlichkeit und die offene Diskussion unterschiedlicher Ansichten stehen im Vordergrund und sollen ein Markenzeichen dieser Initiative sein.
Do, 26. März, 19:30, Freizeitheim Linden, Windheimstr. 4, 30451 Hannover
klimakontroverse.de
Kontakt: Achim Fahnenschild
info@KlimaKontroverse.de